Wachbleiben (1)

Ein Erlebnis, dass Kollegin Monika mir geschickt hat:

Kunde eben bei uns in der Apotheke …

Kunde: „Ich habe eine Frage.
Apothekerin: „Gerne, um was geht’s?“
Kunde: „Ich muss fahren 2000 km für Urlaub, es gibt Koffein.“
Apothekerin: „Ja, es gibt Coffein, aber wenn Sie 2000km fahren müssen, dann sollen Sie PAUSEN machen, Coffein hilft zwar kurzfristig, das Konzentrationsloch in das Sie fallen, wenn die Wirkung des Koffeins nachlässt ist sehr gross und die Gefahr, dass Sie einen Unfall machen wird grösser!“
Kunde: „Ich fahre mit meiner Familie und muss eben so weit fahren, meine Frau fährt nicht Auto.“
Apothekerin: „Wenn Sie sich verantwortungsvoll gegenüber Ihrer Familie verhalten und heil ankommen wollen: machen Sie ausreichend Pausen, alles andere ist gefährlich!“

Die Diskussion ging dann noch eine Weile. Ich denke, er hat es einfach nicht verstanden! Schlafentzug kann schlimmer sein als Alkohol … uns, die wir in der Apotheke arbeiten, ist das klar, dem Kunden mit Migrationshintergrund schien das ziemlich egal zu sein. 2000 km sind 20 Stunden, wenn die Verkehrswege so ausgebaut sind, wie in der Schweiz …

(was sie ja häufig nicht sind).

Das ist so: Koffein macht zwar kurzfristig wacher, aber das funktioniert wirklich nur kurze Zeit. Zur Übermüdung kommt dann nach Wirkungsverlust noch dazu: Überschätzung, Gereiztheit und die Leistung fällt auf ein noch niedrigeres Niveau als vorher. Das heisst: Koffein kann die Fahrtüchtigkeit tatsächlich auch einschränken!

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18 Antworten auf „Wachbleiben (1)

    1. Es ist insofern relevant, als wir hier einerseits ein Kommunikationsproblem haben (Sprach-/Verständnis-Schwierigkeit) und dass ihm wohl nichts anderes übrig bleibt als die 2000km mit dem Auto zurückzulegen. Das mit dem „egal sein“ ist wohl eher ein persönliches Problem.
      Man kann es mit der political correctness auch übertreiben.

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      1. Naja, ob er nun 2000 Kilometer fährt und Bio-Schweizer ist oder ob er 2000 Kilometer fährt und irgendwann mal eingewandert ist, ändert ja nicht viel an der Tatsache, dass er 2000 Kilometer fahren muss.

        Grade in einer Zeit in der in Deutschland wöchentlich 2 Flüchtlingsheime brennen, halte ich political correctness für wichtig.

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        1. Meiner Meinung nach ist es politisch viel korrekter, zu verstehen, dass diese Familie sich unterwegs keine Übernachtung leisten kann/wird. Deshalb wirklich auf Pausen bestehen. Und auf das „heil ankommen“. Deshalb fahren sie ja schließlich in die Heimat, vor allem um des Familienzusammenhaltes willen.

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  1. Also hier mal (m)eine Methode, mit dem Problem umzugehen. Schon bei Autostrecken weit unter 2000km macht meine kleine Familie meist unterwegs eine Übernachtungspause in einem Motel/Hotel am Wegesrand. Dies hat für uns mehrere Vorteile:
    1) Wir können später am Tag losfahren – sehr vorteilhaft für alle, die mit Frühaufstehen auf Kriegsfuss stehen.
    2) Bei Verzögerungen auf der Fahrt (Stau, Umleitungen usw.) brechen wir nicht in Hektik aus.
    3) Der Weg ist auch ein Ziel. Und kann auch schön sein.
    4) Wir kommen am Ziel nicht so wahnsinnig spät an, was mehr Zeit fürs Koffer-auspacken vorm ersten Schlafengehen vor (Urlaubs)Ort lässt.
    5) Obwohl meine Herzallerliebste des Autofahrens durchaus sehr gut fähig ist, möchte sie das im Urlaub meist nicht. Da ich persönlich sehr lange Autostrecken aber auch als „Arbeit“ empfinde, ist der Start in den Urlaub so auch für mich in dieser Hinsicht stressfreier.

    Der akute Nachteil ist natürlich, dass man einen Urlaubstag (mehr) für die Fahrt(en) einplanen muss bzw. die Zeit am „Urlaubsziel“ einkürzt.

    Übrigens, wer glaubt, 2000km in 20h (ohne Pause) runterreißen zu können, der sollte mal seine Durchschnittsgeschwindigkeit bei einer längeren Fahr händisch bzw. per Bordcomputer nachrechnen. Meist liegt die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit nicht über 60-80km/h – wegen Stau, Ortsdurchfahrten, Baustellen, Zoll etc. Bei (schon ziemlich guten) 80km/h Durchschnittsgeschwindigkeit wäre man dann schon 25 Stunden ohne Pause unterwegs. Hier rate ich ja dringend zum Einsatz von Windelhosen, um die Autopolster zu schonen – sonst explodieren irgendwann die Nieren… duck&cover

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      1. Ist aber aus „Ab die Post“ geklaut. [Der Patrizier Lord Vetinary sagt zu Feucht von Lippwick, dass er gehört hätte, das einem bei dem Versuch, ohne Pause von Ankh-Morporg nach Gennua, zu reiten die Nieren explodieren würden.] Scheibenwelthumor… ;-)

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          1. Leider muss ich sagen, „Ab die Post“ ist 5 Jahre später veröffentlicht worden als die entsprechende Simpsons-Folge. Schließlich war alles schon mal bei den Simpsons.

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  2. 4,5 Stunden Lenkzeit – 45 Min. Pause – 4,5 Stunden Lenkzeit – 11 Stunden Pause. Maximal mit allen Ausnahmen 4,5 std lenken – 45 min pausieren – 4,5 std lenken – 45 min pausieren – 1 std lenken – 9 std pausieren. .
    Gewisse Regeln, die offiziell nur für Berufskraftfahhrer gelten, sind für private Chauffeure deshalb nicht automatisch sinnlos; gerade, wenn die normalerweise unbeladene Familienkutsche mit Gepäck und Mischpoke bis unter’s Dach vollgestopft ist, und sich fährt wie ein IFA W50 mit zuwenig Luft in den Reifen…

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  3. Ich nehme an, dass die Person die Strecke selbst fahren will, weil sie denkt, dass die Reise so günstiger ist.

    Dann finde ich die Rechnung nicht ganz zuende gedacht.
    2000 km einfache Strecke sind mit dem Auto alleine an Benzinkosten etwa 210 Euro. Da er die Strecke auch noch zurück muss, sind wir bei 420 Euro. Nehmen wir noch Verschleiss dazu, sind wir irgendwo bei 500 bis 600 Euro. Dazu kommen noch Übernachtungskosten, die bei 2000 km verpflichtend sind.

    Für etwa 800 Euro bekommt man diese Strecke mit einer vierköpfigen Familie mit dem Flieger hin- und zurück – je nach Reiseziel und -zeit auch günstiger.

    Nachteil ist, dass man am Zielort kein eigenes KFZ hat. Dafür hat man dann aber auch keine Probleme und Kosten, wenn einem das – wahrscheinlich ältere – KFZ auf der Strecke liegen bleibt.

    Das gilt jetzt so nicht ultimativ. Aber bei so einer Strecke sollte man sich auch mal einen Flug oder die Bahn betrachten.

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    1. Du vergisst: er hat ja vor auf die Übernachtungskosten zu verzichten. Und dann weisst Du auch nicht, wie die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel in dem Land ist.

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      1. Du hast schon Recht. Ich habe deswegen auch extra dazugeschrieben, dass das jetzt nicht ultimativ gilt. Das muss man wirklich von Fall zu Fall mal durchrechnen.

        Wie meine Vorredner schon schreiben, finde auch ich es sehr ungeschickt, 2000 km am Stück zu fahren. Diese weite Strecke lässt sich mit dem Auto vernünftig nur an zwei vollen Tagen zu je 10 Stunden mit zusätzlichen Pausen fahren und nicht 20 Stunden am Stück. 20 Stunden Fahrt ohne Pausen erachte ich als völlig irrational. Auch 10 Stunden reine Fahrtzeit sind schon ein ordentliches Pensum für einen Tag.

        Monikas Post hat mich zu der Vermutung gebracht, dass es sich hier um eine in die Schweiz übersiedelte Familie handelt, die einen Besuch der Verwandtschaft in der Heimat durchführt. Falls das der Fall ist, kann man sich auch bei fehlendem ÖPNV evtl. durch ein Familienmitglied am Flughafen abholen lassen.

        Was die Kosten und die Tatsache angeht, dass man sich die Übernachtungskosten sparen will: Bei einer Strecke dieser Reichweite sehe ich – gerade im Urlaubsverkehr und noch spezieller bei einer Fahrt von 20 Stunden am Stück – eine größere Wahrscheinlichkeit, dass man einen Unfall baut. Selbst falls es sich hier nur um einen Auffahrunfall handelt, ist man da schnell mit 1000 Euro dabei. Dann verschiebt sich die Budgetfrage sowieso deutlich in Richtung Flug.

        Wenn man das alles mal berücksichtigt, sollte die Kostenfrage – komplett rational unter Berücksichtigung aller Kosten betrachtet – sehr oft Richtung Flug auspendeln.

        Nebenbei, gerade mal gecheckt: Mit einer Vorlaufzeit von 2 Monaten würde man von Basel aus EINE Person für etwa 180-200 Euro nach Kiew und wieder zurück bringen. Nach Bukarest kostet der günstigste Flug sogar nur 55 Euro hin und zurück. Alles außerhalb der Hauptreisezeit. Bei letzterem wäre sogar noch die Buchung eines Mietwagens überlegenswert (das wäre dann immer noch günstiger als die Spritkosten).

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  4. Hach, wie vermisse ich die Zeit, als ich genau zu gross wurde, um mich auf der Rückbank unseres alten Volvos quer bequem hinzulegen.. Nicht.
    Bei 35 grad in der Sonne im Ferienverkehr mit Sack und pack richtung Grosseltern blochen (zu deutsch in höllen Tempo fahren). Mein Onkel ogs damals durvh und fuhr die Etape immer alleine runter, da Übernachten in Frankreich viel zu teuer war. Meine Eltern haben es irgendwann zum Glück gemerkt, dass ein halber Tag mehr vorher und nachher so ein Luxus beim Reisen bedeutete, dass wir nun alle Hotels auf der Strecke Zürich – Valencia kennen.
    Meine Mama war froh, als ich mit 18 den Führerschein in der Tasche hatte auch Mal eine Stunde oder zwei fuhr. Mit 3 Fahrern deutlich entspannter, doch als „Anfänger“ (ein-zwei Jahre Praxis) zwischen den LKWs mit 150 auf der französischen Autobahn war dann doch anstrengender als in Zürich durch den Gubrist zu stehen..

    Der Luxus vor Ort mit eigenem Auto war aber doch einiges günstiger, als die Reise jeweils per Flugi und Leihwagen anzutreten (keine Verwandten, die jemanden holen konnten).

    Wenn es sich garnicht vermeiden lässt: frische Luft und regelmässig Pausen und Bewegung. Und nicht in den Mittagsstunden bei affiger Hitze fahren (Wer es sich gewohnt ist, soll am besten Nachts durchfahren. Wer nicht, soll es bitte bleiben lassen!)

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  5. Koffein ist einfach das falsche Mittel. Ich schwöre auf Pervitin (aka Panzerschokolade), die Wirkung sollte die von Koffein deutlich überschreitund und die kurzfristigen Ausfallserscheinungen sollten geringer sein.

    (link: )

    Spass beiseite.

    20 Stunden durchfahren geht natürlich nicht. Ein Unfall (Sekundenschlaf) wird zumindest billigend in Kauf genommen. Wenn das Budget einer grösseren Familie (Reisegruppe) nicht ausreicht, um auf Bus, Bahn oder Flugzeug auszuweichen, kann man Übernachtungen (notfalls Campen für 1 Nacht) einplanen.

    Ich warte schon lange auf die selbstfahrenden Autos; in der Stadt ist Fahren immer stressig, auf der Autobahn entweder fad oder gefährlich. Paar Kilometer sind ok, da ich etwa einmal im Jahr meine Eltern besuche (900 km), glaube ich allerdings, längere Fahrten einschätzen zu können – es geht an die Substanz.

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