Unten am Rücken

Die Pharmaassistentin schickt mich ins Beratungszimmer, weil ich mir die Wunde eines älteren Patienten auf dessen Rücken anschauen soll. Bisher sei er ins Spital gegangen das verbinden zu lassen, ob wir das nicht auch gelegentlich machen können?

Hmmm – wir sind nicht die Spitex und auch wenn ich manche Erstversorgung gratis mache – wenn wir das regelmässig machen sollen, muss ich dafür etwas verlangen.

Und dann muss ich erst mal schauen, ob das überhaupt etwas ist, das ich hier machen kann. So chronische Wunden sind oft komplizierter und brauchen etwas mehr.

Ich gehe in den Beratungsraum, wo der Patient wartet. Er ist ein freundlicher älterer Herr, bisher nicht wirklich aufgefallen in der Apotheke.

Pharmama: „Wo ist die Wunde?“

älterer Patient: „Unten am Rücken.“

Er dreht sich um und fängt an seine Hosen vorne aufzumachen um sie … dann hinten herunterzuziehen?

Pharmama:.„Ah – Moment! WIE weit unten?“ Bremse ich ihn.

älterer Patient: „Ja, so – am Ausgang.“

Pharmama: „Am Ausgang? Sie meinen am After? Zwischen den Pobacken?“

älterer Patient: „Ja.“

Pharmama: „Ah – da kann ich nichts machen. Das ist wirklich etwas, was sie von einer Krankenschwester wechseln lassen sollten. Das ist teils Schleimhaut und der Ort … das ist nicht so einfach zu verbinden. Tut mir leid.“

Er ist wirklich enttäuscht, versteht es aber.

Und ich muss ein Wort mit der Pharmaassistentin reden, damit sie das nächste Mal vorher etwas genauer fragt WO.

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13 Antworten auf „Unten am Rücken

      1. Wenn ein Patient in Deutschland das auch nur versuchen würde, würde er wohl mehr als nur direkt darauf hingewiesen, dass dafür Krankenhäuser / Ärzte da sind.

        Zudem würde ich nie auf die Idee kommen, mir eine medizinische Behandlung in einer Apotheke verpassen lassen zu wollen.

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        1. Würde er nicht. Apotheken machen auch hier Kleinkram. Nur weil du das nicht machen würdest, heißt das ja nicht, das sonst keiner auf die Idee käme. Abgesehen davon ist das ja in der Schweiz passiert und pharmama sagte ja schon mehrfach, dass sie kleine Versorgungen übernimmt.

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  1. Ich finde es immer schon spaßig, wenn irgendwer wieder einmal einen „modernen Wundverband“ bei mir käuflich erwerben will. Das stellt sich dann meist so dar:

    Patient: Ich hätte gerne so ein Pflaster. zeigt eine Tüte mit Beschriftung „Urgocell“
    Ich: Davon abgesehen, dass ich nicht genau weiß, welche Sorte das ist, gibt es die nur zu jeweils 5 oder 10 Stück.
    Patient: Na dann nehmen Sie mir ebend eines raus.
    Ich: So eine Packung kostet aber um die ca. 100€ (je nach Sorte mehr oder weniger), und wem soll ich bitte die angerissene Packung verkaufen? Mal davon abgesehen, dass ich genau diese Sorte wahrscheinlich nicht vorrätig habe, und ungerne die falschen bestellen würde…
    Patient: Sind Sie nicht bei Trost? Ich will so ein Pflaster, und zwar EINES, und nicht die Apotheke kaufen! Das letzte mal habe ich auch bloß 10€ bezahlt!
    Ich: Zum Apotheke kaufen dürften 100€ nicht ausreichen. Allein das Insulin in meinem Kühschrank ist meherer Tausend € Wert…
    Patient: Hmpf!
    Ich: Ich kann ihnen ganz normale sterile Pflaster verkaufen, zu einem annehmbaren Preis. Oder Sie lassen sich die da wieder von Ihrem Arzt verschreiben, so wie beim letzten Mal, dann zahlen Sie da auch bloß 10€ dazu.
    Patient: Hmpfff!
    Ich: Gerne. Bis dann.

    Passiert mir öfter, als man denken sollte. Was so moderne Wundmanagement-Pflaster kosten, ist den wenigsten Patienten bewußt. Dass zur richtigen Anwendung dann auch nicht bloß Altes ab, Neues drauf gehört, auch nicht.

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    1. Das hört sich genau so an wie bei uns. … ausser das mit der Zuzahlung (die bei uns wohl der Selbstbehalt ist und von der KK dem Patienten direkt in Rechnung gestellt wird). „Was soll ich mit …X Pflastern? Ich brauch nur eins oder zwei!“
      Ich kann ihnen die nur in ganzen Packungen bestellen und abgeben … die brauche ich sonst nie mehr…
      „Dann frage ich bei (der Spitex/dem Arzt/im Spital) nach, wo ich das hier bekommen habe!“
      Tun sie das.

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      1. Meist fehlt aber auch die Aufklärung des Patienten bzw. Die allgemeine Info, was die Sachen kosten. Im Praktikum holte ich mir mal eine kleine Schnittverletzung, jemand von der Pflege klebte mir ein Comfeel auf und ich konnte weiter Arbeiten. Abends wollte ich mir die in der Apotheke holen, weil sie super waren.. Der Preis haute mich beinahe hinten raus. Was das für Hightech ist, wusst ich damals noch nicht. Das normale Hansaplast half mir dann auch, doch seither hab ich einen heiden Respekt vor Spitalmaterial. Kaum jemand von uns weiss genau, was wir da genau verschreiben, wir tun es einfach, weil es gut funktioniert! Auf der Gefässchirurgie schmöckerte ich zufällig mal durch die Liste „unserer“ Verbandsmaterialien (eine super liebe Pflegefachfrau hatte dies ml für uns studierte Pfosten zusammengestellt wie ein einfaches Kochrezept :-) ) und erschrak erneut über die Preise von den möglichen Kombinationen.. Und die Vac-Verbände erst ;-)

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        1. Die unterschiedlichen Firmen, S&N, Urg., Hartm., Colopl., Covid., etc. stellen sicher gerne Sortimentskataloge zur Verfügung. Denen liegt – oft als extra Blättchen, welches vom Sekretariat dann gerne rausgenommen wird – auch eine Preisliste bei, zumindest auf jeden Fall auf Nachfrage, mit den Einkaufspreisen (ohne Märchensteuer) und oft auch den empfohlenen (also von der Firma angestrebten) Verkaufspreisen (mit Märchensteuer).

          Da kann man dann mal drin blättern und sich erfreuen am sich wundern… :D

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        2. ich wollte mir mal in der apo steristrips (zum „zusammenkleben“ von wunden) holen.
          ich weiß nicht mehr wie viel die kostet haben, aber as war bestimmt >1 euro/Stück…

          Ich war dann ganz illegal und hab mir ein paar von der Arbeit gemoppst^^

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        1. Der Witz daran ist, dass diese therapeutischen (!) Wundverbände sehr eng an das aktuelle Wund-Problem ausgerichtet sind. Und da schließe ich jetzt alle Probleme von „Necrosen“ über „diabetische Wundheilungsstörungen“ bis „Besiedlung mit Aeromonas hydrophila“ ein. Später nochmals „genau das selbe Wundproblem“ zu haben halte ich für sehr begrenzt wahrscheinlich.

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      2. Ich weiß nicht wie das in der Schweiz ist, aber ich weiß, dass es hier möglich ist z.B. nur ein Blister aus einer Packungen zu bekommen.
        Bei mir wurde das mit einem Neuroleptikum gemacht, was es nur im Hunderterpack gibt, die Psychiaterin mir aber nur 10 Tabletten verschrieben hatte (ich durfte nicht mehr zu Hause haben, wegen Su***dgefahr).
        Ich weiß aber nicht, wie es bei nicht verschriebenen Medis ist…

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