Ramadan und Medikationsprobleme (Rerun)

Ramadan ist der 9. Monat des islamischen Mondkalenders. Weil der Mondkalender 10 Tage kürzer ist als der Gregorianische Kalender ist Ramadan jedes Jahr 10 Tage früher. Jetzt und in den nächsten Jahren fällt Ramadan direkt in den Sommer in der nördlichen Hemisphäre. 2011 war der erste August der Beginn, dieses Jahr (2015) fängt er am 18. Juni an. Gläubige Muslime sollen während dem Ramadan fasten. Das bedeutet in dem Fall, dass sie zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken dürfen. Fällt Ramadan in den Sommer bedeutet das auch, dass man länger fasten muss – zwischen 16-20 Stunden, weil wir länger Tageslicht haben. Nach Sonnenuntergang wird dafür um so mehr gegessen und dann auch wieder vor Sonnenaufgang. Der Tagesrhythmus wird also praktisch umgekehrt und statt 3 Hauptmahlzeiten gibt es nur noch 2. Fasten bedeutet: Kein Essen, kein Trinken, keine oralen Medikamente und keine Injektionen von Flüssigkeiten mit Nährwert. Das Fasten ist obligatorisch für alle Muslime – ausgenommen sind:

  • Kinder vor der Pubertät
  • Ältere Menschen
  • Chronisch Kranke oder solche, die regelmässig Medikamente nehmen müssen

Zeitweilig ausgeschlossen vom Fasten müssen sind auch:

  • Schwangere und Stillende – wenn das Fasten einen negativen Einfluss auf Mutter und Kind hat
  • Solche, die lange Distanzen reisen müssen
  • Menstruierende Frauen
  • diese sollten dann aber das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Obwohl Kranke und solche mit Dauermedikation eigentlich ausgeschlossen sind, gibt es unter diesen welche die das Fasten trotzdem durchführen möchten und deshalb nicht mehr ihren Medikationsplan einhalten – was zu therapeutischem Versagen führen kann.  hat eine Untersuchung zu dem Thema gemacht um zu sehen, was für einen Einfluss der Ramadan auf das Folgen des Therapieplans hat. Sie fanden, dass von 81 Muslimischen Patienten 42% ihrem normalen Medikationsplan treu blieben, 58% wechselten ihr Einnahmeschema. Unter der 2. Gruppe stoppten 35 Patienten ihre Behandlung ganz, 8 änderten das Einnahmeschema und 4 nahmen alle ihre täglich einzunehmenden Medikamente abends aufs Mal ein. Als Apotheker sollte man im Kopf behalten, dass es teilweise alternative Dosierungen oder Dosierungsschemen gibt – und Ärzte und Patienten entsprechen instruieren. Es gibt Anwendungsformen die mit dem Fasten kompatibel sind. Ein das 2007 in Morokko abgehalten wurde wollte da Klarheit schaffen. Die Teilnehmenden waren Muslimische Juristen, Religionsexperten, Ärzte und Pharmakologen. (Recommendations of the 9th Fiqh-Medical seminar “An Islamic View of Certain Contemporary Medical Issues,” Casablanca, Morocco, 14-17 June 1997) Diese waren damit einverstanden, dass die folgenden Anwendungsformen/-wege das Fasten nicht beeinflussen:
  • Augen und Ohrentropfen
  • Alle Substanzen, die in den Körper via Haut aufgenommen werden, wie Cremen, Salben und medizinische Pflaster
  • Formen, die vaginal angewendet werden: Ovula, Vaginaltabletten, Vaginale Waschungen
  • Injektionen durch die Haut, in Muskel, Gelenke oder Venen – mit der Ausnahmen von intravenöser Ernährung.
  • Sauerstoff und Gase zur Anästhesie
  • Nitroglycerin Tabletten oder –Sprays, die unter die Zunge gegeben werden für die Behandlung von Angina pectoris
  • Mundspülungen, Mundsprays – vorausgesetzt sie werden nicht geschluckt.

Eine Mehrheit der Teilnehmer des Meetings fügten dem noch hinzu:

  • Nasentropfen, Nasensprays und Inhalationen
  • Klistiere
  • Operationen, die Allgemeinanästhesie benötigen, wenn der Patient sich entschieden hat zu fasten

Manche Dosierungschemen müssen während dem Ramadan geändert werden weil die Medikamente nur während Sonnenauf- und Untergang genommen werden können. Einige Vorschläge wären:

  • wenn Antibiotika 3 bis 4 mal täglich verschrieben werden, sollte eine Alternative gesucht werden, die 1x oder 2x täglich genommen werden kann.
  • Wo möglich nimmt man Medikamente die sowieso nur ein- oder 2 x täglich genommen werden müssen – oder entsprechende langwirksame Formen
  • Diuretika: die Dosis muss erniedrigt werden um Dehydration vorzubeugen

Leute mit Diabetes die Fasten haben eine höhere Chance auf Nebenwirkungen und die Risiken steigen mit längeren Fastenperioden. Laut in Muslimischen Ländern zeigte sich, dass 43% der Patienten mit Typ1 Diabetes und 79% mit Typ2 Diabetes während dem Ramadan fasten. Diabetiker deren Diabetes unter Kontrolle ist, sollten dazu angehalten werden, während den Zeiten, wo das Essen erlaubt ist, das auch ausgiebig zu tun.

  • Die Diabetes Patienten, die kein Insulin brauchen, sollten mit ihrem Arzt Rücksprache nehmen vor dem Fasten – aber wenn sie fasten, sollten sie ihren Blutzucker regelmässig kontrollieren und das Fasten brechen, wenn die Blutzuckerwerte zu niedrig fallen.
  • Die Diabetes Patienten, die Insulin brauchen, sind angewiesen nicht zu fasten – aber auch sie sollten Rücksprache mit dem Arzt nehmen und ihren Blutzucker kontrollieren.

Für Fachpersonen findet sich darüber hier sehr gute Info: Tägliche Variation in der Pharmakokinetic und Pharmakodynamic von Medikamenten: Die Wirksamkeit und Toxizität mancher Medikamente kann über den Tag variieren abhängig von der Zeit der Administration in Relation zum Tagesrhythmus der Biochemischen Prozesse und dem Verhalten (Circadianer Rhythmus). Es ist darum wichtig auch die Tageszeit während der ein Medikament angewendet wird im Auge zu behalten –wegen dem Effekt auf Wirkung und Nebenwirkungen.

Ausgesuchte Medikamente mit täglicher Variation:

  • Propranolol:  Morgens schneller resorbiert als nachts/abends.
  • Nifedipin: Pharmakokinetik der sofort freigesetzten (aber nicht der retardierten) Form ändert mit der Tageszeit. Sofort freigesetztes hat eine höhere Maximalkonzentration und eine kürzere Zeit bis zur Erreichung desselben, wenn man es am Morgen nimmt – im gegensatz zur Abend-einnahme. Und Abends war die Bioverfügbarkeit um 40% reduziert.
  • Digoxin: Zeit bis zum erreichen der maximalen Plasmakonzentration war morgens signifikant kürzer als abends.
  • Diltiazem: Diltiazem HCl Retard Tabletten abends hatten eine grössere Bioverfügbarkeit als die morgendliche Anwendung.
  • Theophyllin: Einnahme einer retardierten Formulierung um 3 Uhr Nachmittags gibt therapeutische Wirkstoffkonzentration während der Nacht und verhindert toxische Konzentrationen während dem Tag.
  • Inhalierte Steroide: Optimale Einmaldosierung inhalierter Steroide ist zwischen 15 und 17 Uhr 30 …

Zusammenfassend: Ärzte und Apotheker sollten sich bewusst sein, dass hier therapeutische Probleme auftreten können. Als Apotheker sind wir in einer guten Position unsere Patienten darin zu beraten, wie sie ihre Medikation während dem Ramadan handhaben sollen.

Besten Dank an meine Quelle: – übersetzt und adaptiert von pharmama (Original am 4.8.2011 veröffentlicht)

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48 Antworten auf „Ramadan und Medikationsprobleme (Rerun)

  1. Wieder mal ein sehr interessanter Artikel, der uns Nicht-Muslime einen guten Eindruck gibt, was eigentlich Ramadan in allen Konsequenzen bedeutet.
    zu:
    „Schwangere und Stillende – wenn das Fasten einen negativen Einfluss auf Mutter und Kind hat“
    hätte ich aber eine Frage: bei welchen dieser Frauen (und Kinder) hat eine nicht ausreichende Flüssigkeitsaufnahme – insbesondere im Sommer – keinen negativen Einfluss und wer stellt hier die Diagnose? Genügt das die Aussage eines (nicht muslimischen) Arztes (m/w). Vielleicht gibt’s ja jemanden in Deiner Leserschaft, der das beantworten kann.

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    1. Ich denke, wenn die Mutter nachts genug trinkt und sich tagsüber nicht grad an der heissen Sonne bewegt ist das schon machbar.
      Aber sie riskiert eine verminderung der Milch, wenn sie nicht trinken kann, wann sie Durst hat.
      Aber eine Antwort auf deine Frage habe ich nicht. Irgendwer?

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    2. In einem Forum las ich diese Woche von einer muslimischen Schwangeren. Für sie ist es die 4. Schwangerschaft und sie fastet. Diese Entscheidung trifft sie nach eigenem Ermessen, wichtig ist laut ihrer Aussage dass man eben abends und nachts genug isst und trinkt. Vor allem reichhaltig. Sie hat bisher in jeder Schwangerschaft und Stillzeit gefastet und es war nie ein Problem für sie. Natürlich fällt es ihr schwer so wie wohl jedem der fastet aber auf die Gesundheit hat es für sie keine Auswirkungen solange sie bei Sonnenuntergang ordentlich nachholt und vorarbeitet für den Tag.

      Aber ich denke, sowas muss jeder selbst für sich entscheiden, das kann nicht anhand eines Beispiels pauschalisiert werden. Bei mir hätte es nicht funktioniert denn wenn ich in der Schwangerschaft mal 3 Stunden am Stück nix gegessen oder getrunken habe, ging der Kreislauf rapide runter und in der Stillzeit war deutlicher Einfluss auf die Milchmenge zu merken wenn ich nicht genug trank.

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    3. Guten Morgen,

      die schwangeren Frauen sind grundsätzlich befreit. Die Entscheidung liegt aber bei ihnen selbst, ob sie fasten oder nicht.

      Richtig ist, die menstruierenden Frauen sind befreit. Sobald Menstruation beendet ist, sollte das Fasten wieder fortgesetzt werden(Schiiten).

      Eigentlich ist das Fasten für die Reinigung des Körpers und der Seele gedacht. Meditation und Zurückhaltung in allen Belagen sollten im Vordergrund stehen, aber die Mullahs/Muftis haben diese Fakten durch die Geschichte instrumentalisiert und für eigene Zwecke missbraucht.
      Irgendwo kommt mir diese Vorgehensweise bekannt vor :-)

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  2. Nichts zu trinken ist doch nie gut? Verstehe nicht warum man nicht Wasser zu sich nehmen darf.

    Allgemein, verstehe ich bei keiner Religion den Sinn dahinter, wenn sie beginnt einen einzuschränken. Und wenn sie einem Ggf noch gesundheitliche Probleme macht – ne Danke.

    Ich weiß, als Mensch der aktiv seine Religion lebt, sieht man das anders. Respektiere ich auch. Verstehen tue ich es halt nicht ganz :)

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    1. Fasten ist an sich gar nichts schlechtes – es existieren auch Studien über die gesundheitlichen Aspekte des Fastens die das ziemlich gut aussehen lassen. Und wenn man nachts genug trinkt, sollte das auch nicht so schlimm sein.
      Anstrengend ist das schon, aber … das ist auch ganz gewollt so und macht einem seinen Körper wieder bewusster.

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      1. Fasten an sich – einige Tage nichts essen – okay. Aber was ist der gesundheitliche Nutzen von: Ca. 16 Stunden lang nichts essen und nichts trinken, um anschließend bis zum Erbrechen alles in sich reinzustopfen was geht – und das so 28 Tage lang?

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        1. Das weiß ich nicht, aber darum geht es doch auch nicht? Wer stopft schon „alles“ „bis zum Erbrechen“ in sich rein…

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          1. So siehts wärend des Ramadan aber teilweise aus. Tagsüber totale Abstinenz und Abends Fressgelage.
            Wer es nicht ganz so ernst nimmt baut die große Familientafel in der Tiefgarage auf – dort ist die die Sonne früher „unter“ und das Mahl kann zeitiger beginnen.

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        2. Der Blutzucker schwankt nicht so heftig bei Leuten, die während dem grössten Teil des Tages fasten. Ebenso sind die Cholesterinwerte besser während dem Ramadan.

          Ich finde es übrigens auch eine Wohltat, einmal täglich in eine grosse Mahlzeit reinzuhauen (z.B. Brötchen + Banane morgens, Fondue mittags), und dann habe ich nicht mal ein kleines Hüngerchen bis zum nächsten Morgen.

          Kommt sehr auf die Gewöhnung an.

          Mal schauen ob ich dieses Jahr endlich mal den Ramadan einhalte… gar nicht so einfach ohne sozialen Druck.

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  3. Ich verstehe das Problem mit der Medikamenteneinnahme nicht wirklich: Wer Medikamente benötigt, ist meiner Meinung nach im medizinischen Sinne) krank. Und Kranke sind doch eben vom Fasten ausgenommen. Dann dürfen und sollen Sie eben auch ganz normal ihre Medikamente nehmen. Wenn Muslime dann der Meinung sind, sie wollen aber eben doch fasten… dann verstehen sie imho ihre Religion falsch. Man kann sich doch nicht die Regeln so rauspicken und zurechtlegen, wie es einem gefällt. Wenn es Vorschriften gibt, dann halte ich mich dran. Punkt. Alles andere ist scheinheilig. Ansonsten könnte man bei allen möglichen religiösen Vorschriften, die einem nicht passen, extra-Wünsche anmelden. Und das ist ja eben eigentlich nicht Sinn von Religion, dass jeder letztlich doch nur macht, was er will.

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    1. Hmmm … aber auch wenn *Du* die die Sachen nicht „herauspickst“ dann macht das einfach (d)ein Religionsoberhaupt für dich, indem er die Bibel/Qran/Tora interpretiert.

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    2. Moment mal. Du hast was falsch verstanden. Wenn da steht, „du mußt nicht“, heißt das noch lange nicht, „du darfst nicht“.

      Wenn jemand einen Ausweis besitzt, der ihm das Benützen öffentlicher Verkehrsmittel gestattet, ohne dafür bezahlen zu müssen, dann wird er auch nicht bestraft, wenn er dieses Vorrecht nicht nützt – oder?

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      1. Sehe ich nicht so. Es heißt ja auch in der Bibel „Du sollst nicht [füge Sünde ein]… Genau genommen ist sollen ja „nur“ eine Aufforderung, kein Gebot (wie z.B. ein „du darfst nicht“). Trotzdem würde kein „guter“ Christ auf die Idee kommen und sagen „da steht ja aber nur was von nicht-sollen, nicht von nicht-dürfen.“

        Bei Religion muss man ja eh immer schauen, welcher Sinn eigentlich dahinter steht. Und der Sinn des Fastens ist es eben NICHT, kranke Menschen in Lebensgefahr zu bringen…

        Ich reagiere da deswegen so mit Kopfschütteln, weil es ähnliche Auslegungen zum halal-Essen. Da gilt auch die Regel: Wenn man nicht genau sagen kann, ob etwas halal ist oder nicht, so gilt es als halal, d.h. als erlaubt! Und trotzdem kenn ich Muslime, die einen Heidenaufstand machen wegen klarem Apfelsaft, der evtl. durch Gelatine geklärt worden sien könnte… oder eben auch nicht. Laut muslimischen Regel gilt der Saft als „rein“. Und dann beschließen einige eben, nö, ich betrachte den als unrein.

        Dein Vergleich mit dem Nahverkehrsticket hinkt im übrigen, er ist logisch nicht sauber. Es geht ja nicht darum, dass Muslime bestraft werden sollen, wenn sie fasten wollen, obwohl sie eigentlich nicht müssen…

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        1. In der Bibel heißt es wörtlich „du WIRST nicht…“.
          Und die Kaschrut bestimmt, daß das, was nicht koscher ist, als treife zu behandeln ist – nicht essen.

          Doch, der Vergleich mit dem Nahverkehr ist logisch sauber. Da gibt es eine Pflicht, deren Nichterfüllung Strafe nach sich zieht. (hier Bußgeld, da eine Gottesstrafe.) Jemand hat eine Ausnahmeerlaubnis und macht davon nicht gebrauch. Dafür wird er nicht bestraft. Es ist nicht verboten, die Ausnahmeerlaubnis nicht zu nutzen. Das suggerierst du aber:
          Wenn Muslime dann der Meinung sind, sie wollen aber eben doch fasten… dann verstehen sie imho ihre Religion falsch. … Wenn es Vorschriften gibt, dann halte ich mich dran. Punkt.

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    3. Es ist halt eine Frage des eigenen Willens, ob man nun als Kranker fasten möchte oder nicht. Das mag auch schon gesellschaftlich induziert sein, ab wann man als „krank“ gilt, aber letztenendes ist das zumindest hier in den westlichen Ländern eine Individualentscheidung. Zwingen von staatlicher Seite aus tut dich keiner dazu.
      Ein gläubiger Muslim wird wohl ebenso fasten wie ein gläubiger Christ das in der Osterzeit tut. Ein weniger gläubiger Muslim wird es nicht tun. Die einen kommen gut damit klar, die anderen nicht. Dem Menschen muss genügend Individualität zugestanden werden, das selbst entscheiden zu dürfen.

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  4. Ich frage mich, ob die jeweiligen Personen auf euch zukommen und fragen wie sie das handhaben sollen, oder ob ihr euch quasi aufdrängen müsst um es ihnen zu erzählen? Und wie sieht das dann aus „Entschuldigung, sind sie Muslime und fasten sie?“

    Klingt als Frage jetzt vllt. nicht sonderlich schlau… aber irgendwie kann ich mir das gerade nicht vorstellen :)

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    1. Gute Frage.
      Ich hatte bisher noch nicht so viele Gelegenheiten speziell das zu üben, aber vielleicht hilft die neutralere Frage:
      „Können sie die Medikamente so nehmen, wie sie verschrieben wurden?“
      Oder “ Haben sie noch Fragen zur Medikamenteneinnahme?“
      – Man sieht es den Leuten ja nicht unbedingt an, was für eine Religion sie haben.

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    2. Bei uns in der Apotheke sind relativ viele Muslime Kunden – ich sage dann bei der Abgabe „Es ist ja jetzt Ramadan ( kleine Pause )“ und dann sagen die Leute schon von sich aus, „ja ich faste auch“ und dann besprechen wir den Einnahmeplan. Nach meiner Erfahrung sind die Leute ganz dankbar, wenn man sie anspricht und ihnen Hinweise gibt.

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  5. grundsätzlich darf man beim fasten im ramadan auch nicht vergessen, dass mohamed diese regeln in einem land aufgestellt hat, in dem man auf grund der durchnschnittlichen temperaturen eine mittagsruhe hält. das relativiert vieles. dass das in unseren breiten und in unserer zeit eine andere grössenordnung und andere gesellschaftliche aspekte hat, konnte vor ~ 1.500 jahren keiner voraussehen. auch die verschiedenen darreichungsformen von medikamenten waren damals wohl nicht vorhersehbar.

    persönlich kenne ich moslems, die mit dem thema ramadan und fasten und medikamenteneinnahme durchaus vernünftig und problemlos umgehen.

    die bei der zitierten konferenz detailliert aufgestellten regeln sind also eher für die weniger aufgeklärte bevölkerung gedacht, die ein zwingendes man-nehme-rezept braucht, weil ihnen die medizinischen details für die unterscheidung zwischen notwendig und lebenserhaltend und angenehm nicht bekannt sind.

    ob man ein antibiotikum bei tageslicht oder in der finsternis der nacht nimmt ist völlig egal, ebenso verhält es sich mit allen medikamenten die nur einmal täglich eingenommen werden müssen, da zählt nur zu den mahlzeiten oder dazwischen. das ist lediglich eine frage des lebensrhythmus. bei chronisch kranken etc. macht ja der islam von vornherein eine ausnahme.

    vernünftige ärzte geben von sich aus entsprechenden patienten auch die entsprechenden verhaltensregeln mit, echte probleme gibt es also wenig, wenn die menschen a) mitdenken und b) guten willens sind.

    gefährlicher sind da die menschen, die aufgrund ihrer religiösen einstellung manche behandlungen oder gar operationen vollkommen ablehnen. so besehen: da lob ich mir den islam.

    und bevor hier jemand den kopf zur seite legt und meint, ich sei sicher moslem: nein, bin ich nicht, und auch nie gewesen.

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    1. Mohammed (swt) hat die Regeln aufgestellt? Nein, es war doch Allah persönlich, der Allmächtige, Allbarmherzige. Nun konnte dummerweise ebendieser Allah nicht vorhersehen, wie das Leben einige Hundert Jahre später aussieht… wohl doch nicht so allmächtig. Oder hat sich der analphabetische Wüstenräuber (swt) etwa alles nur ausgedacht? Allah weiß es am besten.

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      1. Weißt du, es hat auch mal jemand gesagt das „der Mensch die Krone der Schöpfung sei.“
        Und Allah ist allmächtig, denn sein Gebot des Fastens funktioniert auch heute noch. Das es unter seinen Schäfchen einige gibt die eben spinnen und seine Worte so auslegen wie sie wollen, das ändert nichts daran. Der Allbarmherzige hat, wie ein anderer Allmächtiger auch, seinen Schäfchen Verstand mitgegeben. Ob sie ihn gebrauchen ist ihnen überlassen.
        Ein Vater übernimmt nicht das Denken für seine Kinder, auch wenn es bei einigen Söhnen und Töchtern besser wäre.

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    2. Danke Kelef, für den Denkanstoß. Ja, stimmt, diese Regeln wurden natürlich in einer ganz anderen Zeit aufgestellt. Genau wie unsere 10 Gebote. Daran denkt man manchmal nicht. Ich jedenfalls habe daran nicht gedacht, als ich den Blogeintrag las und dachte, was für dämliche Regeln. Man ist ja schnell, wenn es darum geht, anderes, unverständliches zu verurteilen. So ist es mir hier gegangen. Deshalb danke. Ja, da kommt es nun auf die Auslegung, die Interpretation und die Anpassung dieser Regeln an die heutige Zeit an, ergo auf intelligente „Führer“. Und da schiele ich wieder zur Katholischen Kirche und bekomme ein Gefühl dafür, wie schwer es ist, mit diesen Regeln umzugehen. Kommt wahrscheinlich darauf an, wo man geboren ist, wo man lebt und welcher Strömung innerhalb des Islam man angehört (Ich nehme ja mal an, dass es auch bei den Muslimen Gruppierungen gibt, die für sich in Anspruch nehmen, den einzigen wirklichen Gott anzubeten)

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  6. Ohh, das finde ich höchstinteressant! Klar, daß da eine Menge schiefgehen kann, wenn man sich über so etwas gar keine Gedanken macht und dann aber z.B. Patienten/Kunden hat, die z.B. zum Ramadan fasten. Das sollte in den Lehrplan aufgenommen werden… wenigstes als Vorlesung zum Gedanken-anregen…

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  7. Für Leute, die noch ausführlicher einsteigen wollen, steuere ich mal einen Link zur Pharmazeutischen Zeitung bei, die sich auch mit dem Thema Ramadan und Arzneimittel befasst: Da sind auch Hintergründe zum Ramadan mit dabei.

    Es scheint bei der Medikamenteneinnahme sehr unterschiedliche Auslegungen zu geben. Vielfach wird in einer Art vorauseilendem Gehorsam die Medikamenteneinnahme unterlassen. Die wohlwollende Auslegung als erforderliche Einnahme wegen Krankheit ist aber laut türkischen Kollegen durchaus akzeptabel und verbreitet. Meine Vermutung: Wahrscheinlich spielt oft eher Sozialisation als Religion eine Rolle. Je ungebildeter, desto eher die strenge Auslegungsart und damit die Nichteinnahme.

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  8. Noch eine Frage: Wieso muss man da bei Tabletten und Co. überhaupt grübeln? Das Fasten bezieht sich doch aufs Essen und Trinken. Medikamente sind doch weder das eine noch das andere… *grübel*

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    1. Es gibt Gemeinschaften, die sogar Infusion und Transfusion unter „Essen und Trinken“ fassen. Die Konferenz, von der Pharmama oben im Artikel schreibt, übrigens auch: intravenöse Ernährung wird ausdrücklich NICHT als „nicht vom Fastengebot betroffen“ aufgeführt.

      Bei allem, was oral aufgenommen wird, ist für mich diese Einordnung auch direkt schlüssig.

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  9. Naja, es ist ja immerhin etwas, das dem Körper zugeführt wird, in den Verdauungstrakt gelangt. Und Tabletten nimmt man meist mit Wasser etc.
    Ich finde es sehr interessant, weil mir das noch nie so bewusst war.

    Und zu Cassa: Aus dem Grund sind es „Gebote“, nicht „Verbote“: Christinnen und Christen wird gesagt, was sie nicht tun sollen. Das ist eine Richtlinie. Aber da wir nunmal nur Menschen sind, sind wir fehlbar, verstoßen gegen Gebote, wir sündigen. Dann kann uns aber vergeben werden. Es folgt nicht zwangsläufig eine Strafe, wenn wir einen Fehler begehen.

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  10. Danke für den Hinweis.
    Jetzt mal eine ganz dumme Frage: Was machen denn eigentlich Muslime, die nördlich des Polarkreises wohnen, wo die Sonne im Sommer gar nicht mehr untergeht?

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    1. Guten Morgen,

      Sie orientieren sich nach Zeiten der Mekka-Stadt. Dort wo die Sonne nicht aufgeht, genauso.

      Hier nochmal: Grundsätzlich sind die Medikamente einehmenden Personen von dem Fasten befreit, aber die Entscheidung treffen sie selbst.

      Eigentlich ist für den Menschen, der durch Fasten mittlere, größere Blessuren oder Schaden trägt, kein Fasten vorgeschrieben.

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  11. Das mit dem Fasten bzgl. Nicht–Essen kann ich nachvollziehen, es gibt ja im Christentum mit der Fastenzeit etwas ähnliches. Beim Nicht-Trinken fällt mir das etwas schwerer, obwohl ich es natürlich respektiere.

    Auch ne dumme Frage: Ich hatte mal die Situation, dasss ein muslimischer Kollege bei 30 °C infolge von Dehydratation umgekippt ist. Ein Glas Wasser hätte wahrscheinlich ausgereicht, ihn wieder zu Kräften zu bringen. Es war aber nicht möglich, ihn davon zu überzeugen, jetzt ein Glas Wasser zu trinken, da er ja damit das Fastengebot bricht. Im Endeffekt hat ihm dann der Arzt in der Notaufnahme, in der wir dann waren, ein Placebo-Medikament als Infusion mit nem halben Liter 0,9% Kochsalzlösung verabreicht (es kann auch Glucose- oder Ringerlösung gewesen sein)..

    Gilt das Fastengebot bzgl. Nicht-Trinken als gläubiger Moslem auch für den Fall, dass man bereits umgekippt ist (durchaus ernst gemeinte Frage)?

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  12. nochmal zurück zu theologie und religion: alle eingott-religionen nehmen für sich in anspruch, die einzig wahre zu sein, und auch viele mehrgott-religionen. das liegt in der natur der dinge.

    alle religionen haben gebote/gesetze/verbote – wie auch immer sie nun genannt oder interpretiert werden mögen.

    alle grossen religionen haben schriften, die das verhalten der menschen untereinander regeln.

    ob diese nun von einer gottheit diktiert oder was auch immer wurden, sie wurden von menschen aufgeschrieben – zumindest kenne ich bewusst keinen fall, in dem das anders überliefert wäre.

    alle religionen haben „mittler“ zwischen gott und den menschen. ob diese nun priester, papst, mullah, rabbi oder prophet genannt werden, ist eine frage der sprache.

    weiters darf nicht vergessen werden, dass früher die religion mehr oder weniger auch staatsform war. so kam es dazu, dass für uns heute „normale“ regeln (nicht stehlen, lügen, töten, etc.) als gebote aufgeschrieben wurden. es fiel den menschen einfach leichter, sich nach den vorgaben eines höheren wesens zu richten als nach den vorgaben einer staatlichen instanz.

    „vater und mutter ehren“ heisst, sich um die alten kümmern wenn sie sich nicht mehr selbst versorgen können, und nicht, den versoffenen, prügelnden vater und die misshandelnde mutter auf händen tragen wegen einer unbedachten halben stunde vor dreissig jahren, in der man ungewollt entstanden ist.

    viele religionen haben daher vernünftigerweise auch gesundheitsaspekte mit in die gebote aufgenommen. schon mal überlegt, warum schwein im islam und im judentum verboten ist? na? konnte ja keiner vorhersehen, dass trichinen heutzutage kein thema mehr sein sollten. und sowieso ist schweinefleisch ernährungstechnisch bedenklicher als rind, ziege, schaf oder geflügel. ausserdem wird es wegen des höheren fettanteils viel schneller schlecht. gefastet wird ja auch im christentum und im judentum, nur eben anders.

    wenn man sich über die speisegebote des islam aufregt, dann müsste man sich gleichermassen über die heiligen kühe indiens aufregen, neben denen die menschen verhungern und die das trinkwasser verunreinigen. das judentum ist übrigens zum teil noch strenger bei den speisegesetzen.

    es ist immer eine frage der interpretierenden mittler und der akzeptanz und vernunft der menschen, nicht eine frage der religion oder der gebote. wenn die katholische kirche in unserer zeit – und im vatikan sollte doch wirklich eine entsprechende anzahl entsprechend gebildeter menschen sitzen – kondome und die pille verbietet, die scheidung verteufelt und sich in der politik einmischt (z.b.: sonntagsarbeitsverbot), dann finde ich das weitaus bedenklicher als den ramadan. besonders was die folgen für die betroffenen menschen einerseits und unsere und die zukunft unserer kinder betrifft.

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    1. Ich stimme Dir da zu. Egal welche Religion: Das war (und ist) immer eine gewisse moralische Grundinstanz gewesen, die das zwischenmenschliche Zusammenleben anhand von Regeln regelt. Egal, ob das jetzt der Koran oder die Bibel (10 Gebote) sind, die Nummer mit dem „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht stehlen“ sind gewisse moralische Werte. Und ja, das klingt etwas altbacken.

      Der Zusammenhang zwischen Schweinefleisch und Trichinen ist interessant. Das wußte ich noch nicht, könnte aber wirklich der Grund sein, warum Schweinefleisch im Islam verboten ist, im Christentum, welches sich in kühleren Gebieten verbreitet hat, jedoch nicht. Das klingt auf jeden Fall plausibel.

      Ich selbst bin jetzt niemand, der sich regelmässig in der Kirche sehen lässt, kann aber dennoch gewisse Regeln auch der katholischen Kirche nachvollziehen.
      Das Verbot der Scheidung war vor nicht mal 100 Jahren gar nicht mal so falsch, sondern existenzsichernd. Damals hatten die Leute überwiegend Landwirtschaft und da hing an der Ehe halt wirklich der Lebensunterhalt (einen Bauernhof kann man halt schlecht teilen). Und so ganz verkehrt ist es ja auch heute nicht, wenn sich mal ein Ehepaar nach 20 Jahren Ehe mal bemüht, seine Ehe zu retten, anstatt sich einen neuen Partner zu suchen, oder? (ich rede nicht von schlagenden Ehepartnern oder so)

      Auch Altersversorgung im heutigen Sinne (Rentenversicherung) gab es noch nicht, da mussten halt dann wirklich die Kinder sich um die kranken Eltern kümmern („Ehre Deine Eltern…“). Das Verbot von Kondom und Pille sehe ich zwar selbst kritisch und hab es auch nie befolgt, verstehe es aber von Seiten des Vatikans aus. Der Vatikan ist da der Meinung, dass Sex (und die sich dadurch ergebenden Kinder) in eine Ehe gehören und damit hat er auch nicht ganz unrecht (also von den Kindern her; das mit dem Sex sehe ich anders: das soll jeder halten, wie er will). Über die Umsetzung dieser Regel lässt sich gerne streiten. Ich sehe das etwas anders als die Herren in Rom. Aber ich muss auch sagen: Ich habe auch die 16jährigen Mädels in der Apo gesehen, die wiederholt (!!!) sich die „Pille danach“ holen…
      Das Sonntagsarbeitsverbot sehe ich auch durchaus positiv: Wenigstens ein freier Tag in der Woche, den man mit seiner Familie verbringen kann (es ist blöd, wenn der eine Partner von Freitag bis Mittwoch arbeitet; der andere von Mittwoch bis Sonntag arbeitet und die Kinder von Montag bis Freitag in der Schule sind).

      Und der Ramadan, bzw. die Fastenzeit? Da braucht man sich nur ansehen, wie viele Leute mit Alli, Xenical und diversen Wundermitteln versuchen, ein paar Pfunde loszuwerden… Früher hat man einer Gottheit zuliebe versucht zu fasten (und das manchmal auch versucht, genial zu „bescheissen“: Ich sage nur schwäbische Maultaschen, bzw. „Herrgottsbscheisserle“, wo man das Fleisch halt in einem Teig „versteckt“ hat), heutzutage macht man das seiner Figur zuliebe.

      Ist Anschauungssache…

      Und vom „Wort zum Sonntag“ gebe ich jetzt ab zu den Tagesthemen… ;-)

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