Stress mich nicht!

Eine Frau kommt am Morgen in die Apotheke. Die Pharmaassistentin gibt sie gleich an mich weiter, weil sie ein rezeptpflichtiges Medikament ohne Rezept verlangt.

Die Frau ist in meinem Alter und sehr chick – businessmässig angezogen. Dazu passt auch der Stress, den sie anfängt zu machen, kaum dass sie mich als Apothekerin erkennt:
„Ich habe wieder einmal eine Blasenentzündung. Geben Sie mir ein Antibiotikum, das hatte ich auch schon öfter ohne Rezept bekommen. Ich bin nur auf Geschäftsbesuch hier und habe keine Apotheke!“

„In Ordnung“ sage ich. „Was sind denn genau Ihre Beschwerden?“

„Muss das sein?“ fragt die Frau – „Ich weiss ja, was ich habe und was ich brauche — und mein Taxi wartet draussen. Ich hab’s eilig!“

Ich gehe einen halben Schritt zurück und hole Luft. Ich mag Leute, die mich unter Druck setzen, damit sie eher das bekommen, was sie grad wollen gar nicht. Ob ich ein rezeptpflichtiges Medikament abgebe oder nicht liegt in meiner Verantwortung. Und genau deshalb kläre ich das auch zu meiner Sicherheit individuell vorher ab.

Pharmama: „In dem Fall würde ich vorschlagen, Sie nehmen Ihr Taxi und versuchen das später noch einmal, wenn Sie genug Zeit haben ein paar Fragen zu beantworten.“

Jetzt habe ich sie wohl überrascht. Jedenfals schaut sie mich etwas erstaunt- ungläubig an.

„Ich bekomme das nicht?“

Pharmama: „Sie können das vielleicht hier bekommen, wenn ich das richtig abklären kann. Dafür brauche ich ein paar Minuten. Aber das ist Ihre Entscheidung.“

Am Ende hatte sie dann doch genug Zeit für die paar Fragen.
Ich reagiere nicht gut unter Druck. Tatsächlich neige ich dazu dann noch etwas langsamer und genauer zu werden, weil ich weiss, dass auch mir dann eher Fehler passieren. Und freundlicher werde ich dabei wohl auch nicht ….

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12 Antworten auf „Stress mich nicht!

  1. kicher Das mit dem durch Druck und hetzen langsamer werden passiert bei mir auch immer.
    Ich frage mich dann oft, ob das anderen nicht so geht, sie scheinen ja zu erwarten dass es beschleunigt….

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  2. Ich stand vor ein paar Jahren abends verzweifelt in Genf in einer Apotheke, mit einem entzündeten Auge. Ich hatte am Tag zuvor einen Teil der Tageslinse nicht rausgebracht, dachte aber abends alles sei draussen. Morgens war das Auge krass verklebt, aber ich musste los auf Geschäftsreise, zum Glück im Zug.
    Ich bekam nette Beratung und antibiotische Augentropfen und auch die Telefonnummer und die Adresse der Notfall Arztpraxis in Genf, für den Fall, dass es nicht schnell besser werde. Alles super, das half mir und meinem Auge wunderbar! ;-)

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  3. Da bin ich froh dass wir in Deutschland bei so einem Fall einfach abwinken müssen. Verschreibungspflichtiges ohne Rezept geht nun mal nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel…

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  4. Ich war mal in einer Apotheke (in Südtirol) und unterbrach ein Gespräch der Apothekerin (so etwas mache ich sonst nie!) mit den Worten: der Bus wartet draußen auf mich! Ich wurde tatsächlich sofort bedient, bekam meine Lippenherpescreme und stieg wieder in den Bus ein. Den Tipp hatte ich von meinem Pensionswirt – dort fährt aber ein Bus nur etwa 2 – 3 Mal am Tag und es ist üblich, dass in solchen Fällen gewartet wird. Andererseits hätte ich einen kompletten Tag nur mit Apothekenbesuch verbracht statt zu wandern.

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