Blutzucker-Verschwörung

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„Könnten Sie mir den Blutzucker messen?“ fragt mich die etwas müde aussehende Frau um die 40. Es ist Nachmittag ca. 4 Uhr … natürlich in der Apotheke.

Pharmama: „Ich kann – allerdings wäre es besser, wenn Sie das entweder am Morgen früh messen kämen – bevor sie noch etwas gegessen oder getrunken haben oder 2 Stunden nach einem Essen, ansonsten kann ich da nicht wirklich eine Aussage machen.“

Frau: „Das ist kein Problem. Ich habe seit heute morgen nichts gegessen.“

Pharmama: „Es kostet … Franken.“

Frau: „Das ist okay. Beim Arzt zahle ich ja auch. Ich möchte das lieber von ihnen machen lassen, beim Arzt hatte ich so hohe Werte – dem traue ich einfach nicht, dass das stimmt.“

Ich setze sie in den Beratungsraum und bereite meine Instrumente vor: Blutzuckermessgerät, Blutzuckerteststreifen, Stechhilfe, neue Nadel. Mit dem Alkoholtupfer reinige ich den Finger und während der Alkohol verdunstet nehme ich noch einen Tupfer und ein kleines Pflaster raus. Dann schiebe ich die Nadel auf die Stechhilfe, den Teststreifen ins Messgerät …

Währendem plappert die Frau munter weiter. „Wissen Sie, ich schaue sehr, was ich esse …“

Ich nicke nur ein bisschen und mache ein unbestimmtes „Hmhmm.“ Sie ist nicht gerade dünn, eher ein bisschen mollig, aber nicht gesund aussehend mollig, eher aufgetrieben – aber das muss nichts heissen.

Frau; „…und mein Arzt, das ist so ein neuer Arzt, der alte, mit dem bin ich immer gut ausgekommen, wurde pensioniert und der neue … der will immer etwas ändern.“

Pharmama: „Nehmen Sie denn Medikamente? Speziell gegen hohen Blutzucker?“

Frau. „Ja, ich bekomme Metformin, das nehme ich auch regelmässig, darum glaube ich auch nicht, dass der Blutzucker wirklich hoch war…“

Metformin ist so die Standard-Anfangs-Therapie bei erhöhtem Blutzucker vom Typ II Diabetes. Nichts ungewöhnliches hier.

Pharmama: „Nun, dann wollen wir doch mal sehen und messen.“ sage ich und piekse sie in den Finger, halte den Streifen an den kleinen Tropfen Blut und tupfe das ab, klebe ein Pflaster drauf, während die Maschine misst.

Biep macht sie und zeigt … 20.7 mmol/l

„Holla“ sage ich „– das ist wirklich hoch.“

Zur Info: Obwohl man besser erst mal nüchtern und 2 Stunden nach dem Essen misst – laut Diabetes Weiterbildung letztes gilt alles ab 11.7 mmol/l im Plasma gemessen als Diabetes. Egal wann man misst …. und sie sagt sie habe seit über 8 Stunden nichts gegessen. Zum Vergleich: Normale Werte liegen nüchtern unter 5.

Interessant ist, dass die Frau meine Messwerte zwar nicht anzweifelt … aber sofort anfängt nach Ursachen zu suchen. Das fände ich noch verständlich, nur … die Richtung, wo sie sucht …

Frau: „Heute kann man einfach gar nichst mehr essen! Das ist doch alles vergiftet und verstrahlt. Nicht nur oben im Norden, auch bei uns. Das liegt alles an der schlechten Qualität vom Essen! Ansonsten gäbe es sowas wie Diabetes gar nicht …“

„Naja“ sage ich. „Es gibt ja zwei Arten von Diabetes und die eine kommt ganz sicher nicht vom Essen…“

Frau: „Ja, aber wie kommt das dann, das die Medikamente, die ich bekomme nicht wirken? Das ist doch alles nutzloses Zeug. Da ist wahrscheinlich gar nichts drin an Wirkstoff, das hört man doch immer in der Presse!“

Pharmama: „Das kommt vielleicht bei Arzneimittelfälschungen vor, aber bei uns hier eigentlich nicht. Ich versichere Ihnen, dass die Medikamente hier getestet und zugelassen wurde und auch das enthalten, was draufsteht.“

Frau: „Aber wie kommt es dann, dass sie nicht mehr wirken? Häh?“

Pharmama: „Das wird daran liegen, dass Diabetes eine fortschreitende Erkrankung ist. Ihr Blutzuckerspiegel wird ja kontrolliert durch Insulin. Und das wird in ihrer Bauchspeicheldrüse produziert. Beim Diabetes Typ II produziert sie einfach nicht mehr genug Insulin. Das nimmt dann über die Zeit weiter ab. Da kann es schon sein, dass die Medikamente, die man am Anfang hatte dann irgendwann nicht mehr genug sind. Von daher hat ihr Arzt Recht, wenn er das anpassen möchte. Das würde ich bei Ihnen und den Werten auch dringend empfehlen.“

Frau (abwehrend): „Ich will aber nicht Insulin spritzen müssen.“

Pharmama: „Nun ja, vielleicht geht es ja noch mit etwas anderem, das muss der Arzt anschauen. Das kommt darauf an, wie der Diabetes ist …“

Frau: „Ich glaube langsam, dass dieses Diabetes eine Erfindung der Ärzte ist und eine neuzeitliche Erscheinung. Früher gab’s das nicht …“

Autsch. Jetzt muss ich vielleicht deutlicher werden.

Pharmama: „Natürlich gab es das früher auch schon! Nur wurde es weniger häufig so früh gefunden. Und dann konnte man auch kaum etwas machen. Bei meiner Urgrossmama zum Beispiel – die hatte Diabetes … und der mussten sie beide Beine abnehmen wegen den Folgeerscheinungen. Sagen Sie mir nicht, das gab’s früher nicht.“

Ich kannte tatsächlich noch meine Urgrossmama, die lebte eine Zeitlang bei uns … da habe ich das als Kind noch (gut) mitbekommen.

Frau: „Aber das hat trotzdem mit dem Essen heutzutage zu tun, dass es das mehr gibt.“

Jaaa … vor allem gelegentlich mit dem mehr oder zuviel Essen … das mit dem ungenügenden Insulin kommt auch, wenn die Körpermasse ansteigt.

Pharmama: „Wer weiss. Jedenfalls reicht es bei ihnen nicht mehr, darauf zu achten, was sie essen um den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Bitte machen Sie mit dem Arzt einen Termin.“

Frau: „Aber ich fühle mich gut!“

Pharmama: „Ja, das glaube ich gerne, einen hohen Blutzucker merkt man auch nicht so. Aber das macht ihnen trotzdem die Gefässe zu. Das kann überall sein und dann teils recht plötzlich. Das ist gefährlich. Gehen Sie zum Arzt. Bald!“

Frau: „Ja, ja, okay, mache ich.“

Sie zahlt, erhält ihre Werte und eine Broschüre mit und geht.

Ich hoffe sie geht zum Arzt, aber ich habe da echte Bedenken. In der kurzen Zeit, die ich sie im Beratungsraum hatte, hat sie mir diverse umm … Theorien präsentiert. Angefangen von: ‚Unser Essen ist alles nicht gut / verstrahlt / die Ursache für alle Krankheiten‘, über: ‚Medikamente enthalten teils keine Wirkstoffe‘ über ‚der Arzt will ihr nur neues verschreiben, weil er daran verdient‘, bis zu ‚Diabetes ist eine Erfindung der Ärzte‘.

Echt schwierig.

Kurz habe ich mir überlegt, ihr zu zeigen, dass mein Blutzucker (mit demselben Gerät gemessen) normal ist. Aber … ob das reichte, sie zu überzeugen? Dass ihre Werte sehr hoch sind, wusste sie ja eigentlich schon.  Dass das wohl auch … nur verdrängt sie das lieber.

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62 comments on “Blutzucker-Verschwörung

  1. Apothekerfrischling sagt:

    Fast genau so gut wie
    „Die Geräte messen alle falsch“ / „Zu hause ist der aber niedriger“ / „Sonst ist der nie so hoch“
    „Wie ist das eigentlich mit dem Aluminium?“
    „Wie können Sie damit leben, Gift zu verkaufen?“
    Ebenso gern und oft gehört: Fluorid-Verschwörung, Big Pharma Verschwörung, systematische Vergiftung mit Multivitaminpräparaten etc.

    Ich bin ja auch vielem gegenüber skeptisch, aber man kanns mit der Paranoia auch übertreiben. Oft hilft da nur noch – nüchterne, unbestreitbare Fakten darlegen, nett lächeln und hoffen. manchmal kann man wirklich nicht mehr tun.

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    • aber meist sind Menschen, die in ihren Überzeugungen gefestigt sind, Faktenresistent. Da denkt man doch nur mal an die ganzen Impfgegner. Denen kann man eine Studie nach der anderen präsentieren, die besagt, dass Impfen keineswegs Teufelszeugs ist und sie tun das dennoch mit einem Schulterzucken und weiteren Verschwörungstheorien ab.
      Es ist schade, aber manche Menschen wollen sich gar nicht helfen lassen.
      Kann mir gut vorstellen, dass die Dame aus dem Beitrag danach noch zu einer anderen Apotheke gepilgert ist um dort noch einmal den Blutzuckerspiegel testen zu lassen.

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      • Apothekerfrischling sagt:

        Faktenresistent sind viele.
        Ich meinte auch eher, dass man, wenn man mit solchen Leuten konfrontiert wird, bei Fakten bleiben sollte und sich nicht auf eine Diskussion mit fragwürdigen / emotionengesteuerten „Argumenten“ einlassen sollte. Das führt ja zu nichts, da oft die andere Partei sowieso nicht an einer Klärung interessiert ist.

        Ja, das Pilgern kanni ch mir auch gut vorstellen. Haben wir auch oft, aber mit Blutdruck. O-Ton: „Ihr Gerät ist besser als bei [Konkurrenz]. Da haben die eben einen viiiiiel zu hohen BD gemessen“.

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      • B.Cottin sagt:

        Es ist auch ein Stück Trauerarbeit dabei, wenn man sich klar machen muss, dass die Kranheit fortschreitet. Und die geht nicht so schnell…

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  2. Akinom sagt:

    Real life…..

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  3. Wolf sagt:

    „Ich hoffe sie geht zum Arzt, aber ich habe da echte Bedenken.“

    Nach elf Jahren im Krankenhaus sag ich mir bei solchen Leuten immer: Wer sich nicht helfen lassen will -> Pech gehabt. Sind ja schon groß.

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  4. Paterfelis sagt:

    Mal ganz blöd gefragt: Ist Verdrängen von Krankheiten und deren Auswirkungen nicht eher Männersache? Hast du da Erfahrungswerte?

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    • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das „Verdrängen von Krankheiten und deren Auswirkungen“, wie duso schön sagst, bei Männern tatsächlich häufiger vorkommt. Wiederum sind Frauen viel anfälliger für irgendwelche Verschwörungstheorien/Alternativmedizin mit dubiosen Heilversprechen und dergleichen, und haben dann eben auch einen gewissen Einfluss auf den Herrn Gemahl.
      Ein Mann würde daher seine Antidiabetika nicht nehmen, weil er halt findet, ach, ich merk ja garnichts vom hohen Blutzucker, mir gehts auch ohne Metformin prächtig, und ach was, dann hab ich mir halt die Füsse am Heizkissen verbrannt, das hat damit ja wohl nix zu tun, und jetzt hört endlich auf, mich zu bevormunden.
      Eine Frau hingegen nimmt den Diabetes vielleicht ernster – aber eben auch alles drum und dran. Die nimmt ihr Metformin nicht, weil die Margrit von nebenan, deren Cousine hat das auch genommen und der ist dran gestorben, hat sie erzählt! Und im Fernsehen hab ich kürzlich eine Sendung gesehen, da haben die gesagt, Metformin sei ganz ganz gefährlich und die Pharmariesen vertuschen das um Geld zu machen! Da nehm ich das naürlich nicht mehr! Und sowieso, der Phytotherapeut ist viel besser, bei dem ist alles natürlich.

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    • Julia sagt:

      Dazu kommt mir folgendes Witzchen in den Sinn:

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  5. turtle of doom sagt:

    Da hat die gute Frau nicht gelesen, oder eben grob falsch verstanden. 😉

    Aber sonst bleibt mir nur noch Kopfschütteln übrig.

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  6. Van Lure sagt:

    Das Beispiel mit deiner Urgroßmama war schon sehr gut (und traurig!).
    Ich habe auch ein Beispiel: Meinen Onkel. Es war nicht schön, es ging nicht gut aus. Ich war noch etwas jung, habe aber immer gehört das er zum „Blutwaschen“ muss deswegen (war schon kurz vorm Ende). Ansonsten saß er aber Tagsüber (Frühpenionist) im Wirtshaus und hat geraucht, Bier getrunken und sich fettes Essen schmecken lassen. Sogar als er dann schon im Rollstuhl saß wollte er in eine Erdgeschosswohnung umziehen nur damit er mit dem Rollstuhl zum Wirt kann.
    Klar hat er Insulin gespritzt… aber wenn man es sich jeden Tag „so gibt“… es war aber seine Entscheidung und der Rest der Familie machtlos.

    Oder eine Freundin meiner Oma… wir haben sie oft im Krankenhaus besucht als ich so 5 Jahre alt war. Warum man ihr Zehe für Zehe und dann immer mehr das Bein rauf abnehmen musste habe ich damals noch nicht begriffen aber dafür jetzt. Sie hat das Krankenhaus nicht mehr verlassen…

    Jetzt habe ich einen Freund mit Diabetes, der den Blutzucker sehr genau kontrolliert und auf sich achtet. Er spritzt sich Insulin seit er 13 war, also fast sein halbes Leben lang. Manchmal habe ich Angst, weil ich vorbelastet bin… ich kann mich nur damit trösten das er wirklich penibel ist, weder raucht noch trinkt (bis auf hier und da mal ein Glas oder einen lustigen Abend zusammen) und viel Sport treibt.

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    • Pharmama sagt:

      Ein informierter und (sich selber) gut behandelnder Diabetiker kann ein Leben führen wie alle anderen auch. – Ich kenne da mehrere. Im übrigen gibt es auch einige bekannte Leute mit Diabetes (Halle Berry kommt mir da spontan in den Sinn).

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  7. Gegen Beratungsresistenz gibt es – leider, leider – nach wie vor keine Medizin. Ich hoffe, daß sie einsichtig wird. Aber man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Die Schuld liegt in ihren Augen klar woanders. Egal wo, Hauptsache, woanders.

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  8. sakasiru sagt:

    Ich glaube, speziell Typ 2 Diabetes wird oft nicht so ernst genommen, das ist in den Köpfen irgendwie so wie „ich sollten mal ein bissle abnehmen.“ Klar ist es gesünder, aber es ist auch soo anstrengend sich zu kontrollieren, und außerdem haben das ja ganz viele wie man hört, also wirds wohl nicht so schlimm sein.

    Ich kenne einen Konditormeister, bei dem Typ 2 festgestellt wurde. Nun bringt es sein Beruf mit sich, dass er über den Tag doch öfter Schokolade, Füllungen etc probieren muss. Er hat gesagt, er kann nicht einfach seinen Zuckerkonsum reduzieren und hat das eine Weile verdrängt. Bis meine Tante, seit 40 Jahren Typ 1 Diabetiker, ihm ins Gewissen geredet hat und ihm aufgezählt hat, welche Folgen das haben wird wenn er so weitermacht. Er hat dann wohl mit seinem Arzt eine Lösung gefunden und spritzt jetzt Insulin, damit er weiter seine Pralinen testen kann. Nicht ideal, aber immerhin unter ärztlicher Aufsicht.

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  9. Irene sagt:

    Mein Mann hatte einen ähnlichen Wert bei seinem ersten Zucker-Messen beim Apotheker. Der Apotheker wollte ihn kaum mehr gehen lassen… Das war an einem Samstag.
    Am Montag danach war er beim Arzt, kam mit Metformin, Messgerät und Zubehör nach Hause und hat ab da Zucker fast vollständig von seinem Speiseplan gestrichen.
    Das war im Frühling 2012.
    Heute wiegt er 25 Kilo weniger, muss kein Metformin mehr nehmen und er radelt wortwörtlich über Berg und Tal.
    Daher: die Dame hat recht. Es LIEGT am Essen 😉
    (Ich hatte übrigens auch keine übermässig guten Werte, musste Metformin nehmen, wiege jetzt auch 25 Kilo weniger als vor 2 Jahren und brauche kein Metformin mehr – gemeinsam geht es leichter mit dem Abnehmen).

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    • Pharmama sagt:

      Genau Irene 🙂 Darum sagte ich auch: „die eine liegt ganz sicher nicht am Essen“: Typ 1 nämlich. Typ 2 schon … wobei es da im Endeffekt eher die Menge macht als die Qualität.
      Gratuliere übrigens: toller Erfolg! Und da kann man sehen, das man auch wirklich selber etwas dagegen machen kann. Zumindest beim Typ 2.

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  10. Elawen sagt:

    oh mann.. Herr wirf Hirn.. 😦 (aber pass auf, dass sie´s nicht essen!)
    Ich hab vor ner guten Stunde erfahren, dass ein Freund meiner Eltern, bei dem vor vlt. 3 oder 4 Wochen Diabetes diagnostiziert wurde, ins Krankenhaus kam, und bei der CT festgestellt wurde, dass die Bauchspeicheldrüse einen Tumor hat. So von eben auf gleich. Mein Vater ist vor ca. 7 Wochen am Krebs gestorben; meine Mutter hat bei der Nachricht von ihrer Freundin nur noch geweint.
    Das ist keine dubiose Verschwörung, das ist fürchterlich real. Leider. Vielleicht kann man das der „Dame“ auch mal um die Ohren klatschen.

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  11. Shark sagt:

    Gründe wie falsche Messgeräte, blöde Ärzte oder in Verschwörungstheorien für die eigene Erkrankung als Ursache zu suchen, dass sind meist Leute, die nichts ändern wollen.

    Wenn sie sich eingestehen, dass sie Einfluss auf den Verlauf ihrer Krankheit haben, dann hieße dass ja auch, dass sie selbst ihren Alltag umstellen müssen, eventuell auf Bequemlichkeiten und Gewohnheiten und so weiter verzichten müssen. Da sind viele erst bereit zu, wenn der Leidensdruck schon sehr hoch ist, dass es schon fast zu spät ist.

    Ich kenne leider einige dieser: „Blöde Mediziner! Gebt mir endlich eine Zauberpille die dafür sorgt, dass ich weiter so (ungesund) leben kann wie bisher!“-Fraktion. 😦

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  12. AuchPharmazeut sagt:

    Ich hatte auch mal so einen beratungsresistenten Kunden. Blutzucker war morgens so 8:30 bei 17,8 mmol/l. Ich habe ähnlich reagiert, und den Kunden gebeten, doch bald einen Arzt aufzusuchen. Mein Kunde meinte nur, daß das sicher die Sachertorte gestern war, und ich soll ihm doch mal ein Pulver ( in Österreich sind das Tabletten :-)) dagegen geben. Wegen so ein bissi Zucker geht er doch nicht zum Arzt. Tja… Pulver hat er von mir keines bekommen, aber ich hätte auch kein Rezept vom Arzt in naher Zeit bekommen. Es stimmt schon, ich kann nur jemandem helfen, der sich auch helfen lassen will!
    Aber das ist nicht nur bei Blutzucker so. Ich hatte mal eine deutlich übergewichtige Kundin, die verschiedene Abnehmprodukte ausprobieren wollte, unter anderem auch Pflaster für die Problemzonen. Da konnte ich mir gerade noch eine böse Meldung verkneifen, und nur darauf hinweisen, daß alles nichts hilft, wenn man seine Essgewohnheiten nicht umstellt. Dann war sie beleidigt :-(.

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  13. Ich gehe morgens und abends zu Fuss vom Bahnhof zum Büro und zurück, der extrem dicke Tischnachbar, der mit dem Tram kommt, sagte er würde das auch machen, wenn er mit dem Zug käme…doofe logik, beim Tram könnte man ja etwas früher aussteigen….

    Und morgens holt er immer Gipfeli in der Kantine…ich habe, wenn ich ganz früh da bin ein selber gemachtes Haferflockenfrühstük dabei. Er sagte dazu, er sei morgens zu müde sowas vorzubereiten….

    Ich auch, drum mache ich es schon abends 😉

    Das intelligente Leute die Logik so umdrehen können, ist echt krass!

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    • Pharmama sagt:

      Würde, Könnte, hätte.
      Erstaunlich, nicht?

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    • Andrea sagt:

      Logik umdrehen: Das hat nichts mit Intelligenz, sondern allein mit Faulheit zu tun.

      Ich musste mir als Single schon sooft anhören, warum ich denn koche, wo ich doch allein wohnen würde. Das lohne sich nicht und wäre teurer – was natürlich so nicht stimmt, schon gar nicht, wenn man vorkocht und es sich portionsweise einfriert.
      Nun hab ich Familie und höre von den gleichen Leuten, warum ich denn für meine Tochter den Brei selbst koche, die Gläserchen wären doch einfacher, günstig und genauso gut (nee, sind sie nicht!)

      P.S. Was sind Gipfeli? Croissants vielleicht?

      Grüsse Andrea

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      • Ja, Gipfeli sind Croissants 🙂 Gut geraten!

        Und ja, es hat etwas mit Faulheit zu tun!

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        • turtle of doom sagt:

          Aber hier sind die Gipfeli luftiger, und mit weniger Butter hergestellt.

          In Restaurants ist die Chance grösser, zum Kaffee einen echten „Croissant“ zu bekommen, in Bäckereien und Kaufhäusern findet man ihn oft unter „Buttergipfel“.

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      • A.F. sagt:

        Sei froh das du den Platz zum einfrieren hattest, den hab ich nämlich in meiner Studentenbude nicht, trotzdem koche ich mindestens zweimal die Woche, meistens am Wochenende, denn in der Woche gibt es die Mensa. Allerdings kann frisch kochen doch teurer sein, wenn man nämlich nicht den Platz zum einfrieren hat und die dämlichen Supermärkte hier auch Gemüse nur abgepackt verkaufen. Leider hat auch einer der letzten kleinen Gemüseläden in der Nähe zu gemacht. Ich koche und esse nämlich gern und wenn man dann doch was wegschmeißen muss, weil man es nicht verbrauchen konnte nervt das einfach nur.

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        • Andrea sagt:

          ich hatte damals als Studentin auch nur das kleine Gefrierfach im Kühlschrank. Aber immerhin passten da 2-3 Portionen von einem Essen hinein und soo Riesenmengen hatte ich nicht vorgekocht. Am liebsten hatte ich Nudeln mit frischer Sosse bzw. Gemüse gegessen und recht wenig Fleisch. Meist habe ich es so gemacht, dass ich einfach für 2 Tage was gekocht habe und das hielt sich dann auch gut so im Kühlschrank. Sosse hatte ich desöfteren auch mal eingekocht in Gläser bzw. war von Mutti mit Unmengen Apfelmus versorgt worden. Die Gläser halten sich ganz schön lang 😉 Was die ollen Supermärkte anging, hatte ich tatsächlich Glück: ich hatte immer türkische Gemüseläden um die Ecke, wo man auch mal nur eine Zwiebel oder eine Paprika kaufen konnte 😉

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          • A.F. sagt:

            Ja ich koche auch meistens so das es für ein bis maximal drei Mahlzeiten reicht, denn ich weiß genau das spätestens beim dritten Mal des gleichen Essens ich keine Lust mehr drauf hab. Meistens koch ich auch Dinge wo ich weiß das ich die innerhalb weniger Tage verbrauchen kann, zum Beispiel Chilli. Davon isst man je nach Menge zwei bis dreimal (richtige Mahlzeiten) oder auch öfter (kleine Portionen) und da ich mein eigenes Chilli unwiderstehlich finde ist das locker in zwei Tagen verputzt, da esse ich aber dann nichts anderes. Bei anderen Sachen ärgert es mich dass ich keine wirkliche Möglichkeit zum einfrieren und auch Lagern von Sachen habe. Wo ich dir zustimmen muss ist das Spaghetti mit Soße (fast) immer gehen, nur doof das ich durch die gute Küche von meinen Eltern und mittlerweile mir selber, die Nudeln in der Mensa nicht mehr genießen kann, das ist nämlich so eine eklige fertig Soße. Aber na ja wie sagt man so schön: Der Hunger treibt es rein und der Ekel hält es unten.

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  14. Ja, erstaunlich, die Macht des Essens, des Fettes, des Zuckers!

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    • Caldwhyn sagt:

      Fett hat nach wissenschaftlichem Erkenntnissstand da eher nichts damit zu tun, die „ach so guten“ Kohlehydrate die man ja „ach so viel“ essen soll hingegen deutlich. Der Zucker ist allerdings in jedem Fall mit schuld.

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      • turtle of doom sagt:

        Lesenswert:

        Ich sage mir immer, dass man mit jeder Kohlenhydrat-Aufnahme dem Körper eine Chance raubt, ein wenig Fett zu verbrennen. Und die durchschnittlichen Leute verbrennen äusserst selten zwischen zwei Mahlzeiten ihren ganzen Kohlenhydratspeicher – obwohl er ziemlich beschränkt ist.

        Und Ausdauersportler trainieren so ganz nebenbei eine effizientere Fettverbrennung. Marathonläufer und Bergsteiger können selten soviel Kohlenhydrate speichern, wie sie nachher verbrennen werden…

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        • Caldwhyn sagt:

          Hey, der Artikel gefällt mir gut, danke für den Link. Ich werte meine Ernährung seit einigen Monaten (ok eher ein Jahr) recht umfangreich aus und nehme gar keine reinen Kohelhydratnahrungsmittel (Brot, Nudeln, alle Getreide…) zu mir sondern stattdessen viel mehr Obst und Gemüse und habe trotzdem gerne mal an die 50% und mehr der täglichen „Einfuhr“ als Kohlehydrate. Wie in dem Artikel beschrieben hat das aber zu einem deutlichen Anstieg an selber zubereitetem und frischen geführt 🙂
          Und zu einem Gewichtsverlust im mittleren zweistelligen Bereich. Der kommt aber sicher auch mit von den 3+h Ausdauersport pro Woche, aber der alleine würde es sicher nicht rausreissen…

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      • Ich meinte nicht das Fett im Essen sondern jenes am Körper, z.bsp Bauchfett, welches nach ach immer mehr Essen ruft…ein Teufelskreis!

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  15. Simone Crevecoeur sagt:

    leider kenne ich auch jemanden,der sich nicht helfen lassen will,weil er der
    meinung ist, keinerlei probleme zu haben. mein vater,83, hat seit ca.6 jahren
    diabetes. anfangs sollte er tabletten nehmen. er nickte dazu,versicherte hoch und
    heilig, sie gewissenhaft zu nehmen, doch stellte sich heraus, dass die allermeisten
    davon im klo oder muelleimer landeten.meine mutter nahm den taeglichen kampf
    auf sich und beaufsichtigte meinen vater bei der einnahme. doch es war bereits zu
    spaet,der schaden angerichtet. nun kommt zweimal taeglich ein pflegedienst vorbei,
    insulin zu spritzen. mein vater hasst die spritzen und droht ein ums andere mal, die
    pflerinnen hinauszuwerfen.keiner erklaerung, keinem guten zureden ist er zugaenglich.
    diabetes…das haben sich ein paar bloede aerzte ausgedacht,die nur panik verbreiten
    und geld raffen wollen. andere leute mit diabetes…das sind doch spinner, die bilden sich das
    nur ein. angst vor den folgen…ich hab doch gar nichts,tut schliesslich nichts weh.weniger
    essen,zucker einsparen…ich lass mich doch nicht bevormunden.er glaubt allen ernstes,
    wenn er den diabetes lange genug ignoriert,dann kann ihm auch nichts passieren. meine
    mutter weiss bald nicht mehr, wie sie ihn dazu bewegen soll,die therapie fortzusetzen.
    ja, das kostet nerven und hat eine erschwernis und gleichzeitig eine erklaerung: mein
    vater leidet zu allem ueberfluss auch noch an fortgeschtittenem alzheimer.
    sorry fuer den roman, wollte nur aufzeigen,was es noch fuer gruende fuer die leugnung
    von krankheiten gibt.

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  16. Lily sagt:

    Zur „Ehrenrettung“ der guten Dame muss ich mal in die Runde werfen, dass ein hoher Blutzucker durchaus auch auf das Gehirn wirkt, und Konzentration, Aufmerksamkeit und Denkfähigkeit erheblich stören kann. Wenn man dann ohnehin schon etwas verpeilt ist und zu Verschwörungstheorien neigt, ist im Grunde schon alles zu spät. Auch an Typ II -Diabetes sind die Menschen im Übrigen nicht einfach selbst schuld. Natürlich spielt die Lebensführung eine erhebliche Rolle, aber etwas so Zentrales im Leben wie das Essverhalten einfach mal eben so zu ändern ist vielen Menschen nicht möglich, egal, was auf dem Spiel steht. Dazu gehören mehr als gute Tipps und ein freundlicher Klaps auf die Schulter. Es braucht Schulung, Information, Überwachung und Motivation, auch von Seiten der Ärzte. Da Diabetes aber eher „zu Hause stattfindet“ und Diabetiker nach Angabe meines Arztes „störrisches Patientengut“ sind, spielen da auch schnell Widerstände, Autoritätsprobleme und solche Dinge mit, abgesehen von Einsamkeit und Alter und unstrukturierten Lebensweisen, die sich zu leicht mit „Trostfuttern“ überspielen lassen. Und eine Einstellung eines Typ-II-Diabetes mit Tabletten ist schon eine ziemlich harte Veränderung. Da ist Insulin oft nicht nur schonender gegen die Bauchspeicheldrüse (weil die mal ein bisschen ausruhen kann), sondern auch schonender, weil flexibler bei der Nahrungsaufnahme, für die Patienten. Leider hat man als Diabetiker (und ich bin Typ I), schnell den Eindruck, dass die Umwelt findet, dass der DM eine gerechte Strafe ist für „Sünden“ am Tisch, und nicht etwas, was sehr wohl auch mit Veranlagung zu tun hat. Das ist nicht hilfreich.

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  17. Irene sagt:

    Danke, Lily.
    „Faulheit“ möchte ich nicht einfach so stehen lassen, was ja einige hier geschrieben haben. Wenn es so einfach wäre, sich mal eben ein bisschen zu überwinden und aufzuraffen, wären wir doch alle gesund ernährt, normalgewichtig und ohne Laster.
    So lange es im Kopf nicht den berühmten „klick“ gibt, wird man nicht durchhalten.
    Für mich bedeutet jeder einzelne Tag noch immer Verzicht, nach über 2 Jahren, daher gehe ich davon aus, dass das auch für den Rest meines Lebens so sein wird.
    MIR ist es das wert, aber ich kann verstehen, wenn jemand sagt, dass er das nicht will – lieber früher sterben (die damit möglicherweise verbundenen Leiden blendet man leicht aus) und dafür täglich Genuss gehabt.
    Meine Diabetes-Veranlagung habe ich übrigens von beiden Elternteilen geerbt. Ich kann ihn vermutlich ohnehin nur hinauszögern und hoffen, dass ich zumindest nie spritzen muss.
    Wie gesagt: dafür werde ich vermutlich fast an jedem Tag der kommenden ca. 30 Jahre mindestens einmal denken „Ach, wie gerne würde ich jetzt xxx essen“ und traurig auf meinen Müsliriegel gucken.
    Natürlich sündige ich gelegentlich, aber ich würde lieber täglich sündigen (Torte, Eis, Nudeln mit Sauce satt etc.) können und nur gelegentlich Müsliriegel und Rohkost essen statt umgekehrt g.

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  18. Ilka sagt:

    Au man, da kann man echt nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Entweder hat sich die Frau bewusst dagegen gewehrt und hat mit Schuldzuweisung versucht den Diabetes andren in die Schuhe zu schieben, oder sie war einfach nur mies geschult und aufgeklärt. Ich vermute letzteres. Die Aufklärung über die Diabetes in Deutschland ist ein Witz und gerade was den Unterschied zwischen Typ1 und Typ2 angeht ist unterirdisch.

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  19. Stöber sagt:

    Na Mahlzeit.
    Woher das Pflegepersonal und die Ärzte das Kürzel ‚DDD‘ verwenden, muss man bei diesem Musterbeispiel gar nicht mehr erklären.
    Im Krankenhaus findet man diese Unverständigen zuhauf.

    Es ist nachvollziehbar, dass Angehörige und Heilberufler irgendwann nur noch hilflos die Schultern zucken. Jeder hat schließlich das Supergrundrecht auf Doofheit!
    Wo mir aber dann das Messer in der Tasche aufgeht: Was das an Kosten verursacht! Und es bindet die Kräfte für wirklich Kranke. Die Krankenhäuser und Praxen sind voll von stumpfsinnigen Metabolischen Syndromen, die Apotheken verschieben Tonnen von Antidiabetika und Mitteln gegen die zahlreichen Folgeerkrankungen. Alle zahlen fröhlich.

    Ich bin für die Nichtübernahme von Zivilisationskrankheiten seitens der Solidargemeinschaft. Präventionsprogramme, Diagnoseintervalle und Ausstiegs-Hilfe zu Beginn der Fettspirale oder Raucherlunge sind sinnvoll und ausbaufähig. Wer dann aber noch weiter frisst oder raucht, soll sich für alle Folgen selbst privat absichern.
    Diese ‚mir doch egal – der Arzt soll mir was dagegen geben‘-Haltung würde dann nicht mehr lange grassieren.

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    • turtle of doom sagt:

      „DDD“ heisst „dumm, dreist und dick“?

      Solange eine Krankheit durch die Wahl des Lebensstils verursacht wird, würde ich als Arzt den Patienten an den Psychiater/Psychotherapeuten weiterverweisen. Wer Biersport betreibt, übergewichtig ist, hohen Blutzucker auf defekte Messgeräte schiebt – der zeigt im Grunde genommen ja ein selbstverletzendes Verhalten.

      Da denke ich mir immer wieder… oh, die Leute müssen ihren Körper hassen!

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      • 08/15 sagt:

        Oder Bier lieben 😉

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      • Caldwhyn sagt:

        Zumindest in Deutschland ist eine bestehende Adipositas (BMI > 30) auch durchaus eine Indikation für eine Psychotherapie. Gibt nur leider nicht sooo viele Kollegen, die da gerne mit arbeiten.
        Ich würde aber eher in Richtung mangelnde Stressbewältigungsmöglichkeiten denken und nicht gleich an Selbstverletzung 😉

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  20. Simone Crevecoeur sagt:

    also ich weiss ja nicht,stoeber,aber irgendwie klingt das alles
    doch recht kaltschaeuzig in meinen ohren…

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  21. nutella sagt:

    Ich meine – wie kann es ihr mit diesen Werten noch überhaupt gut gehen?!

    Als mein Diabetes diagnostiziert wurde, lag mein HBA1C bei 14,x und der aktuelle Wert war über 700mg/dL. Mit ging es zwar soweit „gut“, aber rückblickend betrachtet auch nicht mehr. Ich habe innerhalb von einer Woche gute 5kg abgenommen (auf einen BMI von dann etwa 18), und ich war nur noch müde, obwohl ich fast 14-15 Stunden täglich geschlafen habe. Nur hatte ich halt keine Ausfallerscheinungen.

    20 ist aber nochmal eine ganz andere Größenordnung wie 14.
    (Vielleicht nutzt sie den Diabetes ja als Abnehmkur evil…)

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    • Pharmama sagt:

      die 20.7 ist nicht der HBA1C sondern der Blutzucker aktuell, einfach nicht in mg/dl sondern mmol/l. Umgerechnet wären das etwa 373 mg/dl. Da hast Du sie tatsächlich noch geschlagen …

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      • nutella sagt:

        Schon klar – aber wenn sie angeblich nüchtern solche Werte hat, wird der HBA1C ja in ähnlichen Höhen liegen. (Und mir ist bewusst, was für ein verdammtes Glück ich gehabt habe, ohne irgendwelche Probleme mit solchen Werten ins Krankenhaus zu gehen.)

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