Der engagierte Arzt

Ich schreibe (zu oft) negatives über Ärzte. Unleserliche Rezepte, seltsame Dosierungen, unhöfliche Reaktionen am Telefon … — Dabei habe ich im Normalfall gar nicht so grosse Probleme mit den Ärzten hier. Mit den allerallermeisten arbeite ich auch gut zusammen und empfinde sie als durchaus kompetent und fähig.

Heute aber mal ein wirklich ausserordentliches Exemplar von einem engagierten Arzt. Und dann erst noch einer aus dem Spital!

Ich habe nämlich diesen Fax bekommen. Als „CC“ sozusagen. Das Original hat der Arzt brieflich so an die Patientin geschickt.

Finde ich toll! Ich bin gespannt, ob das was bringt.

Die angeschriebene Patientin war nie einfach. Aufgrund einer (psychologischen) Grunderkrankung ist sie zutiefst misstrauisch gegenüber medizinischem Personal, was sich dann hauptsächlich darin niederschlägt, dass sie ihre Tabletten nicht nehmen will.

Ihre Tabletten, das sind hauptsächlich Blutdruckmedikamente und ein Cholesterinsenker. Frau Leery hat nämlich, wenn sie ihre Medikamente nicht nimmt einen wirklich hohen Blutdruck. Da läuft sie durchaus mit knallrotem Kopf durch die Gegend und beklagt sich über „Klopfgeräusche“ in den Ohren und Kopfschmerzen. So hoch.

Trotzdem fand sie, sie „vergesse halt“ gelegentlich die Tabletten zu nehmen, das sei ja nicht so schlimm. Dafür nehme sie dann am nächsten Tag einfach je 2 Tabletten – „das wird es ja wohl schon richten“. Dass sie dafür dann statt Kopfschmerzen Schwindelgefühle hat, hilft natürlich auch nicht: „da sieht man wieder, dass die Tabletten nicht gut sind für mich!“

Einen Hausarzt hat sie übrigens nicht – sie geht zur Konsultation ins Spital. Widerwillig … wie gesagt, sie hat ein (krankhaftes)  Misstrauen gegen Ärzte.

Mit viel Geduld und noch mehr gutem Zureden haben es der Arzt dort und wir es geschafft, eine Lösung zu finden, dass sie ihre Medikamente nimmt – und zwar richtig. Wir richten ihr das Doset anhand einer Dauerrezeptes einmal wöchentlich.

Das funktionierte sogar ziemlich gut. Frau Leery kam jeden Freitag in die Apotheke gewackelt und tauschte leeres gegen neues Dosett und ein paar freundliche Worte mit den Angestellten.

Wochen und Monate gehen so vorbei.

Dann … kam sie auf einmal nicht am Freitag.

Man telefonierte … sie versprach zu kommen … und liess es einfach sein.

Wiederholte Telefonanrufe unsererseits brachten gar nichts. Sie hängte dann einfach auf.

Jetzt … zwingen kann ich sie nicht.

Und da sie im Spital ist und nicht beim Hausarzt habe ich nach der Zeit auch keine wirklich zuständige Anspruchsperson dort. Ich hab’s versucht.

Ein paar Wochen vergehen, dann bekommen wir einen Anruf aus dem Spital.

Der Arzt fragt nach Frau Leery: „Sie ist doch Patientin bei Ihnen. Was für Medikamente und in welcher Dosierung nimmt sie im Moment?“

„Ich kann ihnen sagen, was sie bisher hatte – Momentan nimmt sie aber wohl gar keine, da sie seit ein paar Wochen nicht mehr ihr Dosett holen gekommen ist.“

Arzt: „Oh, das erklärt dann auch ihren wahnsinnig hohen Blutdruck.“

Jaahaaa.

So jetzt also der Brief.

Und wenn sie darauf nicht reagiert und kommt, dann schreibe ich auch noch einen.

Irgendwie muss sie sich doch davon überzeugen lassen, dass wir nur das Beste für sie wollen. Bei soviel Engagement.

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23 Antworten auf „Der engagierte Arzt

  1. Vielleicht verträgt sie ja nur „pffflannnzlichs“… ich könnte ein Lied davon singen, aber ich werde die Noten der Menschheit zuliebe nicht aufschreiben…

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  2. Es tut mir leid, aber für mich klingt das nicht engagiert und besorgt, für mich klingt das schlicht nach massiver Belästigung und Hinterherschnüffeln bevormunden wollen…

    Es ist sicher nicht gut was sie macht, aber es ist nicht an euch jemanden dermaßen zuzusetzen…
    Empfehlen? Ja.
    Nachfragen? Maximal wenn sie von sich zu dir/dem Arzt kommt.
    X Mal anrufen um sie zu bedrängen und sich dann beschweren das aufgelegt wird? Sorry, mir fehlen die Worte um nicht beleidigend auszudrücken, was ich davon halte. Nur so viel: meine Reaktion würde wohl sehr viel unangenehmer ausfallen als auflegen, sofern ich überhaupt dran ginge oder auch nur das Telefon anlassen würde (und ich überhaupt eine Nummer weitergeben würde..)… Eine sehr klare, wenig freundliche Aufforderung das zu unterlassen wäre beim zweiten Anruf das mindeste und danach… nun Trillerpfeifen und die Polizei wären zwei Gedanken, die mir kämen.

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    1. Noch vergessen: Ist es keine Schweigepflichtsverletzung wenn du so Informationen dem Arzt weitergibst?
      Zumindest ist es ein Vertrauensbruch und du bestätigst, wenn sie es merkt, nur ihr Misstrauen…

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      1. Nein ist es nicht. Weder Schweigepflichtsverletzung noch Vertrauensbruch. Der Arzt ruft mir im Auftrag des Patienten an um wichtige Informationen für die Behandlung zu erlangen.

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      2. Nächstes mal Informiere dich doch wenigstens bevor so ein Quatsch schreibst.
        Sowohl der Arzt als auch Pharmama sind an der Behandlung beteiligtes Fachpersonal.
        Eine Absprache ist hier offensichtlich nötig.
        Außerdem scheint dir nicht bewusst zu sein was für Massive Folgen stark erhöhter Blutdruck hat. (Und ziehst mit der Trillepfeife sogar eine Körperverletzung in Betracht.)

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        1. Ich habe GEFRAGT ob es nicht so ist, was schlicht ein Informationen einholen ist…
          Und es IST mir bewußt, was hoher Blutdruck anrichten kann… kleiner Beweis gefällig?
          Gefäßschäden durch die zu starke (Druck)Belastung als primäre, dadurch Verhärtungen und Narben und dadurch Verengungen und wiederum dadurch Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden, Netzhautschäden (wobei es bei Kapilaren durchaus schon reicht wenn sie verletzt werden, was nebenbei auch noch zu Hirnblutungen bzw Schlaganfällen führen kann). Was dann zum Tod, Nierenversagen, Erblindung und diversen anderen Unerfreulichkeiten führen kann bzw wahrscheinlich wird. Reicht das? Nur bin ich der Meinung, das man jemanden aufklären sollte und es dann ihm, und ihm alleine überlassen soll, was er oder sie daraus macht.
          Wenn die Person zur Weiterbehandlung wiederkommt bzw. überhaupt kann nachgefragt werden, sofern es nicht anders abgesprochen wurde.
          Plötzliches nicht mehr kommen würde eine Nachfrage rechtfertigen, aber mehr wäre meine Meinung nach schlicht
          (Nur hypothetisch, real würde es nichtmal zum ersten Anruf kommen. Ich bin als Telefonmuffek schlicht zu 9x% der Zeit telefonisch überhaupt nicht zu erreichen.)

          Achja: eine Absprache mag sinnvoll sein, bloß wenn sie „heimlich“ erfolgt wird sie wohl kaum dazu beitragen, Misstrauen abzubauen, im Gegenteil dürfte es nur noch bestätigt werden.

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      1. Ich verwechsele Fürsorge und Bedrängen ganz und gar nicht.
        Was fürsorglich gemeint ist, kann sehr leicht ein Bedrängen sein.
        Eine Einmischung und Grenzüberschreitung ebenfalls.
        Und zwar dann wenn sie unerwünscht ist und dies mitgeteilt wurde (sei es durch Worte oder sonst wie, das Auflegen fällt klar unter letzteres.
        Die Frau ist erwachsen und mündig. Sie hat ihre Empfehlungen bekommen, wenn sie entscheidet nicht danach zu handeln ist es ihr gutes Recht.

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        1. Sie selber ist, indem sie bei uns ein Dossier richten liess (über Monate) in ein Behandlungsverhältnis eingetreten. Natürlich frage ich da nach, wenn sie dann auf einmal nicht mehr kommt. Und wenn sie nach 2, 3 Telefonanrufen nicht darauf reagiert … dann ist das ihre Entscheidung. Ich habe es versucht. Ich höre dann auch wieder damit auf. Mit „Bedrängen“ hat das meiner Meinung nach nichts zu tun.
          Dann ist sie selber wieder ins Spital zum Arzt gegangen. Und weil sie so informiert und mündig ist (sorry, Sarkasmus wieder aus), konnte sie ihm nicht sagen, was sie vorher für Medikamente hatte (obwohl die auf dem Dosett auch angeschrieben sind). Und der Arzt übernimmt ihre Behandlung und fragt deshalb bei uns nach. Und bemüht sich dann, ihr klarzumachen, wie wichtig das ist, dass ihr Blutdruck behandelt wird.
          Sehr bedrängend.

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          1. Sind Dossiers in schweizer Apotheken nicht zwingend notwendig, sobald man etwas von einem Rezept holt? Und es dann, wenn es per Dauerrezept abläuft auch nicht mehr so einfach ist deswegen es woanders abzuholen? Und je nach Gegend auch keine so gut erreichbar wäre (wobei ich meine, das du geschrieben hast, das bei euch in der Nähe noch andere sind).

            Konnte oder wollte sie es nicht sagen? War sie denn wegen dem Blutdruck (direkt oder indirekt) dam oder wegen was ganz anderem und wurde dann damit „überfallen“?
            Wenn es wegen etwas anderem war oder indirekt und sie dann auf etwas angesprochen wird, weshalb sie nicht da ist und wohl beschlossen hat nichts dagegen zu tun wäre ein „weiß ich nicht“ eine einfachere Art das abzublocken als dem, von vielen als Person, der man niemals widersprechen darf zu sagen, das man nicht will.
            Es ist sicher nicht gut, aber es wird nur Widerstand hervorrufen oder stärken, wenn man dadrauf rumreitet, es auch noch mehrere Seiten tun. Ich denke die Entscheidung dafür etwas zu tun muß von ihr allein und in Ruhe kommen, oder gar nicht.

            Es kann schlicht an meinem einzelgängerischem Wesen liegen, aber ich empfinde es als sehr aufdringlich wenn man mich immer wieder wegen ein und derselben Sache anruft und wenn ich das abblocke auch noch Briefe schickt… Ich bin nicht gekommen, weil ich es nicht (mehr) wollte. Einmal nachfragen wäre noch ok, mehr nicht.
            Ja, es erscheint mir sehr bedrängend.

            (Das auch hier, weil oben -wohl weil es langsam eine zu lange, schmale Spalte geben würde- keine Antwort mehr möglich ist). Das „heimlich“ weil es so klang als würde der Arzt ohne ihr Wissen anrufen würde. Oder sind solche Telefonate bei euch üblich und allemein bekannt das sie es sind?

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  3. Puh, ich find das klingt nach so einem Fall wo man alles falsch machen kann. Wenn man die Dame nicht auf die Notwendigkeit der richtigen Medikamenteinnahme hinweist scheint sie die Medikamente ja entweder gar nicht, unregelmäßig oder schlichtweg falsch einzunehmen.

    Wenn aber das Misstrauen in medizinisches Personal wirklich sehr groß ist, kann es auch sein, dass sie irgendwann den Eindruck bekommt „die“ (aka Arzt und Apotheker) wollen ihr bewusst etwas böses.

    Ich kann mir vorstellen, dass sie das Nachhaken als so etwas verbucht hat. Andererseits kann es auch sein, dass wenn man NICHT hinterhertelefoniert in ihr der Verdacht keimt: „Hm, wenn die sich nicht melden, dann kann es ja doch nicht so schlimm sein!“

    Klingt jedenfalls so als müsse man bei ihr mit enorm viel Fingerapitzengefühl rangehen, dass dann aber trotzdem egal was man macht es schief laufen kann.

    Natürlich jetzt viel interpretiert 😉 Aber so klingt die Dame nach dem kurzen Einblick für mich.

    Viel Erfolg bei ihrer weiteren Behandlung, ich bin mir sicher dass wenn alle an einem Strang ziehen es zu einem guten Ergebnis kommt (und ich lob mir das Engagement von beiden Seiten, einmal die Pharmama und dann der Spitaler Arzt! Topp!)

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  4. Sie ist der Typ, der sich nicht um ihre Medikamente kümmert. Sie hat uns im Spital beim Arzt als Informationsquelle angegeben . Ansonsten wäre das für den Arzt schwierig geworden, denn: Ja, es gibt noch einige Apotheken mehr hier.
    Mach sie nicht unnötig zum Opfer. Das ist sie nicht.

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    1. Das geht an mich, oder?

      Ok ^^
      Da habe ich vielleicht meine Perspektive und einzelgängerischen Neigungen zu stark reingebracht :<
      Ich wäre absolut mit den Nerven am Ende wenn ich so überflutet würde…

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      1. Ja, entschuldige, aber ich musste übers iphone rein, da ist das mit dem unten Anhängen bei den Kommentaren offenbar schwieriger (noch etwas, was ich schauen muss, ob sich das ändern lässt).
        Ob man 2 (maximal 3) Telefone jetzt überflutet nennen kann, weiss ich nicht.
        Immerhin (ist mir noch eingefallen) hätte sie auch jederzeit *sagen* können, dass sie das Dosett nicht mehr abholen will. Das hat sie nicht. Nonverbal war das nach einer Weile natürlich auch klar.
        Auf der anderen Seite: das ist wie wenn Du einen Termin irgendwo abmachst (von mir aus einen geschäftlichen) … und dann einfach nicht auftauchst. Da ist auch zu erwarten, dass man zumindest nachfragt, was los ist.

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        1. np, war ja auch so zu erkennen ^^

          „Auf der anderen Seite: das ist wie wenn Du einen Termin irgendwo abmachst (von mir aus einen geschäftlichen) … und dann einfach nicht auftauchst. “
          Ähm nein. Ich wüerde den Termin damit verlieren, eventuell müßte ich eine Entschädigung zahlen oder so, aber sonst würde mir nicht nachgerannt werden. (Personen, die man besser kennt mal ausgenommen). Wenn nochmal ein Kontak stattfindet würde es vielleicht thematisiert werden, aber nicht extra anrufen oder so…
          Ist das eine Mentalitätssache? Ich habe schon ein paarmal den Eindruck bekommen, das Schweizer mehr auf andere achten, und zum kümmern als Deutsche. Wobei das auch täuschen kann,ich kenne nur wenige Schweizer. Was einerseits schön zu sehen ist, mich aber irritieren würde, zu ungewohnt und zu viel Kontakt…

          Ich denke, das ist auch der Grund warum ich es als flutens ehen würde wenn man auch noch mehrmals anrufen würde… einmal wäre schon einmal mehr als erwartet…

          Was das nicht sagen das sie nicht will… ich kann nur spekulieren, vielleicht wieder das Autoritätsperson, der mannicht widersprechen darf udn irgendwie anders drumrum schiffe? Oder vom Anruf überrumpelt und dann einfach zusagen? Oder was auch immer.. aber sie hätte es sagen können/sollen, klar…

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  5. Bescheidene Frage von aussen: wenn Du der Dame das Dosierbrett richtest und sie das dann nicht abholen kommt… spätestens nach zwei Mal dürfte da doch ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden für Dich enstanden sein? Wer trägt den?

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    1. Dosett, nicht Dosierbrett (das gibt’s glaub nur in Afrika).
      Hmmm, nicht ganz sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe wegen dem wirtschaftlichen Schaden aber ich versuch’s mal.
      Wenn ich ein Dosett richte, öffne ich dafür Medikamentenpackungen. Wenn ich das mache, verrechne ich das der Krankenkasse. Wenn sie das Dosett nicht abholen kommt … nun, ich kann die Tabletten nicht wieder in die Packungen zurückmachen. Das wird verrechnet. Natürlich werde ich, wenn das Dosett (wie im Fall oben, was zum Glück selten ist) nicht noch ein weiteres Dosett richten, bevor das nicht weg ist. Von daher hält sich der wirtschaftliche Schaden für mich in Grenzen.
      Das gilt für die Schweiz. Für Deutschland könnte ich mich vorstellen, dass die Krankenkassen da auch einen Fall konstruieren könnten, weshalb man die so „nicht abgegebenen Medikamente“ nicht verrechnen dürfte.

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  6. Ich finde toll, dass es doch noch engagierte Ärzte gibt.
    Ich bin auch jemand, der sich immer dazu durchdringen muss, seine Medikamente zu nehmen. Zwar aus anderen Gründen, als die beschriebene Dame. Ich wurde dann schonmal von den Sprechstundenhilfen meines Lungenfacharztes angerufen, ob ich nichtmal vorbei kommen wolle, um mir wieder ein neues Rezept abzuholen. Da habe ich mich auch erstmal kontrolliert gefühlt. Ich finde es aber auf der anderen Seite auch beruhigend, dass nicht nur ich, sondern auch die Arztpraxis meine Medikamentevorräte im Blick hat. Ein Dosett bestücke ich mir jede Woche selber, da ich so meine Medikamente zuverlässiger nehme und nicht jeden Tag mit allen möglichen Schachteln rumhantieren muss, sondern nur einmal die Woche und ich wenn ich unterwegs bin, einfach das für den Tag benötigte Döschen mitnehmen kann.

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