Das seltsame Rezept …

Nun also zur Geschichte um das Rezept von gestern: 

Abgegeben wurde das Rezept vom Patienten selber. Weil wir das Gabapentin nicht an Lager hatten – und weil uns das Rezept leicht seltzam vorkam, haben wir ihm gesagt, er soll am Abend wieder kommen.

Das Rezept ist ausgestellt vom Kantonsspital. Was etwas kurios ist, denn das Spital nennt sich seit Jahren Universitätsspital. Ein genauerer Blick auf das Rezept zeigt, dass das wirklich eine uralt-Vorlage sein muss. Die Telefonnummer ist noch 7 Stellig drauf – heute benutzen wir 10 Stellige Nummern. Das Ausstellungsdatum ist übrigens aktuell: von 2 Tagen vorher.

Ich habe also in das Spital telefoniert. Wobei sich noch ein paar Ungereimtheiten mehr ergaben.

So ist zum Beispiel der Arzt, der da unterschrieben hat seit  Jahren selbstständiger Kinderarzt und arbeitet nicht mehr beim Spital.

Gut, es handelt sich um ein Mittel gegen wiederkehrende Blasenentzündungen und ein Antiepileptikum / Mittel gegen Nervenschmerzen. Nicht unbedingt etwas, was missbraucht wird, oder? …

Auch die Frage nach dem Patienten – übrigens männlich (nochmals seltsam: Uro Vaxom bei einem Mann?!) – bringt einen nicht weiter. Der ist nämlich laut Aussage vom Spital das letzte Mal vor 2 Jahren dort gewesen.

Es wird immer verrückter.

Und dann meldet noch die Krankenkasse, dass die Versicherungsdeckung auf die Grundversicherung beschränkt wurde … was praktisch heisst: er zahlt die Prämien nicht und wurde nur auf Notfallbehandlung gesetzt.

Jedenfalls – dieses Rezept ist eine Fälschung. Das der Kasse abzurechnen würde mich bei einem Betrug mitschuldig machen.

Höchstens noch, dass ich ihm eine Packung verkaufen würde – ohne Rezept als Notfallabgabe. Falls er mich überzeugen kann, dass er das nicht missbraucht.

Das konnte er im Endeffekt nicht. Tatsächlich machte er, als ich ihm den Sachverhalt erklärt kehrt und verschwand ohne Rezept oder Medikament.

So sieht übrigens der Rezeptkopf eines aktuellen Rezeptes des Unispitals aus:

Wo das alte Rezept herkommt? Und was wohl die Geschichte hinter dem ganzen ist: vielleicht wollte er wirklich nur den Arzt sparen … dafür ist er aber ziemlich weit gegangen, wenn er Rezept und Stempel gefälscht hat.

Interessanterweise habe ich nachher gelernt: Ja, auch Gabapentin wird von manchen missbraucht. Siehe  auf infomed.ch und hier:   :-(

Sachen gibt’s.

Danke an Suzi für den Beitrag!

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11 Antworten auf „Das seltsame Rezept …

  1. Ja, auf den möglichen Missbrauch wollte ich auch gerade hinweisen; bei Pregabalin (Lyrica) ist das ja bereits seit Jahren – zumindest bei Suchtmedizinern und in verwandten Tätigkeitsbereichen – bekannt (und aufgrund des furchtbar schwierigen Entzugs sehr problematisch), da lag zumindest für den pharmakologischen Laien bei ähnlicher Substanzbezeichnung und vergleichbarer Indikation ein Missbrauch im Bereich des Möglichen. :-)

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      1. Lyrica schleich ich gerade ein. Als ich grob danach gegoogelt habe, hab ich auch zig Foren und Seiten dazu gefunden. Baclofen wird auch gerne „missbraucht“ als Mittel zur Alkoholentwöhnung.

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  2. Ich hatte nach Medikament + Missbrauch gegoogelt und war auch drauf gestossen, aber auch, dass es wohl eher… nicht so tolle „Zustände“ beschert.
    Vielleicht hat irgendwer mal vor Jahren im Kantonsspital einen alten Rezeptblock im Papierkorb entsorgt, und die Rezepte waren schon vor-unterschrieben. Und der Patient hat den Block rausgefischt.

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    1. Vielleicht. Denn ausgefüllt wurde das Rezept definitiv erst relativ kürzlich: vorher hätte ein Arzt statt Gabapentin wohl Neurontin (das Originalmedikament) aufgeschrieben.

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  3. Auf dem Rezept steht auch „Gebapentin“ statt „Gabapentin“ – denke das hat er sich dann wohl selbst aufgeschrieben…

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  4. …hmm – das verstehe ich jetzt nicht – wenn der Einreicher schon eine Totalfälschung liefert, um an Gabapentin zu kommen, warum schreibt er sich nicht gleich ’ne 100er Packung auf? Und wozu das urologische Dings dazu? Für mich: Doof bleibt doof – da helfen keine Pillen… ;-)

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