Einmal die Glaskugel bemühen, bitte

Wir bekommen ein Rezept gefaxt – leider war der Patient noch nie bei uns, deshalb habe ich auch seine Information nicht im Computer.

Ausserdem kommt das Fax nach 12 Uhr Mittag – zu spät zum bestellen, dass es heute noch kommt. Etwas doof. Speziell, weil der Mann auch nicht im Telefonbuch gelistet ist, dass ich ihn informieren könnte – deshalb warte ich erst mal ab. Wenn ich es sowieso bestellen muss, kann ich das noch bis heute Abend machen, auch dann kommt es morgen.  Es ist auch nichts, das zwingend sofort genommen werden muss (man denke an die üblichen „Betriebsmedikamente“ wie Blutdruckmittel etc. nur eine seltener gebrauchte Packung ).

Nach ca. 2 Stunden kommt ein Mann herein und verlangt „Die Medikamente vom Fax den sie heute bekommen haben für (Name).“

Ja, es ist der Patient vom Fax-Rezept.

Ich erkläre ihm, dass ein Teil erst bestellt werden muss und dann Morgen parat ist.

Mann: „Aber ich habe es extra hierher faxen lassen, damit es bereit ist, wenn ich komme.“

Pharmama: „Der Fax kam leider erst nach 12 Uhr an. Das ist nach unserem Bestellschluss für den Tag.“

Mann: „Und weshalb haben Sie mich nicht gleich darüber informiert?“

Pharmama: „Weil Sie noch nie mit einem Rezept hier waren und ich Ihre Information nicht im Computer habe. Ausserdem sind Sie nicht im Telefonbuch gelistet“

War er unzufrieden? Natürlich.

„Sie hätten den Arzt anrufen können und oder nach der Nummer fragen. Der hat sie.“

Pharmama: „Vielleicht … allerdings neigen Arztpraxen dazu Mittagspause zu machen und ihre Telefone zwischen 12 und 14 Uhr nicht abzunehmen.“

Und ehrlich … irgendwo hat es Grenzen. Ich mache viel, aber ich habe noch andere Kunden – von denen ich weiss, dass sie kommen. Da bin ich genug beschäftigt. Nicht, dass ich es ihm so gesagt hätte …

Aber wahrscheinlich sollte ich für die Fälle meine Glaskugel bemühen: die kann mir vielleicht sagen, wann (und ob) der Kunde kommt und vielleicht grad noch seine Telefonnummer angeben.

Wenn ich nur wüsste, wo ich die hingelegt habe.



18 Antworten auf „Einmal die Glaskugel bemühen, bitte

  1. Zudem – ich würde meinem Arzt was husten (huch, ein Wortspiel! :D ), wenn er einfach so meine Telefonnummer weitergeben würde – auch wenn es einen guten Grund gäbe…

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    1. absolut richtig…. und der Arzt wird ja wohl auch nicht beim patienten anrufen um ihm auszrichten dass die Apo nicht alles vorrätig hat….

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  2. Frag, ob irgendjemand in deiner Apo Boule spielt.

    Dann hast du deine Glaskugel unter Umständen schnell wieder. :)

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  3. Ich arbeite im Einzelhandel.

    Ich bin in der Lage, gleichzeitig 3 Kunden zu bedienen, an der Kasse 4 Fragen zu beantworten, Preise für 5 verschiedene Artikel aus dem Stegreif auswendig zu wissen, Bestellungen bei 6 verschiedenen Firmen zu tätigen und nehme 7 eingehende Telefongespräche an.

    Ich spreche alle Sprachen mit allen Dialekten, kann jede Währung im Nu umrechnen, habe mit allen Bereichen dieser Abteilung zu tun, kenne jeden Artikel und weiß dessen Eigenschaften und wann er lieferbar ist.

    Ich bin verantwortlich für die kleine Aufschrift auf der Verpackung, für defekte Produkte, dafür, dass die Firma nicht liefern kann, für unvollständige Beschreibungen und deren schlechte Übersetzung, die Reparaturdauer beim Hersteller, eventuelle spätere Mängel und natürlich auch für die ungünstigen Einkaufspreise.

    Des Weiteren bin ich verantwortlich für das heutige Wetter, die unwürdigen Bedingungen Ihrer Anreise, die ollen Busse, U- und S-Bahnen. Die verstopften Straßen und die vollen Parkhäuser gehen ebenfalls auf meine Kappe, Sie dürfen mich gern dafür anschreien.

    Ich habe magische Fähigkeiten und kann ausverkaufte Artikel herzaubern, außerdem bin ich in der Lage, die Ware zu Ihrem Wunschtermin vorrätig zu haben.

    Ich kann die Wünsche meiner Kunden von Ihrer Stirn ablesen. Ich weiß auch, dass wenn Sie eine Rücklage für Freitag machen, Sie diese erst am Samstag abholen werden.

    Ich lächle, bin mitfühlend und ersetze meinen Kunden den Psychiater. Ich bin Ihnen gerne beim Abbau Ihrer Aggressionen behilflich und ertrage mit voller Ruhe auch gern die schlimmsten Beschimpfungen und Bedrohungen.

    Alkohol- und Knoblauchfahnen, sowie Schweißgeruch gehören zu meinen Lieblingsdüften, hauchen Sie mich ruhig nach Herzensluft an.

    Ich ersetze die Hausinformationen, kann Drucker, Faxe und Fernseher reparieren, Stromkabel verlegen, Plakate drucken und das ganze Mobiliar selber schreinern; kann schauspielern, singen, tanzen, fliegen, mich unsichtbar machen und unter Wasser 30 Tage die Luft anhalten.

    Ich kenne weder Sonn- noch Feiertage, arbeite gerne unentgeltlich bis in die späten Abendstunden und meine Familie ist mir eh’ unwichtig, denn persönliche Freizeit ist mir ein Graus. Die einzige Freude meines Daseins ist es, anderen selbstlos zu dienen.

    Ich arbeite gerne im Einzelhandel!

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          1. Die meisten Kunden kommen mit „kann man da am Preis noch was machen?“ und sind ganz erfreut, wenn ich ja sage. Wenn ich die Richtung dazu sage aber nicht mehr. Ich weiß gar nicht warum…

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  4. Die Realitätsferne so mancher Kunden (tausche „Kunden“ gegen Bürger, Versicherte, Steuerpflichtigen etc.) werde ich nie begreifen. Aber es gibt diese Sorte Mensch wirklich und wahrhaftig überall. Schrecklich.

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    1. Nun ja…
      Irgendwer meinte mal, der Unterschied zwischen einem Apotheker und einem guten Barkeeper sei -bis auf ein paar wenige Zutaten- gar nicht mal sooooo groß :-)

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  5. wenn Du grad keine Glaskugel zur Hand hasts, genügt vielleicht auch Kaffeesatz ;-)
    Ich bewundere Deine Geduld! Chapeau!
    Grüße
    Hajo

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  6. …lass Dir doch eine Standleitung zur NSA legen – dann erfährst Du einen Tag VORHER, dass selbiger Patient zum Arzt gehen wird und was für Medikamente ihm verschrieben werden…

    Irgendwelche Algorithmen weisen sicher zu 99,97% darauf hin, dass er Deine Apotheke aufsuchen wird.

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  7. Die meisten Kunden kommen mit „kann man da am Preis noch was machen?“ und sind ganz erfreut, wenn ich ja sage. Wenn ich die Richtung dazu sage aber nicht mehr. Ich weiß gar nicht warum…

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