Nicht mit mir.

Auf dem Rezept hat der Arzt aufgeschrieben „Kompressionsstrümpfe Kl II“

Nur dass die Patientin uns mit dem Rezept  einen alten Strumpf unter die Nase hält und sagt: „Ich hätte gerne genau diesen! Der passt mir gut.“

Oookay … aber: der Strumpf stellt sich bei näherer Betrachtung als Klasse 1 Strumpf heraus.

Das bedeutet:

„Ich kann Ihnen auch diesen Strumpf bestellen, aber: Der Arzt hat ihnen eine stärkere Kompression verschrieben … das sollte man eigentlich beachten.“

Frau: „Der Arzt hat den Strumpf nur verschrieben, weil ich ihm das so gesagt habe. Und ich will diesen Strumpf hier!“

Pharmama: „Gut, dann haben wir nur noch ein kleines Problem – Strümpfe der Kompressionsklasse 1 werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Wenn Sie also diesen hier wollen, werden Sie ihn selber zahlen müssen.“

Frau: „Aber ich habe ein Rezept dafür!“

Pharmama: „Die Krankenkassen müssen etwas nicht zwingend übernehmen, nur weil es auf einem Rezept steht. Und … Sie haben ein Rezept für einen Strumpf der Kompressionsklasse 2.“

Frau: „Aber diesen Strumpf hier habe ich auch so bekommen. … Sie können ja der Kasse einen Strumpf der Kompressionsklasse 2 verrechnen, wenn die das bezahlen und mir diesen hier abgeben.“

Pharmama: „Sie … wollen also, dass ich für Sie die Krankenkasse betrüge? … Nein, antworten sie nicht. Das mache ich nicht.“

Frau: „Aber das ging schon einmal so.“

Pharmama „Aber ich mach das nicht.“

Frau: „Und jetzt?“

Pharmama „Entweder ich messe ihnen einen Kompressionklasse 2 Strumpf an – so wie der Arzt das wohl auch gedacht hat – und gebe den ab – den kann ich der Kasse verrechnen …. Oder ich bestelle ihnen diesen Strumpf der Klasse 1 hier – und sie bezahlen ihn selber.“

Sie hat dann ihren Strumpf bestellt und bezahlt.

Nein, das fangen wir gar nicht erst an. Wenn man das macht, kommt sie das nächste Mal nicht nur mit „das ging doch auch schon so“ … und verlangt das nächstem irgendein Nahrungsergänzungsmittel statt den Tabletten auf Rezept, oder – noch besser – gleich Kosmetika. Das gibt’s. Hab ich schon von Mitarbeitern in Apotheken in der südlichen Schweiz gehört. Speziell natürlich von denen, die derart Praktiken gleich eingestellt haben – von den anderen hört man das kaum.

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12 Antworten auf „Nicht mit mir.

  1. Was manche Menschen von anderen, ihnen wildfremden Menschen verlangen, ist manchmal schon…erstuanlich. Krass. Unglaublich.
    Die denken doch nicht ernsthaft, dass man einfach so für eine fremde Person lügt und betrügt?
    Ach, halt, Moment. Tun sie doch. O.o‘

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  2. Immer der selbe Käse. „Ich habe pro Monat 31€ frei gemäß Pflegeversicherung. Da darf ich mir IRGENDWAS für aussuchen!“ – „Nein, da dürfen Sie sich ´zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln gem. § 78 Absatz 1 i. V. m. § 40 Absatz 2 SGB XI´aussuchen.“ – „Ich will aber Seife/Salbe/wasweißich!“ – „Und ich darf ihnen nur das liefern, was hier im Antrag steht. Und dafür haben SIE unterschrieben.“ – „Aber andere Apotheken und Pflegedienste machen das doch auch!“ – „Aber ich habe Ihnen VORHER gesagt, was es gibt und weas nicht. Und dafür haben SIE UNTERSCHRIEBEN.“ – „Aber ich will, ich will ich will! *mit dem Fuß aufstampf wie Rumpelstielzen*“

    Einen herzlichen Dank an die ach so verbraucherfreudlichen Kollegoiden… *seufz*

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    1. Ach was, die erzählt deinen Kollegen vermutlich „aber in Gedankenknickapo bekomme ich immer…“
      Letztens auch bei uns in der Bibliothek „Sie sind die netteste Bibliothekarin“ – ich kann so was gar nicht mehr als Kompliment nehmen, weil ich immer fürchte, dass dann ein „gell, ich darf/bekomme xyz ?“ nachkommt.

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          1. Ich bin sowieso schon immer der Spielverderber. Und Petzen kann auch niemand leiden, besonders wenn die Petze es nicht BEWEISEN kann. Deswegen lächle ich und sage: „Wenn XY das kann ist das prima, ich kann das nicht.“ Und ohne niederträchtig sein zu wollen hoffe ich ab und an, dass eine Kassenkontrolle genau jene Kollegoiden trifft.

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  3. „Außerdem drücken die die Kompressionsstrümpfe Klasse 2 so. Das kann man nicht tragen, das gedrücke hält ja niemand aus! Und im Sommer sind die so warm, da schwitzt man immer so doll! Ta trage ich die sowieso nicht, lieber habe ich dann dicke Beine…“ Und wenn man dann auch noch die ganzen Retouren nach einem halben Jahr wegen „falsch gewaschen“ hat, weiß ich schon, warum ich dieses Geschäft auch schon vor dem Lieferverbot seitens der deutschen KrankenKassen anderen Marktteilnehmern überlassen hatte… *seufz*

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    1. Das habe ich allerdings auch schon gehört.
      Ist auch nicht ganz unwahr: so Kompressionsstrümpfe sind nicht wirklich angenehm.
      Schön auch die Reklamation: „Sie haben mir falsche bestellt, ich wollte solche, wie die im Spital!“
      „Die weissen?“
      „Genau, die waren angenehm!“
      „Die sind aber speziell nur zum tragen für bettlägerige Personen.“
      „Ich will trotzdem lieber die.“

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  4. Also, ich hätte ja auch lieber bequem sitzende Kompressionsstrümpfe Klasse 1.
    Blöderweise bekomme ich aus gutem Grund immer die fiesen, drückenden, im Sommer viel zu warmen Klasse 2-Dinger aufgeschrieben.
    Und die nehme ich dann auch und ziehe sie an.

    Und da draußen laufen echt Leute rum, die das anders handhaben und finden, der Apotheker/die Apothekerin könnte mal eben die Krankenkasse betrügen? Mit allen sich daraus womöglichen ergebenden Konsequenzen?

    Putzig, das…

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