SD-Nebenwirkungen

Eine Frau mittleren Alters bringt mir eine Schachtel von einem Medikament. Ponstan. Mefenaminsäure – für die deutschen Leser (bei denen es das nicht gibt): das ist ein ziemlich häufig gebrauchtes Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung … und der für Frauen netten „Neben-„Wirkung, dass es die Periode nicht nur etwas schmerzfreier, sondern auch kürzer machen kann.

Frau: „Ich hätte gerne eine von diesen.“

Pharmama: „Die sind rezeptpflichtig ….“

Frau: „Ah, das wusste ich nicht.“

Sie schaut etwas verloren auf die Packung.

Pharmama: „Wo haben sie die das letzte Mal bekommen?“

Frau: „Die sind nicht für mich, sondern für meine Tochter. Der Arzt hat sie ihr immer gegeben. Jetzt sind sie ausgegangen. Sie braucht sie für ihre Monatlichen Beschwerden.“

Pharmama: „Ich könnte anfragen, ob er ein Rezept faxt oder schickt und ich es abgeben darf.“

(Wenn die Tochter das noch nie bei uns hatte, frage ich lieber erst nach, vor allem wenn sie nicht selber hier ist – eine der Voraussetzungen, wenn ich eine Ausnahme machen und die Rezeptpflicht umgehen will).

Ich nehme die Daten der Tochter auf – sie hat auch bei uns schon Rezepte eingelöst, wenn auch nicht dafür und frage welcher Arzt – der ist in einem SD Kanton ansässig. – also: er ist ziemlich sicher selbstdispensierend – deshalb hat die Tochter dieses Medikament auch immer von ihm bekommen.

Ich rufe an und schildere mein Anliegen der Praxisassistentin: „Könnten Sie uns ein Rezept faxen, damit wir ihr das geben können? Sie sind ihr ausgegangen.“

Praxisaassistentin: „Ich muss fragen, ich weiss nicht, ob Doktor SD das macht.“

Der Arzt selber kommt ans Telefon: „Nein, die haben wir selber an Lager und verkaufen sie. Sagen sie ihr, sie soll die bei uns holen kommen.“

Nett.

Nicht.

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11 Antworten auf „SD-Nebenwirkungen

    1. Ja, soviel zur freien Wahl des Leistungserbringers …
      (hat dem Arzt schon mal jemand gesagt, dass wir ein Team sein sollten, das um das Wohl des Patienten besorgt ist?)

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  1. Mefenaminsäure soll die Periode verkürzen? Hast du da eine Quelle dazu bzw. ist das dann bei anderen NSAR (zwecks Wirkung auf PG-Synthese) auch so?
    Wir in Deutschland geben bei Regelbeschwerden meist Naproxen ab, dazu hab ich noch nie gehört, dass es die Regeldauer verkürzen würde.

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    1. Die Quelle dazu wäre das Kompendium selber: …
      Es steht „zur Behandlung der Hypermennorrhöe“
      Und nein: von den anderen NSAR kenne ich *die* Wirkung nicht.

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    1. Nein das dürfte er wegen der freien apothekenwahl micht, aber durch die erwähnte ausrede er müsse seine patientin erst sehen, ist er am längeren hebel. Und in der realität kriegt man dann in der praxis kommentarlos die medis in die hand gedrückt von der praxisassistentin in ausbildung….
      Alltag in den sd-kantonen :-(

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  2. Da ist also ein Arzt, der der Meinung ist, daß seine Patientin ein Medikament benötigt (denn er selbst würde es ihr ja „verkaufen“) aber nicht bereit ist das zu rezeptieren? Krass.
    Klar, wenn er sagen würde er muss die Frau erst sehen bevor er das Rezept ausstellt wäre das ein anderes Thema, aber so? Aber vermutlich würde er wenn es drauf ankäme auch behaupten, daß er das so gemeint hat und die Apothekerin auch noch „dumm dastehen“ lassen. Grmpf

    In D wäre das ein Fall um ihn an zu senden…

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  3. Und genau das ist der Grund, warum man den Beruf des Arztes schon vor Jahrhunderten von dem des Apothekers getrennt hat!
    Sorry, aber da sind Apotheken untereinander ja kollegialer. Wie oft, haben wir uns schon untereinander mit Ware ausgeholfen oder für den Patienten die halbe Stadt abtelefoniert….
    Es geht um das Wohl des Patienten, das steht im Vordergrund. Und dazu gehört auch, jemanden nicht unnötige Wege aufzuzwingen.

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  4. Ich bin zwar nicht so medizinisch bewandert, aber hochgradig glücklich, dass es Naproxen gibt. Bei MIR verkürzt es die Periode. Aber nur, wenn ich ein bis zwei Tage vor dem Start schon ein oder zwei Tabletten am Tag nehme. Dafür ist die Periode selber dann nur unangenehm und nicht schmerzhaft(vorher bin ich teilweise umgekippt wegen der Schmerzen) und selbst das unangenehme Gefühl ist nach zwei Tagen komplett weg. Bis auf etwa eine Stunde etwa an Tag fünf. Mein Arzt hat mir erklärt, dass das von dem Schleimpfropf kommt, der dann durch den geschlossenen Muttermund muss. Aber lieber eine Stunde als eine Woche Schmerzen… Und statt etwa acht Tagen sind es nur noch etwa sechs. Also Schleimpfropf ein paar Stunden „nachtröpfeln“. Aber nur, wenn ich rechtzeitig anfange die Tabletten zu nehmen. Wenn ich die erst nehme, wenn es schon wehtut, dann habe ich zwar keine Schmerzen(solange ich weiter Tabletten nehme), aber das unangenehme Gefühl bleibt die ganze Woche. Wenn ich die erst nehme, wenn ich die Schmerzen kaum noch aushalte, dann bringen sie kaum was. Den Fehler hab ich jahrelang gemacht, weil mir keiner gesagt hat, dass ich die schon früher nehmen muss. Das hat mir durch Zufall eine Heilpraktikerin erzählt, als wir im Stall irgendwie auf das Thema gekommen sind(ihr Pferd steht im gleichen Stall wie meins). Ich bin ihr so unendlich dankbar für den Tipp. Weder Arzt noch Apotheker(die mir jedes Mal wieder alles mögliche erzählen zu Schmerzmitteln) hat mir diesen Tipp je gegeben und jedes Mal wieder habe ich vorher geklagt, dass es trotzdem so wehtut und seitdem erzähl ich jedes Mal wieder, dass es mir hilft, wenn ich sie eher nehme und angeblich haben die immer gleichen Leute in der Apotheke noch nie was davon gehört…

    Und die Periode ist nicht nur kürzer und erträglicher, sie ist auch nicht mehr so stark. Früher brauchte ich exakt eine 48-Packung super-Tampons und ein paar super für die letzten Tage. Jetzt sind es zehn bis zwölf super die ersten zwei Tage und für den Pfropf und ansonsten ein paar normale, viel passiert zwischen Tag drei und Pfropf nämlich nicht mehr.

    Sorry für die Unappetitlichkeit, aber wenn nur eine Person das irgendwann liest und auch nur ein bisschen weniger Schmerzen hat deswegen, ist es das wert!

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    1. Ich schlucke gerade und danke dem Ällmächtigen, dass meine Tage schmerzfrei und mit vergleichsweise äußerst geringen Investitionen in Hygieneartikel vorbeigehen. Aber ich merke mir deinen Beitrag für meine Schwägerin…

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      1. Ja, bitte. Wenn es irgendwem hilft, ist das großartig. Und selbst wenn es ihr nicht hilft, ist es einen Versuch wert. Ich hab fast fünfzehn Jahre gelitten, wurde auf sonstwas(Endometriose, Krebs, alles. Ich hab die Scheiss-Pille genommen, ich hab sie gewechselt, ich hab sie durchgenommen, ich hab sie abgesetzt, alles ohne Erfolg) untersucht, nix wurde gefunden und einfach zwei Tage vorher schon ne Tablette nehmen war die Erlösung. So albern das klingt, so gut hat es mir geholfen.

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