Salz und Bluthochdruck und Medikamente?

Die Kochsalzanteile Natrium und Chlorid haben beide eine Bedeutung im Stoffwechsel und wir brauchen eine minimale Zufuhr … allerdings schmeckt uns Salz auch sehr, weshalb es sehr häufig in unseren Lebensmitteln enthalten ist.

Und das ist nicht immer gut. Man verbindet heute Kochsalzzufuhr und Bluthochdruck. Dabei gilt das nicht für alle Personen.

Hypertoniker sind häufiger salzempfindlich als Personen mit normalem Blutdruck. Auch ältere Menschen (>65 Jahre) Personen mit Übergewicht und Patienten mit niedrigen Reninwerten wie Afroamerikaner, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Diabetiker reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der Natriumzufuhr. Da es schwierig ist, die Salzempfindlichkeit im Einzelfall klinisch gestzulegen, ist es sinnvoller Strategien zur Verminderung der Kochsalzzufuhr bei der Gesamtbevölkerung zu entwickeln. ()

… das erklärt, warum in vielen Ländern Bestrebungen im Gange sind, den Salzgehalt von Lebensmitteln (hauptsächlich Fertiggerichte, Backwaren, Wurstprodukte etc.) einzuschränken. Ziel ist laut WHO ein Kochsalzkonsum von weniger als 5 g pro Person und Tag. In der Schweiz sind wir mit 9g noch deutlich darüber.

Der Blutdruck lässt sich bei ungefähr der Hälfte aller Hypertoniker durch eine eingeschränkte Kochsalzzufuhr regulieren. Diese Personen werden als salzsensitiv vezeichnet. Eine Kochsalzaufnahme von ca. 6g pro Tag (entspricht 2400mg Natrium pro Tag) ist erstrebenswert. Ein Kilo Brot enthält beispielsweise ca. 10g Kochsalz.

In einem Gramm Kochsalz sind ca. 400mg Natrium und 600mg Chlorid enthalten. Ob Bluthochdruck nur durch Kochsalz oder auch durch andere Natriumsalze gervorgerufen wird, ist weitgehend umstritten. Vermutlich ist es weniger die Natriumaufnahme alleine, die erhöhten Blutdruck verursacht, als vielmehr das Verhältnis zwischen Natrium und Kalium in den verschiedenen Lebensmitteln oder auch Medikamenten. So bringt ein hohes Natrium-Kalium-Verhältnis (also viel Natrium, wenig Kalium) selbst bei Personen mit normalem Blutdruck eine Blutdrucksteigerung mit sich. Dagegen fördert eine Erhöhung der Kaliumaufnahme, also ein hohes Kalium-Natrium-Verhältnis (viel Kalium, wenig Natrium) die Blutdrucksenkung. Der positive Effekt auf den Blutdruck einer kaliumreichen Ernährung ist auf eine vermehrte Natrium- und Wasserausscheidung über die Niere zurückzuführen.

Aber wir nehmen nicht nur via Lebensmittel Natriumchlorid (Kochsalz) zu uns. Auch via Medikamente … und das kann nicht unerheblich sein, wie dieser spannende Fall beschreibt:

Ein in der Literatur () beschriebener Fall einer 58-jährigen Patientin verlief eindrücklich:

Vermutlich durch die sechs mal tägliche Einnahme von 500 mg Paracetamol (Panadol®) in Brausetablettenform kam es zum Blutdruckanstieg bis auf 210/110 mm Hg. Täglich nahm die Patientin alleine durch die Schmerzmedikation mit Panadol®-Brausetabletten 2562 mg Natrium zu sich, was einer Kochsalzzufuhr von 6,5 g/Tag entspricht. Dazu kam noch das in den verzehrten Nahrungsmitteln enthaltene Kochsalz. Beim Switch zurück von Brausetabletten zu Panadol® Tabletten normalisierte sich der Blutdruck der Patientin sofort wieder.

Das heisst für mich als Apothekerin also auch, da ein Auge drauf zu halten.

Beispiele für Medikamente und Natriumgehalt / entsprechend Kochsalz pro Tablette jeweils

Alka Seltzer (324 mg Salicylsäure) 444mg / 1.13g NaCl

Aspirin C BT (400mg Salicylsäure, 240mg Vit C) 615mg Na, 1,56g NaCl

Berocca BT (VitB Complex, Ca, Mg, Vit C, Zi) 0,69g Na –

Brufen BG (600mg Ibuprofen) 197mg Na, 0.5g NaCl

Calcium f BT Sandoz (500mg Calcium) 70mg Na, 0,18g NaCl

Calcium ff BT (1000mg Calcium) 137mg Na, 0,35g NaCl

Dafalgan BT (500mg Paracetamol) 412,4mg Na, 1,05g NaCl

Dafalgan BT (1000mg Paracetamol) 567mg Na, 1,44g NaCl

Kalium Effervetten (Kaliumcitrat, Kaliumhydrogencarbonat 30mmol K) 660mg Na, 1,68g NaCl

Panadol C BT (500mg Paracetamol, 300mg VitC) 262mg Na, 0.66g NaCl

Pretuval C (20md Dextrometorphan, 30mg Pseudoephedrin, 300mg Paracetamol, 250mg VitC) 119mg Na, 0.3g NaCl

Redoxon BT (1000mg Vit C) 297mg Na, 0,75g NaCl

Solmucol BT (600mg Acetylcystein) 149mg Na, 0.38g NaCl

Supradyn BT (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) 285mg Na, 0,72g NaCl

Magnesiocard 5 Sachets (Mg 121,5 mg) 1,0 mg Na, 0.003g NaCl

Magnesiocard 10 (Mg 243mg) 12,6mg Na, 0.03g NaCl

Magnesiocard 7.5 BT (Mg 182,3mg Magnesium) 135mg Na, 0.32g NaCl

Quelle:

Bei Hypertonikern ist auf die Natriumeinnahme durch Nahrung und auch Medikamente zu achten. Insbesondere auch durch natriumhaltige Hilfsstoffe in Medikamenten. Natriumhaltige Hilfsstoffe sind vor allem in wasserlöslichen Arzneiformen wie Braustabletten oder Granulaten anzutreffen, die unter anderem auch im OTC Bereich eingesetzt werden.

Achtung: Hilfsstoffe sind oft nur unvollständig in der Fachinformation (Arzneimittel-kompendium) deklariert.

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13 Antworten auf „Salz und Bluthochdruck und Medikamente?

  1. Also ich würde mir da ja zuerst einmal Gedanken über 3g Paracetamol pro Tag (offensichtlich regelmäßig über einen längeren Zeitraum) machen – und damit sekundär um den Blutdruck und primär um die Leber. Wenn die Patientin so ein Schmerzproblem hat, sollte man als Arzt über eine andere Schmerzmedikation nachdenken. Wenn die Patientin schmerzmittelabhängig ist, sollte man über eine (Entzugs-)Therapie nachdenken. Parallel sollte man vielleicht ACC in größeren Dosen geben, um die Leber zu schützen… Bekommt man die Patientin von den Paracetamol-BT weg, ist der Blutdruck betreffend der geminderten NaCl-Zufuhr auch gleich besser…

    Und gerade Alka-Seltzer als „Mittel gegen den Kater“ wirbt ja nun (indirekt) mit dem Natrium-Anteil betreffend des Elektrolyt-Ersatzes und damit der besseren „Katerbehandlung“, da diese Form der Kopfschmerzen zu einem Anteil auf Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch den viorherigen (übermäßigen) Alkoholgenuß zurückzuführen sind.

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    1. Das mit den 3g (manchmal sogar 4g) Paracetamol pro Tag sehe ich hier oft. Nicht nur öfters, sondern oft. Wie: mehrmals am Tag. Hauptsächlich verschrieben genau so von den verschiedensten Ärzten. Nur heute mehr Tabletten als Brausetabletten … aber nicht nur.

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    2. Regelmässig 4g Paracetamol sind hier eine durchaus übliche Dauermedikation bei Schmerzen. Und mit üblich meine ich, dass das etwas ist, was mir fast täglich in der Apotheke begegnet. Als Kurzzeit-Therapie bei akuten Schmerzen habe ich ca. 100 Rezepte pro Woche mit dieser Dosierung…

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      1. @Pharmama & @ nicoretta
        Als „Kurzeit-Therapie“ will ich auch nichts schlimmes gesagt haben. Bloß wo hört die Kurzzeit auf und fängt die chronische Einnahme an? 5 Tage am Stück? 10 Tage? 1 Monat? 6 Monate? Mit 4g Paracetamol langfristig ohne ACC-Gabe kann man die Leber durchaus schwer schädigen – je nachdem, wie man sich sonst so ernährt. Solange der behandelnde Arzt die Leberwerte im Auge hat, halte ich auch meinen Mund *schwör*.

        Aber für „chronische Kurzzeitbehandlung“ gibt es m.E. wahrlich besser geeignete Wirkstoffe…

        Übrigens – ein paar „chronisch paracetamolbehandelnden Selbstkäufer-Patienten“ mit Analgetika-Kopfschmerz habe ich auch. Und ich rede mir immer den Mund fusselig… Naja besser so, als dass ich nichts sage… *seufz*

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  2. Sehr interessant, ich wußte gar nicht, wie viel Salz schon in einfachen Schmerzmitteln sein kann! Tatsächlich ist eine schädigende Wirkung von Salz ja wirklich nur bei nierenkranken Bluthochdruckpatienten gesichert. Bei gesunden zeigen die Langzeitstudien interessanterweise, dass diese bei einem moderat erhöhten Salzkonsum länger leben (!) als bei salzarmer Kost. Also ich lasse mir mein Frühstücksei daher am liebsten gut gesalzen schmecken…

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    1. Gesichert – ja. Aber viele Experimente deuten darauf hin, dass die Gesamt-NaCl-Zufuhr auch einen signifikaten Effekt bei „nicht nierenerkrankten Patienten“ hat. So wurden z.B. die „Astronauten“ beim russischen 500-Tage-Mars-Simulations-Experiment besonders salzarm ernährt und die Auswirkungen wurden mit den Testergebnissen vor Experimentbeginn verglichen. Leider haben sich die russischen „Probanden“ nicht an die Ernährungspläne gehalten, weil sie zwischendurch einen Wettbewerb im Body-Building gestartet hatten….

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  3. Liegt es an mir oder ist Paracetamol in Sachen Schmerzlinderung nicht eh extrem schwach?
    Wäre es da nicht eh sinnvoller ein anderes, leberfreundlicheres Mittel zu nehmen?

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    1. Nun, Paracetamol hat viele positive Eigenschaften:
      – man kann es in der Schwangerschaft und Stillzeit verwenden,
      – es gibt kaum Interaktionen mit anderen Medikamenten,
      – es gibt keine Probleme mit der Blutverdünnung und daher
      – ganz selten Probleme wie Magenblutungen etc.
      Nur für die Leber sind zu hohe Mengen halt eben nicht so gesund…
      Die „Wirkstärke“ eines Schmerzmittels ist nur schwer bestimmbar, da Schmerz eine subjektive Wahrnehmung ist. Es ist auch so, dass es von Mensch zu Mensch verschieden sein kann. Jedoch ist Paracetamol von der „Wirkstärke“ her vergleichbar mit Ibuprofen oder ASS.

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    2. Es ist … schwächer. In 1 g Dosierung aber ok.
      Und wenn du sagst leberfreundlicher, sagst du damit gleichzeitig niereunfreundlicher – und ev. Herzprobleme machend (s. Voltaren neuste Warnungen).
      Nix ist ideal.

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    3. Aus dem Compendium: „Vorsicht ist geboten bei Alkoholüberkonsum (akut und chronisch). Alkohol kann die Hepatotoxizität von Paracetamol steigern, dies insbesondere bei gleichzeitiger Nahrungskarenz oder Mangelernährung. In solchen Fällen kann bereits eine therapeutische Paracetamoldosis zu Leberschädigung führen.“
      –> Heisst: wer gleichzeitig Alkohol und Paracetamol konsumiert kann schon bei 4g Paracetamol pro Tag seine Leber irreparabel schädigen. Auch bei „Kurzzeit-Gebrauch“…
      ***
      @gedankenknick: du hast Recht – wo die Grenze ziehen? Bei 5, 10 oder 30 Tage? Und dann stellt sich noch die Frage: ist 3x monatlich 1 Tablette chronischer Gebrauch? Oder erst 12x monatlich? Oder nur bei täglicher Einnahme?
      Fragen über Fragen…
      Ich persönlich bin ein fleissiger Paracetamol-Einnehmer – ich habe mir jedoch angewöhnt, dass ich bei mehr als einer Einnahme pro Tag ein ACC dazu einnehme.

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      1. Die Pi-mal-Fensterkreuz-Regel für „chronische Gebrauch von Schmerzmitteln“ ist relativ wasserdicht formuliert:
        „Wenn man mehr als 10 Tage im Monat Schmerzmittel nimmt – egal welche und egal wie viel am Tag – ist das ein Fall für die ärztliche Behandlung.“

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  4. Bei der Hälfte der Hypertoniker lässt sich der Blutdruck über die Salzzufuhr regeln? Woher stammt diese Zahl. Bislang habe ich immer gehört bei vielleicht 10% der Hypertoniker könne man überhaupt durch den Salzkonsum eine Änderung erzielen.

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