Nein, das habe ich noch nicht abgeholt.

Wenn wir etwas bestellen, geben wir dem Kunden einen Abholschein mit. Kommt der Kunde beim Abholen nicht damit, verlangen wir stattdessen eine Unterschrift bei der Abholung. Das haben wir eingeführt nachdem wir 2 Fälle hatten, wo jemand behauptet hat, etwas nicht bekommen zu haben – und als Beweis den Abholzettel vorgezeigt hat. Das Produkt war aber schon lange draussen (in einem Fall Monate …).

Jedenfalls kommt die Frau etwas abholen ohne den Zettel. Es ist ein Medikament, das wir extra für Sie bestellen mussten. Nun gut, kein wirkliches Problem: Ich bestätige ihre Daten, lasse sie den Erhalt unterschreiben und erkläre ihr, dass sie den Abholzettel vernichten soll.

Am nächsten Tag kommt die Frau wieder – mit dem Abholzettel. Ich erkenne sie und erkläre ihr, dass sie das Medkament ja schon bekommen hat. Gestern. Sie will mir nicht glauben:

Frau (bestimmt): „Gestern war ich gar nicht hier.“

Ich bin etwas verunsichert, aber ich hole unsere Liste: „Das hier ist ihre Unterschrift. Oder?“

Frau: „Das kann nicht sein.“

Ich: „Ich habe sie gestern selber bedient. Sie haben das Medikament mitgenommen. Schauen Sie doch, ob sie es nicht zuhause haben.“

Die Frau glaubt mir immer noch nicht, geht aber.

Das ist unangenehm – sie war so etwas von überzeugt, aber … ich auch. Und ich habe eine Unterschrift von ihr.

Später am Tag erhalten wir einen Telefonanruf von der Frau: „Es tut mir leid. Ich habe das Medikament gefunden. Es tut mir leid. Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, dass ich überhaupt ausserhalb meines Hauses war gestern. Ich glaube es liegt daran, dass ich neben meinem Limbitrol (Amitriptilin, ein Antidepressivum) noch etwas Alkohol genommen habe.“

Hmm, Interessant. So können also die Gedächtnisstörungen, die unter den Nebenwirkungen in der Packungsbeilage angegeben sind aussehen. Der Alkohol wirkt dabei wohl als verstärkender Faktor.

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8 Antworten auf „Nein, das habe ich noch nicht abgeholt.

  1. Ich finds ja super das sie angerufen hat! Hoffentlich ist sie dann in Zukunft was vorsichtiger mit ein „bißchen“ Alkohol.

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    1. @Aleonor: Nach meiner Erfahrung muss man das „bisschen“ gar nicht unbedingt in Anführungszeichen setzen. Seit ich ein Antidepressivum nehme, bin ich extrem empfindlich auch gegen kleinste Mengen Alkohol. Da reicht an manchen (belasteten) Tagen durchaus schon der Inhalt einer Mon Chérie. Na ja, so wird man dann ganz nebenbei zum Abstinenzler, aber ich kann mir Schlimmeres vorstellen ;).

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      1. Das ist so – da muss man noch bei einigem mehr aufpassen. Alkohol ist (wie wir vom „Fach“ sagen“) Zentralwirksam und hat noch mit einer Menge ebenfalls zentralwirksamen Medis Wechselwirkungen. Wie man sieht kann das durchaus unerwartet heftig sein.

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    2. Ja, das fand ich auch unglaublich nett.
      Es ist auch für uns gut zu wissen, wie so etwas ausgeht – und in dem Fall auch: an was es gelegen hat.

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  2. Also mein „Spitzenwert“ betreffend der alten Abholmarke waren mal über 1,5 Jahre. Lustiger Weise just von einer Kundin, die IMMER eine Abholnummer mitnahm, und diese IMMER bei der Abholung vergaß. Da ich da „Austausch-Apotheker“ war, habe ich in dieser Apotheke sofort ein Unterschriftenbuch eingeführt, welches es dort noch nicht gab. Wenig erstaunlicher Weise ging es um ein psychotropes Arzneimittel… Nach Einführung des Buches hat es fragliche Patientin allerdings nie wieder versucht…

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    1. Anderthalb Jahre? Ui.
      Gut – das hört sich bei der Kundin auch stark nach Absicht an. Oder nach: „Versuchen wir’s mal“

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      1. Ich denke, den Anfang setzte reine Vergesslichkeit, und die Mitte auch. Das Ende war dann ein Mords-Geschrei, wo der fraglichen Patientin das schon bewußt war, wo sie es aber einfach durchgezogen hat. Getreu „Frech kommt weiter!“ Dass sie es nie wieder versucht hat mit Einführung der Unterschriftenliste spricht für sich…

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