Asiatische Woche

Erst die Sache mit den Medikamentenretoure aus China (siehe Post gestern), dann gestern Mittag jemand mit einem Produkt, das sie bestellen wollte über uns. Sie hat einen Teil der Packung mitgebracht.

Mit dem Namen fand ich nichts im Artikelstamm (was mich nicht groß verwundert, da die Packung bis auf den Hauptnamen vollständig auf Chinesisch angeschrieben war, samt den Inhaltsstoffen). Im Internet fand ich es dann : ein Tee zum abnehmen.

Genaue Zusammensetzung nicht angegeben … Dafür fand ich eine Seite, wo die FDA (die amerikanische Gesundheitsbehörde) vor dem Produkt warnt, da es Sibutramin enthält. Dito das Lebensmittelministerium in Bayern – nur dass die auch noch Phenolphtalein drin gefunden haben. Ui! Das Sibutramin ist ein Appetitzügler, den sie wegen übler Nebenwirkungen (lies: Herzprobleme!) vor einigen Jahren außer Handel genommen haben und Phenolphtalein brauchte man zum Abführen – aber auch nicht mehr, da es krebserregend ist. Von daher habe ich der Kundin auch stark abgeraten, das via Internet zu besorgen … Wo sie wohl die letzte Packung herhatte.

Ich hoffe, sie hört auf mich.

Oh und direkt die nächste Kundin war eine Koreanerin (?) die sich wirklich herzig bemüht hat Deutsch zu sprechen.

Da die Dreier-regel damit erfüllt ist, denke ich, das war es jetzt. (So Sachen tendieren dazu immer in Dreier-Gruppen aufzutreten).



16 Antworten auf „Asiatische Woche

  1. Phenolphtalein gibt es übrigens noch in den USA als frei verkäufliches Abführmittel im Supermarkt…..
    Wird auch noch als extra mild und verträglich beworben

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  2. Wenn Phenolphthalein drinne ist, kann man ja den Tee als Indikator benutzen, um starke Basen bzw. starke Säuren zu titrieren… Vielleicht dient er also ja nur dazu, um (nach dem sich-Übergeben-zwecks-Abnehmen) herauszubekommen, ob der Magen auch noch genug Magensäure produziert bzw. ob der Protonenpumpenhemmer ausreichend anschlägt… :-D

    Das Sibutramin ist außerdem bestimmt REIN pflanzlich! (Wird schließlich so immer beworben: „Rein pflanzliche und seit Jahrhunderten bewährte chinesische Abnehm-Tees“) Und in einem Forum habe ich mal gelesen, wie sich dort die „mündigen Abnehmwilligen“ darüber unterhielten, dass sie schließlich selbst wissen müssen, wie sie ihren Körper zugrunde richten um ihn auf Kosten der Solidargemeinschaft wieder reparieren zu lass… äh dass das Bundesministerium für Gesundheit gar kein Recht habe, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen, schliesslich sei man ja ein aufgeklärter und ach so selbstverantwortlicher Mensch! Ich konnte nur noch mit dem Kopf schütteln – und mein Kiefer schlackerte, weil ich den Mund vor Staunen nicht wieder zu bekommen habe.

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  3. Ich hoffe auch, dass die Dame deinen Rat befolgt.

    Aber…

    So allgemein bringe ich wenig Mitleid auf für Leute, welche die Folgen von im Internet bestellten Wundermittelchen zu spüren bekommen…

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    1. hast je recht – aber wie Knick oben schon sagte – landen die Leute danach mit Herzproblemen in der Notaufnahme, nehmen sie gerne den medizinischen Rat und die (kostenlose!) Behandlung an.

      Eigentlich sollte man sie dort dann auch auf den entsprechenden Wundertee aus China vom Net verweisen.

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  4. Lustig ist auch die US-Flagge (passend zum gelb-roten USA-Schriftzug und dem gelb-blauen Weißkopf-Seeadler) mit den vielen fehlenden Ketchup-&-Mayo-Streifen und mit …12(!?) Sternen. Soweit ich weiß, hatte die USA via Gründung am 14.07.1777 exakt 13(!) Staaten -> 13 Sterne. Am 01.05.1795 kamen dann Kentucky und Vermont als Sterne hinzu -> 15 Sterne. Seit dem stieg die Zahl kontinuierlich bis heute 50 (seit dem 4. Juli 1960 wegen Hawaii). Ja logisch – Jahrhunderte alte chinesische Abnehm-Tee-Traditionen werden in China mit Logos und Insignien der USA beworben. Würde ich als Marketing-Experte bestimmt auch so machen… :-D

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    1. jeder so wie er es haben will, lieber Knick!

      In China selbst verkauft man das mit der „USA-Schiene“. Alles was da her kommt, ist und wirkt prima!

      In Europa sind es eher die „traditionellen, geheimnisvollen chinesischen Kräuter“, die den Verkauf fördern.

      ebay ist übrigens voll davon – jetzt nicht mit dieser Marke (wahrscheinlich gesperrt) aber zahlreiche Generika werden dort feilgeboten… :-D

      Zum K*****!

      By the way: Habt Ihr schon mal eine RICHTIG DICKE Asiatin gesehen – wenn jetz doch was dran ist…? *wegduck*

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      1. Siehe hier: …
        In China, Japan, Indien und den Philipinen beträgt der Anteil adipöser Menschen ca. 0-5%, in der Mongolei schon 5-10%. Gehässiger Weise könnte man schon feststellen (mit Japan vielleicht als Ausnahme): Wo es weniger zu Beißen gibt, sind die Menschen auch weniger dick. Aber da spielen auch noch ganz andere Dinge rein wie regelmäßige sportliche Aktivitäten mit „Massenzwang“ und bewußte Ernährung als traditionelles Konzept der Gesellschaft.

        Aber wenn man adipöse asiatische Prototypen ansehen will, braucht man nur Buddha-Statuen anzuschauen. *frechschau* (Jaja, ich weiss, der ist nur so dick, weil er das Elend und Leid der Welt verschluckt hat, und das ist nun mal schwer verdaulich…)

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  5. Phenolphthalein – Jahrelang im Labor in grosszügigem Gebrauch und in der Pharmazie nicht selten angewendet. Auch dann und wann mal von frechen Lehrlingen als Scherz missbraucht ist am 19.12.11 in die SVHC Kandidatenliste aufgenommen worden. Der Europäischen Liste für Substanzen von ausserordentlich hoher Bedenklichkeit (Substances of very high concern). Das ist gem. EU Chemikaliengesetz REACH 7(2) für Hersteller und Importeure eine unerfreuliche Überraschung.

    Das ist aber noch nicht bei allen Anwendern durchgedrungen.

    Andererseits vergeht keine Woche, in der ich nicht ein Bestätigungsschreiben ausstelle, dass wir selbstverständlich kein Phenolphthalein mehr verwenden. Weil, von einer Firma, welche ihre Mitarbeiter im Labor dem moralisch höchstverwerflichen Phenolphthalein aussetzt, möchte ja kein Kunde etwas kaufen.

    schlimm!

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    1. Ich habe Phenolphthalein in meinem Chemikalienschrank und lasse damit Lehrlinge und Schülerpraktikanten titrieren. Denn erst wer mühsam zu Fuß titriert hat, lernt das entsprechende Maschinchen wert zu schätzen.

      Unsere Fachkraft für Arbeitssicherheit jammert regelmäßig herum, aber das tut sie bei jeder Chemikalie, die irgendwie eklig ist (und wir haben deutlich ekligere als Phenolphthalein).

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      1. Ja. Das ist ja das perfide. Ich lasse auch Schnupperlehrlinge damit titrieren und bin ganz deiner Meinung, dass die manuelle Titration selbstverständlich zum Grundrüstzeug gehört, ich hab sie im Lehrplan und so schnell kommt die nicht raus. Bedenklich finde ich, dass man hier so ein Drama draus macht nur weil es jetzt SVHC ist. Dabei haben wir genügend Daten, um das Risiko vernünftig einzuschätzen und entspr. Schutzmassnahmen zu treffen… für die, welche ganz sicher gehen wollen. Aber in der heutigen Zeit, mit unseren tollen neuen Sicherheitsverantwortlichen und anderen Ingenieuren FH „Bätschelers“, ist das Denken meist ein wenig eingeschränkt und an dessen Stelle tritt blinde, vorauseilende Verordnungsumsetzitis.

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    2. Man darf also eigentlich nicht mehr mit Phenolphtalein titrieren? Hmm – das wäre ein echter Verlust. Da lernt man doch so richtig sorgfältig zu arbeiten (und wenn nicht: Ups schon ist es umgeschlagen). Ich denke die „Gefahr“ für den Laborant ist klein: man hat ja kaum Kontakt mit dem Zeug – wird alles mit Spateln abgewogen, in Glaswaren gemischt etc. das nimmt man nicht so in die Hand – von Einnehmen ganz zu schweigen.

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      1. sehe ich auch so. und ich denke für die ausbildung ist das aus gesundheitlichen gründen auch kein problem. selbstverständlich „darf“ man noch mit phenolphthalein titrieren. es ist nicht giftiger als vorher und eigentlich ist der use auch nicht eingeschränkt worden durch den gesetzgeber. und wir haben es ja nie löffelweise eingenommen, um zu titrieren. es sind tatsächlich einfach nur die z.T. paranoiden sicherheitsverantwortlichen, die probleme machen. einfach immer die maximallösung, damit es allen passt.

        das problem ist, wenn du ein industrieller produktionsbetrieb bist, wird ab und an verlangt, dass dein betrieb aus ethischen und kundenschutzgründen bestätigt, dass innerhalb des unternehmens nicht mit SVHC (also auch nicht mit phelnolphthalein) gearbeitet wird.

        damit kriegst du im supplier ranking eine höhere bewertung und wirst diesbezüglich als preferred supplier eingestuft. D.h. de facto ist die chance auf verkauf grösser. und das ist immer oberstes ziel der rennleitung. sie verbieten lieber den umgang mit SVHCs generell, als mit dem kunden zu diskutieren. auch wenn das phenolphthalein nur im labor angewendet wird und nie und nimmer in die fertigung gelangen kann. selbst die Ph.Eur. arbeitet ja immer noch mit dem Zeug. Und wenn ich da abweichen würde, gäbe das ein riesen desaster… es ist nicht ganz einfach!

        andere indikatoren für s/b titratioenen sind halt einfach weniger schön für schulische zwecke (und z.T. auch noch wesentlich bedenklicher)

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