Nicht so nett ausgedrückt

Inkontinenzmaterial ist (meiner Meinung) nach schon ein genug sensibles Thema. Ich verstehe durchaus, dass es nicht lustig ist für die Leute, die Einlagen tragen müssen, weil sie unwillkürlich Urin verlieren.

Das kann man aber durch ungeschickt gewählte Ausdrücke noch verschlimmern.

Die ganzen Hös’chen haben auch einen offiziellen Namen: Pants. Von mir aus auch Höschen statt Einlagen. Aber … Windeln?

den Kunden fand ich aber auch nicht besser:

„Haben Sie Pampers für meinen Grossvater?“

:-(

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10 Antworten auf „Nicht so nett ausgedrückt

  1. Also in Deutschland heißt die fragliche Produktgruppe offiziell „saugende Inkontinenz(windel)hosen für Erwachsene Größe…“. Das schließt sowohl die mit den Zuklebestreifen an der Seite, als auch die „Pants“ mit ein. Dabei sind „Pants“ die Systeme, die man wie einen Schlüpfer anzieht und dann entweder genau so wieder auszieht – oder an der Seite aufreißt, um sie wieder aus zu bekommen.

    Problem ist, dass das ganze eine Preisfrage ist. Die „Windeln“ sind wesentlich preiswerter als die „Pants“. Und die deutsche KK zahlen eh nur die „Windeln“, und dann meist nur noch Pauschalpreise.

    Dass die Patienten sich da schlecht auszudrücken wissen, werfe ich aber keinem vor. Muss man sich doch auch als Angehöriger erst einmal in dieses Thema „einarbeiten“. Und man nimmt halt die Begriffe, die man kennt, um zu beschreiben, um was es geht. Wenn der Durchschnittsverbraucher einen Brunnen will, sagt er auch „Ich brauche nen Loch im Boden…“ und nicht „Kommen sie mal mit dem Bohrgerät mit Bohrtischplatte und Rotationsmeißel vorbei zwecks unterirdischen Einbau eines Sandfilters samt 4-Zoll-Ausbau bis Ebenerde?“ :-D

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  2. Da kann ich auch ein Lied von Singen. Es ist schon demütigend genug, Inkomaterialien überhaupt zu brauchen noch weit unter 40. Wenn man dann eh schon von dauernden HWIs und unsensiblen Ärzten (Dauerkatheter find ich persönlich keine gute Lösung im Publikumsverkehr) gebeutelt ist und so ein Rezept eintauschen will, dann kommt die Krankenkasse (in Deutschland) und die Arztpraxis einem auch noch in die Quere.
    Letztes Jahr hab ich ein Rezept bekommen und von der Krankenkasse eine Liste mit erlaubten Lieferquellen erhalten. Davon natürlich keine in der Nähe. Also telefonisch abgeklappert und zu hören bekommen, das nur Dauerrezepte angenommen werden. Arzt angerufen (mal wieder mit Fieber dank Nierenbeckenentzündung) und erfahren: „Dauerrezepte machen wir nur, wenn wir schriftlich von der Krankenkasse haben, das die das übernehmen“. Krankenkasse angerufen: „Das geht gar nicht, der Arzt will nur die Verantwortung abwälzen! Wenn Sie ein Dauerrezept brauchen, soll der Ihnen das verschreiben!“ etc., etc. (die nette Dame hatte eindeutig einen schlechten Tag). Das 4. Sanitätshaus auf der Liste schließlich nahm zwar auch normale Rezepte an, verschickte aber nicht per Post. Irgendwie hörte sie aber wohl an meiner Stimme, das ich mit den Nerven völlig runter war und schlussendlich gab es doch eine Lösung: ein Mal im Monat beliefern sie ein Sanitätshaus hier in der Stadt und der LKW-Fahrer stellt mir den Karton vor die Wohnungstür (ich bin leider immer arbeiten, wenn er kommt). Die Inhaberin des Sanitätshauses war mein rettender Engel :) .
    Aber wie es so ist, jetzt im September wird der LKW-Fahrer das letzte Mal kommen, die Krankenkasse hat die Zusammenarbeit gekündigt :( .

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    1. Das ist ja üüübell! Fast schon eine Catch-22 Situation. Gut, hast Du doch noch einen Weg gefunden.
      Mich wundert nicht, dass die Krankenkasse das so macht – je komplizierter sie es den Kunden macht, desto eher verzichten ein paar darauf, die das vielleicht nicht sooo dringend brauchen (oder denken, dass das so ist) – dann sparen sie.
      Mich wundert eher, dass das so erlaubt ist. Bei uns (in der Schweiz) gibt es so etwas wie die „freie Wahl des Leistungserbringers“ … und die wird hier doch empfindlichst eingeschränkt. Das ginge eigentlich nur, wenn es sich dabei um etwas handeln würde, was nicht kassenpflichtig ist – und das im Vertrag mit der Krankenkasse steht.

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      1. Ach, die „freie Wahl“ hab ich ja. Ich bezahl dann nur horrende Summen hinzu. Will ich nur die 10 Euro bezahlen, die pro Rezept fällig werden, dann muss ich mich gefälligst an die Liste halten. Ganz ehrlich: mir graut es jetzt schon davor, die wieder alle abtelefonieren zu müssen. Weil: natürlich ist für das Sanitätshaus ein Dauerrezept deutlich einfacher, mein Arzt verschreibt nur auch nach über einem Jahr keines. Und ich steh dann dazwischen.
        Ebenso nett: Katheter. Beim Arzt bekommt man gesagt, das man in Zukunft 1-2x/Tag kathetern soll. Bekommt eine 10-Minütige Einweisung, 2 Testkatheter und ein Rezept für einen Monatsvorrat. Dumm, wenn man ins nächstgelegene Sanitätshaus geht. Dann kann man nämlich locker 50 Euro für 60 Katheter zuzahlen. Die man noch dazu nicht benutzen kann, weil sie völlig ungeeignet sind bei einer Spastik des Schließmuskels wegen scharfkantiger „Augen“ und gleich den nächsten HWI einbringen.
        Ok, nun war ich jung. Konnte mich informieren, die für mich richtigen Hilfsmittel finden (und ganz ehrlich: auch die ach so liebe Frau an der Hotline hätte ich küssen mögen ob ihrer Freundlichkeit) und die 50 Euro unter „Shit happens“ abhaken (für meine jetzigen Katheter bezahle ich 10 Euro/Rezept dazu und da hat mein Arzt komischerweise auch keinerlei Hemmungen, gleich 90 aufzuschreiben).
        Wenn ich mir aber jetzt vorstelle, 55 Jahre zu sein und keine Ahnung vom Internet zu haben

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        1. Das Zauberwort nennt sich „Ausschreibung“, und das dürfen die Krankenkassen bei Hilfsmitteln in Deutschland machen. Im Zweifelsfall europaweit. Und so hatte eine Krankenkasse für 2 Bundesländer auch schon mal einen Lieferanten aus Polen. Und dass geht es nur ums Geld – schließlich gibt es ja „Mindestqualitätsanforderungen“. Und diese sind im Zweifelsfall nicht die „Saugleistung“, sondern z.B. die „Konstruktion“: also „8 Lagen Zellstoff und eine Folie“. Wenn ein qualitativ hochwertiger Hersteller da dann einen Gelbildner zwischen streuselt wird das natürlich teurer. Und diese Leistungserbringer lassen sich alle Abweich-Wünsche von der Norm teuer bezahlen. Das geht sogar so weit, dass ich einen Patienten hatte, bei dem war die Zuzahlung bei fraglichem Leistungserbringer für „Tena Pants“ höher, als wenn er die bei mir zu meinem regulären Preis komplett bezahlt hat.

          Und genau da liegt m.E. auch der Hase im Pfeffer. Alles, was der Patient komplett selbst bezahlt, braucht die KK nicht zu tragen. Und kann trotzdem die gesetzlichen Anforderungen der Belieferungen locker als „erfüllt“ abhaken. Das macht auch dem Apotheker keinen Spaß…

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  3. Im Krankenhaus heißen sie Schutzhosen und ich verbiete meinen Schülern und Praktikanten, sie anders zu nennen. Ist schon schlimm genug für die Leute. Aber erleb es sehr oft, das diese sie selber Pampers oder Windel nennen.

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  4. Komisch, die wenigen Male, die ich beruflich mit dem Thema zu tun hatte, war immer nur von Tena die Rede. Ich denke das läuft analog zu Tempo, Tesa, Spüli etc. Windeln oder so hat eigentlich nie einer gesagt.

    Ist auch schwierig, wenn man im Kollegenkreis regelmäßig von Windeln spricht, passiert es auch schonmal, dass einem das vorm Kunden rausrutscht. Deswegen habe ich mich schon immer schwer damit getan, die Spitznamen, die einige Kollegen besonders nervigen Projekten geben, zu verwenden. Schon vorm Chef sollte man das bei uns tunlichst vermeiden, aber wenn man das dann auch noch beim Geschäftspartner sagt, ist die Peinlichkeit perfekt ;)

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  5. die enkel werden aufhören, sich lustig darüber zu machen, wenn sie selbst in dieser situation sind… solange ist blasenschwäche ein thema für kneipenwitze, leider. wieviele männer wissen übrigens, dass ihre eigene frau davon betroffen ist? wenige vermutlich, weil die frauen sich selbst schämen (aus unerfindlichen gründen). sagt die frauenärztin: „machen sie mal beckenbodengymnastik“… und gibt einem einen prospekt mir. danke.

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