Helfer im Unglück: Apotheke

Costa Concordia, il naufragio Quelle: Giorces

In Italien bekommen 2 Apothekerinnen den Verdienstorden des Gesundheitsministeriums für ihren Einsatz bei der Havarie der Costa Concordia.

Man erinnere sich: das Kreuzfahrschiff lief auf einen Felsen vor der Mittelmeerinsel Giglio, schlug leck und ging mit Schlagseite auf Grund. Das Unglück geschah nach Ladenschluss der Apotheke nach 21.30 Uhr – dass es Probleme mit dem Schiff gab, wurde bald darauf sichtbar, als es anfing sich zu neigen und die Passagiere in das zu dem Zeitpunkt etwa 15 Grad kalte Mittelmeer sprangen und aufgelöst im Ort erschienen. Die Apothekerinnen der Apotheke, die die einzige im Ort ist und eine von nur dreien auf der ganzen Insel riefen ihre Angestellten und eröffneten die Apotheke wieder.

Schnell hatte sie den eingeflogenen Notfallärzten signalisiert, dass sie die Menschen mit Arzneimitteln versorgen könne. „Wir gaben in erster Linie Beruhigungsmittel und Schmerzmittel ab“, so Celli.

Die Notfallversorgung ging aber über die Arzneimittelabgabe hinaus: Die beiden Apothekerinnen versorgten mehrere Kinder mit Wunden. „Es gab auch einige chronisch Kranke, die beispielsweise Insulin brauchten oder den Blutzuckerspiegel messen mussten.“

Von den 3200 Passagieren der Costa Concordia starben 30, 2 werden immer noch vermisst, 30 wurden verletzt. Wer genaueres lesen will, kann das hier:

Am morgen war die Apotheke fast leergeräumt – die Passagiere wurden von der Insel geflogen und es kehrte wieder Ruhe ein.

Tolle Leistung!

Die Apothekerin allerdings nimmt es professionell: (Toll!)

„Es ist klar, dass ein Pharmazeut in einer solchen Situation den Menschen helfen will. Das hätte jeder andere Heilberufler auch getan. Die Auszeichnung ist somit auch eine Auszeichnung für die Apotheke als solches.“



10 Antworten auf „Helfer im Unglück: Apotheke

  1. Ich finde es gut, dass sie das so nüchtern sieht. Bei so einer Notsituation sollte ja meiner Meinung nach ohnehin jeder helfen, der kann und wenn es nunmal nur eine Apotheke dort gibt, muss die eben geöffnet werden, damit die Verletzten versorgt werden können.
    Ich finde es natürlich trotzdem toll, dass sie so reagiert haben. Es war vom moralischen Standpunkt aus gesehen das einzig Richtige.

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  2. ich habe 2 betroffen des unglücks im engeren familienkreis. beide sagen das die hilfsbereitschaft auf der insel unglaublich war. jeder tat was er konnte und das finde ich toll und ein zeichen von menschlichkeit.

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  3. Vom moralischen Standpunkt aus 1A… Super gemacht, liebe Kolleginnen!
    Aber wie wurde das wohl finanziell geregelt? Wer bei einem Schiffsunglück überlebt, hat wohl keine Krankenkassenkarte oder VISA mehr dabei… Schon klar, dass bei so einem Unglück das Geld nicht an erster Stelle steht, aber im Nachhinein… Kaum eine Apotheke kann es sich heute noch leisten, ein ganzes Inventar zu verschenken… Wie das wohl geregelt wurde?! O.o

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    1. ich als Reederei hätte die Apotheke mit einer angemessenen Pauschale entschädigt und fertig. Die Versicherungssumme für den Pott dürfte dafür reichen!

      Das GANZE Sortiment wird die Apo ja nicht losgeworden sein – z.B Viagra und Co. dürften da eher weniger nachgefragt worden sein.

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  4. Und wäre das genau so in Deutschland gelaufen, hätte der Apothekenleiter nicht mit einem Verdienstorden vom Gesundheitsministerium, sondern wohl eher mit einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das „Gesetz über den Ladenschluss (LadSchlG)“ seitens der Wettbewerbszentrale rechnen können. Traurig, aber ich empfinde das als irgendwie ziemlich wahrscheinlich.
    Meine Hochachtung gilt der italienischen Kollegin und ihrem Team, welche mal eben ca. 36 Stunden Dienst am Stück gerissen haben. Vermutlich mit kaum einer Schlafpause…

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    1. sehen wir es mal so: Die Apotheke ist an einem Passagierhafen und dort gibt es Ausnahmen wie an Flughäfen/Bahnhöfen.

      Oder wahlweise an einem touristisch relevanten Ort – da gelten die Ausnahmen auch!

      Ferner könnte man hier an übergesetzlichen Notstand/Nothilfe denken, das hebt jegliche Busse/Bestrafung auf.

      P.S:: Ihr dürft in D wirklich nur bei offiziellem Notdienst öffnen ? – auch wenn z.B. in einem kleinen Ort im Notfall der Apotheker seine Wohnung über der Apotheke hat.

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      1. Also das mit dem „Bahnhof“ ist ein schönes Beispiel, denn die Apotheke im Berliner Bahnhof „Zoo“ hatte bei ihrer Eröffnung genau auf diese Ausnahme spekuliert – und (damals) anschließend prompt einen Gerichtsstreit verloren, dass die Sonderöffnungszeiten in Bahnhöfen (und anderen „besonderen Orten“ wie Flughäfen und Häfen usw.) eben gerade NICHT für Apotheken gelten. (Das ist aber schon ein paar Jahre her wieder, und in der Zwischenzeit könnte es anders sein.)
        Ob im Falle einer Katastrophe solchen Ausmaßes Klage gegen einen Helfenden erhoben wird (und diese gar Erfolg hat) kann ich nicht sagen – aber uns Deutschen ist in diesem Zusammenhang alles zuzutrauen. Und wenn ich im Nicht-Notdienst einem einzelnen Patienten helfe, wird es wohl nicht so dramatisch sein (und auch hier gilt: Wo kein Kläger da kein Richter.) Aber wenn ich ein Blinkeschild aufstelle „Komm´se rein!“ gibt das garantiert Mecker.
        In wieweit man allerdings mit „Notstand/Nothilfe“ durch kommt, weiß ich nicht. Die Abgabe von Arzneimitteln ohne ärztliche Verschreibung dürfte damit/dadurch zumindest nicht gedeckt sein…

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  5. Also ich weiß nicht… Nothilfe, v.a. die Versorgung chronisch Kranker und Verletzter, sollte als Rechtfertigung dienen für den Verstoß gegen ein schlichtes ordnungsrechtliches Gesetz. Höheres Rechtsgut und so.

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    1. Zugegeben, ich hatte die Ironie-Tags vergessen *schäm* Aber wenn ich so sehe, was in Deutschland im Apothekenbereich immer wieder gerichtlich geurteilt wird, falle ich immer mal wieder vom Glauben ab. Naja, eine andere Geschichte.

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