Finger-pieck

Die ältere Frau fragt mich in der Apotheke: "Was kann ich machen mit meinen Fingern? Die schmerzen ziemlich von den ganzen Fingerpiek-Tests von den Blutabnahmen für die Messung des Blutzuckers."

In ihren Unterlagen kann ich sehen, dass sie offenbar Typ 2 Diabetes hat – und kein Insulin benutzt, nur Tabletten. Also frage ich erst mal "Wie oft messen Sie denn?"

Frau: "2 x täglich."

Ich möchte ja nicht dem Arzt auf die Füsse treten, der bei ihr den Diabetes kontrolliert, aber das ist schon eher viel für ihre Situation. Also sage ich: "Ich kläre das ab mit der Praxis und rufe Sie dann zurück."

Normal ist nämlich bei einem gut eingestellten Diabetes 2 wesentlich weniger. 2 x pro Woche können reichen.

Der Arzt, dem ich das erkläre findet das auch, auch weil ihr HBA1c Spiegel regelmässig wunderbar ist – das bedeutet, sie hat keine Blutzucker-Spitzen gehabt. Der Wert misst den an Hämoglobin gebundenen Zucker im Blut – der ist dann erhöht, wenn der Blutzucker in den letzten 8 Wochen mal hoch war. Er ist sozusagen das Blutzucker-gedächtnis – und zeigt, dass sie das im Griff hat.

Also geht es bei ihr mit weniger messen.

Das sind doch gute Nachrichten für sie!

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10 Antworten auf „Finger-pieck

  1. Bei Diabetikern staune ich immer wieder. Gerade die Typ 1er. Zerstochene Finger, blaue Oberschenkel, ein ausgeklügeltes Spiral- oder Vierecksystem fürs Insulinspritzen – und ich hab noch keinen erlebt, der sich beschwert. Oder dann die armen Menschen, die wochenlang im Spital liegen und täglich ihre Thromboseprophylaxe bekommen. Zum Beispiel auf der Geburtshilfe, wo Frauen mit Problemen schon mal 5-10 Wochen verbringen. Die Thromboseprophylaxe ist ziemlich schmerzhaft. Finde ich zumindest.

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    1. Thromboseprophylaxe geht noch – kommt ein bisschen drauf an, wie / wer das macht.
      Und ich bin auch immer begeistert, wie die meisten Diabetiker das im Griff haben.

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      1. Ich war mal drei Tage im Spital, das war aber nur eine Spritze („Nein, heute brauchen Sie keine, Sie dürfen ja morgen früh nach Hause“ – „JA! Dankedankedanke!“) und den blauen Fleck hatte ich noch, als der Hausarzt schon die Fäden zog. Und die auf der Geb haben meist auch ziemlich blaue Beine… Aber ich denk schon, das ist wie beim Blut nehmen. Man kann sich halt etwas mehr oder weniger Mühe geben.

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  2. Da merkt man mal, wie stark das vom Arzt abhängt. Ich wollte ab dem Moment, als ich Medikamente nahm, selbstverständlich auch den Blutzucker messen, und musste meinen Arzt regelrecht beknien, mir das Zubehör zu verschreiben. Jetzt, wo der HbA1c bei 5,5 liegt und ich keine Medis mehr nehme, habe ich auch kein Bedürfnis zum pieksen mehr.
    Vielleicht auch eine Frage des Patienten-Alters?

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  3. Im Praktikum haben wir mal mehrere Messgeräte getestet (das wird im Pharma-Studium gemacht an einem Nachmittag), wir konnten uns auch untereinander in die Finger stechen, das ist je eher schwieriger als bei sich selber. Für nicht-Diabetiker wars interessant zu sehen, welche Geräte – vom einfachen Messgerät bis hin zum digitalen Schnickschnack – es so gibt. Zwei meiner Fingerkuppen waren danach ziemlich zerstochen und sie haben auch einige Tage geschmerzt und vor Allem gejuckt. Häufiges Gepiekse stelle ich mir daher schon ziemlich unangenehm vor.

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    1. Übung macht den Meister. Einstichstellen eher seitlich (macht angeblich weniger weh), nicht zu sehr drücken, immer neue Nadel und die Stelle wechseln.

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  4. Ich kenne auch jemanden, seit 50 Jahren Diabetiker (Typ 1), die oft Schwierigkeiten hat, genügend Blut aus den Fingern zu kriegen. Die sind so zerstochen und verhornt, dass da dann mit viel Quetschen ein winziges Tröpfchen kommt und wenn sie Pech hat reichts nicht für den Messstreifen und der nächste Finger muss ran. Ist schon bezeichnend, dass ihr erster Gedanke wenn sie sich mal schneidet oder sonstwie blutet ist: „schnell Blutzucker messen!“

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    1. siehe Gedankenknicks Antwort: die Frage nach den Nadeln wäre wohl auch meine erste gewesen. Und quetschen sollte man eigentlich nicht – je nach Messmethode (Blut oder Plasma) kann das die Messung verfälschen. Ansonsten: es gibt alternative Einstichstellen – aber ob die auf Dauer angenehmer sind?

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  5. Also ich kenne es so, dass das Problem meist zu oft genutzte Lanzetten sind. Die werden schon nach dem ersten Stechen unscharf, und spätestens ab dem 5. Loch reißen sie genauselbige in die Haut – dicke Löcher. Ergebnis: primär stärkere Schmerzen, und sekundär verhornhautete Fingerkuppen.
    Wer oft genug die Lancette wechselt – und auch die Einsichtiefe halbwegs korrekt einstellt – hat meist bei weitem nicht so verhornte Fingerkuppen – auch die Typ-1-Diabetiker, die 5x den Tag messen (müssen)…

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