Aus dem Pharmaziestudium – mündliche Prüfungen

Jeder weiss, sie kommen: die Prüfungen. Am Ende des zweiten Semesters sind sie dann da. Etwas seltsam ist es das erste Mal schon, denn … so lange Zeit hatte man keine Prüfungen mehr. In der Schule hat man alle paar Wochen (wenn nicht sogar alle paar Tage) welche. Hier im Studium: nada. Lange Zeit nada. Fast ein ganzes Jahr.
Also ist man unglaublich aufgeregt vor den ersten Prüfungen – weil man so irgendwie keine Ahnung hat, was kommt. Natürlich, man weiss welcher Stoff: das, was im ganzen Jahr vorher durchgenommen wurde. Und das ist viel. Sehr viel. Zu viel eigentlich … auch für die Prüfer. In den Prüfungen kommt dementsprechend immer nur ein kleiner Teil dran. Nur weiss man nicht, welcher. Also muss man alles lernen.

Frag nie nach „Muss ich dieses Detail wissen?“ – Die Antwort ist ja. Das kann drankommen. Alle Physik Formeln aus dem Buch. Die gesamten chemischen Formeln des Krebs-Zyklus. Welcher Ionenkanal verantwortlich ist für was in der Zellwand. Wehe dem Studenten, der nicht an die Vorlesungen gegangen ist. Lehrbücher haben zwar alles drin – zeigen aber nicht, auf was der Professor speziell Wert legt. Weh auch dem Studenten, der den Stoff nicht vorher in eine Form gebracht hat, die übersichtlich ist.

Jeder hat seine Lernmethoden – meine war immer: Schreiben. Während den Lektionen – mit speziellem System, dafür gedacht, rasch etwas wiederzufinden. Zusammenfassen, die Zusammenfassung zusammenfassen, was bekannt ist weglassen, bis am Schluss etwas herauskondensiert ist, das sich … zumindest erfassen lässt. Und hoffentlich reproduzieren. Kärtchen sind dafür auch geeignet.
Ich hatte auch Glück während den Prüfungen – das braucht man gelegentlich. Vor allem, was die Aufteilung der Prüfungen selber angeht. Eigentlich hatten wir immer etwa 1 Woche zwischen den verschiedenen Prüfungen- da ist gut Zeit, noch einmal alles zu wiederholen, sich ganz auf das Thema zu konzentrieren bis es dann soweit ist.
Ich habe immer viel gelernt. Ohne meine Mama wäre ich wohl verhungert bei den Prüfungen (wenn ich Stress habe, geht mein Hungergefühl flöten – und Zeit für so etwas unwichtiges wie Nahrungsaufnahme zu verschwenden, wenn ich doch lernen muss …?)

Vor den Prüfungen bilden sich häufig Lern-Gruppen. Das kann Gut sein: man hilft sich gegenseitig, schwierige Themen zu verstehen und es motiviert auch, wenn man weiss, dass man zu einem Zeitpunkt zusammensitzt um ein Thema durchzusprechen. Das kann aber auch Schlecht sein. Zum Beispiel, wenn sich eine Lerngruppe gegenseitig bestätigt, dass etwas ganz sicher nicht dran kommt an den Prüfungen … So geschehen bei uns im 2. Jahr mit Anatomie / Physiologie.
Im Prüfungsplan stand Anatomie und Physiologie in derselben Prüfung. Genauer gesagt – man hat es untereinander geschrieben – und daneben die Stunden, wann welcher Buchstaben des Alphabetes dran ist. Anatomie und Physiologie waren Themen die von 2 unterschiedlichen Professoren gelehrt wurden. Und beides ist ziemlich viel Stoff. Die Lerngruppe hat die Aufstellung missverstanden und gedacht die erste Gruppe (sagen wir, A-K) haben nur Anatomie und die zweite Gruppe (L-Z) nur Physiologie.
Ich hatte das Glück (oder Pech) genau nach der ersten Person, die diesem Irrtum verfallen war, Prüfung zu haben. Die Kollegin hatte nur Anatomie gelernt. Den Teil konnte sie – nun, wenn nicht perfekt, so zumindest sehr gut. Und dann kam die Physiologie… und der Professor war alles andere als erfreut. Tatsächlich habe ich ihn im Gang sehr deutlich verstanden – ich wette, man hat sein Geschrei noch auf der Strasse draussen gehört.
Im ersten Moment wusste ich noch nicht, weshalb die Aufregung – aber der Grund war dann deutlich erfassbar: „Sie haben WAS? KEINE Ahnung? Sie haben NICHTS gelernt von der Physiologie??“
Man kann sich vorstellen, dass die Kollegin weinend herauskam –und ich mit sehr gemischten Gefühlen hinein ging. Tatsächlich beruhigte mich der Experte aber vor Beginn: „Wenn sie auch nur ein bisschen etwas wissen über die Physiologie, dann ist es schon mehr, als die Kollegin vor ihnen. Es kann nur besser werden. Fangen wir an.“
Ich war dann … gar nicht schlecht.

Ach ja, die mündlichen Prüfungen. Bei der Matur hatte ich noch den Überraschungs-Bonus: die Lehrer haben kaum geglaubt, dass ich tatsächlich auch (länger) reden kann – in der Schule war ich gerne ruhig in den Stunden. Den Vorteil hatte ich im Studium dann nicht mehr – bei über 40 Studenten und reinem Frontal-Unterricht kennen einen die meisten Professoren kaum bis gar nicht.

So eine Prüfung läuft so ab, dass man in einen Raum kommt, da sitzen schon der Professor (manchmal auch 2, wenn wie oben 2 Themen geprüft werden) und ein Experte. Der Experte sitzt meist etwas seitlich – er ist dafür da zu prüfen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Man begrüsst sich per Handschlag, dann setzt man sich an den Tisch – auf dem meist ein paar Dinge liegen. Kärtchen zum ziehen mit den Fragen – Anschauungsmaterial wie Pflanzen oder Anatomiemodelle, ein paar Blatt leeres Papier, für wenn man etwas anschaulicher erklären muss … das half mir immer. Ich zeichne gerne – und zumindest einmal habe ich die ersten paar Zeilen des Periodensystem skizziert, um sicher zu sein, wie das mit den Elektroden jetzt … okay. Zuviel Detail.

Jedenfalls: die Prüfer stellen einem Fragen … und man antwortet so gut man kann. Je mehr man zu etwas sagen kann, desto besser. Je detaillierter die Fragen werden (und je schwerer), desto besser die Endnote – trotzdem kann man nicht immer von der Zeit, die man braucht sagen, ob das jetzt gut war, oder nicht. Manchmal dauert es länger, weil der Professor – oder der Experte – versuchen, doch noch etwas aus einem herauszuholen, dann sind über 30 Minuten vorbei, bis man rauskommt– manchmal schmeissen sie einen nach knapp 15 Minuten raus, wenn es keinen Sinn mehr macht (siehe die Kollegin oben). Die Terminplanung dafür ist schwierig. Als Student bekamen wir eben Listen mit den Prüfungsterminen und von wann an die Kandidaten dran waren. Ich war fast die letzte in meiner Gruppe. Rechnerisch bedeutet das – bei 7 Personen vor mir, dass ich zwischen 7×15 = 1 Stunde 45 Minuten nach dem ersten und 7 x 30 = 3 ½ Stunden nach dem ersten dran war. Weil man auf gar keinen Fall zu spät sein will (ich jedenfalls nicht) – musste ich also oft laaaange warten, bis ich dran war – und bekam dementsprechend einiges mit von den Kolleginnen vor mir.

Das kann hilfreich sein – oder es kann einen so nervös machen, dass man kaum mehr denken kann. Ich gehörte auch nicht zu denen, die noch mit den Unterlagen vor dem Prüfungszimmer sassen – in der Hoffnung, noch rasch etwas in den Kopf zu drücken, bevor man dran kam. Das funktioniert bei mir nicht. Entweder ich hatte es intus bis zu dem Moment oder … Schwamm drüber.

Schön auch das eine Mal, als der Experte herauskam, den Namen der Kollegin vor mir ausrief – und die dann einfach nicht da war. Er schaut mich an: „Wollen Sie vielleicht…?“ Ich wollte. Einerseits hatte ich es dann schneller vorbei – und andererseits stimmt das bestimmt die Professoren gutmütiger, wenn sie nicht warten müssen – und ich dann einfach etwas später trotzdem noch drankomme. Auch da hatte ich Glück – wie sich später bei der Besprechung mit meinen Kolleginnen herausstellte, benutzten sie 2 Sätze Kärtchen mit Fragen für die Prüfungen – abwechselnd. Und diejenigen, die sie mich da fragten, konnte ich besser als das auf dem anderen Satz. (Besser. Nicht: gar nicht).

Die seltsamste mündliche Prüfung war wohl die in Galenik. Das Büro war im alten Pharmaziegebäude oberhalb der Labors. Man wartete auf dem Gang.
Als ich hereingebeten wurde, sah ich statt dem üblichen Büro-Tisch nur ein Couchtischchen. Daneben auf der einen Seite ein Sofa und auf der anderen Seite 2 Lehnstühle. Gemütlich – nicht unbedingt das, was ich erwartet habe!
Man begrüsst sich, ich wurde aufs Sofa gesetzt und der Professor – auch eher ein gemütlicher Typ fragt: „Möchten Sie einen Kaffee?“
Worauf ich, überrascht und total ehrlich herausterte: „Danke, lieber nicht … ich bin auch so schon nervös genug!“
Freundliches Gelächter auf allen Seiten, dann gingen wir direkt zur Prüfung über.
Professor: „Nun, wenn sie das Coffein nicht oral wollen, dann können wir ein bisschen darüber reden, wie es mit der Aufnahme über die Haut aussieht. Was können sie uns erzählen über transdermale Systeme?“ … und schon waren wir mittendrin.

Andere interessante Situationen waren die Hanf-Pflanze (im Topf) in der Biologie Prüfung – *die* war aber nicht auf der Liste der Pflanzen, die wir erkennen und kennen mussten.
Oder als mich der Professor nach typischen Apotheker-Krankheiten fragte (Krampfadern vom vielen Stehen hauptsächlich – falls ihr das mal beantworten müsst, die Magengeschwüre wegen unleidlichen Kunden lassen wir mal beiseite :-)),
Oder als ich die Frage welche Art Ionen-Kanal in der Zellwande der Beta Zellen in der Bauchspeicheldrüse für die Ausschüttung des Insulins verantwortlich ist beantworten konnte. Kalium und dann Kalzium … Das war schon eine Zusatz/Zusatz Frage und der Experte war einigermassen überrascht, das ich das wusste – und ich fast noch mehr (Wo kam das her?). Ehrlich. Heute habe ich davon keine Ahnung mehr. Es ist ausgesprochen erstaunlich, was man alles in so einen kleinen Kopf reindrücken kann.

Nächstes Mal: praktische Prüfungen und Labor-Prüfungen

mehr lesen über das Pharmaziestudium (auf Pharmama.ch)

Und jetzt Ihr: Was hattet ihr für bemerkenswerte Prüfungen oder Situationen? Wie ging es Euch? Wie lernt ihr am liebsten?

Advertisements


25 Antworten auf „Aus dem Pharmaziestudium – mündliche Prüfungen

  1. ich hab den Vorteil, dass ich, wenn mich ein Thema wirklich interessiert, nicht viel lernen im eigentlichen Sinne muss. Das bleibt einfach so kleben ohne größere Anstrengung meinerseits. Und ich kann dann auch recht schnell Zusammenhänge/Bezüge zu anderen Sachverhalten herstellen. Äußerst hilfreich vor den Meisterprüfungen *gg* Normalerweise hab ich vor praktischen Prüfungen mehr Bammel, aber das ging da auch, einfach weil ich vorher in meiner Gesellenzeit viel davon schon gemacht hatte und so war ich für meine Verhältnisse total locker 🙂 Hat sich natürlich auch in den Noten wieder gespiegelt 🙂

    Gefällt mir

  2. Zum Lernen bin ich auch der Schreib-Typ. Ich beginne damit, mir überhaupt alles zu einem Thema zusammen zu suchen und aufzuschreiben. Mit Skizzen, Querverweisen, Sternchen und Anmerkungen.
    Anschließend komprimiere ich die Informationen: vollständige Sätze, beschriftete Skizzen, wichtige Dinge unterstreichen oder bunt markieren.
    Dann komprimiere ich weiter und es kommt noch mehr Farbe ins Spiel: die total wichtigen Dinge müssen auf DIN A 6 Karteikarten passen, enthalten Verweise auf die Zettel von vorherigen Schritt und jedes Thema bekommt seine eigene Farbe zugeordnet. Diese Karten schleppe ich mit mir herum und lese immer wieder darauf nach.
    Am Ende packe ich all die Dinge, die ich mir nur schwer merken kann, auf DIN A 7 Kärtchen, behalte das Farbsystem bei und versuche mir das Wissens ins Gehirn zu trichtern.
    Das klappte bisher immer recht gut, wenn ich das mal schon zu Schulzeiten so gemacht hätte (ach, hinterher ist man soviel cleverer…)

    Gefällt mir

  3. Endlich erkennt auch jemand , dass bei solchen mündlichen Examen immer eine Portion Glück dazu gehört! So auch bei mir letztes Jahr im 2. stex. gutes thema erwischt und selbstsicher auftreten, dann noch eine frage die man nur weiß wenn das kapitel dazu im buch gelesen wurde (da in vorlesung gar nicht behandelt),hat für mich geklappt. jipiiieh 😀
    im gegensatz dazu ein anderes fach, prüfer schon total mies gelaunt und unter zeitdruck, reagiert sehr gereizt wenn man zu lange nachdenkt…
    also mündliche prügungen sind immer sooo ein nervenkitzel & gefühls-achterbahn!! mit graut es deshalb schon vor dem 3. examen, uiuiui.
    liebe grüße von einer pharmazeutin im PJ 🙂
    ich verschlinge diesen blog seit monaten, hohe compliance;)

    Gefällt mir

  4. Frag mich doch im Sommer nochmal danach. Ich belege gerade einen Kurs bei der Industrie- und Handelskammer. Am 29.03. habe ich die erste Prüfung. Word 2010. Ich lerne durch üben. Also immer wieder Tabellen erstellen, mit Rahmen und Schattierungen arbeiten usw. Und dann hoffen, dass ich das an der Prüfung auch noch weiss. Was daran so schwer ist? Ich bin 1988 mit der Berufsschule fertig geworden und seither in keiner Prüfung mehr gewesen. Wenn man ein gewisses „Alter“ erreicht hat, fällt das Lernen nicht mehr ganz so leicht

    Gefällt mir

  5. Liebe Pharmama
    Klingt sehr interessant wie das damals lief.
    Ich bin noch mitten im Pharmastudium in der Schweiz und kann deshalb etwas über die heutigen Prüfungssituationen schreiben.
    Keine einzige Prüfung wird heute mehr mündlich durchgeführt. Fast alle Prüfungen sind sogar Multible-Choice (MC) Prüfungen. Dies ist natürlich praktisch für die Professoren, weil sie die Prüfungen nicht einmal mehr von Hand korrigieren müssen. Die Prüfungsbögen werden in den Computer eingelesen und das Resultat wird ausgespuckt. Viele finden diese Art von Prüfungen zwar praktisch, doch man kann sich doch gut vorbereiten und einen guten Überblick über das gesamte Fach haben und dennoch an Details scheitern. Auf diese Weise muss man ehrlichgesagt den Stoff nicht einmal richtig verstehen (=erklären können), sondern man muss „nur“ alles auswendig wissen. Das kann es doch eigentlich nicht sein!
    Von Anatomiemodellen auf dem Prüfungstisch kann ich nur träumen, selbst unsere Anatomieprüfung war eine MC Prüfung! Es hatte genau zwei Abbildungen in dieser Prüfung, alle anderen Aufgaben waren Textaufgaben.
    Ich verstehe zwar, dass es mit knapp 100 Studenten kaum mehr möglich ist, mündliche Prüfungen zu absolvieren, doch diese MC Prüfungen müssten nicht sein.

    Gefällt mir

    1. Nur noch MC? Irgendwie enttäuscht mich das.
      Das mit den Details stimmt. Ich denke, es kommt auch sehr auf die Fragestellung an – wenn man da ein *nicht* übersieht, ist man schon am A…

      Gefällt mir

      1. Es gibt auch Ausnahmen, aber die Regel ist leider schon MC. Zu Beginn des Studiums waren noch mehr Prüfungen keine MC (dort wo man rechnen musste).

        Gefällt mir

  6. Hatte bisher erst eine mündliche Prüfung, die lief so ab das der Prof erstmal alle behandelten Themengebiete abklopfte, und zum Ende hin in sein Lieblingsthemengebiet richtig einstieg.
    Bei der Prüfung kam auch Einsteins Relativitätstheorie zum tragen, der Prof stellte fest das erst 15 Min vergangen waren, während ich feststellte das schon 15 Min vergangen waren. Schön ist auch das man das Ergebnis unmittelbar erhält und keine 2 Monate warten muss.

    Gefällt mir

  7. Da ich jetzt mein drittes Staatsexamen fertig habe und somit Tierarzt bin (zumindest sobald ich meine Approbation bekommen habe) kann ich doch mitreden 😀
    Ich lerne einmal durch Lesen und dann durch Durchsprechen mit meiner Lernpartnerin. Beim Lesen habe ich allerdings das Problem, dass mir Texte/Skripte sehr schnell langweilig werden und ich dann anfange, Dinge zu überlesen.
    Aber so hat es eigentlich sehr gut geklappt, ich habe habe alles im ersten Versuch bestanden.
    Was ich in Prüfungen nur sehr schwer ertragen kann, ist es zu warten, das führt bei mir gerne zu einem Blackout.
    Wir wurden allerdings immer in der gleichen 4er Gruppe geprüft und meine Kommilitonen wissen darum, deswegen haben wir uns immer so hingesetzt, dass ich als erste dran kam 🙂

    Etwas lustig war die Situation in meiner Prüfung über die Innere Medizin des Pferdes. Da fragte mich mein Prüfer, welche denn meine Glückszahl wäre und ich antwortete „13“. Wir gingen dann zu der entsprechenden Box, er machte sie auf und ich stand vor einen sehr niedlichen Shettlandponyfohlen. Auf seine Frage, was ich denn zu meinen Patienten sagen würde, fiel mir spontan nur ein: „Nun ja, er wird mich nicht umbringen“ (Er ging mir ja schließlich kaum bis zum Knie :D)

    Und im Physikum meinte unsere Biochemieprofessorin nach der Prüfung zu uns: „Was haben Sie mir heute eigentlich für eine Scheiße erzählt?“ Weil wir alle nicht so berauschend waren und zu meinem besten Kumpel sagte sie nur: „Und Herr P., sie sind ja auch eine faule Sau, sie lernen auch nur so viel wie sie müssen!“ (dabei hat er noch die beste Note bekommen)
    Aber die Atmosphäre bei ihr war sehr angenehm, das muss man schon sagen.
    In dieser Prüfung mussten wir auch unsere Prüfer per Zettel ziehen und als mein bester Kumpel und ich beide sagten, dass wir bei ihr hätten, kam nur ein: „dann haben wir das Duo ja wieder beisammen.“ Ich weiß bis heute nicht, woher sie wusste, dass wir viel zusammen gemacht haben 😀 und war entsprechend etwas perplex.

    Aber wie schon gesagt, Glück ist immer dabei, ich habe in meiner Milchhygieneprüfung sehr verwundert vor der Professorin gesessen, als die zu mir sagte, ich hätte eine 1. Ich habe selten beim Lernen so über ein Fach geflucht wie über dieses, aber ich hatte sehr viel Glück mit meinen Themen. Denn ich wusste, die Gute konnte sehr zickig werden, wenn man ihr Skript nicht eins zu eins runter beten kann.

    Und ich finde, man muss sich auch verkaufen können und bestimmte Dinge, naja überspielen. In der Embryologieprüfung zog ich ein Thema, von dem ich wusste, dass es die Prüferin gelesen hat, ich war allerdings nicht in der Vorlesung gewesen und konnte ihren Lückentext nur mit Hilfe des Buchs leider nicht ausfüllen.
    Innerlich habe ich gedacht: „Ach du große Sch….!“ Aber ich habe gelächelt, ihr das Thema auf dem Kärtchen gezeigt und zu ihr gesagt: „Jetzt freuen sie sich aber, oder?“ Und das tat sie auch und hat mir dankbarer Weise erst mal meine Nervosität genommen und dann auch noch eine, mir bis heute unverständlich, gute Note gegeben. 🙂

    Gefällt mir

      1. Das hatte Druse, also mit Streptococcus equi ssp. equi infizierte Lnn. mandibularis.
        An sich war es eine nette Prüfung, ich war dann mit der Kleinen erst Mal eine halbe Stunde alleine, aber natürlich findet so ein Baby bestimmte Untersuchungen eher doof. Aber ich muss sagen, bei mir hat sie sich besser benommen als bei meinem Professor, der einige meiner Befunde überprüfen wollte und das Fohlen hat sich vehement gewehrt. (worüber ich mich insgeheim ein bisschen gefreut habe, dass ich das hingekriegt habe und er nicht 😉 )

        Gefällt mir

  8. Was ist Trocknen?

    Mit dieser Frage fing mein Examen in Pharmazeutischer Technologie an und irgendwie hat es mich etwas aus der Bahn geworfen, weil die frage so banal ist, jeder die Antwort weiß und ich das in diesem Moment, aber nicht einigermaßen intelligent beschreiben konnte. Ich habe aber dann doch noch die Kurve bekommen. Obwohl der Rest aus technischen Zeichungnen von Granuliergeräten bestand.
    Ganz normale Galenik wäre so schön gewesen.

    Gefällt mir

      1. bei uns war trocknen = ein semester wiederholen müssen 😉

        hachja, gefriertrocknung, sprühtrocknung… ich muss sagen, dass ich das sogar spannend fand, im gegensatz zu diversen anderen technologiethemen..

        Gefällt mir

  9. habt ihr in den laborpraktika gar keine zwischenprüfungen gehabt? bei uns war es üblich (vor allem in den chemiepraktika), dass man vor jedem neuen laborversuch ein antestat beim betreuenden doktoranden hatte, außerdem gab es ein oder zwei mündliche prüfungen pro praktikum, in dem man entweder punkte für die abschlussklausur sammelte ( – man brauchte dann weniger prozent zum bestehen, wenn man entsprechend gut in den prüfungen abschnitt) oder die z.t. sogar darüber entscheiden konnten, ob man das praktikum weitermachen durfte.
    außerdem hatten wir schon ganz am anfang des 1. semesters eine sicherheitsklausur, damit sichergestellt war, dass wir uns im labor nicht gegenseitig abfackeln..
    eigentlich hat sich im studium bei mir prüfung an prüfung gereiht. anders hätte ich mich glaube ich aber auch gar nicht überwinden können, diese massen an stoff in mein gehirn zu packen.

    Gefällt mir

  10. Bis heute weiß ich nicht, was mein Prüfer im 3ten Staatsexamen für eine Antwort haben wollte (der Rest lief für meine Verhältnisse ausgesprochen gut, dass diese Frage nicht mehr Ergebnisrelevant war):
    Was ist die statistische Grundlage der Reinheitsprüfung des DAB?
    …..

    Ich hab mich mit den kurzen Beschreibungen der statistischen Grundbegriffe irgendwie aus der Affäre gezogen, die beiden anderen Prüfer waren ebenso verblüfft von der Frage wie ich haben sogar um Rücknahme der Aufgabe gebeten und der besagte Prof meinte grinsend nur: „Das wollte ich immerschon mal jemanden fragen!“

    Danke, dass es gerade bei mir war!

    🙂 Also, wenn jemand da eine gute Antwort hätte?!

    Gefällt mir

  11. Hallo Pharmamama, als ich Deine Lerntechnikbeschreibung las, musste ich lächeln. Genau so bereite ich mich auch auf Prüfungen vor, egal zu welchem Thema. Wichtiges markieren, aufschreiben, vom Aufgeschriebenen das Wichtigste in wenigen Sätzen extrahieren, dieses nochmals gekürzt in Stichworten auf Post-its schreiben, die man dann ins Buch an die entsprechende Stelle klebt. Und an den letzten beiden Tagen nur noch die Post-its lernen und ab in die Prüfung.
    Hat immer geklappt.

    Ich war übrigens auch immer ganz hinten im Alphabet und deswegen stets die Letzte, die drankam. Egal ob im Abitur oder in den folgenden Prüfungen.

    Mir haben sie in der Abschlussprüfung einen Wechsel mit Verwendungszweck vorgelegt und gefragt, was ich zu diesem Wechsel sage. „Das ist kein Wechsel.“ Lächeln. Und warum das so sei? „Da steht ein Verwendungszweck drauf, und da ein Wechsel abstrakt ist, also losgelöst vom Grundgeschäft, darf da kein Zweck draufstehen. Damit ist dieser Wechsel kein Wechsel mehr.“
    Sehr gut, und wenn dieser Verwendungszweck nicht draufstünde, wie würde man dann damit verfahren…so ging es dann weiter.
    Nach 30 Minuten bin ich dann raus, es ging in der Prüfung noch um Betriebsmittelkredite, Besicherung durch Grundschulden, dann noch um Wertpapiere und Lombardkredite, Geschäftsfähigkeit und Kreditfähigkeit, das KWG und BGB und das wars.
    Aufgeatmet. Wieder reingewunken worden, Berichtsheft abgeholt, das Augenzwinkern meiner Rechnungswesenlehrerin gesehen und erleichtert heimgefahren.
    Ich brauchte eine gute Zwei als Note, um insgesamt auf eine Zwei als Gesamtnote zu kommen.
    Abends dann die Überraschung: Ich hatte 97 Punkte erreicht und damit eine glatte Eins!
    Die hatten mich also fieserweise gleich auf eine Eins geprüft, als ich so klasse eingestiegen war in die Prüfung.

    Heute ist der Wechsel als Zahlungs- sowie kurzfristiges Kreditmittel praktisch bedeutungslos geworden. Da sieht man mal, dass man häufiger nicht fürs Leben, sondern doch nur für die Katz‘ lernt!
    😉

    Gefällt mir

  12. Aaah, Organik mündlich im 3. Semester….
    Daran erinnere ich mich noch GERNE, der Prüfer hatte den Spitznamen „Der Weiße Hai“

    Er wurde ihm übrigens auch gerecht^^

    Gefällt mir

  13. Ich hatte (vor bald 15 Jahren, wow, bin ich schon alt geworden…) Bio als mündliche Vor-Matura. Ich war in Genetik nicht sooo gut, und hoffte, dass wenn er es bringen sollte, mehr praktische Anwendungen kennen wollte, als all die ATCG-Details… Tja, Pech gehabt.
    Über den weiblichen Zyklus, all die Hormone etc hat er dann leider nur noch sehr wenig gefragt – den hätte ich perfekt drauf gehabt 😦
    Trotzdem bestanden.
    Mein Albtraum ging dabei übrigens auch in Erfüllung: ich übernachtete nachts davor bei meinem damaligen Freund. Am Morgen schnäderete mich seine Mutter beim Frühstück fest: Ich verpasste erst den Bus, dann den Zug und kam prompt etwas zu spät.
    Gut, dass der Lehrer mich so mochte.
    Das war übrigens auch der Biolehrer, von dem man sonst immer sagte, er „würfle“ die Noten 🙂

    Gefällt mir

  14. Als ich mein Pharmaziestudium begann, da gab es die mündlichen Prüfungen noch… Aber das hat sich bis zum Ende dann gewandelt… Nach 2 Jahren war das Meiste schon MC (diese blöden Computer-Bögen)…

    Hier mal 5 Beispiele für die mündlichen Prüfungen, die mir speziell im Gedächtnis geblieben sind:

    Anorganische Chemie: Es ging um IV-Spektrometrie „Wie bestimmen Sie die Konzentration einer Lösung?“
    Ich habe 5 verschiedene Methoden/Rechnungswege erklärt. Dafür habe ich – bis auf die ersten 3 Minuten – die gesammte Prüfung gebraucht…
    Und nach jeder Erklärung sagte der Professor: „Das war nicht die Antwort, die ich gemeint habe…“
    Und das letzte Mal: „Das war nicht die Antwort, die ich gemeint habe… Aber leider haben wir jetzt keine Zeit mehr…“
    Erschwerend kam noch hinzu, dass ich mich ganz schlecht konzentrieren konnte, da der Prof. ein grosses Pflaster genau quer über seine Stirne geklebt hatte und ich immer von seinen Augen richtung Pflaster abgelenkt wurde!
    Ich hatte trotz Allem eine gute Note bekommen..! 😀

    Biopharmazie: Der Prüfer hatte am Tag vor meiner Prüfung eine Kommilitonin zum weinen gebracht und zu ihr gesagt, dass Frauen sowas ja sowieso nie begreifen können und werden… (in unsrem Jahrgang waren 90% Frauen!)
    Für diese Prüfung habe ich mich dann bewusst sehr maskulin gekleidet. Während der Prüfung habe ich den Professor dann einfach möglichst nicht zu Wort kommen lassen und habe ihm nach seiner ersten Frage dann 30 Minuten etwas zu seiner Frage und sämtlichen möglichen Nebenfragen erzählt; möglichst ohne Punkt und Komma! Und was ich nicht genau wusste, habe ich dann einfach grosszügig ausgelassen…
    Das Resultat konnte sich sehen lassen – und das in einem Fach, welches ich eher schlecht als recht verstanden habe! 😉

    Praktische Galenik (Labor): Eine Komilitionin hatte einen halben Nervenzusammenbruch gegenüber von mir… Sie hatte wohl einen Blackout und hatte die Aufsichtsperson etwas gefragt und als Antwort erhalten, dass sie das selber zu entscheiden hätte. Sie hatte geweint und den Assistenten dann auch etwas laut angeredet – ich bin nicht mehr sicher, ob sie die Prüfungsaufgaben dann doch noch fertig geschafft hat…
    Wir waren alle sehr gestresst; jeder von uns hat verstanden, dass gegen Ende der Prüfungen das Nervenkostüm inzwischen etwas dünn war.

    Pharmacopöe-Kunde:
    Prüfer: „Und wie kann es nun sein, dass sie 102% erhalten?“
    Ich hatte keine Ahnung… Hatte ich mir nie überlegt gehabt vorher… und genau das habe ich dem Prüfer auch gesagt! Und dann habe ich es mir kurz überlegt und nach 2 Sekunden ging mir ein Licht auf:
    „Es wird wohl damit zusammenhängen, dass die Rundungsfehler da schon mit einberechnet sind!“
    Der Prüfer hat mich zwar etwas ausgelacht aber war damit zufrieden.

    Galenik:
    Ich muss dazu sagen, dass ich mir mathematische Formeln fast nicht (vollständig) merken kann… Aber ich verstehe sie eigentlich immer sehr gut… Mathematik und Physik sind ein bisschen meine Steckenpferdchen…
    Professor: „Wie lautet die Formel für die Sinkgeschwindigkeit von Teilchen in einer Emulsion? Können Sie mir die Formel hier mal aufschreiben?“
    Ich: „Nein!“
    Der Professor hat mich dann fragend angeschaut und ich habe ergänzt: „Aber ich könnte Sie Ihnen herleiten…“
    Habe ich dann auch getan. Der Professor war beeindruckt. Dabei war ich doch nur zu faul gewesen, sie auswendig zu lernen! 😉

    Zu meiner Lerntechnik kann ich leider nicht viel sagen ausser: ich glaube, dass ich meine noch nicht gefunden habe… Leider!
    Ich lerne immer sehr unkoordiniert und habe/hatte das nie im Griff… Ich bewundere/bewunderte immer die Leute, die das so im Griff haben und wissen was sie da tun und wie sie am besten lernen sollen!

    Gefällt mir

  15. Es kommt in Prüfungen auch immer drauf an, wie nett der Prüfer ist.

    Ich hab mal eine erwischt, in der ich auf die erste Frage die Antwort gleich raussprudelte und vom Prüfer unterbrochen wurde, ich solle doch nicht so schnell machen, wir hätten doch Zeit.
    Von da an wurde mir nach jedem zweiten oder dritten Wort der Satz abgeschnitten, der Prüfer beantwortete seine Fragen selbst und beschwerte sich anschließend, er hätte mir alles aus der Nase ziehen müssen.
    Dabei konnte ich auf alles antworten, bis auf eine Frage, die ich nicht verstanden hatte. Leider ließ er mir auch keine Gelegenheit, zu fragen, ob er die Frage nicht anders stellen könnte, und ich hab es nicht geschafft, ihn seinerseits zu unterbrechen.

    Gefällt mir