Arzneimittel für Kinder …

ich bin gerade dabei, mich durch ein anderes Fehlermeldesystem (für Ärzte) durchzuarbeiten: . Auch gut, leider nicht so übersichtlich.

Dabei bin ich auf diesen Fall gestossen:

Was ist passiert?
Bei einem Hausbesuch in einer nicht-deutschsprachigen Familie mit Säugling fiel auf, dass die Mutter des Säuglings bei dem Kind Salben verwendet, die nicht für Säuglinge zugelassen und sinnvoll sind (Antimykotika, Kortikoidhaltige Externa).
Auf die explizite Nachfrage, warum sie dies verwende, sagte Sie – auf die Packungsbeilage zeigend: Hier steht „Arzneimittel für Kinder“.
Dort stand: „Arzenimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren“ – die Worte unzugänglich und aufbewahren hat die Mutter ganz offensichtlich nicht verstanden.

Was war das Ergebnis?
Das Ergebnis war, die Mittel wurden nicht mehr verwendet – aber die Mutter berichtete, dass alle Ihre Freundinnen, dies so verstehen würden.

Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis und wie könnte es in Zukunft vermieden werden?
Die Reihenfolge des Textes sollte geändert werden: „Arzneimittel unzugänglich aufbewahren“ würde evtl. ausreichen? oder „Arzenimittel nicht für Kinder! – Unzugänglich aufbewahren“

Ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, könnte mir aber vorstellen, dass dies häufiger geschieht als wir glauben!

Uff. Aber: In der Apotheke haben die wohl auch nicht nachgefragt, ob das für Kinder geht? Und umgekehrt: die Apotheke, für wen die Mittel denn sind? Gut, die Sprachbarriere … aber sowas ist wichtig!

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19 Antworten auf „Arzneimittel für Kinder …

  1. Hatte mal nen Patienten, der „Dermatop Salbe“ (starkes Cortikoid) kaufen wolle. Auf meinen Hinweis, dass ich nen Rezept brauche, wurde er sehr ungehalten. Auf meine Frage, wo er die sonst her hatte – „vom Kinderarzt“. Hä? Der Kerl lag über meinem Alter! „Ja, wird fürs Kind verordnet, Kind braucht die nicht, nimmt er die halt.“ Wie lange denn schon. „Seit 2 Jahren 2-3x täglich. Hilft so gut!“ Die Pergamenthaut war schon erkennbar… Ich habe ihm empfohlen, besser gestern als heute mit dem Problem einen Hautarzt aufzusuchen…

    Arzneimittel sind tatsächlich für DEN gedacht, dessen Name oben auf dem Rezept unter „Patient“ steht…

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  2. Ich bin da zur Lösung für Pictogramme: Baby/Kind, Altersangabe von – bis, roter Kreis drum, X drüber machen. Erwachsenen daneben, ab-Alter dazu, grüner Kreis drum, Haken daneben… ich habe zwar keine Erfahrungen mit der Arbeit in Apotheken, hab aber 5 Jahre lang die „Bildungselite“ an der Uni beobachtet und viel zu oft erlebt, dass man nichts so idiotensicher machen kann, dass es nicht noch einen größeren Idioten gibt, auch unter Studenten… seit dem favorisiere ich die einfachste denkbare Lösung. Und auch dann wird sich der Idiot finden, der…. na, du weißt schon.

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    1. „Das Problem mit ´idiotensicheren Geräten´ ist, dass man sich ein ´normal intelligenter´ Mensch nicht vorstellen kann, wie erfindungsreich Idioten sind.“ Den Urheber des Zitats habe ich vergessen… Ich glaube, es dar Douglas Adams.

      Die Pictogram-Lösung hat ihren Charme, aber gerade auf kleinen Packungen ist so schon kaum Platz für alle gesetzlich geforderten Angaben. Insofern nicht so einfach…

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      1. Extra-Zettelchen in der Packung, einmal schick ganz außen um die Blister gewickelt, sind wahrscheinlich verboten, oder? ;) Naja, und den Herstellern sonst garantiert zu aufwändig. Ansonsten würde ich das auch für eine ganz praktikable Lösung halten, wenn es außen nicht drauf passt… aber, ja, es gibt immer einen noch größeren Idioten, der jeden Hinweis ignorieren kann und seinen Hamster doch in der Mikrowelle trocknet ;)

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    2. Piktogramme haben auch ihre Tücken: In Südamerika gab es zahlreiche unerwünschte Schwangerschaften, weil leseunkundige Frauen das Piktogramm „durchgestrichene Schwangere“ so interpretiert hatten, dass das Medikament eine empfängnisverhütende Wirkung hat.
      Es sollte aber heissen „nicht geeignet für Schwangere“…

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      1. Wenn es denn „nur“ bei unerwuenschten Schwangerschaften geblieben waere. Abre die Kinder kamen dann teilweise mit Fehlbildungen auf die Welt. Es gab ja nen Grund, warum das Medikament fuer Schwangere nicht geeignet war.

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  3. allgemein zum Wortschatz: wir überschätzen oft, welche Wörter unser Gegenüber versteht, vor allem Fremdsprachige, aber auch Kinder/Jugendliche. Wir hatten grade einen Wettbewerb für SchülerInnen laufen in der Bibliothek. Irgendwann sind wir draufgekommen, dass viele Kinder mit dem Wort „beige“ nichts anfangen können. (Antwort auf die Frage „welche Farbe hat das Weltall?“).

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  4. Gerade die indirekte Formulierung „…für Kinder unzugänglich aufbewahren“ ist wirklich nicht gerade gut verständlich, weil viel zu indirekt und eingedampft. Ähnlich wie der Satz (Warnhinweis an Abwässerkanälen) „Das Betreten der Anlage ist mit Gefahr verbunden und nicht erlaubt“ auch von keinem Kind verstanden wird, und inzwischen längst durch ein Piktogramm ersetzt wurde. Das allerdings sieht aus wie ein schreiender Alien in einer Eistüte. Auch nicht gerade hilfreich.

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    1. Womit wir mal wieder bei der Frage sind: „Könnten Verbotsschilder nicht sinnvoll abgeschafft werden, wenn alle mal das Gehirn einschalten würden?“ In Schweden wird man keine „Baden an der Schleuse verboten!“-Schild finden, weil jedem klar ist, dass das gefährlich ist, und die Eltern das ihren Kindern erklären.

      „Wenn ein Deutscher hinfällt, steht er nicht wieder auf, sondern er schaut sich erst einmal um, wen er schadenersatzpflichtig machen kann…“ *seufz*

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  5. Diese schwurbeligen Erklärungen gerade auf den Beipackzetteln sind für Personen, die kein Abitur haben und des Lesens und Schreibens eher abgeneigt sind, nicht zu verstehen. Besonders in diesem Schriftgrad – das Leseverständnis STEIGT um Einiges, wenn der Schriftgrad höher liegt. Salopp – je schlechter man lesen und schreiben kann, desto höher der Schriftgrad (siehe die riesigen Überschriften bei der bekannten Zeitung von Springer)
    Daher finde ich Piktogramme auch wunderbar. Die dürfen aber nicht von irgendeinem Menschen an der Uni mal so entworfen werden – das muss – statistisch relevant – getestet werden, damit es eindeutig ist.

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  6. Piktogramme sind nicht nur was durchgestrichene Sachen angeht, tricky. Ich erinnere mich da an den Fall, dass für Leseunkundige z.B. auch nur simpel die Medikamenteneinnahme an sich erklärt werden sollte:

    Trauriges Smiley – Tablette im Mund des Smileys – lächelndes Smiley.

    Als man sich dann wunderte, warum das Medikament häufig nicht genommen wurde, viel den zuständigen auf, dass es viele Länder gibt, in denen die „Leserichtung“ nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach links ist…

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    1. Es stimmt schon, dass natürlich die Leserichtung in z.B. der arabischen Schrift von links nach rechts erfolgt. Allerdings muss man auch sagen, dass das wohl ein untergeordnetes Problem ist. Vor allem, da dort die Packungsanleitungen natürlich in der Landessprache geschrieben werden sollten.

      Wenn man natürlich hier darauf verweist, wäre eine Lösung, es untereinander zu schreiben. Also oben: unglücklicher Smiley; Mitte: Tablette im Mund des Smileys, Unten: Glücklicher Smiley

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      1. Auch das könnte man missinterpretieren, insbesonder wenn die Zeilen nicht korrekt angetrennt sind. Also bliebe nur, als Lesehilfte lauter Pfeile zwischen/über/unter die Pictogramme zu setzen.

        Wie man sieht, eine Pictogrammlösung ist auch nicht einfach(er).

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        1. Sicherlich einfacher, als die überkomplizierte Ausdrucksweise auf dem Beipackzettel.
          Es gibt (sorry) immer Deppen, die etwas falsch verstehen. Aber deshalb eine Lösung, die vermutlich mehr Leute richtig verstehen, als die derzeitige Lösung falsch, ist immer noch eine bessere Lösung. Das man nicht alle Probleme aus der Welt schaffen kann und das in einigen Sprachen auch von oben nach unten gelesen wird, liegt auf der Hand, ist aber m.E. nichts, was man nicht durch unterschiedliche Packungsbeilagen, je nach Land, auch ändern kann.

          Mir ist ein Piktogramm, dass 98 von 100 Leuten verstehen lieber, als ein Beipackzettel, den 85 von 100 verstehen.

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          1. Sicherlich hast Du recht. Es gibt auch schon seit mehreren Jahren Bestrebungen, zum „offiziellen Beipackzettel“ (der letzthin vom BMG „vorgeschrieben“ wird) einen zweiten, verbraucher- und patientenorientierten zu legen. Aber so blöd es sich anhört – der Gesetzgeber hat das immer noch nicht zugelassen…

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  7. Das Problem sind die schwierigen Worte im „Amtsdeutsch“, die niemand mehr versteht, der nicht im Amt groß geworden ist oder studiert hat. Ein einfacher Warnhinweis wie „NICHT für Kinder!“ könnte deutlich mehr bewirken, als wohlfeile Worte eines sicher gut meinenden Sachbearbeiters.

    Die Kunst der „Sprache des Volkes“ muss man erlernen. Gerade dann, wenn man fachlich wissender ist als die Ratsuchenden.

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  8. Der Vorschlag “NICHT für Kinder!” ist doch Sachlich aber falsch.
    In diesem Fall traf es vielleicht zu aber eigentlich gibt die Aussage “Arzenimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren” keine Aussage darüber ob das Medikament bei Kindern verwendet werden darf,
    Evt könnte man ihn zusätzlich anbringen bei entsprechenden Medikamenten. Das halte ich aber für Kritisch weil ja durch aus deutlich mehr Abstufungen als „für Kinder zugelassen“ oder „nicht für Kinder zugelassen“ wichtig sind. So gibt es für Verschiedene Medikamente eben andere Alterstuffen ab der sie eingesetzt werden sollten, praktisch immer andere Dosierungen für Kinder, evt sogar andere Einnahme Intervalle, (z.b häufiger mit niedrigerer Dosis) und andere Dinge. Die Leute sollen verdammt noch mal die Pakungsbeilage lesen. Mehr Hinweise auf der Pakung würden da denke ich eher denn glauben stärken dass die Hinweise auf der Pakung als Infos reichen. Und man kann halt nicht jeden retten. Wer die entsprechende Landes Sprache nicht beherrscht oder nicht Lesen kann sollte auch selbst um Hilfe bitten. Es wird weiter solche Fehler geben weil man nicht vor allem mit Piktogrammen warnen kann und diese nun mal selbst denken nicht ersetzen können.

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