Streikende Apotheken

So … gestern haben die Apotheken in Deutschland gestreikt.

Das heisst … so wirklich streiken war das nicht, oder?

Sie haben zwischen 12 und 13 Uhr die Kunden nur durch die Notdienst-klappe bedient. 1 Stunde lang … in der Mittagspause.

Und die Apotheken auf dem Land, die mittags geschlossen haben – meist zwischen 12.30 Uhr und 13.30 Uhr … für die war das nicht einmal nur eine Stunde, sondern nur eine halbe Stunde.

Hmmm.

Ich verstehe den Grund des Aktion sehr gut:

Um mal ein paar Stimmen aus dem Netz zu zitieren:

Im Jahr 2012 haben wir an 26 Tagen für Sie hier Notdienst gehabt – 16 Nächte, 1 Feiertag, 15 Wochenenden – Lebenszeit, die wir gerne einsetzen, damit Ihnen im Notfall geholfen ist. Für diesen Dienst an der Gemeinschaft erwarten wir eine angemessene Entschädigung.

Hintergrund der Kampagne ist, dass die Politik die zugesagte Notdienstpauschale zum 1.1.2013 immernoch nicht umgesetzt hat. Aktuell darf eine Apotheke im Notdienst eine Pauschale von 2,50 € erheben. Würdet IHR dafür Eure Nachtruhe unterbrechen? Dass hiervon noch nicht einmal die Personalkosten gedeckt sind leuchtet ein!

Beim Schlüsseldienst bezahlt  man ausserhalb der regulären Öffnungszeiten mindestens 50 Euro – den Weg. Beim Klempner dasselbe. Aber der Apotheker soll für 2.50 € pro Abgabe bereitstehen. Die ganze Nacht und das Wochenende über – mehrmals im Jahr.

Ich frage mich nur: ein so kurzer „Streik“? Bringt das überhaupt etwas?

Also Fragen an Euch:

Habt ihr von dem Streik gewusst?

Habt ihr selber etwas davon mitbekommen? – und wie?

Unterstützt Ihr die Apotheker in ihrem Ansinnen?

Advertisements


54 Antworten auf „Streikende Apotheken

  1. weder hab ich davon was gewusst, noch hab ich davon was mitbekommen. mehr geld will jeder, mal verhältnismäßig, mal unverhältnismäßig.

    was sollen die vielen schichtarbeiter denn sagen? die fernfahrer, die in einer einzigen woche mal um 3 uhr, mal um 18 uhr aufstehen müssen und oft 2 wochen am stück auf einen raum von etwa 5qm leben dürfen? ganz ehrlich, mein mitleid für apotheker hält sich in grenzen.

    Gefällt mir

    1. @ Marius, ich finde, dass der Vergleich hinkt!
      Man kann man meiner Meinung nach nicht damit argumentieren, dass andere Dinge noch schlechter laufen.
      Dann dürften wir uns hier in Deutschland über gar nichts beschweren, denn im Vergleich zu Entwicklungsländern geht es uns doch Super…

      Ich habe als Medizinstudent zwar keine Vorstellung von der finanziellen „Problematik“ der Apothekennachtdienste, kann mir aber gut vorstellen, dass dies ähnlich schlecht läuft wie in den Krankenhäusern.

      Und da ja schon eine Ärzteflucht da ist stellt sich mir die Frage, ob wir uns noch eine Apothekerflucht leisten können?
      Aber so schlimm scheint es um die Apotheken ja nicht zu stehen, zumindest bei und gibt’s die wie Sand am Meer.
      Und sind 2,50 € pro Medikament wenig?
      Schwierig einzuschätzen.
      Auf jeden Fall finde ich, dass die Kunden nicht mit horrenden Strafzahlungen belastet werden sollten, nur weil sie „sich erdreisten“ nachts krank zu werden.

      Wäre es denn möglich, die Nachtversorgung über Krankenhäuser herzustellen? Dass man die wichtigsten Dinge da zu haben, sodass dort die Nachtdienste gesammelt sind und die Apotheken nicht müssen?

      Schwierige Frage Pharmama!
      Wie stehst du denn dazu, du hast doch einen differenzierteren Einblick, oder?

      Ich habe aber auch nix aktiv davon mitbekommen, nur in der Zeitung gelesen.

      Gefällt mir

  2. @Marius Die verdienen in der Zeit ja auch alle und leisten Arbeit – gewöhnlich mit Zuschlag. Ein Apothekenbesitzer verdient in der Zeit nur mal was, wenn tatsächlich einer kommt und dann tatsächlich nur 2,50€ mehr als sonst. Der Vergleich ist also tatsächlich eher mit Schlüsseldiensten, Klempnern etc. zu machen und nicht mit Deinen Schichtarbeitern und LKW-Fahrern.

    Gefällt mir

  3. Wir haben die ganze Stunde durch die Notdienstklappe bedient!!!

    @marius: die leute bekommen einen NACHTDIENSTZUSCHLAG, die bekommen also mehr geld für ihre nachtarbeit
    Apotheken nicht! da wird gemeckert und gemosert, man wird teilweise für Wattestäbchen aus dem Bett geklingelt, für Trauebzucker auch gerne mal, besonders am Wochenende!

    ich finde die Aktion hätte länger sein müssen
    evtl Vollschließung, aber das ist gegen das Apothekengesetz da dann die Bevölkerung nicht ausreichend versorgt wird

    Gefällt mir

    1. @PTA:
      Für Wattestäbchen und Traubenzucker dürfen die Patienten gerne finanziell bluten (ich wäre an seiner stelle ausgerastet! 😉 ), aber ist es okay, wenn ich akut ein z.B. fiebersenkendes Mittel brauche und (hypothetisch) 10 € extra bezahlen muss?

      Gefällt mir

      1. Ausrasten nicht, aber mal schnell einen „Sonderpreis“ für Taschentücher oder ähnlich eilige Sachen zu machen, dürfte drin sein. Ich habe da mal den Preis für eine Packung Taschentücher (sonst als Zugabe verschenkt) spontan auf zwei Mark gesetzt. Das hat grosse Augen gegeben. Was sogar von der Chefin vorher abgesegnet, wenn jemand einen dreist rausklingelt. 🙂

        Gefällt mir

    2. @PTA: Wenn die angestellten Apothekenmitarbeiter streiken würde, würde Dein Chef keine andere Wahl haben als der Kammer mitzuteilen, dass er den ordnungsgemäßen Betrieb nicht aufrecht erhalten kann. Rechtlich ist das machbar.

      Gefällt mir

    1. Falsch. Die deutschen Apotheker wollen nicht, dass die 2,50€ erhöht werden. Wir wollen, dass wir eine „Grundvergütung“ für den Dienst bekommen.

      Das ist ganz einfach: Wenn im Dienst ein Patient kommt, verdiene ich 2,50€ „extra“. Kommen 10 Ptienten, verdiene ich 25€ extra. Kommen 100 Patienten (was doch sehr unwahrscheinlich ist) verdiene ich 250€ extra. So, und kommt in einem Dienst kein Patient – wohlgemerkt, ich muss anwesend sein verdiene ich? Gar nichts! Also z.B. Ein Sonntag 8.00 Uhr angefangen, den Laden nicht verlassen bis Montag 8.00 Uhr – nicht mit dem Kind gespielt, keine Freunde getroffen, kein Bier getrunken (im DIenst!) – sprich einen Sonntag verballert! – und bei 16 Patiuenten dafür 40,00€ dazu verdient. Beii 24 STunden Dienst ist das ein „Nachtzuschlag“ von 1,67€/h. Ah ja.

      [Ich will jetzt kein „Berufsbashing“ betreiben, aber wenn ein Arzt einen Notdienst macht, bekommt er dafür eine Grundvergütung zustätzlich, egal wie viele Patienten er behandelt. Und der Schlüsseldienst, den ich mir mal an einem Freitag gegen 15.00Uhr gerufen haben, kam dann nach 18.00Uhr . und hat zwecks „Notdienst am Feierabend“ ein x2 an die Rechnung geschrieben – schon waren aus 150DM -> 300DM geworden…]

      Und nicht vergessen: Oft genug macht wegen der Kosten der Apothekenleiter selbst den Dienst – denn der Angestellte möchte natürlich einen „Nachtzuschlag“ und „Freizeitausgleich“ (gemäß Tarifvertrag), der in keinster Weise in diesem Dienst erwirtschaftet wurde. Bedeutet? Ganz einfach, am Monag morgen macht der Apothekenleiter dann weiter – bis zum Montag abend.

      Gefällt mir

    2. Unabhängig von den Ausführungen von gedankenknick:
      Ein verschreibender Arzt hat durchaus die Möglichkeit, auf dem Rezept zu vermerken, dass es sich wirklich um einen Notfall handelt, bei dem auf die € 2,50 verzichtet werden muß.
      Diese Regelung finde ich sehr richtig und wichtig, sie zeigt aber auch hier, da der notdiensthabende Apotheker vor Ort in diesem Fall völlig leer ausginge, wie notwendig eine nun angedachte Pauschalvergütung ist.

      Gefällt mir

      1. Auf die 2,50€ wird dann nicht verzichtet – die 2,50€ trägt dann die kranke Kasse. Aber ganz ehrlich – ich habe bisher noch kein Rezept, welches um Mitternacht, an einem Sonn- oder an einem Feiertag ausgestellt wurde, mit so einem Kreuz gesehen. Auch nicht bei Rezepten mit Antibiotike oder starken Schmerzmitteln. Wie das nur kommt?

        Gefällt mir

        1. OK, das mit der Krankenkasse stimmt natürlich, der Angestellte verzichtet halt auf die € 2,50, das hätte ich präziser schreiben sollen.

          Bei uns in der Apotheke kommen solche noctu-Rezepte allerdings sehr häufig vor.

          Gefällt mir

  4. Keine Zeit mich anzumelden, die Verbindung ist so langsam hier ^^
    Also gewusst haben wir von dem Streik, ganz verstanden, warum man die Kunden damit belasten soll haben wir, bzw el Cheffe allerdings nicht. Wir haben es auch nicht gemacht. Zwar sind wir Mittags bis 13:30 da, aber das ist grade die Zeit wo bei uns die Hütte brennt. Als einzige Apotheke im Umkreis ist es einfach nicht machbar gewesen.
    Das Signal wäre zwar gut und wichtig gewesen, aber hier nicht umsetzbar im Moment…

    Gefällt mir

    1. @ gedankenknick:
      Okay, mit den Infos kann ich die Wut der Apotheker gut verstehen.

      Wär natürlich schön gewesen für den interessierten Bürger, diese Info zu vermitteln! So hat man nur mitbekommen, dass Apotheker mehr Geld fordern.

      Wäre es denn möglich die Versorgung auf andere Stellen umzuleiten? Die sowieso da sind?
      Wenn es wirklich so wenig Kunden in 24 h sind wäre es doch sinnvoll,oder?

      Ich möchte außerdem betonen dass ich niemals behauptet habe, dass Notärzte viel schlechter verdienen-ich sagte nur, dass die Bedingungen für beide schlecht sind.
      (Sonst würden sich die Leute ja wohl drum reißen… )

      Gefällt mir

      1. AAAALLLLLSSSSOOOOO:
        1) Bitte nicht Notärzte (die mit dem Tatü-Tata-NEF [= NotfallEinsatzFahrzeug] kommen) mit Notdienst-habenden-Ärzten (die sich in ihrer niedergelassenen Praxis den Popo breit sitzen, so wie die Apotheker in ihrer Apotheke) verwechseln. Aber die zweiteren bekommen halt auch eine Notdienst-Pauschale, ob ein Patient kommt oder nicht. [Ich habe auch nicht unterstellt, dass ich irgendwen bevorzugt/benachteiligt sehe. Ich habe einfach nur festgestellt, dass Ärzte ihre Forderungen wesentlich effizienter umzusetzen verstehen.]
        2) Diese Diskussion geht durch die Politik schon seit Oktober 2012 – und durch die Apotheken schon seit… ja eigentlich seit 2004. Jetzt ratet mal alle zusammen, wer ein Interesse daran hat, dass die Presse die Bevölkerung nicht mit belastbaren Daten und Fakten versorgt. Höre ich da hinten links „Krankenkassen“? Sehr gut. Und in der letzten Reihe flüstert einer „Politik(er)“? Hervorragend. Eins mit Bienchen!
        3) Die Versorgung auf „eine Stelle umzuleiten“ ist genau das, was eben keinen Sinn macht. Es würde viel weitere Wege für viele Notdienst-Suchende bedeuten. Die ganzen Apotheken in Kuhdorf würden ein Schild an die Notdienstklappe kleben: „Einfach ins Krankenhaus nach Großstadt fahren!“ Wollen das die Patienten wirklich?
        4 Interessiert es die meisten Bürger überhaupt? Leider nein. Spannend wird das erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. So wie bei Tante-Emma-Läden. Oder inhabergeführtn Drogerien. Oder oder oder.

        Apotheker sind doch die, die fürs Schubladen-aufziehen so fürstlich bezahlt werden, dass sie nach Feierabend und um Notdienst nur nach der Schippe suchen, um im Keller Bargeld umzuschichten. Diese Vorstellung hat tatsächlich lange Jahre (fast) gestimmt. Aber spätestens seit 2004 hat sich das massiv gewandelt. Aber eine Entwicklung ins ungünstige will der moderene, wohlinformierte Neidbürger gar nicht wahrhaben (und wahrnehmen), solange im von Seiten der Politik und der Medien immer wieder gezeigt wird, dass seine Vorurteile noch korrekt sind. Ich verstehe das in den Medien betriebene Apotheken-Bashing nur zu gut, denn es ist Teil einer seit vielen Jahren betriebenen (großkapitalistisch ausgerichteten) Politik, die inhabergeführte Einzelapotheke abzuschaffen und gegen Kettenstrukturen in der Hand von (Gesundheits?)Konzeren zu ersetzen. Alles zum Wohle des Patienten natürlich. 😉 Und für die Medien gilt (wie auch für Politiker): Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing! Traurig, aber wahr.

        Einfach mal nach Schweden schauen, wie es da mit den Landapotheken nach Übernahme durch Kettenkonzerne voran geht: Wollen wird das genau so in Deutschland?

        Und nun genug des Gejammers von meiner Seite… 😀

        Gefällt mir

  5. na gut, aber realistisch ist es denn, dass da wirklich kein Patient kommt? Ich wohne in einer Großstadt, hier hat gerade mal eine handvoll Apotheken Notdienst und die dreimal, die wir die brauchten (wegen Fieberkind) waren die brechend voll. Unfair natürlich den Kollegen in dünn besiedelten Gebieten, wo keine 20 Leute / Stunde vorbeikommen. Insofern wäre eine Pauschale vielleicht doch besser.
    Aber schlecht verdienen könnten die Apotheken hier nicht. Hier kommt eine Apotheke auf 500 m Straße und überleben schon seit Jahren so…

    Gefällt mir

    1. Hehe, und da ist er wieder, der Lieblingsvergleich aller Apotheken-„Basher“. ..hier in der Großstadt… Ah ja. Hier in der Großstadt hat eine Apotheke vielleicht alle 23 Tage einmal Notdienst. Und macht dabei vielleicht sogar richtig Umsatz. Und in Kuhdorf? Da hat die Apotheke eventuell alle 7 Tage Notdienst. Ja, auch an Wochenenden, Feiertagen, Sonntagen, ob Regen oder Sonnenschein. Und wartet darauf, dass jemand mit einem wirklich wichtigen Rezept kommt – könnte ja sein, Omi braucht ein Antibiotikum oder Opi ein Mittel gegen den akuten Gichtanfall. Und wartet… und wartet…
      Ist deshalb der Notdienst in Kuhdorf weniger wichtig als in Großstadt? Macht der Apotheker in Kuhdorf nicht viel mehr Verlust – auch weil er viel öfter Dienst hat? Wäre dann nicht eine Pauschale pro Dienst gerecht? Der, der viel Dienst macht, bekommt mehr Geld – der, der keinen Dienst macht, bekommt nix! Das ist ungerecht? Naja…

      …ich habe mir mal den Spaß gemacht, einen Heizungsbauer zu fragen (der gerade das ganz dringend benötigte Antibiotikum für Mutti abholte, und sich sehr über 2,50€ extra beschwerte), ob er im Winter zu mir kommen würde, Sonntags abends um 19.00Uhr, und mir für die „Standartrechnung“ +2,50€ die Heizung repariert und mein Haus frostfrei machten würde. Er hat gemeint: Für 2,50€ hebe ich Sonntags nicht mal mein Telefon ab! Schön, gell?

      Gefällt mir

    2. Und das mit dem Überleben in der Großstadt: Mehr Laufkundschaft, und viele Ärzte auf einem Haufen -> mehr Apotheken. Deswegen alle Apotheken mies zu bezahlen, damit die letzte auf dem Land auch stirbt… will die Politik schon seit langer Zeit. Und dazu wurde auch schon genug geschrieben.

      Enfach mal den Schweden-Link ein paar meiner Kommetare höher anklicken. Schweden hat extra die Kettenapotheken freigegeben, um eine bessere Versorgung auf dem Land zu gewährleisten. Und was passiert? Landapotheken werden geschlossen, Apotheken an lukrativen Standorten (wie Fußgängerzonen) werden neu eröffnet. Nanu? Sollte doch umgedreht kommen! Tja, so funktioniert die freie Wirtschaft dann… 😉

      Gefällt mir

  6. Ich halte die Aktion für berechtigt. Allerdings habe ich erst durch diesen Blogbeitrag davon erfahren. Das hätte publikumswirksamer gemacht werden müssen.

    Gefällt mir

    1. Wie oben geschrieben. Die „großen“ Medien, Spinger & Co, die mit den „Fühlern zur Macht“, haben kein Interesse, an den Apotheken ein gutes Haar zu lassen, geschweige denn diese zu unterstützen. Deutsche Apotheken bekommen nur mediale Aufmerksamkeit, wenn man etwas gegen sie positionieren kann und will…

      Gefällt mir

  7. Ehrlich gesagt wundere ich mich immer, wie günstig die Sachen in der Apotheke in der Notdienstzeit sind. Eigentlich kosten sie doch keinen Cent mehr?

    Und natürlich würde ich verstehen, wenn sie teurer wären zu diesen Zeiten. Man klingelt die Leute ja teilweise aus dem Bett und braucht dann „nur“ Paracetamol.

    Gefällt mir

  8. Ich hab davon überhaupt nichts mitbekommen. Erst durch deinen Beitrag hab ich überhaupt von der ganzen Situation erfahren!

    Gefällt mir

  9. Von dem Streik wusste ich im Vorfeld nichts. Habe ihn aber trotzdem live erlebt, weil ich gerade an diesem Tag in meiner Mittagspause etwas aus der Apotheke brauchte. Ich war ziemlich verwundert über die Aktion. Ob der Streik was gebracht hat, bezweifle ich. Im Grunde hatten die Apothekerin und ihre Mitarbeiterinnen nur mehr Arbeit. Zuerst fragte mich die PTA an der Notklappe, was ich möchte, dann holte sie das gewünschte aus dem Regal, ging zur Kasse und tippte den Betrag ein, kam erneut an die Klappe und sagte mir die Summe. Ich gab ihr das Geld, da ich es leider nicht passend hatte, musste die arme PTA wieder zur Kasse gehen, Wechselgeld holen, wieder zur Klappe laufen und mir das Wechselgeld geben… Und ich war nicht die einzige Kundin. Die PTA tat mir leid.

    Ich wollte ursprünglich auch auf meinen Einkauf verzichten, aber die Apothekerin, die neben der Klappe stand und die Kunden über den Streik informierte, sagte mir mehrmals, ich soll das, was ich möchte, kaufen.

    Meine Meinung zur Vergütung – ich denke, 2,50 Euro pro Medikament ist zu wenig, siehe die Erläuterungen oben. Vielleicht wäre es – zumindest in der Stadt – sinnvoller, wenn es einige wenige zentrale Apotheken, zB in der Nähe von Krankenhäusern, gäbe, die immer den Nachtdienst übernehmen. Diese Apotheken hätten dann auch mehr Kunden, so dass sich das Nachtgeschäft mehr lohnen würde. Und die Nachtpauschale sollte erhöht werden, vielleicht auf 10 Euro. Ein Notfall, wo man dringend ein Medikament benötigt, kommt ja nicht jeden Tag vor, das kann mal als Patient also verschmerzen. Und alles, was nicht dringend ist, kann man ja am nächsten Tag zur normalen Öffnungszeit kaufen.

    Bis vor kurzem zahlte man in D pro Quartal 10 Euro Praxisgebühr für Arzt, Zahnarzt und für den Notarzt. Da war es auch egal, ob man in dem Quartal schon mal beim Arzt war. Beim Notarzt wurden noch mal 10 Euro fällig. Das wurde auch akzeptiert. Die Praxisgebühr gibt es nicht mehr. Da sollte es auch für den Geringverdiener kein Problem sein, im Notfall 10 Euro in der Apotheke zu bezahlen. Und – wie oben schon bemerkt – für den Notdienst bei Handwerkern ist man auf bereit, mehr zu zahlen.

    Gefällt mir

    1. Die Erhöhung der Notdienstgebühr wollen die Apotheken nicht – es ist einerseits das falsche Signal, es trifft die Verkehrten, und es bringt den Falschen das Geld (die Apotheken auf dem Land gehen wieder leer aus).

      Was wir wollen, ist eine Pauschale. Der Staat hat (im Namen der Krankenkassen, und damit im Namen der Patienten) den Notdienst bestellt, und der Staat soll ihn auch bezahlen. Unbürokratisch. Einfach. Ohne MwSt.-Abführung! So einfach wollen das die Apotheken.

      Und schon jammern die Politiker: Nein, so geht das nicht. Die Krankenkassen würden nicht gleichmäßig belastet, die PKV wäre sowieso außen vor. Und Apotheken würden gar Geld bekommen. Und überhaupt sollen die Apotheken sich ausdenken, wie das gemacht werden soll…

      Aha. Ich gehe also mit ein paar Freunden in eine Gaststätte, bestelle mir für alle Essen, esse es auf – es ist lecker, und ich binsatt und zufrieden, rundherum versorgt – und wenn es ans bezahlen geht, sage ich dem Kellner, ich weiß ja nicht, ich das mit meinen Kumpels aufteilen soll, zwei hätten ja nur eine EC-Karte dabei, und überhaupt habe ich Bedenken, das Essen zu bezahlen… denn als ich noch viel mehr für meine tägliche Außer-Haus-Bestellung bezahlt habe (früher), da gab es 1x den Monat ein Essen für mich im Haus umsonst. [Und ich kann gar nicht verstehen,wieso ich nach all den von mir gewünschten Zwangsrabatten, kostenlosen Zusatzleistungen und Extrawürsten, die die Gasstätte jetzt täglich zu mir liefert, nicht mein Frei-Essen einfach behalten kann!] Und der Kellner solle sich jetzt mal ausdenken und Vorschläge machen wie ich denn überhaupt das Geld bezahlen und die Verteilung regeln solle. Vielleicht, wenn mir die Vorschläge dann genehm sind, denke ich dann mal so in 1 Jahr darüber nach, die danach anfallenden Rechnungen zu begleichen, solange gehe ich aber jeden Monat weiterhin kostenlos mit meinen Kumpels hier essen… GEHT ES NOCH?

      Gefällt mir

    1. Ja, wir Apotheker streiken immer so, dass es keiner mitbekommt. Gemäß unserer Standesfürsten ist das dei effektivste Art, seine Forderungen durchzusetzen….

      Gefällt mir

  10. In meiner Stadt haben Autos gebrannt, Plünderungen haben stattgefunden, die Presse hat darüber berichtet und die Sorgen der Offizin-Apotheker und der Sinn einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung wurde der Politik deutlich in Erinnerung gerufen. 🙂

    So, und jetzt Ironie off: Das hat niemand mitbekommen.
    Ich habe heute eine Umfrage unter meinen Kollegen gestartet (Industrie; alles Apotheker). Von 8 Apothekern wußte allein ich davon.

    Es gab ja im letzten halben Jahr schon ein paar Apothekenstreiks. Am Mittwoch Mittag wird zwischen 12 Uhr und 13 Uhr dicht gemacht. Finde ich total uneffektiv, da haben viele Apotheken eh zu.

    Leute, wenn ihr das Ding wirklich durchsetzen wollt, müsst ihr ein paar Tage lang zumachen.
    Und die angestellten Apotheker müssen sich alle der ADEXA anschliessen und gegenüber den Apothekenbesitzern für gerechtere Löhne in der Offizin streiken. Wenn die Apothekenbesitzer trotz AMNOG, Rabattverträge, demnächst erfolgender Fall des Fremdbesitzverbots, Versandhandel, etc. immer noch nichts auf die Reihe bringen, dann scheint der Druck auf sie noch nicht hoch genug zu sein.

    Entweder seid ihr mit der gegenwärtigen Situation zufrieden: Dann müsst ihr Euch nicht wehren.
    Oder die gegenwärtige Situation ist unbefriedigend: Dann müsst ihr da mal was auf die Reihe bekommen. Mein Vorschlag: 3 Tage völlig dicht machen, es gibt keine Arzneimittel mehr. Und wer mir argumentiert, dass man das der Bevölkerung nicht antun könne, der berücksichtige bitte, dass auch an Weihnachten die Bevölkerung die 2 Tage das verschmerzt.

    Gefällt mir

  11. Ich habe auch nichts vom Streik mitbekommen, finde es aber gerechtfertigt auf diese harmlose Art auf die Problematik aufmerksam zu machen. Bei uns in Österreich zahlt der Kunde im Nachtdienst erst ab 20:00 einmalig € 3,80 , nur am Sonntag ist auch tagsüber eine kleine Gebühr zu zahlen. Der Betrag gehört dem diensthabenden Pharmazeuten , muss allerdings auch noch versteuert werden.Kommt man in der Nacht mit einem Notarzt-,Notfalls- oder Spitalsrezept vom gleichen Tag, dann übernimmt die Krankenkasse diese Gebühr.
    Ich finde es durchaus gerechtfertigt für diesen Nachtservice zu bezahlen. Wie oft bin ich schon mitten in der Nacht aufgestanden, weil jemand super dringend die Pille, einen Schnuller, einen Schwangerschaftstest oder Kosmetikartikel gekauft hat. Die meisten Menschen wissen nicht, dass der Nachtdienst für Notfälle eingerichtet worden ist und nicht als erweiterte Geschâftszeit. Außerdem wissen die Wenigsten, dass der Pharmazeut in der Regel schon einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hat, den Nachtdienst versieht und in der Früh gleich bis am Abend weiterarbeitet .
    Das ist anstrengend , sehr anstrengend ! Dabei trägt man auch enorm viel Verantwortung.
    Das muß sich natürlich auch bezahlt machen, oder etwa nicht ?

    Gefällt mir

  12. Ich habe es zufällig mitbekommen, weil ich ganz irritiert kurz nach 12 Uhr vor der verschlossenen Tür stand, obwohl die Apotheke erst um 13 Uhr in die Mittagspause gehen sollte. Da ich aber nur etwas bereits bezahltes abholen wollte, ging das recht flott durch die Klappe über die Bühne.
    Die Forderung finde ich berechtigt, aber den Streik als Mittel wahrscheinlich eher unwirksam.

    Gefällt mir

  13. Tja, bei uns hat nur eine Apotheke in der Kreisstadt mitgemacht, weil alle anderen von 12 bis 2 eh zu haben… Ich bin aber schon dafür, die Apotheker in ihrem Ansinnen zu unterstützen.

    Gefällt mir

  14. Hier wurde im Radio darauf hingewiesen, dass es zu Engpässen kommen kann. Ich gehe aber stets erst nach dem eigenen Mittagsschlaf in die Apotheke 😉

    Bisher musste ich zum Glück erst einmal wegen des Kindes am Samstag (natürlich!) zur Not-Apotheke. Ich habe mich sehr über die 2,50 Euro gewundert. Aber die PKV hat es anstandslos übernommen. Glück gehabt!? Jedenfalls verstehe ich die Stadt-Land-Argumentation sehr gut. An dem Feiertag Nachmittag, an dem ich in der kleinstädtischen Apotheke war, die voll ausgeleuchtet wurde und in der ich ausführlich beraten wurde, war ich die einzige Kundin. Da war nichts brechend voll und mehr als die 2,50 Euro wurde dann wohl in den 5 Minuten nicht verdient. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass nachts dann gar nichts los ist, zumal ich das eine Mal in der Kindernotklinik am Samstag das passende Medikament gleich mitbekommen habe. Da hatte die Apotheke dann auch nichts davon…

    Gefällt mir

  15. Ich habe nichts davon mitbekommen (bin aber auch vielleicht 1x im Jahr in der Apotheke) und keine Meinung dazu, weil keine Ahnung von den Hintergründen. Natürlich müssen Notdienste und Bereitschaftsdienste etc. bezahlt werden – ich werde ja auch zu 50% bezahlt, wenn ich nicht frei entscheiden kann, was ich tue, weil ich beispielsweise auf Dienstreise im Zug sitze – aber wie da die geschickteste Variante ist, weiß ich nicht.

    MfG, Arno

    Gefällt mir

  16. Es gab Streik?
    Ne, hier war davon auch nichts zu hören, was ich sehr schade finde.
    Dieses „die Schubladenzieher wissen doch eh nicht mehr wohin mit dem Geld!“ Denken muss wirklich dringendst relativiert werden in der breiten Öffentlichkeit.
    Leider kriegt man eben öffentlich nichts mit…

    Aber ich versuche beizutragen: Wann immer mich jemand nach einer Online-Apotheke fragt weil ich da ja als chronisch Kranke sooooviel Geld sparen könnte kriegt von mir die Gegenfrage ob die Versandapotheke mir als Stammkundin mein Berodual auch mal ohne Rezept geben würde wenn nötig und falls ja, ob ich das überlebe bis das Teil dann da ist.
    Die verdutzten Blicke sind immer herrlich!
    Meine Apotheke hat es immer da. Sobald ich es abhole wird es gleich neu bestellt, sehr beruhigend für mich. Und sollte ich dastehen und es brauchen würde ich es auch mal so kriegen, natürlich reich ich das Rezept dann nach.
    Gute Arbeit sollte auch gut bezahlt werden! Also Apotheker, werdet mal laut!

    Gefällt mir

    1. Das Du es auch ohne Rezept vorab bekommst, solltst Du aber nicht öffentlich breit treten. Einfach weil es Deinem Apotheker die Approbation kosten kann, wenn er Arzneimittel (auch nur vorab; auch für einen Patienten, der in einer Notlage ist; auch für einen Patienten, der es immer bekommt) ohne Rezept abgibt. Ja, so sind die deutschen Gesetze. Es handelt sich in so einem Fall um eine „Therapie ohne ärztliche Approbation“ – also rein rechtlich. Und das ist für jeden Bürger strafbar, für Apotheker gemäß Berufsgericht aber besonders strafbar. Da gibt es Fälle, bei deren Rechtssprechung man nur mit den Ohren schlackern und den Augen rollen kann, aber der Apotheker ist anschließend seinen Beruf (und auch seinen Laden) los… also PSCHT! 😉

      Gefällt mir

      1. Was? Oh, das wußte ich nicht.
        Das heißt also meine Apotheke dürfte mir nicht helfen wenn ich da mit blauen Lippen und pfeifend autlaufe sondern müssten mich ans Krankenhaus verweisen obwohl sie mein Medikament dahaben?
        Manche Gesetze kann man wirklich nicht verstehen…

        Gefällt mir

        1. Klar kann und darf Deine Apotheke Dir helfen. Sie darf zum Telefon greifen, die 112 wählen und den Notarzt ranbesorgen.

          Dass die Apotheke, bei der man gut bekannt ist, im Zweifelsfall mal einen Blister eines Dauermedikaments vorschießt, ist verboten aber sicherlich gängige Praxis. Dass ich einem mir völlig unbekannten Menschen auf ein Versprechen und eine Versicherung hin verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept gebe? Never! Die Chance, an einen Testkäufer zu geraten und anschließend seine Approbation zu verlieren ist zu groß…

          Gefällt mir

          1. und wie ist das, wenn der Arzt mittwochs morgens das Rezept schonmal hinfaxt weil der Patient es nicht mehr schafft, das Rezept abzuholen bevor der Arzt zu macht?

            Gefällt mir

          2. Ich habe mich selber gerade nochmal schlau gemacht, weil das Problem tatsächlich zum 21.12.2005 geändert wurde. In der Arzneimittelverschreibungsverordnung ist im §4 Satz 1 geregelt: Erlaubt die Anwendung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels keinen Aufschub, kann die
            verschreibende Person den Apotheker in geeigneter Weise, insbesondere fernmündlich, über die Verschreibung
            und deren Inhalt unterrichten. Der Apotheker hat sich über die Identität der verschreibenden Person Gewissheit
            zu verschaffen. Die verschreibende Person hat dem Apotheker die Verschreibung in schriftlicher oder
            elektronischer Form unverzüglich nachzureichen.
            Die elektronische Übermittlung der originalen Verschreibung ist technisch aber noch nicht möglich, insofern ist die originale Verschreibung physikaisch nachzureichen. [Am Rande – auch das ist wieder eine Gummiformulierung, aus der dem Apoheker ein Strick gedreht werden kann, da nicht abzuschätzen ist, was ein Richter unter „erlaubt keinen Aufschub“ versteht.]

            Bei bestimmten Arzneimitteln würde ich mich aber auch darauf nur sehr begrent einlassen. Mir fallen da Arzneimittel ein, die z.B. unter das BtM-Gesetz fallen (würde ich nur machen, wenn ich den Arzt persönlich kenne, und weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann) oder unter das T-Gesetz (Würde ich gar nicht machen. Vorbestellen ist ok, die Lieferung braucht sowieso mindestens einen Tag. Abgabe nur bei Vorliegen der korrekten Verschreibung.)

            In solchen Sonderfällen wie BtM, T-Gesetz oder TFG-Arzneimittel zieht dann auch §4 Satz 2 Für den Eigenbedarf einer verschreibenden Person bedarf die Verschreibung nicht der schriftlichen oder
            elektronischen Form.
            nicht mehr, da ich die Abgabe dokumentieren muss, und dafür ist eine passende Verschreibung zwingend notwendig.

            Vor der Änderung zum 21.12.2005 war die fernmündliche / elektronische Übermittlung einer Verschreibung schlicht unwirksam, denn verboten. Und so habe ich das noch in dem zum 3. Staatsexamen vorbereitenden Unterricht gelernt, und das hängt natürlich noch im Kopf fest.

            Gefällt mir

  17. Eie Stunden streiken und das noch ohne das der Großteil der Bevölkerung etwas mitbekommt.
    Ich weiß nicht was das bringen soll.
    Außer als Warnschuss.
    Aber als sinnvollen Streik sehe ich das nicht an.

    Gefällt mir

  18. Ich habe mich entschlossen, jetzt auch ein wenig zu bloggen. Mein Blog ist im Aufbau und bei weitem noch nicht fertig. Mein erster Artikel beschäftigt sich mit dem deutschen Notdienst. Mit Pharmamas Erlaubnis mache ich mal ein wenig Werbung dafür:

    Gefällt mir

  19. Ich hatte im Radio gehört dass die Apotheken zu streiken gedenken und hatte mir darunter vorgestellt, dass die ganz schließen und Notfallmedikamente ausgeben aber sonst nix. Und jetzt lese ich, es war nur 1 Std zu ? Hm.
    Aber ich verstehe die Apotheken. Ich kenne genug Leute, die „grundsätzlich nur“ im Internet kaufen „weils da billiger ist“ aber beraten „darf“ die örtliche Apotheke gerne. Und ICH bekomme dann zu hören, dass ich blöd sei. Vielleicht. Aber das dringend benötigte Notfallmedikament sickt mir D*c M****s auch nicht innerhalb einer Stunde…

    Gefällt mir

  20. In Frankreich geht es
    Nachts +6 Euro, sonntags tagsüber +4 Euro, anderntags außerhalb der Öffnungszeiten aber tagsüber +2 Euro. Innerhalb der normalen Öffnungszeiten natürlich keine Zuschläge.
    Wie die Apotheken ihre Notdienstbereitschaften organisieren, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Muß ja schon jedes Mal suchen (bzw. bei der Polizei anrufen), wenn ich wissen will, welche Apotheke überhaupt offen ist.

    Gefällt mir

    1. Da hast Du es in Deutschland einfacher mit der Apothekensuche. Einerseits gibt es mehrere Apps, die Dir die nächste Notdienstapotheke ausweisen, Andererseits kannst Du die Auskunft 11 8 99 anrufen, und wenn Du es aus dem Festnetz tust und „Apotheken-Notdienst“ sagt, werden Dir keine Kosten berechnet.

      Gefällt mir

      1. Och, den Polizeinotruf wählen ist noch viel einfacher und auch kostenfrei… :mrgreen:
        zumal das ja so gewollt ist. Genau wie Notarzt und Notdienstarzt über die gleiche Nummer angerufen werden, und der Telefonist entscheidet dann, ob er dich erst zum Notdienstarzt durchstellt oder gleich den Sanka losschickt. Bzw. u.U. sogar den Heli, die Wege sind oft weit. Und lustigerweise sind oft private Unternehmen für den Notdienst zuständig, auch mit Krankenwagen, die Feuerwehr beschränkt sich auf Unfälle.

        Gefällt mir

    2. In der Schweiz wird der Notfalldienst (zumindest zum Teil) auch über eine Pauschale finanziert. Nach der LOA, der Leistungsorientierten Abgabe – dem Vertrag zwischen Krankenkassen und den Apotheken:
      „Die Notfallpauschale ist für alle zusätzlichen Aufwendungen des Apothekers, die auf- grund einer ärztlichen Verordnung während dem Notfalldienst (ausserhalb der ortsüblichen Öffnungszeiten) vorgesehen. Die Notfallpauschale ist neu auf 16 Taxpunkte fixiert.“
      1 Taxpunkt = 1.08, also CHF 17.30.-
      Das gilt also für Bezüge auf Rezept (SL und Listen A, B, C und D) und nur einmal pro Besuch.
      Das mag manchen hier im Vergleich sicher hoch vorkommen aber … kostendeckend ist das auch noch lange nicht.

      Gefällt mir

  21. Es lässt sich sicher streiten, ob der Streik in der Weise sinnvoll war. Schön wäre es gewesen, wenn mal alle Apotheken mitgemacht hätten, nicht nur die kleinen Landapotheken, die der Notdienst häufiger trifft. Hier in der Kleinstadt/ auf dem Dorf erreiche ich die Menge an Leuten gar nicht am Mittag. In den Großstädten brauchen die Kollegen wohl auch keine Notdienstpauschale, wenn sie nur einen Dienst im Monat haben. Dort hätten sie viel mehr Leute erreichen können, die wissen gar nicht, was bei uns los ist.
    Letzten Samstag hatte ich Notdienst und habe mal in meinem Kalender gezählt. In diesem Jahr sind es 27 Dienste unter der Woche und 13 am Wochenende und an Feiertagen. Übrigens an McCloud, ich bin auch am Karfreitag und an Heiligabend 24 Stunden in der Apotheke anwesend. Auch über solche Feiertage bekommen die Patienten ihre Arznei.
    Sonntag früh um 8 habe ich abgeschlossen und mal die Kunden im Dienst gezählt. Bis 12.30 habe ich normal geöffnet, die zählen also nicht. Von 12.30 bis 20.00 waren 15 Leute da, davon haben 3 „nur was fragen wollen, weil Sie ja da sind“. Das meiste waren normale Erkältungssachen und ein paar Rezepte von Bereitschaftsarzt. von 20.00 bis 8.00 am nächsten Tag hatte ich 4 Patienten in der Apotheke, auch alle mit kleineren Sachen. Und da die Notdienstgebühr am Samstag, weil es ein normaler Wochentag für die Apotheken ist, erst ab 20 Uhr erhoben werden darf, hatte ich zusätzlich 10 Euro in der Kasse. Meine Chefin freut sich bestimmt über das zusätzliche Geld und fragt sich wahrscheinlich, wie sie mich davon bezahlen soll.
    Versteht mich nicht falsch, ich liebe diesen Beruf, aber die häufigen Dienste und die quasi nicht vorhandene Bezahlung durch die Krankenkassen, die haben es ja mit dem Gesetzgeber bestellt, ist schon eine Zumutung. Und jede Apotheke, die hier zumacht, verkürzt unseren Dienstturnus.
    So, das musste jetzt mal raus.
    Übrigens ist der Blog hier super, jede Apotheke hat ein Anrecht auf sltsame Kunden.

    Gefällt mir

  22. Also ich als Fernfahrerin brauche nicht zu streiken aus diesen Gründen und von meinen Kollegen käme auch niemals jemand auf die idee. Und wir bekommen deutlich weniger Geld als die meisten Leute, die in der Apotheke arbeiten.

    Gefällt mir

    1. An dieser Stelle dürften gleich mehrere Missverständnisse zu kommunizieren sein:

      1) Das was „die Apotheke“ bekommt für ihre Leistung ist nicht gleich das, was „der Apothekenmitarbeiter“ bekommt als angestellter Arbeitnehmer. In der Zwischenzeit gibt es viele kleinere Apotheken, da verdient der Chef (und Betriebseigner) weniger als seine Angestellten. Steuerberater und die ApoBank gehen davon aus, das jede 4. bis 5. Apotheke in D defizitär läuft. Einfach mal gockeln.

      2) Seit Jahren werden Arzneimittelabgaben (sprich hier: die Distributionskosten, die bei den Apotheken landen) eingekürzt bei höherer Arbeitslast – und bei Verbot, den „Endpreis“ zu erhöhen. Das wäre ungefär so, als wenn der Fernfahrer nicht nur die Ladungssicherung gemäß StVO machen müßte, sondern ab sofort für das gleiche (oder weniger) Geld auch die Verpackung der Ware in Kartons und auf Paletten übernehmen darf.

      3) Fernfahrerstreiks gab es (z.T. auch nur angekündigt) z.B. Frankreich Nov 2002; Frankreich Sep. 2011; Frankreich Dez. 2014; Italien Jan. 2012. Für Deutschland war übrigens für Juni 2012 ein Fernfahrer-Streik in Planung gewesen. Einfach mal gockeln.

      4) Es geht hier um nen Fall aus 2013. Dass es auchschon vorher „Streiks“ in den deutschen Apotheken gegeben hat – meist Mittwochs zwischen 12 und 13 Uhr – hat sowieso kein Patient/Kunde mitbekommen. Und auch die „In der Apotheke geht das Licht aus“-Aktion war eher ein schlechter Marketing-Witz als eine Aktion mit Erfolg.

      5) Ob ein Fernfahrerstreik in D überhaupt zulässig wäre, kann ich nicht sagen, ich bin kein Jurist. Prinzipiell gibt es aber auch gegenläufige Meinungen. (So wie es auch die Meinung gibt, dass ein „prinzipieller Apothekenstreik“ schlicht verboten sei). Unabhängig davon haben sowohl Italiens auch als Frankreichs Fernfahrer die jeweils bestreikten Regionen schon an den Rand des wirtschaftlichen (und teils auch menschlichen) Chaos gebracht. Kein Benzin mehr, keine Lebensmittel mehr. Auch Fernfahrer sind eine Macht, wenn sie denn alle an EINEM Strang ziehen würden – bzw. an einem Abschleppseil.

      6) Fernfahrer haben meines Wissens nach sehr geregelte Lenk- und Ruhezeiten (Verstöße dagegen lasse ich jetzt mal außen vor) – auch wenn die Ruhezeiten sich oft innerhalb des LKW abspielen. In dem fraglichen Artikel geht es nun explizit um Nacht- und Notdienst. Dass ein Apothekenleiter durchaus mal 38h Arbeitszeit „am Stück“ abreißt (24h Notdienst + 14h Dienst am darauf folgenden Werktag), mit Schlafpausen, wo man rausgeklingelt wird… in dieser Zeit den Arbeitsplatz nicht verlassen darf… steht alles auf anderen Blättern.

      Zum Schluss: Ich würde nicht unbedingt gerne Fernfahrer sein – was vor allem an meinen MIESES LKW-Fähigkeiten liegt. Bei meiner ersten Fahrprüfung mit 5t-er und 10t-Anhänger hatte es damals irgendwie nen Baustellenschild verbogen… 😉 Aber ich kenne auch Fernfahrer, die nie im Leben Apotheker sein wollen würden. 😉

      Gefällt mir