Machen wir so was?

Der Ferieneinsatz in der Apotheke ruft mich an am Samstag. Zuhause. Eine unserer sehr fordernden Kundinnen (mit einer Menge anderer Probleme) hat sie erwischt.

Einsatz: „Die Kundin will, dass wir ein Taxi rufen, ihr Medikament vom Dauerrezept ausführen, dem Taxi mitgeben, damit es das ihr nach Hause bringt … und das Ganze zahlen.“

… (Pause)

Einsatz: „Äh … MACHEN wir so etwas?“

Äh, nein. Sie hatte die ganze Woche Zeit das zu bestellen oder liefern zu lassen. Das ist kein Notfall – auch nicht für das Medikament. Fosamax (bei ihr muss es das Original sein)  ein Medikament mit seeehr langer Halbwertszeit, bei dem es reicht, es einmal die Woche zu nehmen. Da ist es auch kein Weltuntergang, falls das mal einen Tag zu spät sein sollte (oder zwei).

Pharmama: „Sag ihr, wenn sie es heute noch will, muss Sie selber kommen – oder ersatzweise jemanden schicken. Sie bekommt mindestens einmal die Woche etwas nach Hause geliefert und Sie weiss ganz genau, dass wir am Samstag nur im Notfall ausliefern. Beruhige Sie, dass es nicht so schlimm ist, wenn Sie das Medikament einmal einen Tag später nimmt … und falls Sie immer noch ein Problem damit hat … schieb es auf mich, ich hätte Dir das verboten.“

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6 Antworten auf „Machen wir so was?

  1. Püh…manchmal denke ich „Pharmama erfindet bestimmt ab und zu was. Soo schlimme Leute kann es doch nicht geben !?“

    Aber du hast das nicht erfunden, gell ? *seufz*

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    1. Nein, sowas braucht man nicht zu erfinden. Ich hatte es einmal mitten in der Nacht im Notdienst, dass eine mir bekannter, psychisch nicht besonders stabiler Patient meinte, ein Tranquilanz in ein ca. 8km entfernte Dorf geliefert bekommen zu müssen. Von mir persönlich bitteschön. Dazu bin ich im (Not)Dienst ja verpflichtet – er ist schließlich ein Notfall. (Angemerkt sei, dass das Rezept so notfällig war, dass es schon eine Woche auf dem Buckel hatte, aber er kam ja nicht dazu, es einzulösen, und überhaupt braucht er das Medikament ja jetzt und nocht früher – und zwar pronto!
      Ähm – nein! Einschub einer rechtlichen Erklärung (D): Nach derzeitigen Regelungen darf ich im Dienst einen Patienten maximal 10min warten lassen (manche Gerichte sprechen auch von 5min). Das beudeutet, wenn ich eine Rufumleitung nach Hause hätte und für den Weg zur Apo 10min bräuchte, wäre mir diese Konstruktion auf Grund der Zeitdifferenz verboten.
      So, und nun darf der geneigte Mitleser sich vorstellen, wie man um ca. 23.30Uhr einem aufgebrachten und psychisch labilen Patienten erklärt, dass man das Medikament nicht liefert, weil man den derzeitigen Aufenthaltsort nicht verlassen darf. Ja, genau so ging es mir.

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  2. Nach meiner Doktorarbeit hab ich auch als Springer in Apotheken ausgeholfen, bis ich nen Job hatte. In einer der Apotheken hat mich das auch überrascht, dass es komplett üblich war, normale Standardmedikamente via Taxi zu liefern, wenn der Kunde das wollte. Das war nie etwas dringendes und am nächsten Tag hätte das auch der Lieferjunge bringen können. Aber dem Besitzer war das Verlustgeschäft (10 Euro Taxikosten vs. 6 Euro Rohertrag) lieber als die potentielle Möglichkeit, dass der Kunde in die Apotheke nebenan gehen könnte.

    Verstanden hab ich das bis heute nicht.

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  3. So etwas braucht man nicht verstehen, es gibt leider Gottes eine nicht unbeträchtliche Anzahl Kollegen, die nicht rechnen können. Was dann vermutlich auch erklärt, warum bei den ZL-Ringversuchen manche Rezepturen über- bzw. unterdosiert sind.
    Wie war der alte Spruch: im Einzelfall machen wir Verlust, aber die Menge macht’s …..
    Traurig ist, daß vielen Kunden dieser „Service“ gefällt, es sie aber nie davon abhalten würde auch in andere Apotheken zu gehen. Wie oft habe ich schon „treue“ Kunden von mir in anderen Apotheken getroffen.
    Daß jemand im Notdienst etwas gebracht haben wollte kenne ich auch. Und daß das DRINGENDE Medikament dann vor einer oder zwei Wochen verordnet wurde ist auch normal. Schön fand ich auch mal nachts um eins ein zehn Tage altes Rezept über ein Abnehmmittel.
    Gruß aponette

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    1. Jaja, und um 3 Uhr nacchts wird der Freund mit dem 4 Wochen alten Verhütungspille-Rezept geschickt. Ein Notfall, sie braucht sie JETZT! (Und selbst zu kommen ist ihr auch nicht zu peinlich….) ;-)

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