Ich. bin. sauer!

Wieso?

Es war bisher schon schwierig genug herauszufinden, ob ein Medikament Lactose enthält oder nicht. Jetzt …

In der Schweiz ist es (aus welchem Grund auch immer?!?) nicht Vorschrift, dass die Hilfsstoffe, die in Tabletten / Kapseln / Lösungen etc. drin sind angegeben sein müssen. Das im Gegensatz zu der EU und so ziemlich allen anderen Ländern.

Das bedeutet: Auf der Packung und in der Packungsbeilage steht bei den Medikamenten nur geheimnisvoll:

„Excipiens pro compresso“ oder „Excipiens ad Xml solutio“

… was nichts weiter bedeutet als: „Was es so braucht an Hilfsstoffen, um eine Tablette / Lösung zu machen“

Na Danke!

Da steht nicht drin, was das denn so Hilfsstoffe sind. Keine Info über Lactose oder Gluten-Gehalt. Auf unseren Lebensmitteln steht mehr drauf in Punkto „Allergikerinfo“.

Das einzige, was man auf der Packung noch sehen kann ist, ob es Alkohol drin hat.

Nun gut. Bisher gab es noch mühsam die Möglichkeit im Internet in einer Liste nachzuschauen, ob ein Medikament KEIN Lactose drin hat: Das war  – kein Grund mehr da nachzusehen, die Seite ist down.

Eine Suche auf der Hauptseite ergibt irgendwo diese kleine Notiz als Antwort:

Laktosefreie Medikamente:
Aus rechtlichen Gründen können wir die Liste mit den laktosefreien Medikamenten nicht mehr publizieren.

WiiIIIeEeSoOoooo?

Die einzige Quelle, die übersichtlich und zugänglich war ist weg.

Wenn jetzt jemand fragt, ob ein Medikament Lactose drin hat oder ob es eine lactosefreie Alternative gibt … das wird enorm schwierig. Im Prinzip bleibt mir nichts, als da den Firmen direkt anzurufen. Einzeln. Oder die Handzettel, die manche Firmen mit Überblick über ihre Medikamente verteilen zu sammeln. Auch nicht wirklich gut.

Kennt jemand sonst noch eine Variante?

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45 Antworten auf „Ich. bin. sauer!

  1. Allen Verantwortlichen, vor allem bei den Herstellern, massiv auf die Nerven gehen. Wenn deren Hotlines ständig mit Apothekern zugesetzt sind, die die ständig gleichen Infos wollen (und die Hotline-Mitarbeiter evtl. selbst keine Ahnung haben), bewirkt das vielleicht auch mal was.
    Die Hintergründe herausfinden und dagegen vorgehen.
    Mit den zuständigen Politikern sprechen.
    Das ganze am besten organisiert.

    Gibt es keine Lösung aus der EU als Work-around für Medikamente, die in der EU identisch erhältlich sind?

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    1. Die Apotheker sind nicht sehr organisiert – das ist ja eines unserer Probleme. Und das mit den Telefonieren ist für uns (mindestens) genau so Aufwand wie für die – uns kostet es noch was.

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    1. Sollte man meinen, immerhin sind die ja für die Zulassung und Kontrolle der Medikamente verantwortlich.
      … auf der anderen Seite habe ich den stillen Verdacht, dass es genau an denen liegt, dass das bei uns nicht drauf steht … und dass die Seite down ist. Rechtliche Gründe??

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      1. Wenn das in der EU üblich ist dürfte das für die Hersteller kein Mehraufwand entstehen ;) Oder gibt es Medis exklusiv für die Schweiz?

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      2. swissmedic ist für die zulassung von medis zuständig, nicht pharmasuisse, der berufsverband. dieser setzt sich für unsere interessen einsetzen (zugegebenermassen nicht immer besonders sichtbar). es scheint sich hier um einen typischen fall zu handeln, der alle apotheker betrifft, und bei dem verhandlungen mit vielen, mächtigen stellen involviert sind. da sind die chancen wohl am grössten, wenn der berufsverband und nicht einzelne apotheker aktiv wird.

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  2. fachinfo.de allerdings nur mit docchek zugang oder ähnlichen. Wird auch nicht für alle schweizer medikamente gehen, sondern nur für die, die es in deutschland gibt.
    Viel Erfolg!
    LG Boreal

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      1. Sind die Unterschiede so groß? Gerade bei den Originalen dürfte das doch eine Produktion sein für ganz Europa oder die Welt, sonst lohnt sich das ja kaum?

        (Ich würde mir übrigens auch wünschen, dass es eine Deklarationspflicht auf der PACKUNG gäbe. In D. stehen die Hilfsstoffe zwar dabei, aber nur im Beipackzettel. Das ist auch ziemlich umständlich. Wenn man Glück hat, steht auf der Packung „Enthält Lactose“, aber sehr oft steht gar nichts dabei, leider.)

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  3. das ist schon ein Skandal, aber wäre es nicht eine Möglichkeit, mit einer deutschen, österreichischen oder französischen Apotheke kollegial zu kooperieren? Nur so eine Idee!
    Oder unterscheiden sich die Rezepturen?

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    1. Ob sich die Rezepturen unterscheiden? Ich denke nicht, aber da ich nicht wirklich die Möglichkeit habe das zu überprüfen (ausser vielleicht auch hier: den Firmen anzurufen und nachzufragen) … und die komplette Zusammensetzung ja eben *nicht* drauf- oder drin-steht …

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      1. und was ist, wenn Du (ich sehe, dass sich die schweizer Apotheker nicht so ganz einig sind) die Pharmavertreter unter Druck setzt? Was wäre, wenn Apotheken – wegen unzureichender Information (muss ja nicht auf dem „Waschzettel“ sein) – den Vertrieb der betreffenden Medikamente verweigern ..
        auch nur so eine Idee, aber im Zeitalter von Streiks vielleicht nicht ganz absurd ..

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  4. -Wenn es einen Apothekerverband in der Schweiz gibt, den kontaktieren.
    -Parallel eine mail an alle Medikamentenhersteller mit der Aufforderung, eine Liste der Medikamente zu erstellen, die Laktose oder was_auch_immer enthalten.
    -Presse informieren, und zwar alle, von Schundblättchen bis seriös.
    -Zettel in den Apotheken auslegen, in denen kurz der Sachverhalt geschildert wird, mit der Bitte an die Patienten, im Beipackzettel nachzuschauen, ob die Medikamente, die sie nehmen, Laktose oder was_auch_immer enthalten. (Damit meine ich Patienten, die diese Medikamente schon länger nehmen, also keine Neuerkrankten erschrecken.)

    Mehr fällt mir so spontan nicht ein, aber ich kann ja nochmal ein bißchen nachdenken.

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      1. Aber das mit dem Erstellen der Liste müßte ja eigentlich wirklich machbar sein.
        Auf dem gleichen Weg wurde doch z.B. von den Kammern die Liste mit den Aufbrauchfristen oraler Liquida erstellt:

        Und mit Deinem Doccheck-Account hast Du auch Zugriff auf die Gelbe Liste. Natürlich mit dem Vorbehalt, daß es sich eigentlich nicht auf die Schweiz bezieht.

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  5. Soweit ich weiß, kann man sich auf der Homepage der EMA (europäische Zulassungsbehörde) Zulassungsdossiers runterladen. Sehr viel Papierkram, aber irgendwo ist da sicherlich auch die Zusammensetzung genannt. Bringt Dir in der Schweiz – mit Eurem von der EU unabhängigen Zulassungssystem – nicht wirklich viel.
    Auf die Schweiz übertragen: Vielleicht kann man sich sowas auch auf der Homepage der Swissmedic (schweizerische Zulassungsbehörde) runterladen. Da würde ich mal an Deiner Stelle nachsehen.

    Falls nicht, würde ich dort mal per Mail anfragen, wie Du an die Infos kommen kannst. Die sollten sich doch da auskennen, die Jungs sind doch vom Fach. Nur so als Idee… :-)

    Zum Stänkern: Keine Lust, mal der EU beizutreten? Das hat nicht nur Nachteile. Leider ist das Geld nicht so bunt wie bei Euch. :-)

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    1. Das kenne ich – und habe ich schon probiert. Nur hiess es bei mir bisher: der Server, der das gespeichert hat ist im Moment in Wartung. Und das ist (ausser beim A) auch jetzt noch so – aber … rasch. Speichern und ausdrucken was geht!

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    2. Das wäre auch mein Vorschlag zur schnellen Übergangslösung gewesen. Eventuell findet sich die alte Liste auch im Cache von Google oder so.

      Langfristig ist das natürlich unbefriedigend. Die Arzneimittelhersteller/ Apothekervereinigungen/ …. werden wahrscheinlich geklagt oder lobbyiert haben, um diese Liste loszuwerden – ist doch auch stressig, Laktose ist billig und so…

      Eigentlich ist so ein Thema Aufgabe der Gremien, also Apothekenverband (wie auch immer der in der Schweiz heisst) bzw. des Gesetzgebers. Wäre eventuell auch eine gesetzgeberische Aufgabe, die Offenlegung von der gesetzlich zu regeln, geht sicher über das Arzneimittelgesetz (schweizerische Entsprechung).

      Ausserdem wäre es noch eine Möglichkeit, die Ärztevertretungen mit ins Boot zu holen; die haben wahrscheinlich auch kein Interesse, dass Patienten ihre Medikamente aus Verunsicherung verweigern – kommmt so schon häufig genug vor.

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  6. Wie bitte ? Ich denke die Verantwortlichen sowie deren Angehörige werden wohl kaum an einer Laktoseintoleranz leiden -.- Ich als Betroffene bin aber darauf angewiesen zu wissen ob mein benötigtes Medikament Laktose enthält. Ich bin dann mal mit dir sauer :-)

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  7. der grund für die nicht-informationen ist meist die haftpflicht: wer ist schuld wenn bei einer geänderten zusammensetzung nicht rechtzeitig und entsprechend informiert wird?

    am sichersten bekommt man die informationen von der zulassungsabteilung der jeweiligen firme. also frisch ans werk und einmal einen verteiler mit allen firmenadressen erstellen – kann vielleicht zwischen ein paar apotheken aufgeteilt werden. und dann jede woche einmal eine anfrage stellen, mit der anmerkung, dass ohne eine definitive, rechtsgültige auskunft leiderleiderleider aus haftungsgründen die präparate der betreffenden firma nicht abgegeben werden können, weil man ja keine auskunft geben kann, die dann aber wiederum möglicherweise für allergiker lebenswichtig sind. und dann auch so handeln. betrifft ja nicht nur laktose, sonder auch andere inhaltsstoffe. uuups. von mir haben sie das aber nicht, nicht wahr.

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    1. Ich wollte gerade sagen, daß eine Firma, die freiwillig deklariert, unter Allergikern ja einen klaren Marktvorteil hätte, weil man deren Produkt wenigstens vorbehaltlos (in Bezug auf die Zusatzstoffen) empfehlen kann. Es liegt doch im Interesse der Produzenten, keine Kunden zu verprellen.

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      1. eigentlich schon.

        leider wird aber oft nur in zahlen gedacht. wenn es nur wenige allergiker gibt, lohnt es sich dann, diesen mehraufwand, der zudem das risiko einer klage birgt, zu betreiben? sobald der potenzielle gewinn zu gering ist, wird lieber in eine neue werbekampagne investiert…

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  8. … nach Erfahrungsberichten in Foren für Laktoseintolerante fragen. Die berichten gerne und tauschen sich aus, welche Medikamente und Nahrungsmittel sie gut vertragen, und wo sich versteckte Laktose verbirgt. Oder einen Testlaktoseintoleranten anheuern, der alles einmal probieren muß. Aber mal im Ernst, das ist wirklich ärgerlich. Was haben die sich da gedacht?! Die armen Leute, die Gluten und Laktose nicht vertragen… jetzt auch noch so eine Geheimniskrämerei, die das Leben potentiell schwer macht (Dir bezügl. der Beratung und den Patienten bezügl. der potentiellen Unverträglichkeit) – eine Frechheit. Vielleicht sollte man die Allergikerlobby mit einschalten. Aber wie?

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  9. Das ist echt bescheuert. Kann hier zum Glück immer mein Gabapentin lactosefrei bestellen, das funktioniert ohne Probleme. Wenn ich in der Schweiz wäre, müsste ich das ja erstmal pro Medikament einzeln ausprobieren…
    Und ich will gar nicht erst wissen, wie das Patienten machen, die gegen irgendeinen typischen Stoff hochallergisch sind?

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  10. ich „leide“ an Laktoseintoleranz. Mein Apotheker sagt mir, dass die verarbeiteten Mengen in aller Regel zu gering sind, um eine Reaktion zu provozieren. Bisher hatte er Recht. Ich hab mal zu Testzwecken eine ganze Hand voller Schüsslersalze (also was ohne Wirkstoff ;-)) genommen um das auszuprobieren und hatte auch darauf keine Reaktion.
    Ob das jetzt eine hilfreiche Information war? Hm. Trotzdem liebe Grüße!

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    1. Das kann ich bestätigen. Allerdings ist es bei mir so, dass ich aufpassen muss nicht tagelang kleine Dosen Laktose zu mir zu nehmen, weil es dann doch zu einer Reaktion kommen kann. Deswegen ärgert es mich auch sehr, dass es mein Antihistaminpräparat nicht völlig laktosefrei gibt.

      Ich finde es eine Frechheit, die Füllstoffe undeklariert zu lassen. Wenn man im Rahmen einer Behandlung mehrere Medikamente nehmen muss und reagiert, weis man ja gar nicht, von welchem die Reaktion hervorgerufen wurde. Entsprechend kann man dann auch keinen Verursacher ausfindig machen.

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    2. Eigentliche stimmt das. Es gibt aber ganz offensichtlich Leute, die mehr Probleme haben – auch mit kleineren Mengen Lactose. Soll ich bei denen jetzt denken, die täuschen sich alle und das ist gar nicht so?

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  11. Na Toll! Da heist es immer ….fragen sie ihren Apotheker…. und wenn der nicht an die nachgefragte Infomation kommt? Was dann? „Lieber Kunde, ob da xy frin ist, weis ich leider micht!“ Der Kunde, der den Hintergrund micht ken hält doch den Apotheker für inkompetent und geht in eine andere Apotheke.

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  12. Das Laien nicht an die Information kommen, ist ärgerlich (vielleicht kann man das ja noch damit begründen, dass Laien diese Information durch nachfragen bei den Fachleuten auch glein erklärt resp. erläutert bekommen. Wäre eine doofe Begründung, wäre aber eine).
    Das Fauchleute nicht an die Information kommen, ist eine schlichte Katastrophe! Wie soll man so eigentlich unseren ansich so wunderbaren Beruf noch ausüben?

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  13. hallo,
    das NHS in England bietet folgende Medi-suche an:

    Ist jetzt nicht sooo übersichtlich und ich weiss nicht ob dieser Link in der Schweiz zu gebrauchen ist….
    jo es ist ein Versuch

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  14. Na das ist ja ein Mist!
    Kannst du eigentlich zu den Medikamenten im Computer Kommentare speichern? Dann könntest du nach und nach bei den Medis wo du weißt sie sind frei von Lactose (oder voll davon) einen Vermerk speichern der aufblinkt, wenn du das Medikament aufrufst. Ggf könnte man dort auch ein lactosefreies Ersatzmittel speichern, dass direkt vorgeschlagen wird.

    Ist zwar nix dolles aber für den Übergang besser als nix.

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  15. Huhu
    Vielleicht kann man die HP ja per Email (so glaubwürdig wie möglich) dazu bringen wahlweise zu erklären warum sie die Liste nicht mehr puplizieren (dürfen) oder vielleicht sogar eine PDF version auf den virtuellen Tisch zu legen

    Der Plan von FrauM. gefällt mir und scheint sogar durchführbar.

    Alternativ halt einen Shitstorm entfachen wofür gibts den Facebook Blogs und Co ?
    In „Ich bin ein Kunde Holt mich hier raus“ wird detaliert beschrieben wie man Konzerne zumindest zur Verbeugung überredet wenn nicht in die Knie zwingt.
    Wenn es interessiert liefere ich gerne Details nach.

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