Kind + Medikamente = Vorsicht!

Es passiert fast täglich. Ein Kind erwischt ein Medikament.

Was können wir tun, damit das nicht passiert?

  1. Medikamente ausserhalb der Reichweite von Kindern halten. – Jedes Medikament (ja, auch Vitamine) können schaden, wenn man sie falsch nimmt. Auch Medikamente, die man ohne Rezept bekommt. Das bedeutet alle Tabletten, Kapseln und Flaschen sollten an Orten aufbewahrt werden, wo Kinder nicht hinkommen – oder sie sehen können.
  2. Nichts draussen stehen lassen. Auch wenn man das Medikament vielleicht in ein paar Stunden wieder geben muss, lass es nicht herumstehen. Nicht auf dem Küchentisch, nicht auf dem Nachttischchen des kranken Kindes. Einfach: jedes Medikament und Vitamin sollte weggestellt werden nach dem Gebrauch. Jedes Mal.
  3. Richtig schliessen. Wenn man eine Flasche oder eine Box mit Sicherheitsverschluss hat, sollte man sie immer richtig schliessen – bis man das Klick hört. Kinder können nicht richtig verschlossene Flaschen öffnen (– manchmal auch richtig verschlossene) – darum: wegstellen-
  4. Informiere Dein Kind über Medikamente. Manche Eltern erzählen ihren Kindern, ein Medikament sei wie eine Süssigkeit – damit sie sie eher nehmen. Das ist ein Fehler. Man sollte seinem Kind sagen, was ein Medikament ist, warum man es nehmen muss, und warum es die Eltern sein müssen, die es dem Kind geben. Wenn das Kind nicht versteht was die Wirkung der Medizin ist, wird es auch eher zu viel davon nehmen.
  5. Wenn man Gäste hat, sollte man sie vielleicht daran erinnern, dass sie eventuelle Medikamente in der Handtasche oder im Mantel auch so platzieren, dass die Kinder nicht dran können.
  6. Für einen Notfall sollte man vorbereitet sein. Im Falle eines Falles ist schnelles Handeln notwendig – die Nummer des Tox-Zentrums muss griffbereit sein, wenn man denkt, das Kind könnte etwas genommen haben. Am besten programmiert man die Nummer ins Telefon ein. Für die Schweiz ist die Nummer 145.

Es ist wirklich schnell passiert. Ich erinnere mich noch daran, dass ich ein paar der „Sugus“ von meiner Grossmama erwischt habe – da war ich nachher eine Zeitlang auch ziemlich aufgedreht und hatte Herzklopfen. Die Sugus – das war nämlich das Glycoramin von ihr – ein Kreislaufanregendes Mittel. Manche Medikamente sind kaum als solche zu erkennen, schmecken sie doch teilweise recht gut. Auch der Ibuprofen-Sirup zum Beispiel, oder manche Multivitamin Kautabletten … darum gilt wirklich: Immer wegstellen.

Nur ein paar Zahlen vom für 2011:

  • Von den betroffenen Patienten waren: 52% Kinder, 43% Erwachsene, 5% Tiere.
  • Von den Ereignissen waren 80% Unfallsituationen, 18% intentionelle Vergiftungen, 2% andere/unbek.
  • Was für Produkte/Gifte waren es?  36% Medikamente, 25% Haushaltprodukte, 11% Pflanzen, 6% technische und gewerbliche Produkte, 3% Produkte für Landwirtschaft und Gartenbau, 5% Produkte der Körperpflege und Kosmetika, 3% Genussmittel, Drogen, Alkohol, 4% Nahrungsmittel und Getränke, 1% Gifttiere, 2% Pilze, 3% andere/unbek.

Oder (kurz): Es waren hauptsächlich Kinder, die unbeabsichtigt Medikamente (oder Haushaltsprodukte) erwischten.



17 Antworten auf „Kind + Medikamente = Vorsicht!

  1. Toller Artikel.

    Ich habe mir als Kind Nasentropfen in die Ohren gehauen. Und es trotz der anschließenden Schmerzen nicht gebeichtet.
    Und ich habe Spülmaschinenpulver gegessen, Gott sei Dank beobachtet, so dass sich sofort jemand gekümmert hat.

    Es geht so schnell, man kann gar nicht die ganze Zeit aufpassen, daher wegschließen, wegschließen, wegschließen. Auch vermeintlich harmlose Sachen wie zum Beispiel Nasentropfen (*hüstel*)

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  2. Anfang der 1960er Jahre hat meine Mutter mal Geschirrspülmittel (warum auch immer) in eine Limo-Flasche umgefüllt… Und ich hab nur die Zitrone gesehen und einen kräftigen Schluck genommen. Lesen können hätte nichts gebracht, weil halt „Limo“ draufstand. Muss wohl ziemlich geschäumt haben. Ich frag mich noch heute, wie sie auf die Idee kam. Und auch, warum die meisten Leute Putz- und Reinigungsmittel so häufig in Schränken unter der Spüle aufbewahren. Da ist dann doch gleich ordentlich Auswahl an Gift. Und ich kenne Eltern, die alle anderen unteren Schränke nur mit Kunststoffzeug anfüllen, damit die lieben Kleinen sie problemlos ausräumen können. Warum dann ausgerechnet die schönen bunten Flaschen und Tüten tabu sein sollen, ist vermutlich einem Zweijährigen auch nicht ohne Weiteres klar.

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    1. Bei uns haben die Schränke Schlösser, damit sie nicht ausgeräumt werden können. Außer dem Spülschrank…
      aber da ist immerhin ein Gummizug dran.
      Wir sind nämlich der Meinung, Kinder müssen nicht an alles drankönnen.

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  3. Ich habe mal einen Rettungsdiensteinsatz miterlebt, weil das einjährige Kind eine halbe Jodtablette verschluckt hatte – sehr dramatisch war das. Besonders für die kurz vor der Hyperventilation stehende Mutter. ;)

    Aber mal ohne Ironie, das Thema ist wirklich ein ernstes. Bei uns ist intwischen alles, was irgendwie „wirkt“ (also alles außer den paar versprengten Homöopathika, die wir noch zu Hause haben), in einem absperrbaren Medikamentenschrank auf 1,5m Höhe untergebracht…

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  4. Ich musste schon einmal beim Giftnotruf hier in Deutschland angerufen und habe mich wirklich sehr geärgert. Es hat eine viertel Stunde gedauert, bis ich endlich mit jemandem sprechen konnte. Das ist meiner Meinung nach einfach zu lange.

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  5. Das Thema ist wirklich wichtig, da möchte ich dir nicht widersprechen, allerdings kann ich der Kurzzusammenfassung deiner Zahlen nicht zustimmen, selbst wenn diese stimmt, kann man sie so nicht aus den angegebenen Informationen schließen. Es könnte ich ja auch sein, dass die Medikamente immer bei Erwachsenen das Problem waren, die Kinder aber mit den anderen Sachen zu kämpfen hatten.

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  6. In Ermangelung eines abschließbaren Schränkchens ist alles auf 2,20m Höhe geräumt, und zwar so, dass sie auch mit Stuhl ranschieben und hochklettern nichts werden können…und Medikamente werden bei uns nie als „Bonbons gegen Aua“ bezeichnet, sondern als Mittel, das nur von Mama und Papa verabreicht wird und nur wenn man wirklich krank ist.
    Putzmittel sind auch außer Reichweite, genau wie Streichhölzer und Feuerzeuge. Auch alle Seifenzutaten, die gefährlich sein könnten, stehen hoch weggekramt und sogar die PÖs und ÄÖs sind auf 2m Höhe verräumt.

    Und meine Seifen…da kommen die Kinder ran, es geht baulich nicht anders. Aber da habe ich beide mal an einem reifen Stückchen lecken lassen und seitdem wissen sie, dass Seife nichts zum Essen ist, egal wie gut sie riecht. Böse Mama? Nö. Sie hätten ohnehin irgendwann reingebissen und so konnten wir diesen „Versuch“ gleich unter Aufsicht erledigen.

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  7. Achtzehn Prozent <b<beabsichtigte Vergiftungen? Das ist eine Menge! Das schockiert mich jetzt…. da fragt man sich natürlich, wie hoch die Dunkelziffer ist und vor allem auch die Dunkelziffer-Rate der „erfolgreichen“ Giftmorde….

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    1. Ich würde mal stark vermuten, dass die meisten der intendierten Vergiftungen Suizid-(Versuche) sind. Hier nur einmal die Zahlen für Deutschland beispielshalber: Suizid: 9402 Mord: 339

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  8. Da fällt mir ein entfernter Bekannter ein. Der hat in der Kindheit Waschpulver gegessen (!) und sich damit die Geschmacksnerven ruiniert.

    Der Vorteil: Er hat wahrscheinlich jedes Chiliwettessen und jede andere Schärfewette gewonnen… (kennt jemand „Rostigen Nagel“?)
    Der Nachteil: Ihm sind alle möglichen Leckereien entgangen.

    Fazit: Immer alles wegräumen, was irgendwie toxisch sein kann. Oder Schließvorrichtungen an die Schränke.

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  9. @medizinicus:

    Ich würde mal stark vermuten, dass die meisten der intendierten Vergiftungen Suizid-(Versuche) sind. Hier nur einmal die Zahlen für Deutschland beispielshalber: Suizid: 9402 Mord: 339

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  10. @ Kinder können nicht richtig verschlossene Flaschen öffnen (– manchmal auch richtig verschlossene)

    Ihr wisst, was kindersicherer Verschluss bedeutet?
    – Nur Kinder bekommen den Verschluss sicher auf.
    Aber Scherz beiseite: Meine Mama war damals sehr stolz darauf, dass sie und Kindern klargemacht hatte, dass einige Schranktüren tabu sind und einige Flaschen nicht aufgemacht werden dürfen. Zugegeben ist das bei einem zweijährigen Stoppelhopser nicht wirklich machbar.

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  11. Hallo in die Runde,

    diesen Link hier sollte man sich auch ausdrucken und neben das Telefon legen:

    Grüsse ausm Ruhrpott

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