7 Geheimnisse, wie man an bessere Apothekenbetreuung kommt

Hol mit diesen Tipps das Meiste aus Deinem Apothekenbesuch heraus. Es ist zu Deinem Besten. Um ein kluger Patient zu sein, darfst Du nicht passiv bleiben, was Deine Gesundheit angeht.

Komme Vorbereitet:
1. Habe Deine aktuelle Krankenkassenkarte dabei. Die Apotheke ist verpflichtet, die aktuelle Deckung zu kontrollieren und kann das nur mit der neuen Karte und der richtigen Nummer. Ansonsten sei darauf vorbereitet, dass Du die Medikamente eventuell bezahlen musst.

Du solltest die Antworten auf folgende Fragen wissen:
2. „Was für Medikamente nehmen Sie ein?“–  Dazu gehören die regelmässig genommen Sachen (ja, auch die Pille) genau so, wie das gelegentliche Schmerzmittel. Wenn es mehrere Medikamente sind, ist es gut, sich vorher eine Liste zu machen und die mitzunehmen.

3. „Haben Sie Allergien?“ Dazu gehören Medikamente, die man nicht vertragen hat und auch bekannte Überempfindlichkeiten wie z.B. eine Milchzuckerunverträglichkeit.
Eine Allergie äussert sich in unterschiedlichen Formen, dazu gehören Schleimhautschwellungen  und -entzündungen, Hautausschläge, Atemprobleme, z.T auch Erbrechen und Durchfall- v.a. bei Kindern. Dazu gehört nicht der Durchfall der nach einigen Tagen bei Antibiotika auftritt– das wäre eine normale (und häufige) Nebenwirkung. Die Penicillin-Allergie ist seltener als allgemein angenommen und man sollte sich nicht ein wirksames Medikament verwehren, nur weil man einmal (leichte) Nebenwirkungen hatte.

4. „Wissen Sie, was Sie für Medikamente bekommen und weshalb?“ Grundsätzlich ist der Arzt da für Fragen über ihre Diagnose und der Apotheker für Fragen zur Anwendung ihrer Medikamente. Wenn der Apotheker weiss, für was ein Medikament eingesetzt wird, kann er sie auch besser dazu beraten.
Lerne, das Rezept zu entziffern. Normalerweise steht da erst der Name des Medikamentes, dann die Dosis, dann die Anweisung, wie es zu nehmen ist. Frag schon Deinen Arzt, was er verschreibt und weshalb.

5. Stelle Fragen – es sind Deine Medikamente und es ist Deine persönliche Behandlung. Du musst nach Verlassen der Apotheke damit zurechtkommen. Also frage, wenn etwas nicht 100% klar ist, wie es angewendet wird, für was welches Mittel ist, ob sie spezielles beachten müssen – „macht das sehr müde?“, „Wechselwirkungen mit der Pille? „, „Ist das ein Generikum von einem Medikament, das ich schon hatte?“, „Wie lange vor dem Essen, muss ich das nehmen?“… Dein Apotheker schreibt es Dir gerne auch genauer an.

6. Sei ehrlich – mit Dir und mit den Mitarbeitern der Apotheke. Wenn Du Angst hast, ein Mittel zu nehmen, weil Du die Nebenwirkungen fürchtest – sag‘ uns das. Sag uns auch, ob die Möglichkeit besteht schwanger zu sein, speziell, wenn das eine neue Info ist. Sag uns ebenfalls, wenn Du Probleme hast, Deine Medikamente regelmässig zu nehmen. Wir haben möglicherweise Lösungen und Hilfen. Glaub‘ mir – uns geht das genau gleich.

7. Schliessen Sie Freundschaft mit ihrem Apotheker. Dein Apotheker ist die günstigste und zugänglichste Gesundheits-Ressource, die Du hast. Du kannst praktisch jederzeit und ohne Voranmeldung vorbeikommen – und alle Beratung ist gratis. In der Medizin (und auch sonst) ist das etwas ausserordentliches. Dein Apotheker hat ein erstaunliches Wissen abrufbereit, Zugang zu noch mehr und die Technik als Unterstützung dazu – und Du hast es damit auch. Mehr noch haben Apotheker Erfahrung mit einer Menge Leute mit denselben Problemen, die Du auch hast. Sie sehen die Effekte der Medikamente und wer sich über Nebenwirkungen beklagt. Und sie wissen, welche Nebenwirkungen ernste Probleme bedeuten können.

Dein Apotheker kann noch mehr – wenn Du ihn lässt. Er kann – vorausgesetzt, er kennt Dich und Deine Medikamente, Medikamente vorschiessen, wenn der Arzt nicht gerade erreichbar ist, Dauerrezepte verlängern, Notfallabgaben machen. Er ist rund um die Uhr für Fragen um Deine Gesundheit und Medikamente erreichbar – und das weitgehend gratis.

* Wenn ich schreibe „der Apotheker“ gilt das natürlich auch für „die Apothekerin“

** das hier geschriebene gilt hauptsächlich für die Schweiz – ist aber in anderen Ländern nicht sehr unterschiedlich.



12 Antworten auf „7 Geheimnisse, wie man an bessere Apothekenbetreuung kommt

  1. „Was für Medikamente nehmen Sie ein?“- Dazu gehören … genau so, wie das gelegentliche Schmerzmittel. “
    Was heisst „gelegentlich“? Einfach, dass ich bei allfälligen Schmerzen am ehesten zu Paracetamol greife, auch wenn das nur ein paar Mal im Jahr ist, oder meinst du da schon eine gewisse Regelmässigkeit (1x wöchentlich, monatlich, 6x im Jahr)?
    Ich muss zugeben, dass ich bisher immer nur die Dauermedikation erwähnt habe bei dieser Frage *schäm*

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    1. Was wöchentlich ist, würde ich dazuzählen – monatlich oder weniger, wahrscheinlich eher nicht – wobei, wenn es z.B. Triptane sind (Migränemittel) … dann schon auch.

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  2. „Komme Vorbereitet:“
    Liebe Pharmama,
    zur Beruhigung Deiner Leserschaft solltest Du aber hinzufügen, dass der Apotheker (m/w) des zukünftigen Vertrauens diese Informationen nur einmal (zu Beginn des neuen „Verhältnisses“) benötigt ;-)
    Liebe Grüsse und ein gutes neues Jahr
    Hajo

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  3. ich hab jetzt nur die Fettschrift gelesen. Zu Punkt 7: es gab eine Zeit, da hätte ich meinen Apotheker „Duzen“ können, weil ich so oft in der Apotheke war. (Während meiner Chemo) Zwischendrin war ich nicht so oft in der Apo, seit 4 Jahren wieder regelmässig, die Diabetiker-Medikamente und -Zubehör für Tochter kaufen.

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  4. Punkt 4 sollte eigentlich eine einfach zu beantwortende Frage sein. Leider gibt es sehr viele Menschen, die sich dafür nicht interessieren, was und warum sie es nehmen. Oder die vom Arzt schnell abgefertigt wurden und in der Apotheke sich nicht trauen, zu fragen.
    Das kann dann zu vielen schlechten Auswirkungen führen, z.B. doppelt eingenommene Medikamente von Firma A und Firma B, Noncompliance (frühzeitiges Absetzen oder gar nicht erst nehmen) oder noch schlimmere Sachen.
    Wenn man sich ein wenig mit den eigenen „Pillen“ beschäftigt, dann hilft das viel.

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  5. Hi, bisher war mir nicht soo sehr bewusst, dass dieser Blog ein „ausländischer“ Blog ist. Ich wohne in Deutschland und möchte die 7 Punkte, leider nur rein subjektiv, aus deutscher Sicht kurz darstellen. (Dürfte Recht interessant sein)

    1. Die Krankenkassenkarte wird nicht benötigt. Entweder geht man hin und zahlt (wenn man kein Rezept braucht), oder man hat ein Rezept und zahlt pro Medikament 5 Euro. (Meines erachtens sollten wenigstens verschiebene Medis kostenlos sein… aber naja)

    2. Die Frage ist nur interessant, wenn kein Rezept vorliegt (weil der Arzt ja schon gefragt hat). Ansonsten dürfte das so in D auch so sein.

    3. Die Frage kann ich mir in D vorstellen; aber (Gott sei dank!) bin ich auch nicht so oft da und nehme nur „Durchschnittsmedikamente“… Aber ich weiß welche Allergien ich habe.

    4. Auch dies ist eine Sache des Arztes, wobei die Apoteker auch noch im Schnellverfahren erklären wie es einzunehmen ist; aber wenn der Arzt was anderes sagt, geht das vor ;)

    5. Ich beachte sowas nicht. In D muss nach jeder Werbung für ein Medikament folgendes stehen: „Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“… wer das aber macht, wird verrückt

    6. Gemerkt.

    7. Dein erste Absatz mag so für D stimmen. Beim zweitem Absatz kann ich nicht sagen wie es ist. „Rund um die Uhr“ auf jedenfall NICHT. Irgendwann sind die Läden zu! (Normales Ladenschlußgesetz)

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    1. Hallo Alexander – vielleicht antwortet auch noch ein deutscher Apotheker, aber bis dann mach ich mal:
      1.Wenn das via Krankenkasse gehen soll, müsst ihr sicher irgendeinen Beleg dafür haben – ich denke, die Info ist bei euch auf dem Rezept gleich drauf.
      2. Nein, die Frage ist auch so wichtig – speziell wenn man zu verschiedenen Ärzten geht und sich mit rezeptfreiem selbst behandelt. Es ist nicht nur Aufgabe der Ärzte das zu fragen, sondern auch der Apotheke.
      4. Klar gibt man weiter, was der Arzt gesagt hat – aber, auch der kann sich teilweise irren. Ein informierter Patient ist ein erfolgreicherer Patient.
      5. Dir ist es also wurst, wenn das müde macht und du zur Arbeit mit dem Auto pendelst?
      7. Auch in Deutschland gibt es den Apothekennotdienst. Man findet eine offene Apotheke – rund um die Uhr. Manchmal etwas weiter weg, aber: ja.

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      1. Ich fühl mich mal angesprochen, auch wenn ich nicht mehr in der Apotheke arbeite.
        1) Eine Krankenkassenkarte wird nicht benötigt, egal ob privat oder pflichtversichert. Die privat versicherten zahlen direkt, für die pflichtversicherten gibt es spezielle Rezeptvordrucke, auf denen die Daten alle erfasst sind und die von der Apotheke mit Daten ergänzt werden.
        Auch wenn eine Karte nicht erforderlich ist, empfiehlt sich eine Stammapotheke, die Kundenkarten anbietet. Dann kann man ähnlich wie in der Schweiz alle wichtigen Daten verfügbar haben und gegenprüfen (z.B. das berühmte Marcumar und selbst gekaufte Aspirin fallen dann auf).
        2) Pharmama hat es geschrieben, dass es wichtig ist, wenn mehrere Ärzte im Spiel sind. Die wissen manchmal leider nichts voneinander, weil der Patient nichts sagt. Und wer einen Arzt hat, der nach weiteren Medikamenten fragt, der hat einen echt guten Arzt erwischt. Deshalb siehe auch unter 1) Anmerkungen zur Kundenkarte.
        4) Klar gehen Arztansagen vor, aber auch hier zeigt die Erfahrung, dass ein hoher Prozentsatz von Ärzten nicht alles weiss, der Patient im Minutentakt abgefertigt wurde oder sich nicht getraut hat zu fragen. Ein Doppelcheck schadet nicht, und in der Apotheke gibt es die Arzneimittelfachleute, die einem in Ruhe alles erklären können.
        5) Man sollte die wichtigsten Infos zu seinen Arzneimitteln wissen. Die Apotheke kann hier helfen, die wirklich wichtigen Infos rüber zu bringen. Das sollte man nutzen. Niemand wird in der Apotheke mit dem kompletten Beipackzettel überhäuft.
        7) Wie Pharmama schreibt: Es gibt rund um die Uhr einen Notdienst. Und die Person, die nachts in der Apotheke steht, hat verpflichtend Pharmazie studiert. Natürlich hat nicht jede Apotheke rund um die Uhr auf, aber es ist immer eine erreichbar.

        Betonen kann ich auch nur, dass sich praktisch jede Apothekerin oder der Apotheker freut, wenn er einen interessierten Kunden hat. Man verbringt sonst viel zu viel Zeit mit Finanzdingen oder damit, verärgerten Kunden zu erklären, warum sie schon wieder eine andere Packung von einer anderen Firma bekommen.

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