Kosmetika – Bekenntnis

Ich arbeite ja in einer Apotheke/Drogerie mit Kosmetikabteilung, aber ich muss zugeben, dass ich viel lieber die Leute bezüglich ihrer Gesundheitsprobleme und Medikamente berate als über Kosmetika und Hautpflegeprodukte.

Das hängt natürlich in erster Linie damit zusammen, dass ich ersteres besser kann, weil ich es gelernt habe, mich regelmässig weiterbilde und einige Jahre Erfahrung habe – dagegen habe ich wenig eigene Erfahrung und nur bruchstückweise Weiterbildungen mit den Kosmetika. Zum anderen aber habe ich auch echt Mühe mit manchen Aussagen der Branche. Ich selbst kann nicht wirklich mit ernstem Gesicht und voller Begeisterung sagen: „Diese Hautcreme macht ihr Gesicht 10 Jahre jünger!“ – sicher, Hautpflege ist wichtig und man sieht es den Leuten schon an, ob sie das machen oder nicht. Manche sind erstaunlich … gut erhalten. Aber Wunder oder Zeitreisen habe ich noch keine gesehen.

Ich war schon an Weiterbildungen und dem Vorstellen neuer Produkte. Vieles hört sich gut an, bei anderen Sachen jedoch muss ich mir ein Grinsen verkneifen. Z.B. wenn eine Firma behauptet, sie habe „3 Arten von Vitamin C in ihrer Creme, eines davon Fettlöslich.“ Ok, der Wirkstoff ist vielleicht mit Vitamin C verwandt, aber so ich weiss, gibt es nur 1 Vitamin C (Ascorbinsäure) und alles andere ist … etwas anderes. Oder wenn eine andere Firma sagt, sie benutze „Tiefseewasser“ in ihrem Produkt, weil das viel wertvoller ist als normales Wasser oder Meerwasser. Oder eine Creme, die laut Prospekt etwas enthält das „die Haut strahlen lässt, weil es Licht streut, Licht reflektiert und Licht emitiert.“ Soso, die Creme strahlt also von selbst Licht aus? Die leuchtet demnach auch im Dunkeln?

Ok, vielleicht bin ich einfach zu kritisch.

Ganz unglaublich finde ich die Bilder der Frauen in der Werbung – sei das jetzt im Fernsehen oder Print – da wird nachbearbeitet, dass es am Schluss wirklich nur noch ein Kunstprodukt ist – in England haben sie jetzt offenbar sogar eine Werbecampagne zurückziehen müssen, bei der sie es mit dem Photoshop übertrieben haben (s. Bilder oben). Kein Mensch hat solche Haut! Ohne Cremen nicht und auch mit schmieren und salben nicht. Unmöglich. Und dabei meine ich nicht nur die Fältchen, da ist kein Fleckchen und keine Pore mehr sichtbar. Und die Werbung weckt (unrealistische) Erwartungen.

Ich bin jedenfalls den überzeugten Drogisten dankbar, die mir die Kosmetikberatungen abnehmen. Die kennen ihr Handwerk und können die richtige Creme aussuchen – und sie mit den richtigen Worten auch verkaufen.

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19 Antworten auf „Kosmetika – Bekenntnis

  1. Das mit Julia Roberts ist vor einiger Zeit hier durch D gewabbert.

    Wenn es nach der Werbung geht, müsste jede Frau wie 20 (oder jünger) aussehen, die Wäsche blenden vor Reinheit, der Haushalt komplett schmutz- und staubfrei sein usw.

    vl kann eine gute Gesichtscreme schon etwas gegen Faltenbildung vorbeugen, aber die Art, wie man lebt (Alkohol, Zigaretten, ungesunde Ernährung) und Stress bzw Kummer spielen meiner Meinung nach mit eine grosse Rolle, ob jemand Falten hat oder nicht.

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    1. Und die zweite Frage ist noch: wie schlimm ist es denn, wenn man ein paar Falten hat? Zeugt das nicht von Lebenserfahrung? Und warum ist das bei Frauen so viel schlimmer als bei Männern?

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  2. Ich glaube schon mal grundsätzlich nichts, was auf irgendwelcher Kosmetik steht. Wenn ich alleine schon Werbung für Shampoos sehe, da reicht meine chemische und biologische Schulbildung um mir zu sagen dass das einfach nur völlig absurd ist.
    Und wenn da drauf steht mit Algenextrakt ist da vielleicht 1 Tropfen auf 1l Creme drinnen.

    Warum sind eigentlich die Inhaltsstoffe in einer Mischung aus Latein und Englisch angegeben? Ich muss zugeben, dass ich mich da nie zurecht finde. Eigentlich könnte man es wie bei Lebensmitteln machen, wenn mit spezifischen Inhaltsstoffen geworben wird, muss auch angegeben werden, wieviel Prozent genau im Produkt sind.

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    1. Liegt daran, dass die Inhaltstoffe (zumindest in Deutschland) laut Kosmetikverordnung von 1997 entsprechend der internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffen (INCI) angegeben werden müssen (Wikipedia-Artikel zur INCI: )

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  3. Es wird so vieles behauptet, gerade in der Kosmetikbranche. Da werden einfach Fakten und Fachbegriffe aufgezählt und der Kunde soll diese und ihre Wirkung kennen oder es einfach beeindruckend finden, was alles in so einer Creme steckt.

    Tatsache ist jedoch, dass kaum jemand über die Wirkung bestimmter Inhalte etwas weiß. Man kann es nur testen, meist für teuer Geld. Ist man nicht zufrieden, bleibt man auf den Kosten sitzen und darf die angefangene Tube nicht zurück geben.

    Schließlich wirkt jede Creme zwischen mehreren Personen sehr unterschiedlich.

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    1. Da habe ich wohl etwas schnell geschrieben. Das Meerwasser habe ich korrigiert – das „so ich weiss“ aber gelassen. Das sagt man hier manchmal tatsächlich so.

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  4. Fettlösliches Vitamin C, klar, und die Erde ist eine Scheibe.

    Bei uns in D. bekommt man, wenn man Glück hat und aufpasst, in der Schule beigebracht, dass die fettlöslichen Vitamine E, D und K heißen – nacheinander einzeln ausgesprochen ergeben diese Buchstaben den Namen eines Lebensmitteleinzelhändlers. Sehr schöne eingängige Eselsbrücke!

    Kennst Du zufällig den deutschen Schlagerstar Uschi Blum aus Dinslaken? Die schwört als Schönheitsrezept darauf, jeden Tag mindestens 2 Liter stilles Wasser zu trinken und als Fitnessprogramm macht sie seit 1983 Schlammcatchen.
    Du solltest unbedingt ihre Homepage besuchen! Ich werde ja den Verdacht nicht los, dass das eigentlich der Schauspieler Hape Kerkeling ist, der dahintersteckt.

    Scherz beiseite. Keine Creme kann das ausgleichen, was ein ungesunder Lebenswandel an der Haut kaputtmacht: zuwenig Schlaf, Zigaretten, zuviel Sonne/Solarium, ungesunde Ernährung und vor allem anderen zuwenig Flüssigkeitszufuhr.
    Wenn man dies von Anfang an beachtet, wird man auch ohne teure Wirkstoffe gute Aussichten haben, lange über eine schöne Haut zu verfügen.

    Und eine Kiste gutes Mineralwasser ist definitv billiger und nebenwirkungsfreier als ein teures Cremetöpfchen.

    Wäre das nicht mal ein netter Verkaufsansatz bei Euch in der Drogerieabteilung: Den Kunden ein Glas Mineralwasser anbieten und sagen, dass das von innen für die Haut wirkt – und dann ein Cremetöpfchen für die Außenseite der Haut anbieten? Haben sie erstmal ein Glas Wasser in der Hand, bleiben die Leute auch einen Augenblick stehen und leihen einem etwas Aufmerksamkeit.
    :-)

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  5. „Kein Mensch hat solche Haut! [..] Und dabei meine ich nicht nur die Fältchen, da ist kein Fleckchen und keine Pore mehr sichtbar.“

    Und das ist doch verdammt nochmal gut so! Wer bitte steht denn ernsthaft auf Plastikgesichter?

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  6. Die Plastikgesichter sind wirklich schrecklich. Da finde ich die „faltige“ Julia viel interessanter und lebendiger. Da versucht die Unterhaltungsindustrie, Computer wie Menschen aussehen zu lassen. Und jetzt sehen die Menschen immer mehr wie computergenerierte Bilder aus. Pickelchen retouchieren ist ja o.k., aber gleich das Ganze Leben mit dazu. Ne, geht gar nicht sowas.

    Die Glaubwürdigkeitsproblematik bei den Kosmetika ist wirklich schwierig, besonders wenn man aktiv nach seiner Meinung gefragt wird. Ich wollte nie Kunden in der Apo anlügen, damit bin ich aber ganz schön ins Schwitzen gekommen, wenn die teuere Cellulite-Lotion gekauft wird. Als Mann kann man(n) sich glücklicherweise bei Kosmetikberatung aus der Affäre ziehen und schnell eine weibliche Kollegin in die Richtung schubsen. „Frau Meier kennt sich bestens aus!“ *huschundweg*

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  7. Danke für diesen Artikel! :D
    Mich nervt die Kosmetik- (und die Shampoo!-) Werbung auch immer maßlos… Niemand sieht so aus, es ist auch nicht wirklich schön und Kosmetik bewirkt keine Wunder.
    Lachs-DNA in Cremes – was soll das bringen? Apfelstammzellen in Cremes – seriously?? :lol:
    Wenn ich mich nicht so sehr über diesen Mist ärgern würde, könnte ich es als besonders absurde Comedy betrachten (diese Sichtweise hab ich inzwischen übrigens auf die Politik in Deutschland: es ist nur absurde Comedy! :mrgreen: ).

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  8. hallo!
    die creme schadet hauprsächlich dem geldbeutel.
    im gegensatz dazu schaden die „gesunden“ frühstücksflocken (womit sie immer beworben werden) mit ihrem hohen zucker- und fettgehalt eher der gesundheit. diese werbung wird leider nicht verboten….

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