Zackig Zeckiges

Im Moment habe ich enorm viele Anfragen betreffend Zeckenbisse – und zwar hier auf dem Blog, als auch „analog“, also in der Apotheke.

Gestern wieder:  Ich bekomme mit, wie die Drogistin eine Kundin wegschickt. „Was wollte sie denn?“ frage ich sie.

Drogistin: „Ihr Mann hat einen Stich oder Biss – sie fragte, ob Du das anschauen könntest und ob das ein Zeckenbiss ist. Ich habe gesagt: sicher.“

Pharmama: „Oh, Danke für Dein Vertrauen, aber – wenn die Zecke weg ist, sehe ich auch nicht mehr, ob das eine Zecke, eine Mücke oder sonst was war. Höchtens noch, ob es eine allergische Reaktion gibt, oder – wenn viel später – schon einen Ring darum.“

Jedenfalls kommt der Mann ein paar Stunden später vorbei.

Ich nehme ihn in den Beratungsraum, wobei ich ihm erkläre, dass ich „… mir das mal anschauen kann, aber nicht unbedingt sagen, ob es eine Zecke war, aussser …“

Soweit komme ich, da hat der Mann sein T-Shirt unten und unter seiner Achsel den Stich sichtbar …

Pharmama: „ …die Zecke hängt noch dran. Was sie auch tut.“

Das ist Glück. In den meisten Fällen sind die Zecken schon weg. Zeckenstiche merkt man übrigens kaum, weil die Zecke ein Mittel absondert, das die Haut leicht betäubt währenddem. Ich entferne die Mini-Zecke (eine sogenannte Nymphe) und kläre ihn dabei über die Risiken eines Zeckenbisses auf:

Zecken übertragen 2 Krankheiten auf den Menschen.

Image via Wikipedia

Einerseits die FSME (Frühsommer-Zecken-Hirnhautentzündung), die durch einen Virus übertragen wird und gegen den man sich impfen kann – er ist geimpft (guuut!)

Und dann die Borreliose, die von Bakterien verursacht wird. Da gibt es keine Impfung, aber, wenn man Symptome bemerkt, kann man mit Antibiotika dagegen vorgehen – was auch gut ist, die macht nämlich Nervenschäden und ziemlich lange Probleme.

Ich habe ihn dann mit dem Rat entlassen, den Stich zu beobachten und wenn sich der klassische, grösser werdende Rote Ring – die Wanderröte bildet oder wenn er Grippeartige Symptome bekommen würde (Fieber, Gliederschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl) er zum Arzt muss und den darauf aufmerksam machen, dass er einen Zeckenbiss hatte.

Übrigens: Zecken entfernen: Das soll man möglichst bald nach Entdeckung machen, weil das die Chance verringert, dass die Zecke einem etwas anhängt.  In der Apotheke mache ich das nach Möglichkeit mit einer Zeckenkarte oder sonst einer Pinzette, indem ich dir Zecke unterhalb des Körpers anfasse und ziehe. Richtige Zeckenzangen halte ich für unnötig (und viele auch noch für unbrauchbar). Das mit der Karte funktioniert prima. Und falls doch mal der Kopf drinbleibt ist das auch nicht so schlimm: Stelle desinfizieren und ein Pflaster drüber. Der Kopf schafft sich – wie Fremdkörper sonst auch – selbst aus der Haut mit der Zeit.

Verbreitung: Wo man sich in der Schweiz mit Borreliose oder FSME anstecken kann: .

Alles sonst über Zecken und übertragene Krankheiten auf



18 Antworten auf „Zackig Zeckiges

  1. Und wenn das Bein sich innerhalb von ein paar Stunden verdoppelt, ab zum Arzt… Bei Borrelioseverdacht Lumbalpunktion – eklige Geschichte.
    Ich hasse Zecken… *urks*

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    1. Lumbalpunktion ist umstritten – zu viele falsch-negative Ergebnisse.
      @Pharmama: Wenn wir das gewusst hätten, was in deinem Artikel zur Borreliose steht, wäre mein Freund heute gesund. Danke, dass du informierst.

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  2. Ich bin ja nun echt kein Impfgegner aber mich interessiert:

    Angeblich „braucht“ man die FSME-Impfung nur in Hochrisikogebieten und angeblich auch nicht als Kind denn Kinder stecken eine FSME-Infektion angelich locker weg ohne Komplikationen.

    Stimmt das oder ist die Impfung dennoch sinnvoll? Wie lange hält die vor?
    Mein Sohn ist ein Zeckenmagnet und selbst unser gernimpfender Kinderarzt legt uns die Impfung nicht ans Herz. Schlichtweg weil wir nicht im Hochrisikogebiet leben (aber durchaus mal spazieren gehen)

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  3. Es gibt eine Borreliose-Impfung – die ist aber für den Menschen wohl (noch?) nicht zugelassen.
    Blogolades Frage interessiert mich auch; „drüben“ auf dem rechten Rheinufer ist nämlich Hochrisikogebiet, auf dem linken angeblich nicht…

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    1. ist hier ähnlich. alle landkreise um uns herum sind risikogebiete, aber unser stadtkreis angeblich nicht. ich hoffe, die risiko-zecken wissen das und halten sich aus unseren grünanlagen, stadtwald etc. fern. und wenn ich mal im risikogebiet spazieren gehe, dann wissen die zecken hoffentlich, dass sie mich nicht beißen dürfen, weil ich ja aus einem sauberen stadtkreis komme ;)

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  4. Oh ja, Zecken. Mein Mann war letzte Woche mit den beiden Kindern nur 15 Minuten(!) im Wald, und als sie hereinkamen, sah ich an dem Kleinen (2 J.) eine Zecke im Nacken krabbeln. Die habe ich sofort weggesammelt, und dann haben wir die beiden anderen auch noch abgesucht. Ergebnis: Die beiden größeren hatten keine einzige, aber der Kleine insgesamt fünf! Drei davon hatten auch schon zugebissen.

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  5. Waaah. Zecken… die sind schon auf Haustieren ekelig. Wobei merkwürdigerweise sich bisher alle meine Tiere widerstandslos von den Dingern befreien ließen, selbst die Katzen. Als wüssten sie, dass das vielleicht ziept, aber dass sie das Ding dann los sind. Aber das ekligste, was ich je gesehen hab, war ein Bandwurm, der noch zum Teil in der Katze hing. Brrr.

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  6. Ich habe mich im Rahmen eines Hochschulpraktikums mal ausführlicher darüber informiert:

    Fazit ist, dass man gegen FSME impfen kann – und deswegen alles getan wird, um diese Impfung auch an den Mann zu bringen. Ob es wirklich nötig ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Zusammengefasst ist es so, dass in einem sog. „Hochrisikogebiet“ ein kleiner, einstelliger Prozentsatz der Tiere tatsächlich FSME übertragen kann. 25 Infektionen (nicht Tote!) innerhalb von 5 Jahren sind nötig, in Prozent sind das 0,1 – 5% der Tiere, die den Erreger überhaupt tragen.

    Finde also eine Zecke, die tatsächich den Erreger in sich trägt und lasse sie erstmal genug Erreger in dich reinsabbern.

    Dann zeigen nur zwischen 10 und 25% der Infizierten überhaupt Symptome. Der Rest merkt nicht, dass er überhaupt was hatte.

    Also erstmal eine Zecke finden, die den Erreger trägt, dann den Erreger wirklich in ausreichender Dosis abkriegen und dann zu den 10-25% gehören, die tatsächlich was von der Infektion bemerken….

    Es geht weiter: Die wenigen Leute, die tatsächlich was von der Infektion merken, haben nur in etwa 70% der Fälle ernsthafte Probleme, die von (nur) Grippesymptomen bis hin zu Hirnhautentzündung und Koma reichen können. Aber häufig (+50%) kommt es auch bei schweren Verläufen zur vollständigen Ausheilung.

    An FSME zu sterben ist also verdammt schwierig. Einziger Haken: es gibt keine Medikamente gegen den Erreger selbst, man kann nur die Symptome behandeln. Aber wenns vorbei ist, ists auch wirklich ausgestanden und man ist ein Leben lang immun.

    Es ist übrigengs wesentlich warscheinlicher, sich Ärger mit den Nebenwirkungen der Impfung einzufangen (bei Kindern immerhin bis zu 25%) und bei Kindern ist die FSME tatsächlich in den allermeisten Fällen völlig harmlos.

    Völlig anders sieht es mit der Borreliose aus: Diesen Erreger tragen zwischen 10 und 50% aller Zecken eines Bestandes in sich. Man findet den Erreger also überall, auch in Großstadtparkzecken. Ich habe jetzt keine Zeit, die ganzen Zahlen nochmal rauszusuchen, bzw. habe sie nicth mehr genau im Kopf – aber eins weiß ich noch: die Chancen, sich per Zecke Borreliose einzuhandeln, sind 500 (!!) mal höher, als sich mit FSME zu infizieren.
    Borreliose ist auch die bei weitem garstigere Krankheit, man wird den Erreger nicht mehr los, wenn man ihn einmal richtig an der Backe hat, deshalb wird schon beim kleinsten Verdachtsmoment alles aufgefahren, was der Giftschrank hergibt. (Wir haben einen borreliosebedingten Frührentner in der Bekanntschaft – es ist ein Trauerspiel)

    Oh, und Zecken können an die 100 verschiedene Dinge übertragen, eins unterhaltsamer als das andere… FSME und Borreliose sind nur die zwei bekanntesten.

    Also lasst es am besten nicht zu einem Biss kommen, entfernt die Biester zügig, wenns doch passiert und beobachtet euch eine Weile – aber lasst euch nicht hysterisch „gegen Zecken impfen“ sondern informiert euch kritisch und entscheidet dann bewusst.

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    1. Gute Zusammenfassung, nur noch eine Ergänzung: Borreliose kann auch durch Zeckennymphen (das sind junge Zecken, die nur wenige Zehntell mm groß sind) und wahrscheinlich auch durch Bremsen und ähnliches Getier übertragen werden. Dass man keinen Zeckenbiss beobachtet hat, ist also kein sicherer Ausschlussgrund gegen Borreliose.

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      1. Es sind v.a. die Nymphen, die gefährlich sind, ja – auch darum, weil man den Biss meist nicht merkt und sie schon wieder weg sind.
        Das mit den Bremsen wusste ich noch nicht.

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  7. Ich habe in einem Forum gelesen dass Apotheken (in Deutschland) Zecken in ein Labor einschicken können um zu testen ob das Tier Borreliose-Bakterien trägt.
    Gibt es diese Möglichkeit in der Schweiz nicht?

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    1. Doch gibt es – aber wie sinnvoll das ist, ist noch nicht sicher.
      (siehe auch Antwort Ronja)
      Übrigens braucht die Übertragung von Borreliose bei uns eine gewisse Zeit: etwa 12 Stunden muss die Zecke dranhängen dafür. (In Amerika hat es anscheinend einen anderen Erreger, da geht es schneller).
      Auch darum ist es wichtig die Dinger rasch zu entfernen.

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  8. Unsere Dozenten (Mikrobiologie) meinen, das Untersuchen der Zecke auf Borreliose sei nicht sinnvoll, denn auch wenn die Zecke positiv ist, bedeutet das nicht unbedingt, dass der gebissene Mensch positiv ist. Außerdem ist die Untersuchung im Labor mit Unsicherheiten behaftet, da die Generationszeit lang ist.
    Besser sei es deswegen, auf die klinischen Symptome (die auch noch WOchen nach dem Biss auftreten können) zu achten.
    Zuverlässiger Nachweis sei allein der Nachweis von Antikörpern im Blut IN KOMBINATION mit dem klinischen Befund.

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  9. Ich habe mal jemanden gesehen, der hat sich die Zecken mit einem Feuerzeug entfernt und das klappte auch super. Der Trick, den der Mensch benutzt hat, war, das Feuerzeug in die Nähe der Zecke zu halten. Die Zecke denkt sich dann wohl „ooh, da ist ein Säugetier mit einer höheren Körpertemperatur, da gehe ich mal hin“, gräbt sich aus und fängt an, drauf zuzulaufen.
    Mich würde mal die Expertenmeinung interessieren! Ich selbst habe zum Glück größtenteils Ruhe vor Blutsaugern, wahrscheinlich nehme ich zu viele Medikamente, aber hat damit noch irgendwer Erfahrungen gemacht, oder ist das unmittelbar tödlich, wenn man das versucht? :)

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    1. Mit Zecken habe ich das noch nicht gesehen, aber mit Blutegeln.
      Man kann das ja mal probieren – solange du dir die Haare dabei nicht abbrennst und die Zecke nicht direkt abfackelst sollte das kein Problem sein. Und wenn es nicht klappt: Zecke rasch mit einer der anderen Methoden entfernen.

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  10. Die Wanderröte gibts aber auch nicht immer bei einer Borreliose-Infektion. Wer ganz sicher gehen will (z.B. wenn die Zecke schon länger saugen konnte, ehe man sie entfernen konnte), kann auch beim Arzt einen Bluttest machen lassen. Man muss dafür aber einige (3-4?) Wochen warten, ehe sich eine Infektion nachweisen lässt.
    Je eher man es behandeln kann, desto besser. Man kann eine Infektion theoretisch auch noch nach einigen Monaten behandeln, aber dann sind die Erfolgsaussichten weitaus geringer.

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