Ein Vergiftungsfall ?

Drogistin zu mir: „Es hat gerade eine Mutter angerufen, dass sie mit ihrem Kind vorbei kommt. Sie sagt sie will dich unbedingt gleich sprechen, offenbar hat das Kind die ganze Flasche Hustensirup vom Rezept getrunken!“
Pharmama: „Waaas? Hast Du ihr nicht gesagt, sie soll gleich ins Toxzentrum anrufen? Was soll ich denn mit dem Kind machen?“
Drogistin: „….“

Naja, wir haben schon ein paar Antidote an Lager, aber von wegen deren Anwendung …
Ich lege mir die Nummer des Toxikologischen Zentrums parat und überlege dabei fieberhaft alles, was ich über Überdosierungen weiss – was mag es wohl für ein Sirup sein? Mit Dextrometorphan? Codein? Morclofon? Butamirat? Oder Acetylcystein? Oder ???
Und die Auswirkungen? Atemdämpfung bis möglichem Atemstillstand, Muskelkrämpfe?

Die Mutter stürmt in die Apotheke, an der Hand das Kind, etwa 3 jährig. In der anderen Hand („oh, gut“-denke ich) der Sirup!

Mein Adrenalinspiegel ist am Anschlag.
Ich nehme die Packung und schaue auf die Inhaltsstoffe:
„Bryonia cretica 3 CH, Cephaelis ipecacuanha 3 CH, Dactylopius coccus 3 CH, Drosera TM, …“

Abrupte Erleichterung meinerseits. Der Sirup ist auf homöopathischer Basis. Keine Chance das überzudosieren.
Ich wäre vielleicht etwas beunruhigt was den ganzen Zucker betrifft darin, aber sonst … ok.

Pharmama: „Ahhh … kein Problem. Dem Kind wird es gutgehen. Passen sie aber auf, dass sie in Zukunft die Medikamente an einem Ort aufbewahren, wo es nicht hinkommt … und die Telefonnummer vom Toxikologischen Zentrum ist 145. Nur, falls es ein nächstes Mal gibt.“



26 Antworten auf „Ein Vergiftungsfall ?

  1. Mir ist das mal ähnlich passiert, da hat meine Tochter ein halbes Döschen Zahnungskügelchen aufgegessen. GHabe dann beim Giftnotruf angerufen. Sie hat dann einen ausgiebiegen Mittagsschlaf gemacht und gut wars.

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  2. Ich kenne nur eine Geschichte von einem kleinen Jungen der die Antibabypille der Mama erwischt hat ^^

    Ich habe nur mal zuviel Magnesium erwischt, aber das pfeift ja zum Glück schnell durch ;)

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  3. Da muss ich auch aufpassen, meine Tochter liebt den Prospansaft weil er nach Honig schmeckt (zumindest riecht, habs nie selbst probiert). Die will immer noch Nachschlag haben. Zum Glück hört sie bisher auf Verbote denn mit 3 gibts kaum einen Ort, wo sie nicht irgendwie dran käme.
    Das beste ist es, sowas außer Sichtweite zu lagern, denn „aus den Augen, aus dem Sinn“

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  4. Glück gehabt , sowas kann auch Böse ausgehen. Darum sollte man Medikamente und ähnliches wie Haushaltsreiniger, Alkohol…usw. eben so aufbewahren , das die lieben Kleinen da nicht ran kommen. Vorsicht ist immer besser als Nachsicht .

    LG TimeBandits

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  5. wieso kann man sich an dem Homöopathischen Zeugs nicht vergiften? Wenn das eine Wirkung hat, dann doch diese auch, wie bei anderen Medikamenten

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    1. Weil in der Homöopathie die Wirkstoffe in den Medikamenten so stark verdünnt sind, dass keine nachweisbaren Wirkstoffkonzentrationen mehr im Medikament vorhanden sind.
      Die Lehre der Homöopathie geht davon aus, dass, Zitat Wikipedia: „… durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder „Dynamisierung“ eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam werde.“ Ende Zitat.

      Darum kann man sich mit homöopathischen Medikamenten keine Überdosis oder Vergiftungen zuziehen. Wenigstens nicht im schulmedizinischen Sinne, oder?
      Besteht alles nur aus Wasser, Alkohol (!) oder Milchzucker….

      Alle Angaben ohne Gewähr.

      Siehe auch:

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      1. Quatsch, je mehr man von H. Mittelchen einnimmt, desto weniger wirken die doch. Weiß doch jeder. Dann sind die schließlich nicht mehr potenziert.

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    2. Oder die Protestaktion von Homöopathie-Gegnern in England dieses Frühjahr:
      die haben gezeigt, dass es auch mit so hochgiftigen Sachen wie Arsen kein Problem ist, das zu nehmen – selbst in „Überdosis“ – solange es homöopathisch ist.

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  6. Mir hätte das als Kind nicht passieren können, den Hustensaft/sirup auszudrinken. Der war immer extra egelig mit besondes „Bitternote“, da wurde man schon freiwillig gesund!

    Dafür hab ich wohl als Kleinkind eben mal eine Spülmittelflasche getrunken (hatte nicht so viel Bitterstaoffe, wir der Sirup).

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  7. Der Fall kommt mir doch bekannt vor.
    Bloss meine Kleine (damals ca. 3jährig) hat eine halbvolle Flasche Calmesin erwischt.
    Meine Frage, ob sie die Flasche leegetrunken hat, hat sie wehement verneint, obwohl sie fast im stehen eingeschlafen ist.
    Nach Anruf im Toxzentrum und deren Rückruf sind wir dann per Krankenauto ins Kinderspital, wobei dann für Kohle in flüssiger Form inswischen zu viel Zeit verstrichen war.
    Sie wurde dann an den Monitor gehängt und überwacht bis sie wieder fit war.

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    1. Ugh. *Das* ist so ziemlich genau der Fall, den ich mir vorgestellt habe. Calmesin ist Dextrometorphan, das hätte auch ziemlich übel ausgehen können, wenn Du das nicht bemerkt und reagiert hättest.
      Wir haben in der Apotheke auch Kohle zum Kohlesuspension machen. Zum Glück habe ich das bisher nicht brauchen müssen.

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  8. Also ich würde dem Kind schnellstmöglich Zigarrettenqualm in das Gesicht pusten. Quasi als allopathisches Antidot gegen homöopathische Vergiftung. Müsste doch eigentlich wirken, oder?

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    1. Vergiss bei sowas den Smiley nicht (nicht, dass das jetzt wirklich jemand macht…).

      Aber Zähneputzen mit mentholhaltiger Zahnpasta sollte da auch ausreichen. ;-)
      Alternativ müssten wir doch – streng nach homöopathischer Lehre – nur einen Wirkstoff potenzieren, der KEINE hustenstillende Wirkung hat. Also Coffeinum D6 sollte da doch helfen, oder? ;-)

      Oder Euphorbium Tropfen? Enthalten die – nebenbei – im Moment immer noch Nasensekret von Schweinen, also Mucosa nasalis suis? Das war da nämlich wirklich mal drin!

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    2. Vielleicht hilft es als Antidot auch, wenn man das homöopathische Mittel selbst weiter potenziert. Streng nach dem homöopathischen Motto: Similia similibus currentur! ;-)

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    1. So einen kindersicheren Verschluss, wie ich sie meiner Mutter immer aufmachen musste als ich noch klein war (und heute noch muss), weil sie es nie aufkriegte? ;-)

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  9. Ja, ja, das hatten wir doch auch schon…
    Ein eifersüchtiger grosser Bruder (4 Jahre), der eine ganze Flasche Ceclor (Antibiotikum-Sirup) getrunken hat. Kann ich verstehen: der ist pink und schmeckt nach Haribo-Erdbeer-Gummis… Laut seinem Vater hatte der Kleine zum Glück nur recht starken Durchfall…

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