Lakritze und Medikamente

Auf Wunsch einer „einzelnen Dame“ :-) gibt es hier noch einen Nachtrag zur Serie „Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten“ zum Thema Lakritze / Bärendreck/ Süssholzwurzelextrakt

Die Lakritze, auch Bärendreck genannt hat bei uns ein sehr hohes Ansehen als Süßigkeit und ist daher fast jedem bekannt. Lakritze wird aus der Pflanze Süssholz, lat. Glycyrrhiza glabra hergestellt. Verwendung finden die Wurzeln der Pflanze, welche im Herbst geerntet werden. Diese werden getrocknet und in der Medizin- und Süßwarenproduktion eingesetzt.

Wirkung von Lakritze:
Lakritz-Produkte können bei regelmäßigem Verzehr zu Bluthochdruck und Wassereinlagerungen im Gewebe führen. Glycyrrhizin, ein natürlicher Bestandteil des zur Lakritzgewinnung benötigten Süßholzsaftes, hemmt ein Schlüsselenzym im hormonell gesteuerten Mineralstoffhaushalt. Bei häufigem Genuss größerer Mengen wird der Harnfluss gesteigert und es drohen Veränderungen des Mineralstoffwechsels mit Kaliumverlusten und Natriumanreicherungen. Ein konstanter Kaliumspiegel ist aber sehr wichtig für Herz, Nerven und Muskeln. Symptome von Kaliumverlust: Muskelschwäche, langsame Reflexe, erhöhter Blutdruck und Müdigkeit.

Wechselwirkungen:
Da Lakritze dieselbe Wirkung hat wie ein Entwässerungsmittel, muss man bei Diuretika aufpassen:
Azosemid, Bemetizid, Bendroflumethiazid, Benzylhydrochlorothiazid, Bumetanid, Butizid, Chlortalidon, Clopamid, Cyclothiazid, Etacrynsäure, Etozolin, Furosemid, Hydrochlorthyazid, Hydroflumethiazid, Indapamid, Mefrusid, Metolazon, Piretanid, Polythiazid, Torasemid, Trichlormethiazid, Xipamid.

Auch Organempfänger sollen sich vor Lakritze hüten, eine Studie zeigt, dass die Süßigkeit im Körper die Aufnahme des Wirkstoffs Ciclosporin blockiert. Das Immunsuppressivum soll nach der Transplantation eines Organs die Abstoßungsreaktion der Körpers verhindern. Eine unterbundene Wirkung könne fatale Folgen haben.

Ausserdem gibt es erste Hinweise, dass die Anti-Baby-Pille die Empfindlichkeit für Glycyrrhizin erhöht. Dies ist insofern bedenklich, als Frauen ohnehin sensibler auf das Naturprodukt zu reagieren scheinen und schon die Pille allein zu Bluthochdruck und Wassereinlagerungen führen kann.

Rat:
Pillen-Anwenderinnen sollten vorsorglich auf den Genuss größerer Lakritzmengen verzichten. Dies gilt auch für Menschen mit Bluthochdruck (v.a. wenn Diuretika genommen werden) , Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Lebercirrhose, sowie Schwangere und Organtransplantierte.

Das ist alles, was ich dazu gefunden habe. Wer noch mehr weiss, soll sich melden!



17 Antworten auf „Lakritze und Medikamente

  1. @ anna: das sind keine studien im eigentlichen sinne. man kommt durch zufall auf vermehrte „ereignisse“, die man dann weiter untersucht.

    und dann kommt man auf solche tatsachen.

    eine studie wird nur dann durchgeführt, wenn – vereinfacht gesagt – der verdacht auf vorliegen einer neben-/wechsel-oder sonstigen (un)erwünschten wirkung schon vorliegt, und eine studie ist eine ziemlich komplizierte sache.

    für die durchführung einer studie organempfänger/lakritze mussten also schon massive verdachtsmomente vorliegen, nur ist es bei organempfängern ja so, dass diese sehr penibel überwacht werden und sowieso lebenslang medikamente einnehmen müssen. da erzählen patienten dann schon viel leichter einmal dass sie gegen husten etc. „ohnehin nur“ lakritze gegessen haben.

    wenn eine frau trotz einnahme der pille schwanger wird, erzählt sie aber mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit dem frauenarzt nicht, dass sie ein lakritz-junkie ist.

    und auch herzpatienten, die relativ viele medikamente einnehmen, unter anderem sehr oft entwässernde (diuretika) erzählen dem internisten oder kardiologen nix von lakritzbonbons und alternativen süssstoffen.

    deshalb sind viele dieser „neu entdeckten“ unerwünschten wirkungen scheinbar so abstrus. wer hätte dann anno dunnemals an grapefruitsaft als gefahrenmoment gedacht?

    und deshalb, meine lieben, ist es so wichtig dass wir alle allen ärzten immer alles über alle medikamente und homöopathika und gesundheitstantenrezepte und weiss der kuckuck noch immer und immer wieder erzählen.

    und deshalb, liebe ärzte, solltet ihr auch eure patienten an den dürren oder auch fetten hälsen nehmen und aber auch schon jede noch so kleine information aus denen herausquetschen.

    letztlich kann der verzicht auf lakritzbonbons eine ungewollte schwangerschaft verhindern, oder das abstossen einer spenderniere oder eines spenderherzens. wäre doch eine überlegung wert?

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    1. Achtung: Lakritze hebt die Wirkung der Pille nicht auf,
      umgekehrt: die Pille macht, dass die Lakritzwirkung stärker ist – also gibt das eher Bluthochdruck und Wassereinlagerungen.

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    2. „und deshalb, liebe ärzte, solltet ihr auch eure patienten an den dürren oder auch fetten hälsen nehmen und aber auch schon jede noch so kleine information aus denen herausquetschen.“
      Man könnte auch einfach höflich fragen, oder schlicht darauf verzichten, lässig abzuwinken wenn der Patient von selbst was erzählt…

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  2. Wirkung von Lakritze:
    Lakritz-Produkte können bei regelmäßigem Verzehr zu Bluthochdruck und Wassereinlagerungen im Gewebe führen.

    Wechselwirkungen:
    Da Lakritze dieselbe Wirkung hat wie ein Entwässerungsmittel, muss man bei Diuretika aufpassen

    Das widerspricht sich doch, oder?

    lieben Gruß
    Claudia

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  3. Jein: Lakritze wirkt wie Diuretika (Kaliumausschwemmend) und Harntreibend, aber auch Natriumzurückhaltend – und das gibt dann eventuell Ödeme und Bluthochdruck…

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    1. ah, danke. Diese Frage wollte ich auch grade stellen. :)

      Wie ist das denn mit Süßholzwurzel in Tees – hat das diese Wirkung auch?
      (Wenn ja, würde das erklären warum ich solche Tees nicht mag. Kalium ist bei mir eher bisschen niedrig.)

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  4. Ich hab früher auch mal gerne und oft Lakritze gegessen. Bei einer Routineuntersuchung wurd dann festgestellt, dass ich an Bluthochdruck leide, (~155 / 100) für ein jungen Mann also schon recht hoch. Also musst ich dann die üblichen Fachärzte (Kardiologe, Nephrologe und Augenarzt) abklappern. Langzeit Blutdruckmessen, 24-Stunden Sammelurin und Blutentnahme inbegriffen.

    Bei dem Blutbild übersah mein Nephrologe allerdings leider meinen relativ niedrigen Kaliumspiegel (afair 1.x mmol/l) und verschrieb mir ein Diuretikum. Das verstärkte die ganze Sache dann natürlich noch zusätzlich. Die Folge war dann eine Hypertensive Krise (Danke an meinen Kardiologen der mir Bayotensin Akut verschrieben hat) und eine Lähmung meiner Sprunggelenke. Im Krankenhaus wurd dann ein Kaliumspiegel von 0.9 mmol/l festgestellt. Mein Arzt fand relativ schnell die Ursache für die ganze Misere: Zuviel Lakritz ;(

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    1. Die Kausalität „Diuretikum verschreiben -> regelmäßig Kaliumspiegel prüfen“ scheint in den Ärzteköpfen irgendwie auch oft nicht drin zu sein. Dabei ist das tatsächlich mal ne echte Kausalität… ;)
      (Meine Oma landete auch mal deswegen im Krankenhaus, Herzinsuffizienz durch zu niedriges Kalium, verursacht durch Diuretika und ums Haar nicht aufgefallen weil – *seufz* – der Hausarzt den Spiegel nicht prüfte. Das ging so grade nochmal gut, die ganze Chose hat aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre eh schon beginnende Demenz noch verschärft.)

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    1. Das dürfte reichen, ja. Und mit dem Salz dran, hattest Du wahrscheinlich nicht nur die Kaliumausschwemmung sondern auch noch ein zu hohes Natrium.
      Danke für’s Antworten!

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  5. Ich esse gern lakritz und habe noch keine nebenwirkungen bemerkt. Mein Favorit sind die Katjes Katzen … aber ich leide eh unter extrem niedrigem Blutdruck. Auch während der Pilleneinnahme ist mir nichts aufgefallen… käme auch nie auf die Idee, meinem Arzt von erhöhtem Lakritzkonsum zu berichten.

    Aber vermutlich ist er nicht Junky-mäßig erhöht.

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  6. Ich fürchte ich kann hier grad mitreden… habs geschafft, 200 g zuckerfreies Salzlakritz auf einmal in mich hineinzustopfen und 3 Tage später nochmals 100 g… Seit diesem Tag sind 5 vergangen und ich hab auf diese 5 Tage ca. 4 Kilo Wasser eingelagert… woher konkret es kommt, weiß ich erst am Montag nachdem die Blutwerte feststehen, aber ich ahne Schlimmes, da ich zudem die Pille nehm….
    weiß wer, wie schnell solche Einlagerungen wieder weggehen!?

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