Frage des Tages (4)

„Warum schäumt es, wenn ich einen Schnitt mit Wasserstoffperoxid desinfiziere?“

3 % Wasserstoffperoxid gibt es auch in der Apotheke zu kaufen – man benützt es traditionell zum desinfizieren von Wunden. Das, obwohl es inzwischen effizienteres gibt. Wie auch immer, es ist nicht schlecht um Wunden auszuspülen und das schäumen sieht cool aus.

Aber warum schäumt es überhaupt? Das liegt daran, dass Blut und Zellen das Enzym Katalase enthalten. Ein Schnitt oder eine Schürfung enthält beides: Blut und kaputte Zellen und darum auch viel Katalase.
Kommt das Enzym in Kontakt mit Wasserstoffperoxid (Hydrogenii peroxidum), wird das Wasserstoffperoxid (H2O2) zu Wasser (H2O) und Sauerstoff (O2) gespalten.

Für Chemie-Fans: 2 H2O2 –> 2 H2O + O2

Die Katalase ist dabei enorm effizient – bis zu 200’000 Reaktionen pro Sekunde. Die Bläschen die man sieht, sind also reine Sauerstoffblasen, die gebildet werden.
Wenn man es auf unverletzte Haut schüttet, passiert nichts. Bei Raumtemperatur ist Wasserstoffperoxid einigermassen stabil (es baut sich mit der Zeit schon ab, aber nie so schnell).

Wie schnell die Reaktion geht, sieht man an diesem Versuch, den man auch „Draculas Eisbecher“ nennt:

Heute braucht man das Wasserstoffperoxid wirklich fast nicht mehr zum spülen oder desinfizieren. Es gibt bessere Desinfektionsmittel (Jod-Povidon, wie in Betadine oder Chlorhexidin wie im Merfen / Bepanthen ) und das Peroxid steht im Verdacht, die Wundheilung zu verzögern. Trotzdem gibt es ein paar Traditionalisten, die unbedingt „das“ haben müssen – genauso, wie es solche gibt, die vom Merfen die Tinktur haben müssen – einfach, weil der Alkohol brennt, da „merkt man, dass es wirkt“.



5 Antworten auf „Frage des Tages (4)

  1. In Erlangen gab es bis 2009 von einem Uniprof. aus der anorganischen Chemie jährlich zum Anfang des Wintersemesters eine „Zaubervorlesung“, die offiziell im Vorlesungsverzeichnis stand. Dabei wurden genau solche chemischen Experimente in einer richtigen Show den Studis (die wenigsten davon waren Chemiker) vorgeführt, gesponsert von Eisherstellern, Brauseherstellern, Bierherstellern und diversen Banken.

    Gewöhnlich war der Hörsaal brechend voll und wurde 1 Stunde vor Vorlesungsbeginn abgeriegelt, das ganze war echt Party ohne Ende.

    Dabei wurde auch dieser Versuch präsentiert. Anschließend wurde dann Eis für alle spendiert (daher z.B. das Sponsoring durch einen Eishersteller).

    Wen es interessiert:

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  2. au ja zaubervorlesung war immer geil xD
    (komme aus kronach, hab ein paar jahre in bamberg gewohnt, und erlangen is ja mitm zug leicht erreichbar)
    vll gibts ja doch mal wieder eine. Glaubt man garnicht das es so schwer ist KARTEN für eine VORLESUNG zu bekommen..

    zum Thema ich wusste nicht das man damit wunden desinfizieren kann, ich kenne nur nen Prof der damit mal ausversehn nen finger gebleicht hat, das war wohl alles andre als angenehm*g*

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  3. Oh ja! Die gab es bei uns an der Uni auch – keine Ahnung, ob sie das immer noch machen. Da war ziemlich spektakuläres Zeug darunter, schreiende Gummibärchen, oszillierende Flüssigkeiten, Luminol, Brennpaste …
    Bei uns hiess das Sprengvorlesung.

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  4. Noch ein OH JA TOLL von mir! Allerdings hiess das bei uns Weihnachtsvorlesung. Selbst zu Schulzeiten bin ich da schon hingegangen zusammen mit unserem Chemielehrer.
    Ganz grosses Kino. Laut, bunt, schön, alles was man als Chemiefan braucht. Die Shows sind mit der Zeit etwas zahmer geworden, vermutlich den gestiegenen Sicherheitsanforderungen geschuldet. Keine Ahnung, ob es die Vorlesung in der Form noch gibt.

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  5. Wasserstoffperoxid ist fies.
    In der Uni stand eine Kuh, die ursprünglich einen kleinen Abszess in der Kruppenmuskulatur hatte. Der Landwirt hat den eröffnet, mit H2O2 gespült und vergessen, alles wieder richtig auszuspülen…
    Am Tag danach hatte sich auf ca. der Hälfte der Kruppe die Haut von der Unterhaut gelöst… Er hat sie dann in die Rinderklinik gebracht, nach 2 Monaten wurde ihm die Rechnung zu hoch und er hat sie der Uni „geschenkt“. Nach einem 3/4-Jahr (da war noch 1/3 der Wundhöhle offen) hab ich sie aus den Augen verloren – ich weiß nicht, ob sie noch lebt, ob das ganze inzwischen endlich verheilt ist oder ob sie doch irgendwie „verschwunden“ ist.

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