Die neue Versichertenkarte

Es ist soweit – in den letzten Tagen bekommen die Versicherten endlich die neue Krankenkassenkarte zugesendet. Wir warten schon seit Anfang Jahr auf die neuen Karten – und im Moment sind sie eine ziemliche Enttäuschung.
Neu haben sie einen Chip drin und nicht nur einen Magnetstreifen.

Das erste was mir auffällt: Die Vivao Sympany hat es auch nach 1 1/2 Jahren Covercard-Mitgliedschaft immer noch nicht geschafft, dass man die Versicherungsdeckung via Magnetstreifen abrufen kann. Und den Chip – können wir mit unseren Lesegeräten nicht lesen.
Gut, auf dem Chip stehen bisher nur dieselben Daten wie sie auch auf der Karte aufgedruckt sind: Name, Adresse (nicht immer), Versicherungsnummer, Versicherungsdeckung – und die Magnetstreifenabfrage funktioniert bei den meisten Kassen normal weiter.

Auf dem Chip könnten Daten gespeichert werden. etwa zu Blutgruppe, Allergien, Krankheiten und Unfallfolgen, die dann (mit Einverständnis des Patienten) abgerufen werden könnten.
Könnten. Denn im Moment kann das niemand. Es existiert noch keine Software für die Eingabe!

Und nicht nur wir in der Apotheke können die Chips im Moment noch nicht lesen – auch die Ärzte können das nicht. Zwar verfügt rund ein Drittel der Ärzte mit Patientenkontakt – über 10 000 Mediziner – bereits eine so genannte Health Professional Card (HPC) – mit diesem elektronischen Ärzteausweis sollten sie eigentlich auf die medizinischen Daten ihrer Patienten zugreifen können. Das Problem: Die meisten Kassen stellen eine Karte aus, die von der Sasis AG – einer mit dem Krankenkassenverband Santésuisse verbundenen Firma – hergestellt wurde. Und diese Karte ist nicht mit der HPC kompatibel.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Krankenkassen sind der Meinung, dass die Ärzte (und Apotheken) sich an ihren Standard anzupassen haben – obwohl schon ein weitverbreitetes System existiert, das auch funktioniert und der Bund das eigentlich auch vorgegeben hat.

Also mich ärgert das. Da werden wieder Millionen ausgegeben ohne, dass das vorher anständig koordiniert wurde – und für die Lesegeräte und die neue Software werden wir in der Apotheke auch wieder zahlen müssen.

Wenigstens müssen sich die Patienten, die sich um ihre Daten sorgen noch keine Gedanken machen … bis das läuft kann das wieder Jahre gehen.
Gemäss BAG ist es vorgesehen, bis 2015 ein elektronisches Patientendossier einzuführen. Bis dies Realität wird, zeigt sich die FMH nicht begeistert davon, die Karte zum Speichern medizinischer Daten zu nutzen. Es gebe keine Garantie, dass die einmal registrierten Angaben immer aktuell seien.
Na kein Wunder. Ohne Software – und ohne Lesegeräte.

(Quelle Sda, via infomed schweiz)

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11 Antworten auf „Die neue Versichertenkarte

  1. Tja… ist vielleicht doch besser so.
    Elektronisch verfügbare Daten werden missbraucht.

    Da kann die technische Sicherheit noch so toll sein – es wird IMMER einen Volldepp geben, der das Admin-Passwort auf „admin“ stehen lässt, der sich seinen Arztausweis aus der Tasche klauen lässt undundund.
    Von „Softmissbrauch“ ganz zu schweigen, wo der Arzt oder Apotheker mal eben Daten abfragt die ihn nix angehen (angeblich gibt es da Untersuchungen aus dem Umfeld der Polizei – Ergebnis: so ziemlich jeder Polizist hat schonmal unter der Hand Bekannte oder Freunde im System überprüft…).

    Solange die Menschheit ist, wie sie ist (nämlich dumm), bin ich dagegen.

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  2. irgendwie erinnert mich dies stark an den kantönligeist… typisch für die schweiz wieder einmal….

    ich als diabetiker würde die daten zu meiner dauerkrankheit gerne auf der karte speichern, damit im notfall einige lebenswichtige angaben vorhanden sind.

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    1. Und dann muss der Notarzt entscheiden, ob er erstmal das Ende vom Funkloch suchen geht, damit sich sein Lesegerät bei der Zentrale einbuchen kann.
      Entweder, weil die Daten eh zentral gespeichert werden (welche Kapazität hat der Chip?) oder weil das Lesegerät sich zumindest authentifizieren muss (damit man geklaute Ärztekarten aus dem Verkehr ziehen kann).
      Oder aber, er kümmert sich erstmal drum, den Schwerverletzten zu stabilisieren, der leider keinen papiernen Ausweis mehr bei sich hat, weil „das ist ja alles auf der Karte“.
      Das ist mal wieder ein Industrieförderungsprogramm, das vor allem existiert, weil die Verantwortlichen in der Industrie eine Gelegenheit zum Geld drucken sehen, die Verantwortlichen in der Politik eine Gelegenheit, sich mit „moderner Technologie“ zu profilieren und man sich um die Folgen keine Gedanken gemacht hat.

      Der Nutzen bei der Abstimmung der Therapie (keine Konflikte bei den Medikamenten, Arzt- und Apothekenhopping zwecks Codeineinkauf kann erkannt werden) ist natürlich gut.
      Aber: Es war lange Jahre fast unmöglich (zumindest in Deutschland), vom Arzt seine Unterlagen über einen zu erhalten – die wurden behandelt wie Geschäftsgeheimnisse.
      Maßnahmen, die die Verantwortung des Patienten stärken (wo es eben geht), gab und gibt es keine. Auch hier: Der Patient schleppt zwar seine Karte durch die Weltgeschichte, aber welche Daten da über ihn vorliegen, bleibt für den Patienten ziemlich intransparent.

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      1. Der Chip hat kaum eine grosse Kapazität. Lesen können *soll* man ihn nur mit dem Einverständnis des Patienten – aber bisher: alles nur Theorie und keine Praxis.

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  3. Ich sehe es ähnlich wie Benedicta. Wenn Daten gesammelt und gespeichert werden, werden immer Begehrlichkeiten geweckt. Und Gesundheitsdaten sind immens interessant. Sei es, weil Pharmafirma X Werbung für ihre Produkte gezielt platzieren möchte, oder weil die Versicherung Y gerne vor Vertragsabschluss schonmal ein paar Informationen hätte. Von Arbeitgebern, die am liebsten nur gesunde Angestelle hätten ganz zu schweigen.
    Und ehrlich: dieses ganze Geschwafel von wegen „Damit kann man Ihnen im Notfall viel schneller helfen“ etc. – ich kann es nicht mehr hören. Es ist Humbug!
    Beispiel: die Blutgruppe. Entweder, ist es ein dringender Notfall, dann wird 0 neg. gegeben und nicht erst lange nach irgend einer Karte gesucht, die Daten ausgelesen, die entsprechende Blutkonserve herausgesucht, zur Sicherkeit noch eine Kreuzprobe gemacht und dann infundiert, oder es eben kein Notfall – dann hat man viel Zeit die Blutgruppe selbst zu bestimmen, die Krankenakte (falls vorhanden) zu Rate zu ziehen oder man kann zum äußersten schreiten und den Patienten fragen.
    Außerdem müsste es internationale Regelung geben, denn es nützt mir nichts, wenn alle notfallrelevanten Daten außerhalb meines Heimatlandes nicht abrufbar sind.
    Für Patienten mit Erkrankungen, Allergien oder Implantaten etc. pp. ist das beste immer noch ein internationaler Notfallausweis. Den kann man immer mit sich führen, der wird weltweit verstanden und vor allem: Man kann sich (jedenfalls in den Nicht-Notfällen) entscheiden, wem man diese Informationen gibt.

    Grüße!

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    1. Na, die Versicherungen hierzulande verlangen vor Vertragsabschluss schon das Ausfüllen diverser Formulare mit Fragen zur Gesundheit und bisherigen Krankheiten / Behandlungen. Bei Falschangaben – z.B. wenn man eine chronische Krankheit verschweigt kann sie auch schon mal später die Übernahme der Behandlung verweigern.

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  4. Diese beschissene karte ist das letzte was unser Gesundheitssystem braucht!!

    Es geht nur darum, das die KK noch mehr Profit machen und das irgendwann einmal der gläserne Patient entsteht.

    Ich hasse diese karte jetzt schon!!

    Ganz zu schweigen von den Zusatzkosten für alle Praxen für die Lesegeräte und den damit weiteren verbundenen Verwaltungsaufwand!!

    Gruß:

    Physioblogger

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  5. He, ich dachte, so einen Murks machen nur die Deutschen.

    Die neuen Geräte kosten dann ja auch überhaupt kein Geld. Warum sollen sich die wenigen (Krankenkassen) den vielen (Ärzten, Apotheken) anpassen, wenn es auch andersrum geht. (/Ironie).

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  6. Das deutsche Konzept zur elektronischen Gesundheitskarte ist ähnlicher Murks. Gigantische Kosten, Datenschutzproblematik, totales Versagen in den bisherigen Tests, kein entscheidender Mehrwert. Die Ärzte wollen sie nicht, die Apotheker wollen sie nicht und die Patienten wissen gar nicht was auf sie zukommt bzw. haben in den Testregionen nicht damit umgehen können.
    Was nützt die umfassende Online-Dokumentation des Patienten, wenn der sich nicht mehr an die sechststellige PIN erinnern kann? Wozu das Rezept elektronisch speichern, wenn es sich der Apotheker eh direkt ausdruckt, um sich nicht alle Verordnungen darauf beim Gang weg vom Terminal hinter zu den Schubladen merken zu müssen? Welcher Arzt hat den Nerv dazu, ständig mit seinem Ausweis und PIN irgendwelche Daten zu signieren/entschlüsseln, die er die MTAs eigentlich eigenständig bearbeiten lassen will?
    Verstehe nicht, wie die Industrie in so vielen Ländern den Politikern/Entscheidern diesen Kram andrehen konnte.

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