Apotheken – Computersystem

Über die Problematik von Wechselwirkungen von Medikamenten habe ich hier schon geschrieben. Die Computerprogramme, die wir in der Apotheke zur Kontrolle benutzen werden immer besser. Es zeigt Wechselwirkungen an … und sagt einem nicht mehr nur, ob es eine leichte, mittlere, schwere Interaktion ist, sondern auch ob und grob wie darauf reagiert werden soll:

Kontraindiziert- Die beiden Arzneimittel dürfen nicht gleichzeitig angewandt werden, weil schwerwiegende Folgen dokumentiert sind.

Vorsichtshalber kontraindiziert – Die beiden Arzneimittel dürfen nicht gleichzeitig angewandt werden, weil schwerwiegende Folgen auf theoretischer Grundlage angenommen werden müssen.

Überwachung/Anpassung – Hier sind in jedem Fall Massnahmen erforderlich: Alternativ-Arzneimittel, zeitliche Trennung der Einnahme, Dosis-Anpassung, Dosis-Begrenzung, Überwachung auf unerwünschte Wirkungen.

Bei Risikofaktor überwachen – Hier sind Massnahmen erforderlich, wenn bestimmte Umstände vorliegen: z.B. Risikofaktoren, hohe Dosierung, bestimmte Reihenfolge der Anwendung, länger dauernde Therapie.

Vorsichtshalber überwachen – Die Interaktion ist theoretisch möglich aber bislang nicht dokumentiert, oder tritt nur in Einzelfällen auf, ohne dass Risikofaktoren bekannt sind, oder führt nur zu etwas verstärkten Nebenwirkungen.

Keine Massnahmen – In der Regel keine Massnahmen erforderlich.

… die letzten beiden lass ich mir nicht mal anzeigen.

Aber das System ist bei weitem nicht perfekt. Es wird z.B. nicht angezeigt, wenn ein Patient ein Medikament mit einem Wirkstoff verschrieben bekommt, das er in einem anderen Medikament schon hat – sei das ein anderes Generikum oder neu in Kombination statt als Einzelstoff – das geht unter, wenn man nicht wirklich aufmerksam bleibt.

Interessant ist, dass inzwischen automatisch angezeigt wird, wenn ein Medikament mit ähnlichem Namen bisher bezogen wurde – nur geht das eben nach NAME – nach Inhaltsstoff wäre intelligenter.

Wir können inzwischen auch Allergien gegen Medikamente und Wirkstoffe eingeben – leider ist das keine absolute Garantie dafür, dass das System bei einem Medikament mit dem Stoff dann auch reagiert. Man muss immer noch den Infotext beim Patienten lesen.

Speziell problematisch bei Allergien gegen Zusatz- und Füllstoffe statt Wirkstoffe, denn die sind (noch) kaum eingetragen. Beispiel: Lactose-Allergien, Gluten-Allergien … schön wäre, wenn bei den Medikamenten diese Stoffe in der Zusammensetzung auch aufgeführt wären –was aber meist nicht der Fall ist. Im Moment müssen wir immer separat nachschauen.

Wir können eingeben, wenn jemand schwanger ist – aber das System zeigt uns nicht automatisch an, ob das Medikament in der Schwangerschaft auch geht – rsp. was die Kategorie ist. Dazu muss ich mich durch die Fachinfo lesen.

Fazit: Das System ist nicht schlecht, aber ohne die Aufmerksamkeit des Apothekers (oder der Pharmaassistentin) geht es nicht. Vielleicht liest einer der Entwickler für Apothekensysteme das hier und entwickelt etwas?? Und an die Pharmaindustrie: gebt doch die wichtigen Hilfsstoffe auch an!

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9 Antworten auf „Apotheken – Computersystem

  1. Auch Konservierungsmittel? Ein zur Zt. für mich noch unlösbares Problem hinsichtlich Insulin. Ich habe noch ein paar Kartons Exubera gebunkert, aber wenn das alle ist … ?????????

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  2. Hat jede Apotheke so eine Software?

    Für die Lactoseintoleranz schaut der/die Apotheker(in) bisher immer in den Beipackzettel.

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    1. der Beipackzettel oder Listen im Internet … bisher habe ich es genau einmal gesehen, dass mich der Computer mit der Apothekensoftware automatisch gewarnt hat. Das liegt aber oft auch daran, dass die Pharmafirmen das eben nicht in der Zusammensetzung angeben. Doof.

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    1. Wie jeder weiß: Ein Computer hilft uns dabei Probleme zu lösen, die wir ohne ihn nicht hätten. ;-)
      Aber er darf einem trotzdem das Leben erleichtern. :-)

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