Labor ist gefährlich …

Das habe ich auch schon erwähnt.
Heute sehe ich in den Nachrichten gleich 2 Vorkomnisse mit Chemikalien aus/in der Apotheke:

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50 Menschen mussten evakuiert werden, weil eine Apothekerin eine Säure im Regal hat austrocknen lassen. Die verdickte Pikrinsäure hätte beim Herunterfallen eine stärkere Explosion als Dynamit auslösen können.

In einigen -vor allem älteren- Apotheken kann man wirklich überraschendes unter den Chemikalien finden. Im Laufe der Zeit häuft sich da einiges an – und wenn man da nicht regelmässig Kontrollen macht …

So wundert es auch nicht gross, wenn man den nächsten Artikel sieht:

: Einbrecher stehlen Zyankali

Nach einem Einbruch in eine Apotheke im unterfränkischen Kreis Miltenberg warnt die Polizei vor höchst gefährlichem Diebesgut. Offenbar entwendeten die unbekannten Täter nicht nur Bargeld und teure Medikamente – sondern auch das tödliche Gift Zyankali.

Da kann man nur hoffen, dass die Einbrecher das weisse Pulver nicht mit Kokain oder derartigem verwechseln und schnupfen …

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17 Antworten auf „Labor ist gefährlich …

  1. Da darf ich kurz zur Pikrinsäure was richtigstellen: Das hätte schon seeehr großes Pecht sein müssen, das die Pikrinsäure beim herunterfallen zur Explosion bringt. Auch trockene Pikrinsäure lässt sich, vor allem in geringeren Mengen, eigentlich nur durch eine Initialzündung zur Detonation bringen.
    Dass die Explosion stärker als Dynamit sein soll, bezweifle ich auch, meines Wissens hat Dynamit noch eine etwas größere Sprengkraft als Pikrinsäure.
    Es wird in der letzten Zeit oft Panik gemacht, weil alte Bestände mit ausgetrockneter Pikrinsäuer entdeckt werden, jedoch war es vor nicht all zu langer Zeit sogar üblich, diese trocken zu lagern.

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  2. Der Bericht mit der Pikrinsäure ist absoluter Müll (siehe Kommetar von scarface). Zum anderen: Ich bezweifle mal stark, das irgendwer so blöd ist und sein KCN mit Kokain verwechselt, da beide Stoffe völlig unterschiedlich in ihrer Beschaffenheit sind.

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  3. Wer mal lesen möchte, was Pikrinsäure (in entsprechender Menge) anrichtet, sollte mal hier lesen:

    Interessant ist auch der Artikel über Pikrinsäure im Wiki.

    Ganz so banal würde ich die theoretische Gefahr nicht abtun.

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    1. Nur um mal was klarzustellen:

      Das Schiff hatte tonnenweise Granaten mit TNT geladen und DIE gingen zuerst in die Luft und haben dann die Pikrinsäure nur initial gezündet.

      Die Reaktion mit den Gebinden zeigt nur die unwissenheit der Behörden. In dem Fall dreht man das Gefäß vorsichtig auf der bort ein kleines Loch hinein und befeuchtet die Säure wieder.

      Es gab noch nie einen Fall in dem so ein Gebinde explodiert ist. Pikrinsäure ist ein sehr guter Farbstoff in der Mikroskopie und ich habe schon dutzende Schmelzpräparate davon hergestellt.

      Dazu gebe ich die Pikrinsäure auf einen Objektträger, mit dem Feuerzeug wird sie geschmolzen und unter dem Deckglas erstarrt sie dann wieder in hübschen Kristallen.

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  4. Hach ja, Pikrinsäure steht hier auch noch irgendwo ein Brocken rum… an der Uni ist das mit der Sicherheit nicht so wichtig *hust*.
    Und wenn die Jungs das Zyankali schnupfen, dann können sie damit wenigstens keinem Unschuldigen mehr schaden. (Böse, ich weiß.)

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  5. @gspusi: Naja… 2300 Tonnen Pikrinsäure passen glaube ich nicht einmal in eine Apotheke. Natürlich ist Pikrinsäure ein Sprengstoff, allerdings ist nicht jeder Sprengstoff empfindlich wie eine Knallerbse. Ammoniumnitrat z.B. ist ebenfalls ein starker Sprengstoff, aber nur mit sehr starker Initialzündung zur Explosion zu überreden. Oder, das der Pikrinsäure recht ähnliche TNT: Nach dem zweiten Weltkrieg kam es vor, dass mit TNT aus alter Munition geheizt wurde.
    Es gehen selbstverständlich von jedem Explosivstoff gewisse Gefahren aus, allerdings sollte man diese auch nicht überschätzen.

    Apropos: Tolles Blog, habe ich das schon erwähnt? ;-)

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  6. Pikrinsäure und Ammoniumnitrat sind nicht empfindlich und explodieren nur mit Initialzündung.

    Im Gegensatz zu Schwermetallpikraten, die sind wirklich sehr empfindlich.

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      1. Von Zyankali ist es nicht mehr weit zu Blausäure, und die wirkt bekanntlich durch Einatmen tödlich. KCN in der Nase ist für mich nicht von Anfang an ungefährlich. Und ich verlasse mich auch nicht darauf, dass ein Drogenabhängiger etwas nicht schnupft, nur weil es anders aussieht als sonst. Wir lesen die Wikipedia und lernen, dass höchstens jeder zweite Mensch in der Lage ist, den Geruch nach bitteren Mandeln wahrzunehmen, und dazu lernen wir dass es ein weisses Pulver ist wie Kokain und durch die Haut sehr wohl aufgenommen wird.

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  7. Hallo an alle,
    ich habe den Bericht zum Anlass genommen, unsere Pikrinsäure (Apotheke in Deutschland) zu wiegen – wie erwartet muss Wasser nachgefüllt werden – und das geht auch ohne Kampfmittelräumdienst, vgl. sc4rfac3.
    Und vor ein paar Jahren gab es nach dem ersten Fall mit Kampfmittelräumdienst bei uns in der Literatur oder von den Apothekerkammern auch eine Anleitung dazu: Flasche überkopf in Wasser stellen und etwas warten (phlegmatisiert eventuelle Reste im Gewinde) vorsichtig öffnen (wozu hat jede Apotheke einen Abzug mit Sicherheitsglas) und wieder mit Wasser auffüllen. Und natürlich das Wiegen nicht vergessen, damit der Wasserverlust bestimmt werden kann.

    Und wenn ich ein gemeiner Pharmazierat (für Nicht-Pharmazeuten: der Pharmazierat überprüft in Deutschland regelmäßig die Apotheken auf einen ordnungsgemäßen Betrieb) wäre, würde ich gleich die betroffene Apotheke besuchen und mir das Labor anschauen – Pikrinsäure ist ein vorgeschriebenes Prüfmittel nach Apotheken-Betriebsordnung Anlage 1.
    Aber das bin ich ja nicht, außerdem waren alle Pharmazieräte, die ich bisher kennengelernt habe, eigentlich ganz nett!

    So was gibt es in der Schweiz doch sicherlich auch, oder?

    Viele kollegial Grüße aus Deutschland und Danke für ein tolles Blog
    Yendi

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    1. Das überprüfen besorgen bei uns die Kantonsapotheker. Da gibt’s nettere und weniger nette …
      Pikrinsäure gehört bei uns auch nicht zum Standardsortiment – aber gut, wie Du das Vorgehen beschrieben hast wegen dem nachfüllen … das kann vielleicht jemand noch brauchen.

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  8. Wir haben auch TNP bei uns im Labor rumstehen. Ausgetrocknet (trocken) ist das Zeug aber trotzdem ziemlich fies und nicht zu unrecht als Klasse 1.1 eingestuft. Was mich interessieren würde: Wofür braucht man Cyanide in einer Apotheke? In der analystischen Chemie brauch man sie häufiger, aber in einer Apotheke?

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    1. Mir ist heute keine Anwendung mehr bekannt – das Zeug ist auch wirklich giftig, aber früher hat man es mal gebraucht um Wespennester zu killen – so steht’s jedenfalls in meinem Agathe Christie Poirot-Krimi. Restbestände dürften sich darum nur noch in älteren Apotheken finden. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weil das im Artikel erwähnte Zyankali nicht angeschrieben (!) in einer Zigarrenhülse aufbewahrt war.

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  9. Das erinnert mich an ein Erlebnis vor ca. 3 Jahren. Zu der Zeit habe ich meiner ehemligen Schule öfter mal bei Netzwerkproblemen ausgeholfen. An dem Tag waren wir gerade dabei, einige Wlan-Access Points aufzustellen, und einer davon sollte in die Lehrmittelsammlung des Fachbereiches Chemie. Da man ja auch Neugierig ist, und als Schüler da nie hin durfte, hab ich mich da mal ein bisschen umgesehen. Dort standen überall Schaukästen rum, natürlich alle abgeschlossen, mit Sicherheitsglas und so. Da hinter standen dann halt die harmlosen Sachen wie Schwefel, Kalk, Jod usw, alle sicher verschlossen. Nur in einem Schrank steckte ein Schlüssel, und ich hab den aufgeschlossen. Dahinter kamen drei abgeschlossene Fächer zum Vorschein: „Säure“, „Lauge“ und „Gift“. Ich dachte mir „Na ja, ist ja nicht so schlimm, die Fächer sind ja abge… moment mal“ – und tada: Der Schlüssel für den Schrank, der steckte, passte auch in die drei Fächer.

    Zuerst hab ich mir das Fach für Säure angeschaut. Darunter waren die üblichen Verdächtigen, also Buttersäure, Salzsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure und oh, hübsch: Flußsäure.

    Als nächstes die Laugen, auch die üblichen Verdächtigen: Natronlauge, Natriumhydroxyd usw.

    Als letztes hab ich mir das Fach für „Gift“ angeschaut. Nach dem Aufschließen schaut mich eine 5 KG Flasche an(!). Die Flasche stand so, dass man das Etikett nicht lesen konnte, also hab ich sie vorsichtig rumgedreht, und hätte mich dann fast auf den Hosenboden gesetzt, als ich gelesen habe: „Kaliumzyanid“… Da stand tatsächlich eine 5KG Flasche Zyankali.

    Ich hab dann ziemlich schnell alles abgeschlossen, mir die Hände gründlich gewaschen und dem zuständigen Lehrer bescheid gesagt, der da erschreckend locker gesehen hat.

    Nun ja, Berufsblindheit oder so. Bei einer anderen Gelegenheit hab ich mal mehrere Gramm Radium gefunden…

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