Das Franchise-F… äh Phänomen

Im Moment befinden wir uns in der Zeit, wo wir in der Apotheke am geschäftigsten sind.

Nicht nur in der Drogerie – wo das Weihnachtsgeschäft jetzt so richtig anläuft, nein, in der Apotheke mit den Rezepten.

Scheint so als müssten jetzt auf Ende Jahr wieder alle noch rasch zum Arzt und/oder die Medikamente auf ihren Dauerrezepten einlösen.

Ich nenne es das Franchise-Phänomen.

Für Nicht-Schweizer: die Franchise ist der Teil der Kosten an Medikamenten und Behandlungen, die man erst mal selbst übernehmen muss. Die Krankenkasse zahlt erst, wenn man über dem Betrag der Franchise ist.

Die Franchise kann man selbst wählen bei der Krankenkasse. Im Moment ist das Minimum 300 Franken, das Maximum 2500 Franken. Je höher die Franchise, desto niedriger die Prämie, die man pro Monat zahlen muss.

Jetzt gegen Ende des Jahres haben viele Leute die Franchise erreicht … und „nutzen“ das nun, um Medikamente praktisch auf Vorrat zu holen – damit sie nächstes Jahr nicht so viel brauchen. Dass das aber eine ziemlich kurzfristige Rechnung ist – weil sie ja nächstes Jahr doch wieder Medikamente brauchen (zumindest die mit den chronischen Krankheiten) und wir nur maximal die Menge für 3 Monate abgeben dürfen … naja, es verschiebt sich einfach etwas, aber sparen tut man dadurch nicht wirklich.

Gibt’s das eigentlich anderswo auch?

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12 Antworten auf „Das Franchise-F… äh Phänomen

  1. Hier in D gibt es die Zuzahlungsbefreiung. Die wird nach dem Einkommen festgelegt. Soweit ich weiss.
    Mein Bruder hat mal gesagt, dass er wohl auch besser fährt (Privatversicherung), wenn er bestimmte Rechnungsbeträge selbst bezahlt. Den genauen Grund und die Versicherung weiss ich nicht.

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    1. Was die Zuzahlungsbefreiung angeht: 2% des Einkommens an Zuzahlungen, 1% für chronisch Kranke, wenn ichs richtig im Kopf habe. Ab da kann man die Quittungen einreichen und bekommt einen sogenannten Befreiungsausweis für die gesetzlichen Zuzahlungen zu Medikamenten. Das betrifft nicht Zahlungen, die aufgrund der Festbeträge (Preis, den die KK für ein Medikament erstattet; wenn damit nicht der ganze Preis erstattet wird hat der Patient „Mehrkosten“) erhoben werden.

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  2. Was die Privatversicherung angeht, gibt es in .de etwas ähnliches, ich weiß nur nicht, ob es da Grenzen gibt. Bei ner Selbstbeteiligung von X Euro lohnt es sich für manche Privatversicherte je nach persönlichem Medikamentenaufkommen eher, wenn man 1000 Euro Medikamente/Rechnungen im Jahr selbst bezahlt, dafür aber einen niedrigeren Beitrag zahlt. Erst Recht, wenn man nicht einmal auf die 1000 Euro kommt. Andere mit regelmäßigem Meidkamentenaufkommen zahlen kaum etwas selbst, die zahlen aber auch verdammt hohe Beiträge.
    Aber ich kann nicht sagen, dass jetzt vor Jahresende außergewöhnlich viele Privatrezepte auflaufen…
    Aber wir haben das Weihnachtsgeschäft eher, was die Kosmetika angeht, die gehen natürlich vor Weihnachten wie verrückt. Achso und kurz vor den Festtagen geht natürlich die Welt unter, weshalb Alka-Seltzer und diverse Magenmittel Hochkonjunktur haben. Und es schadet auch nicht, wenn man alles andere grad vorrätig hat, nur für den Fall, dass es diesen Jahreswechsel wirklich mal den Weltuntergang gibt.

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  3. Wohne in Deutschland und bin privat krankenversichert. Meine Selbstbeteiligung (SB) pro Jahr (Honorare und Medikamente) liegt bei knapp € 400. Reiche ich keine Rechnungen für z.B. 2009 ein, so bekomme ich im Herbst des darauf folgenden Jahres x,x Monatsbeiträge erstattet.
    Mal angenommen, der Preis meiner Dauermedikation wäre unter der Summe aus SB+Rückerstattung, so würde ich diese Rechnungen natürlich nicht einreichen. Weiter angenommen, ich hätte mir dieses Jahr ein Bein gebrochen, so läge ich in jedem Fall über der Summe aus SB+Rückerstattung und würde sämtliche Rechnungen des Jahres 2009 einreichen. Dann würde ich auch zusehen, daß ich drei Monate Dauermedikation für das Jahr 2010 noch mit Rechnungsdatum 2009 kriege, da ich die Rechnungen für 2009 ja eh einreiche. 2010 gibt es hoffentlich keinen Knochenbruch, sondern „nur“ die normale Dauermedikation, so daß ich hoffe, nächsten Herbst wieder eine Rückerstattung zu bekommen ;-).

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  4. Also bei uns (Kleinstadt-Apo Nordde.) kommen im Moment auch sehr viele mit Rezepten… egal ob KK oder Privat. Das liegt teilweise an der schon erwähnten Zuzahlungsbefreiung, teilweise daran, dass sie in diesem Quartal ja schon beim Arzt waren (und die Praxisgebühr ja auch schon bezahlt haben), und größtenteils an der Panik, dass an den Feiertagen plötzlich ein AM leer ist und sie vor verschlossenen Arzt- und Apothekentüren stehen (mal abgesehen vom Notdienst!)! Und dann lassen sie sich natürlich die gesamte Dauermedikation verordnen und nicht nur dass, was leer geht…. sind wir nicht alle Hamster?
    Aber teilweise haben wir Ärzte, die Kleinpackungen verordnen, mit der Begründung, sie dürften nur noch den Bedarf bis Ende des Jahres verordnen! Das ist etwas unlogisch… denn die meisten anderen Ärzte tun das doch auch einfach…. und die Kleinpackungen sind im Schnitt dann doch auch viel teurer! Fragt mich nicht was Ärzte denken!! ;)

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  5. Irritation pur! 2 Blogs, gleicher Inhalt?!? Na gut, dann halt hier, weil hier mehr los ist. Im anderen Blog hatte ich dies bereits geschrieben:

    Danke für die Idee!

    Über Google (franchise) bin ich auf diesen netten Artikel gestoßen und habe beim Lesen die Idee gehabt, über den Unterschied zwischen Franchise und Franchise mal einen Artikel im Blog () zu verfassen. Die Begriffsunterschiede haben bestimmt nicht nur mich am Anfang meiner Beschäftigung mit Franchising irritiert. Der Artikel kommt bestimmt bald!

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  6. Da würde mich mal interessieren, was Sie als Apothekerin von der aktuellen Diskussion in der EU halten, dass die Preise in den verschiedenen Ländern angepasst werden sollen? Hier habe ich das gelesen. Eigentlich ja gut für den Verbraucher, aber ich denke etwas freie Marktwirtschaft sollte da schon noch sein? Aber ich weiß auch nicht, wie die Preise gemacht werden. Ich wundere mich nur, dass ich in Griechenland so wenig für manche Medikamente (z.B. Aspirin) zahlen muss.

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  7. Echt, maximal die Menge für 3 Monate? Da hatte ich aber Glück, dass ich einmal grad 10 Packungen Neomercazol bekommen habe! Die haben deutlich länger gereicht – allerdings hatte ich bei Bezug noch eine Tagesdosis von 2 oder 3 Stück, die kurz danach rapide auf 1/2 pro Tag gekürzt wurde.
    Ach je, muss mal KK-Kram durchschauen, aber wahrscheinlich komm ich wieder nicht über die Franchise.

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