Die Kunst der Reklamation

Ich weiss noch, wie ich das Problem mit einem anderen Kunde hatte, aber trotzdem war das hier … anders.

Ein herziges älteres Fräulein kommt in die Apotheke und fragt: „Ist die nette Dame von gestern nicht hier heute?“

Weil sie mir die Haarlänge zeigt, weiss ich, dass es sich um meine Kollegin handeln muss. „Nein, sie arbeitet heute nicht, aber vielleicht kann ich ihnen helfen?“

Frau: „Ja, vielleicht. Sehen sie, ich habe bei ihr gestern das hier gekauft (zieht eine Packung Bepanthen Salbe heraus) und zuhause zeigt mir meine Freundin das hier“ (zeigt auf den Aufdruck auf der Lasche, wo Charge und Verfall draufsind).

Pharmama: „Ja? Darf ich mal sehen?“

Frau: „Ja. Ich glaube hier steht … Feb 09 … könnte es sein, dass die Packung abgelaufen ist?“

Ich schaue es mir an. Da steht wirklich Feb09, allerdings steht davor: MFD Feb09,

also erkläre ich: „Sehen Sie das MFD? Das heisst ManuFacturing Date. Das ist das Herstellungsdatum. Schauen Sie, darüber steht EXP Okt12: Das ist das Verfallsdatum. Die Packung ist noch 3 Jahre lang gut.“

Frau: „Oh, da bin ich aber erleichtert …. vor allem, das ich nicht hier hineingestürmt bin und sie angeschrieen habe …“

Pharmama: „Ja, da bin ich auch froh!“

Wir lachen uns an und sie geht zufrieden wieder.



7 Antworten auf „Die Kunst der Reklamation

  1. Manchmal ist e doch unpraktisch, dass alles internationalisiert wird…besonders da das MFD dem MHD so ähnlich sieht.
    Schön wäre, wenn es wenigstens 2 sprachig drauf wäre, wenn der Hersteller schon nicht auf die engl. Abkürzungen auf dt. geschriebenen Packungen verzichten mag.

    Gefällt mir

  2. Man könnte auch einfach das Verfallsdatum wesentlich größer aufgedrucken als das Herstellungsdatum. Aber das es den Begriff „Benutzerfreundlichkeit“ bei den Pharmakonzernen nicht gibt beweisen die immer länger und immer komplizierter werdenden Beipackzettel.

    Gefällt mir

  3. Also das mit den Beipackzetteln .. das ist ein rechtliches Problem, dass sie inzwischen alle Möglichen (und fast unmöglichen) Nebenwirkungen reinschreiben müssen. Und ich bin ganz der Meinung: da müssen sie mal etwas machen, damit dies auch wieder Patientenfreundlich wird.
    Das mit den Grössen beim Aufdruck ist eine Gute Idee.

    Gefällt mir

  4. Na das war wenigstens eine umsichtige Kundin. Leider gibt es genug, die sich erstmal beschweren und dann nicht einsehen wollen, dass alles seine Richtigkeit hat.

    Ich frage mich nur, welchen Sinn das aufgedruckte Herstelldatum hat. Weder für die Apotheke und erst recht nicht für den Kunden hat es irgendeinen Zusatzwert.

    Gefällt mir

  5. Es würde einen Sinn machen, wenn einmal bekannt würde, wie lange so ein Produkt wirklich hält – also nicht nur das gesetzlich vorgeschriebene Ablaufdatum (das ja nicht länger als 5 Jahre ab Herstellungsdatum sein darf) sondern der richtige Verfall. Aber so wie jetzt? Nein, macht nicht viel Sinn.

    Gefällt mir

  6. Das passiert aber nicht nur älteren Menschen, ich bin da selbst schon darauf reingefallen und zwar auf Station beim Material auffüllen.
    Zum Beispiel bei den steril abgepackten Spritzen oder dem sterilen Verbandsmaterial stehen vor den Daten nur Symbole. Eine Sanduhr und ein „Fabrik“-Symbol.
    Da soll dann nochmal einer durchlicken.

    Gefällt mir

  7. Das Produktionsdatum ist wohl nur dann relevant wenn eine durchweg kontrollierte Lagerung (gleiche Temperatur/Luftfeuchtigkeit) nicht gewährleistet werden kann. Da ist es dann schon gut zu wissen wie alt der Inhalt ist. Und da die Medis ja für den internationalen Markt produziert werden, und der zu einem guten Teil nicht in gemäßigten Klimaregionen liegt ist es wohl einfach zum Standard geworden es überall aufzudrucken.

    Was die Beipackzettel betrifft fände ich es einfach sinnvoll wenn das erste Viertel des Beipackzettels mit leicht zu verstehenden Hinweisen (in ausreichender Größe damit es auch ältere Menschen noch lesen können) zur Einnahme und den NoGos (z.B. „trinken sie keinen Alkohol wenn sie dieses Medikament einnehmen“ oder „ein überschreiten der Maximaldosis kann zu schweren Leberschäden führen (Paracetamol)“) zu versehen.

    Ich glaube sowas hätte schon das ein oder andere Leben retten können.

    Gefällt mir

This site uses Akismet to reduce spam. .