Was ist mit all den Apothekerinnen?

Interessanterweise waren noch zu meiner Jugendzeit in den Apotheken mehr Männer als Frauen anzutreffen (hinter der Theke meine ich). Das hat vollkommen geändert. Apotheker ist ein Frauenberuf geworden.

Als ich studierte, hatten wir gerade mal 10% Männeranteil (oder auf 40 Studierende 4 Männer).

Warum ist das so?

Das hat sicher verschiedene Ursachen. Einerseits ist der Offizin-Apotheker eine Art Mischung zwischen Pflegeberuf, in dem sich schon immer mehr Frauen fanden und Verkauf/Dienstleistung.

Aber es ist mehr als das.

Wenn man Pharmazie studiert, muss man nicht in die Apotheke stehen:

Man kann in die Forschung gehen um neue Arzneimittel, Chemikalien zu entwickeln,

Man kann in die Produktion und Qualitätskontrolle gehen und die Herstellung von Tabletten und anderen Arzneiformen überwachen oder sie zu entwickeln.

Man kann in die Registrierung gehen und sich mit Studien und der gesetzlichen Zulassung von Medikamenten und Zusätzen herumschlagen.

Oder man entscheidet sich eben für die „Offizin“, das ist die klassische Apotheke. Die kann dann aber ausser einer öffentlichen Apotheke auch eine Spitalapotheke sein. Ein Wechsel zwischen diesen Sparten ist im Prinzip auch immer möglich.

Ein sehr variabler Beruf also, der in der Ausbildung eine Menge fordert. Das Pharmazie Studium (5 Jahre) besteht aus Naturwissenschaftlichen Fächern. Viel Biologie, Sehr viel Chemie, Anatomie, Physiologie, dazu etwas Physik und auch Mathe – und ein paar spezifischere Fächer wie Analytik, Pharmakologie, Galenik… und daneben immer Labor.  Dabei ist es nicht so „grausam“ wie Medizin zu studieren (wir haben nie mit Leichen zu tun) und praktikabler – im Sinne von „anwendbarer“ als Biologie oder Chemie zu studieren.

In der Apotheke selbst (und auch den anderen oben erwähnten Varianten) hat Frau die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten. Sie kann auch einmal aussteigen (z.B. um Kinder aufzuziehen) und nachher wieder einsteigen – das bedeutet zwar je nach Länge der Abwesenheit wieder eine Menge Neues zu lernen, aber es ist möglich.

Früher war öfter der Einwand, dass eine Frau zwar in der Apotheke zwar arbeiten könnte, sie aber nicht übernehmen oder führen, weil das ein Fulltime-Job sei. Auch das stimmt inzwischen nicht mehr. Die Apotheke kann nämlich durchaus auch von 2 Frauen zusammen geführt werden.

Alles in allem also ein sehr guter Beruf für eine Frau mit ausgezeichneten Aussichten.

Ich mag ihn sehr!

In dem Sinn wünsche ich Dir noch viele, viele schöne Augenblicke im Leben. Und ich werde glücklich sein, sie mit Dir verbringen zu dürfen.

Advertisements


8 Antworten auf „Was ist mit all den Apothekerinnen?

  1. Ich finde, dass der Apothekerberuf mit zu den Berufen gehört, denen am wenigsten Respekt gezollt wird. Als ich noch ein Kind war so mit 8,9, 10 Jahren dachte ich ohne Witz, dass jeder, der im Supermarkt an der Kasse sitzen kann, auch in der Apotheke Hustensaft verkaufen kann.

    Mag wohl daran liegen, dass man nur die Verkaufstätigkeit als Kunde mitbekommt und nicht das, was in den Räumen hinter dem Verkaufsraum geschieht.

    Gefällt mir

  2. „Mag wohl daran liegen, dass man nur die Verkaufstätigkeit als Kunde mitbekommt und nicht das, was in den Räumen hinter dem Verkaufsraum geschieht.“

    So was geschieht denn im Hinterzimmer großartiges?
    Mal irgende ne Lösung ansetzen doer ne Salbe anrühren usw. ganz toll, machen meisten auch gleich die PTAs….

    Ich hab mich damals genau aus dem Grund gegen ein Pharmaziestudium entschieden und Humanbiologie genommen, einfach weils interessanter ist und man sich nicht mit irgendwelchen Deppen Kunden rumärgern darf und Tablettenschieber spielen darf.

    Den eigentlich steht alles wichtige zu dem Medis (Kontraindikationen usw.) in der packungsbeilage und der Rest ist eigentlich Aufgabe des Arztes dem Patienten gleich alles wichtige zur Einahme usw. zu sagen….

    Gefällt mir

  3. @Fingerhut (ein n kostet 5 Franken, das P 9.90.-) Naja, Kundenkontakt ist nichts für jeden … aber dann sollte Arzt ja eigentlich noch weniger was für Dich sein, oder? Noch Näher kommt man an die Leute kaum ran – und ich beneide Euch nicht, wenn ihr gewisse Personen untersuchen müsst. Körper sind nicht immer sauber und gepflegt … brrrr.

    Was die Packungsbeilage angeht: die wenigsten lesen die tatsächlich und noch viel weniger verstehen sie was da drinsteht.

    Und die Aufgabe des Arztes ist die Diagnose und Behandlung – die Spezialisten für Arzneimittel sind halt doch immer noch die Apotheker. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Arztfehler ich schon korrigiert habe, was Dosierung, Interaktion und Anwendung angeht. Die Ärzte informieren nicht immer so wie sie sollten – dafür sind wir halt auch da.

    Und torschtl: Danke. Ich glaube ich muss mal einen Post machen, was wir denn alles so tun. „Tablettenschieben“ ist wirklich nur ein Teil.

    Gefällt mir

  4. Ok Punkt für Dich!

    Ich bin eigentlich davon ausgegangen dass man als Arzt wenigstens wissen sollte was Sache ist, zumindest bei den Medis die man dem Patienten verschreibt.

    Gefällt mir

  5. @Fingerhut

    Wieso ist Humanbiologie interessanter als Pharmazie. Soviel unterschied besteht jetzt in den beiden Studienrichtungen auch nicht (Also bei der ETH ist es mal sicher so).

    Gefällt mir

  6. Fingerhut: das sollte man als Arzt sicher. Und oft ist es ach so, dass der Arzt sich mit den Medis auf seinem Gebiet auskennt. Aber wenn er dann mal etwas ungewöhnlicheres aufschreiben muss, dann merkt man noch schnell die Grenzen.

    @Pharmastudent: ich denke „interessanter“ ist immer Ansichtssache.

    Gefällt mir

  7. @ Pharmastudent

    Ich hab mich wohl etwas unglücklich ausgedrückt.

    Sicher haben beide Studiengänge ihren Reiz und auch viele Überschneidungen (Dort wo ich jetzt arbeite kommen ein Drittel aus der Pharmazie, ein Drittel aus Bio und der Rest aus Chemie, Medizin und irgendwelchen neuen Mischstudiengängen).

    Mit „interessanter“ meinte ich eher die spätere Tätigkeit, also Apotheke vs. Forschung.

    Aber es gibt wohl sicher auch Leute die in der Apotheke ihre Erfüllung sehen.

    @ Pharmama

    Ich lese Deinen Blog nun shcon ziemlich lange und bewundere Dich immer wieder aufs neue wie du so gelassen Deine arbeit machst usw. Ich glaube ich würde durchdrehen :-)

    Gefällt mir

This site uses Akismet to reduce spam. .