Wer arbeitet denn hier alles?

Ob Drogerie oder Apotheke: wer hier arbeitet hat einen weissen Schurz an. Unterscheiden kann man die verschiedenen Berufe respektive den Ausbildungsstand nur durch einen Blick auf das Namensschildchen. Da hätten wir in der Drogerie:

Lehrling Drogerie

Kann vom 1. bis ins 4. Lehrjahr sein. Darf Kosmetik verkaufen und Medikamente abgeben Liste D und ungelistet.

Drogistin

hat eine Lehre von 4 Jahren abgeschlossen. Dazu gehört die Ausbildung in einer Drogerie und Schule. Die Themen sind dabei: Arzneimittelkunde, Technika (Putzmittel u.ä.), Botanik, Chemie, Handverkauf, Kosmetik, Sprache: Deutsch und Fremdsprache, ausserdem die Herstellung von Salben etc.

Dipl. Drogistin FH / Geschäftsführerin Drogerie

Nach der Lehre hat die Drogistin FH eine weitere Ausbildung in Neuenburg absolviert. In der 2 jährigen Weiterbildung wird der Schwerpunkt auf naturwissenschaftliches und unternehmerisches Fachwissen gelegt. Erst nach bestandener Prüfung bekommt man eine Betriebsbewilligung zum Führen einer Drogerie.

Und in der Apotheke:

Lehrling Pharmassistentin

Kann vom 1. bis 3. Lehrjahr sein. Darf Medikamente abgeben der Liste D und C, sowie A und B unter Aufsicht der Apothekerin.

Pharmaassistentin

Die ausgebildetehat eine 3 jährige Lehre abgeschlossen mit den Schwerpunkten Medikamente, Heilmittel, Handverkauf, Labor, … grundsätzlich ist eine Pharmaassistentin die rechte Hand und Hilfe der Apothekerin.

Neben der Ausbildung in der Apotheke hat man auch hier Schule.

Apothekerin

5 Jahre Studium. Nach Abschluss ist man eine . Im Studium hat man sehr viel Chemie, Biologie, Botanik, alles was es über Medikamente zu wissen gibt: Pharmakologie..  , was es zur Wirkung der Medikamente braucht: Anatomie, Physiologie, .. was es zur Herstellung von Medikamenten braucht: Physik, Chemie, organische Chemie, Galenik, alles was es zur Kontrolle von Medikamenten braucht: Analytik, Statistik, ..

Das Studium ist sehr umfangreich, nur ein kleiner Teil findet tatsächlich in der Apotheke statt. Am Ende kann man entweder in die Offizin gehen (öffentliche Apotheke) in eine Spitalapotheke, in die Industrie wo man Medikamente entwickelt, in die Registrierung, wo man die entwickelten Medikamente vor der Zulassung prüft – dies auch entweder in der Industrie, oder auf der anderen Seite im Bundesamt (BAG) oder der swissmedic, etc

Die Apothekerin trägt die Verantwortung für die Abgabe rezeptpflichtiger (Liste A, B) und freiverkäuflicher Medikamente (C, D und ohne Liste).

Verwalterin Apotheke:

dazu muss man nach dem Studium eine 2 jährige Weiterbildung absolviert haben. Das geht neben der Arbeit in der Apotheke, die ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildung ist. Erst danach ist man gegenüber den Krankenkassen als Leistungserbringer zugelassen. Die Verwalterin trägt die Hauptlast der Verantwortung. Bei Falschabgabe (egal durch welche Angestellte) haftet sie. Auch wenn die Verwalterin nicht zwingend die Inhaberin der Apotheke ist, gewährt das Gesetz ihr, die Apotheke selbständig zu führen.

Heute ist die Weiterbildung oft kombiniert mit dem Titel Apothekerin FPH: Der Titel bedeutet, dass man die Weiterbildung zum FPH (Fachapothekertitel) fertig abgeschlossen hat. Es gibt 3 Arten dieser Weiterbildung: FPH in Offizinpharmazie, FPH in Spitalpharmazie, FPH in klassischer Homöopathie.

Das Ganze ist natürlich nur eine Momentaufnahme und gilt für die Schweiz jetzt. Laut einer Abstimmung wird es die Liste C vielleicht bald nicht mehr geben -da freuen sich die Drogisten. Dafür darf der Apotheker eventuell mehr aus der Liste B ohne Rezept abgeben.

Momentan gibt es schon Kantone, wo die Drogisten Teile der Präparate der Liste C abgeben dürfen. Bei gemischten Geschäften mit Apotheke und Drogerie ist das (unter der Aufsicht der Apothekerinnen) heute schon gang und gäbe.

Übrigens: falls Du Dich daran störst, dass ich durchgehend die weibliche Form der Berufsbeschreibung genommen habe … das liegt daran, dass inzwischen die meisten, die auf diesen Berufen arbeiten Frauen sind.

Warum das so ist: dazu komme ich in einem späteren Blogpost mal.

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3 Antworten auf „Wer arbeitet denn hier alles?

  1. Mir ist aufgefallen, dass ein Drogistin-Lehrling ein Jahr länger lernt als ein Pharmaassistentinnen-Lehrling. Ist die Drogistenausbildung schwieriger? Oder kommt man an die Pharmaassistentinnenausbildung nur mit einem höherwertigen Bildungsabschluss ran und ist deswegen schneller mit der Ausbildung fertig?

    Bei uns in D war es lange so, dass man mit Abitur eine Ausbildung in 2 Jahren absolvieren konnte, für die man mit mittlerem Bildungsabschluss 3 Jahre lernen musste (was ich übrigens für blödsinnig halte, weil der Schulabschluss nur sehr bedingt zur Reifung der Azubis beiträgt und ein Abitur einen nicht automatisch zum besseren Azubi macht).
    Und das sage ich als Abiturientin (nicht dass mir jemand Neid unterstellen würde).

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    1. Was die deutsche Situation betrifft, habe ich da eine Vermutung zwecks der kürzeren Ausbildungszeit (bin aber selbst Abiturient): Einerseits bringt man als Abiturient in die Ausbildung gewisses fachliches Wissen schon mit, die jemand mit Hauptschule oder Realschule erst noch lernen muss, da sie in den dortigen Schulformen nicht durchgenommen werden. Ich meine da vor allen Dingen die Basics, also gewisse mathematische, chemische und physikalische Grundlagen, auf denen die Ausbildung aufbaut. Da ist insbesondere zwischen Hauptschule und Gym ein wirklich krasser Unterschied.
      Weiter tut sich ein Abiturient per se etwas leichter, neue Dinge zu lernen, was einfach daran liegt, dass man auch erst mal lernen muss, wie man richtig lernt. Ich habe bei einer guten Freundin, die mit Hauptschulabschluss versucht hat, das Abitur nach zu machen, gesehen, dass sie sich insbesondere mit dem richtigen „Lernen“ schwer getan hat. Als Abiturent hat man da mal gelernt, sich Eselsbrücken zu bilden und auch mal auf Lücke zu lernen und Fünfe gerade sein zu lassen, was bei ihr auf der Hauptschule nie der Fall war, da sie sich dort immer sehr leicht getan hat. Letztendlich ist es bei ihr daran dann auch gescheitert.

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