Versuchter Selbstmord

In der Zeitung war vor ein paar Tagen ein Artikel über die Verurteilung einer Frau, die ihren 12 jährigen Sohn umgebracht hat. Ursprünglich war es wohl als „erweiterter Selbstmord“ gedacht, aber alle Versuche der hochgradig depressiven Frau sich danach umzubringen sind gescheitert.

Aus der Zeitung:

..“ Als er tot ist, geht sie ins Bad und versucht sich mit einem Föhn, dann mit einem elektrischen Thermogürtel, dann mit einem Mixer in der Badewanne umzubringen. Es funktioniert nicht. Sie trinkt Campari und schluckt Tabletten, muss erbrechen. Mit einem Steakmesser schneidet sie sich in den Arm. Mit einem Plastiksack über dem Kopf versucht sie sich zu ersticken.

Um 14 Uhr erscheint sie nicht zu einem Treffen mit einer Freundin. Diese alarmiert die Polizei, welche sie in der Badewanne findet. Sie fragt die Polizisten, weshalb die elektrischen Geräte nicht funktionieren. …“

Für mich liest sich das wie eine Tragikkomödie. Es ist bei weitem nicht so einfach sich umzubringen, wie manche Leute denken. Und ich rede nicht nur vom Selbsterhaltungstrieb.

Tabletten schlucken zum Beispiel ist eine schlechte Methode. Die meisten sind nicht so sofort schädlich, wie man denkt und wenn man wirklich viele nimmt, verklumpen sie im Magen und werden nur noch sehr langsam aufgenommen. Oft Zeit genug, damit jemand die Person noch lebend findet.

Sich die Schlagadern aufzuschneiden will auch gelernt sein. So wie es uns das Fernsehen meist zeigt, sieht es sicher besser aus, ist aber nicht sehr effektiv: man schneidet sich die Hand-Sehnen durch und die Wunde verklebt rasch wieder.

Und dann die Sache mit den elektrischen Geräten in der Badewanne: heutzutage haben praktisch alle Haushalte elektrische Sicherungen sogenannte FI-Schalter, die sehr rasch anspringen und den Stromkreis unterbrechen. Und: die neuen Badewannen sind mit ihrer Beschichtung so dicht, dass der Strom nicht fliesst – dafür müsste es einen Ablauf aus Metall und Metallröhren haben, dem ist aber oft nicht so.

Ein Kollege, der Arzt ist, meinte einmal, er würde ein Buch schreiben, darüber, wie man anständig und sicher Selbstmord begeht. Er ist schon eher der makabere Typ (und machen tut er es wohl trotzdem nicht), aber irgendwo hat er auch recht: die vielen Fälle, die man in der Notfallstation sieht oder wir (vorher) in der Feuerwehr würden dafür sprechen.

In der Feuerwehr hatten wir auch ein paar Einsätze wegen Selbstmördern. Deren Methode war effizienter, aber für die Umwelt auch einiges … unangenehmer.

Da war der, der in der Wohnung kanisterweise Benzin ausgoss, um es (und sich) dann anzuzünden. Das Ergebnis war ziemlich durchschlagend, weil das Benzin-Luft Gemisch explodierte. Nicht sehr toll für die Nachbarn v.a. die über ihm. Er hat übrigens noch gelebt. Allerdings nur noch etwa 2 Tage länger.

Oder da sind natürlich die, die sich vor den Zug werfen. Das ist einer der Gründe, warum auf gewissen SBB Strecken die Zugführer regelmässig psychologische Betreuung brauchen. Auch für die Feuerwehr ist es nicht toll, die Überreste von den Bahngeleisen zu sammeln.

Auch das sollte einmal wieder gesagt werden: ein Selbstmord betrifft nie nur die, die ihn begehen, sondern immer auch die ihm Nahestehenden … und manchmal noch weiter Menschen, die anschliessend damit zu tun haben.

Und: nein, kommt nicht zu mir, um Euch Tips zu holen. Es widerspricht meiner Berufsethik  (und meiner persönlichen) für das Tips zu geben.

Im vorigen Post findet man Adressen, wo man Hilfe bekommt.

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