Für was man Digitalkameras auch brauchen kann …

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Letzthin bin ich gerade am Bedienen, bekomme aber noch mit, dass ein Kunde bei der Kollegin nach der Apothekerin fragt. Die Drogistin zeigt auf mich und bittet ihn, einen Moment zu warten, bis ich frei bin.

Als ich soweit bin, wende ich mich ihm zu. Er zieht eine Digitalkamera aus der Tasche, tippt einen Moment darauf herum (wobei ich mich frage, was das soll?, will er ein Foto von mir machen?) und hält sie mir schliesslich unter die Nase. Rückseite nach oben.

Auf dem Bildschirm ist ein Bild von … Oh.

„Das sind die Pickel, die ich auf meinem Penis habe, können Sie mir etwas dafür empfehlen?“.

Das Wort Penis ist kaum heraus, da sind schon alle Drogistinnen und Pharmaassistentinnen verschwunden, puff und in Luft aufgelöst.

Ich schaue mir den Herrn einen Moment genauer an: ist das einer, der sich daran aufgeilt, anderen seine Hosenschlange zu zeigen? Er sieht eigentlich nicht danach aus, Anzug und bestimmtes, ruhiges auftreten und der Fokus des Bildes ist auf den Bibeli, nicht seinem „besten Stück“.

Ich beschliesse ihn und sein Anliegen ernst zu nehmen.

Offenbar handelt es sich um ein immer wieder auftretendes Problem. Er denkt es käme vom rasieren (…anscheinend machen auch Männer das immer häufiger). Am Ende schicke ich ihn zum Hautarzt (ich gebe ihm Adresse und Telefonnummer eines guten Arztes in der Nähe), weil ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es nicht doch irgendeine Infektion ist.

Nachdem er gegangen ist, tauchen meine Kolleginnen wieder auf und drücken ihre Bewunderung für mein professionelles Verhalten aus: „Du bist nicht mal rot geworden!“. Tatsächlich. Ich glaube ich war einfach ZU überrascht.

Hmpf. Eigentlich finde ich es gut, dass man bei nicht gerade gravierenden Sachen erst in die Apotheke geht, um abzuklären, ob es einen Arzt braucht, aber bei so etwas, bei Problemen, die die Geschlechtsteile betreffen … ich denke, ich würde gleich zum Arzt gehen.

Im übrigen: Geschlechtskrankheiten sind wieder stark auf dem Vormarsch und ich meinen nicht nur HIV/AIDS, da gibt es noch Sachen wie Chlamydien, Gonorrhoe (Tripper), Syphilis die man lange fast ausgestorben glaubte, die jetzt aber immer mehr auftreten.

Und wer denkt, das sei ein Einzelfall: am Tag zuvor kam eine Frau zu meiner Kollegin mit einem Foto von dem dicken Furunkel auf ihrem Hintern.

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3 comments on “Für was man Digitalkameras auch brauchen kann …

  1. Wolfram sagt:

    Na ja, besser sie zeigen ein Foto als das Original… 😉

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  2. Susanne sagt:

    Ui – das hatte ich jetzt noch nicht. Ich hatte nur neulich einen Penis-Amputierten, der mir dann sehr professionell erklärte, dass der Ausgang eben zwischen Hoden und Anus läge und er deshalb etwas längere Inkontinenzeinlagen brauche. Wenn das so professionell und un-albern vorgetragen wird, fällt es mir nicht schwer, ernst zu bleiben. Im Gegenteil, großen Respekt dafür, dass er so offen damit umging. Manche drucksen da so rum, dass man sich immer wieder versichern muss, um was es wirklich geht. 😉

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  3. Ralf sagt:

    Tja manche Fragen sind so wichtig…
    da gibt es sogar Lieder drüber.

    😉

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